Österreichs Wörter des Jahres 2011

Alle Jahre wieder wählt eine österreichischen Fachjury unter Leitung von Professor Rudolf Muhr von der Fakultät für Umwelt- und Erziehungswissenschaften an der Universität Graz das Wort, aber auch das „Unwort“, außerdem das „Jugendwort“ und den Spruch bzw. „Un-Spruch“ des Jahres. Jetzt sind die Ergebnisse für 2011 da, ein paar wirklich schöne sind auch dabei.

Zum Wort des Jahres wurde „Euro-Rettungsschirm“ gekürt, vor allem da es als „Schirm“ Schutz von oben kommenden negativen Auswirkungen verspricht, gleichzeitig aber auch als „Rettungsschirm“ eine weiche Landung der in die Krise geratenen Wirtschaft der Euro-Länder in Aussicht stellt.

Das ist ja schön und gut, so ein Schirm kann schon sehr praktisch sein. Ob allerdings nicht vielleicht ein „Euro-Rettungsboot“ besser gewesen wäre könnte man schon hinterfragen. Immerhin steht uns das Wasser schon bis zum Hals, da hilft ein Schirm wenig.

Platz 2 geht an „Arabischer Frühling“, mit der Begründung, daß es sich dabei um ein Ereignis von historischer Größe handelt, das als Bezeichnung an den „Prager Frühling“ angelehnt ist und wie damals die Hoffnung auf eine umfassende Demokratisierung in autoritär regierten Ländern ausdrückt.

Oh ja, wenn man sich die Bilder der diversen Revolutionen in der arabischen Welt vor Augen führt, die feinsinnigen Dissidenten, die unter „Allahu akbar“-Rufen Salve um Salve aus ihren AK-47 in die Luft geblasen haben kann man sich die umfassende Demokratisierung richtig gut vorstellen.

Aufs Stockerl geschafft hat es schließlich auch der „Inseratenkanzler“, dieses in den sozialen Medien weit verbreitete Wort spielt auf den Umstand an, dass der derzeitige Bundeskanzler in seiner Zeit als Infrastrukturminister auf Kosten von staatlichen oder staatsnahen Gesellschaften zahlreiche Inserate in bestimmten Zeitungen schalten ließ.

Da werden sich die zahlreichen Fans des Kanzlers auf Facebook sicherlich sehr freuen.

Wir kommen zum „Unwort des Jahres“, and the winner is: „Töchtersöhne“! Das Unwort des Jahres 2011 ist aus der Verkürzung der neu formulierten Zeile „Heimat bist du großer Töchter, Söhne“ der österreichischen Bundeshymne entstanden und stellt eine sprachlich sehr unglückliche Formulierung dar, da damit unbeabsichtigt die von Töchtern geborenen männlichen Enkel gemeint sein können. 

Na Gott sei Dank haben sie das jetzt doch in „Heimat großer Töchter und Söhne“ umgeändert, das Unwort 2011 hat keinen Einzug in unsere Bundeshymne gehalten. Dafür hätte die ganze Angelegenheit das Zeug dazu, es aus dem Stand zum „Unding des Jahres“ zu schaffen.

Danach folgt „Lobbyist“. Dieses an sich neutrale Wort, das für eine Berufsgruppe von InteressensvertreterInnen steht, ist durch die korrupte und manipulative Tätigkeit einiger ihrer VertreterInnen in Verruf geraten und aufgrund der besonderen Vorkommnisse, die damit verbunden sind zu einem Unwort gemacht worden.

Auch eine gute Entscheidung, ich finde die Jury sollte dafür einen Sonderpreis vergeben. Ich schlage den „Ernst Strasser-Award“ vor.

Drittplatziert ist „letale Vergrämung“. Im steirischen Naturschutzgesetz, das kürzlich novelliert wurde, heißt es diesbezüglich: „Zusätzlich soll die Möglichkeit geschaffen werden, bei einer „letalen Vergrämung“ die Höchstzahl der zu erlegenden Vögel festzulegen.“ Zum Unwort wird der Ausdruck, weil es sich um einen Euphemismus für „töten“ handelt, der aus dem medizinischen Fachausdruck „letal“ (tödlich) und dem heute schon altertümlichen Verb „vergrämen“ gebildet wurde.

Gefällt mir eigentlich sehr gut. Das „Unwort“ kommt aus der Steiermark, war da nicht erst kürzlich etwas mit sogenannten „Tierschützern“ die bei einer Treibjagd gestört haben? Wollen wir den Gedanken nicht weiterverfolgen…

Die „Jugendwörter“ des Jahres 2011 sind „liken“, „planking“ und „egosurfen“.

Und ich dachte, es gehe bei dieser Wahl um deutsche Wörter. Errare humanum est.

Der Spruch des Jahres: „shortly, without von delay“. „Die Zeit, die wir uns gegeben haben, ist shortly. Und auf Ihre Frage, was das heißt, sage ich Ihnen: „shortly, without von delay“. (Maria Fekter: Finanzministerin, nach einer EU-Krisensitzung zur Schuldenkrise, 13.07.2011) Dieser Ausspruch ist symptomatisch für die Überforderung von europäischen Politikern in der komplexen wirtschaftlichen Situation, in der sich die EU derzeit befindet.

Without von Ironie: Wäre sie Innenministerin geblieben hätte sie sich das erspart. Und Österreich zugleich ihre Nachfolgerin.

Und schließlich der Un-Spruch 2011: „Wos woa mei Leistung?“ Dieser von Walter Meischberger in einem „privaten“ Gespräch gemachte Ausspruch bezog sich auf Absprachen, die in Bezug auf Rechnungen getätigt werden und vor der Staatsanwaltschaft bestimmte Provisionszahlungen im Rahmen von Immobilienverkäufen begründen sollten. Er steht für viele ähnliche Vorkommnisse, die derzeit gerichtsanhängig sind und fehlendes Unrechtsbewusstsein zeigen.

Diese Frage wird von der Regierung nie gestellt. Die Antwort würde auch ziemlich kurz ausfallen.

So, das sind die Wörter und Sprüche des Jahres 2011, ich danke dem Team rund um Prof. Muhr für ihre Mühe. Die kursiv geschrieben Sätze habe ich der diesbezüglichen Presseaussendung (http://www-oedt.kfunigraz.ac.at/oewort/2011/08_Presse/OeWORT-Pressemitteilung-2011.pdf) entnommen.

Ich freue mich auch schon auf die Wörter und Sprüche 2012. Wobei – ein bißchen Angst ist auch dabei.

3 Antworten zu “Österreichs Wörter des Jahres 2011

  1. Pingback: Österreichs Wörter des Jahres 2012 | dagarser

  2. Wie wäre es mit „Innenministerium“? Her mit da Krochen!!!

  3. Ein Unwort wurde allerdings vergessen, das uns alle schwer zu schaffen macht- das Wort „EU“ in jeder Beziehung.

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