Das tagtägliche Elend

Marga Swoboda ist eine Star-Kolumnistin. Zumindest für “Kronen Zeitung”s-Verhältnisse. Ich freue mich immer wieder aufs neue, wenn ich die Krone aufschlage und ihre Kolumne sehe, ich kann es förmlich kaum erwarten, ihre neuesten Ergüsse zu lesen. So viel Unterhaltung um verhältnismäßig wenig Geld bekommt man selten geboten, der Eintritt im Zirkus kostet erheblich mehr.

Früher ging man ja in den Zirkus oder auf den Jahrmarkt wenn man “kuriose”, seltsame, abnormale Menschen sehen wollte, heute kriegt man das druckfrisch frei Haus geliefert. Nun ist Frau Swoboda meines Wissens nach körperlich unauffällig, weder ist sie eine Zwergin, noch eine Riesin, Buckel hat sie auch keinen und die Gliedmaßen sind wohl auch alle dort, wo sie hingehören. Nein, die gruselige Faszination, die von dieser Frau ausgeht ist in ihren “Werken” begründet. “Tag für Tag” erfreut sie ihre Leserschaft mit ihren skurrilen Befindlichkeiten, und die steht dem oftmals fassungslos gegenüber. “Meint die das ernst?” mögen sich manche fragen, geeichte Kronenzeitungsleser wissen aber, daß die Kolumne der Frau Swoboda fast so ernstgemeint ist wie das “Heitere Bezirksgericht”, wenn nicht überhaupt…

Man kann gar nicht hoch genug schätzen, daß diese arme Frau sich täglich aufrafft und trotz ihres schweren Leidens für ihre treue Leserschaft ihrem Tagwerk nachgeht. Das Leiden heißt Hoplophobie und ist eine ernsthafte „geistige Störung, charakterisiert durch eine irrationale Abneigung gegen Waffen“, so die Definition von Jeff Cooper, der diesen Begriff 1962 geprägt hat. Die Psychologen sind sich zwar uneins, ob die ” irrationale Angst vor Schusswaffen und anderen Arten von Waffen” tatsächlich eine Phobie darstellt oder ob es sich nicht vielleicht doch um eine Wahnvorstellung handelt, einer entsprechenden Therapie sollte sich jemand, der davon betroffen ist aber jedenfalls unterziehen.

Wie äußert sich diese Diagnose aber nun bei Marga Swoboda? Um ein Beispiel zu nennen: Letztens, in ihrer “Tag für Tag”-Kolumne vom 27. November 2011, in der es um das Thema Wildschweine und deren Bejagung in Wien ging äußerte Frau Swoboda höchste Besorgnis um ihre Sicherheit, sie werde “in Zukunft nur noch mit Warnweste durch die Wiener Nacht streifen” damit sie “kein Typ mit seiner Puffn” mit einem Wildschwein verwechseln könne. Ist eigentlich eine hervorragende Idee, um ganz sicher zu gehen sollte sie aber vielleicht auch noch eine farblich abgestimmte Narrenkappe dazu tragen.

Ich habe in ehrlicher Besorgnis einen Leserbrief an die Krone abgeschickt:

Daß Frau Swoboda keine Schußwaffen mag und ihr niemals eine ins Haus käme ist ihre Sache. Wenn sie „in Zukunft nur noch mit Warnweste durch die Wiener Nacht streifen“ möchte „damit mich kein Typ mit seiner Puffn mit einem Wildschwein verwechseln kann“ ebenfalls. Ich mache mir um die Frau Swoboda aber durchaus Sorgen, derartige Äußerungen weisen auf eine psychische Störung, die sogenannte Hoplophobie („Angst vor Schußwaffen“) hin. Sie sollte sich unbedingt einmal dahingehend untersuchen lassen, ein guter Psychotherapeut könnte ihr sicherlich helfen und damit ihre Lebensqualität beträchtlich verbessern. Die Warnweste kann sie ja trotzdem weiterhin tragen – sicher ist sicher!

Nebenbei: Ein Jäger ist schon allein aufgrund seiner fundierten Ausbildung mehr als lediglich ein „Typ mit seiner Puffn“. Ich würde mir von einer Zeitung wie der „Krone“ schon wünschen, daß dergleichen sinnfreien, einen ganzen Stand diskriminierenden und zudem durchaus ehrenrührigen Ressentiments kein Medium geboten wird.

Leider wurde er nicht veröffentlicht, Reaktion kam auch keine darauf.

Ich habe auch nicht damit gerechnet, was soll’s.

Hoffentlich hat man es wenigstens gelesen, nimmt sich meine wohlmeinenden Worte zu Herzen und besorgt professionelle Hilfe für die Frau Swoboda. Auch auf die Gefahr hin, daß meine neue Lieblingskolumne in der Krone der Kräuterpfarrer wird.

4 Antworten zu “Das tagtägliche Elend

  1. Pingback: Wochenrückblick 47/2013 | dagarser

  2. Also, obwohl es absolut sinnlos ist habe ich ihr auch einen Leserbrief zukommen lassen…Reaktion, wie erwartet, 0, 00

  3. Pingback: In eigener Sache | dagarser

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