Abwärtsspirale

Lange wurde gerätselt, wer nach der glücklosen Christine Marek das Ruder der Wiener ÖVP übernehmen würde, ein EU-Parlamentarier und gleich zwei Staatssekretäre (von denen sich einer sogar schon rasiert) wurden neben zahlreichen anderen Namen immer wieder genannt. Am Montag war schließlich die Zeit des bangen Wartens vorüber, der Parteivorstand einigte sich mit überwältigenden 85% Mehrheit auf den amtsführenden Stadtrat Manfred Juraczka.

Juraczka tritt ein schweres Erbe an, er übernimmt die Wiener ÖVP mit katastrophalen 13,99% Wählerzustimmung bei der letzten Gemeinderatswahl 2010 (immerhin war man damit noch 1,35% vor den Grünen), viel mehr wären es jetzt sicherlich auch nicht, die ihr Kreuzerl bei den Stadtschwarzen machen würden.

Der Sinkflug dieser Partei begann mit Erhard Busek, Parteiobmann von 1976 bis 1989: Konnte die ÖVP-Wien 1983 noch über ein Drittel, nämlich 34,8%, der Wähler von sich überzeugen so waren es 1987 bereits nur noch 28,4%. Auf Busek folgten Wolfgang Petrik und Heinrich Wille, bei der Wahl 1991 war bereits Bernhard Görg Parteiobmann, er „führte“ die ÖVP zu 18,1%, bei der Wahl 1996 gar 15,3%. 2001 ging es aufwärts, immerhin 16,4% der Wähler entschieden sich für die ÖVP. Nach einem Gastspiel von Alfred Finz erreichte die ÖVP unter Johannes Hahn 2005 18,8% bis sie schließlich – wie zuvor erwähnt – 2010 mit 13,99% unter Christine Marek ihren vorläufigen Tiefpunkt erreichte.

Worin liegt der stetige Abstieg dieser einst stolzen bürgerlichen Partei begründet? Wie schafft man es, seine Wähler dermaßen zu vergraulen? Hauptgrund war sicherlich das Erstarken der Grün-Bewegung, viele wohlstandsgeschädigte urbane „Schwarze“ entdeckten ihr „ökologisches Gewissen“ und wandten sich von der ÖVP ab und den Grünen zu. Der darauffolgende Versuch, diese Wähler zurückzugewinnen indem man sich anschickte, die Grünen links zu überholen vertrieb schließlich große Teile der verbleibenden konservativen Wählerschicht. Auch der Aufstieg der FPÖ, die aber eigentlich bei einer anderen Klientel fischte, vor allem aber schlechte Personalpolitik und „geile“ Wahlkämpfe taten das übrige dazu und jetzt steht mit Manfred Juraczka ein neuer Mann vor den Scherben seiner Partei.

Er wird vieles ändern müssen wenn er vermeiden will, daß die ÖVP nach der nächsten Gemeinderatswahl „einstellig“ dasteht, wie er das anstellen kann weiß er hoffentlich. Mehr als flächendeckende Speichelproben von Hunden zu sammeln um mittels „genetischen Pfotenabdrucks“ Hundstrümmerl ihren Verursachern zuordnen zu können (mit diesem Vorschlag wurde Juraczka als Bezirksobmann in Wien-Hernals „bekannt“) wird ihm aber schon einfallen müssen, wenngleich böse Zungen behaupten daß es als Wiener ÖVP-Obmann gar nichts schadet, wenn man sich mit Scheiße auskennt.

Meiner Ansicht nach liegt die einzige (kleine) Chance für die (laut Eigendefinition) „politische Kraft der Mitte“ in einer Rückbesinnung auf bürgerliche Werte, einer Abkehr vom Kuschelkurs und von der Beliebigkeit.

Wenn  das nicht gelingt werden nur noch wenige ein Kreuz für die Wiener Schwarzen machen – unmittelbar bevor der Deckel auf die Gruft kommt.

5 Antworten zu “Abwärtsspirale

  1. Stimmt alles, aber den „Schwarzen“ ist nicht zu helfen- und ihren Wählern auch nicht.

  2. Der Trend der Wähler »weg von der Versagerpartei« wird sich auf Bundesebene fortsetzen, wenn die Schwarzen ihre Politik nicht radikal ändern. Vermutlich wäre es besser für sie Politik FÜR DIE EINHEIMISCHEN zu machen – und nicht für Banken und Konzerne sowie für – nennen wir es euphemistisch – Bonzen (der EU). Andererseits macht es mich nicht wirklich traurig, wenn so eine Partei die ihr zustehenden »Watschen« bekommt…
    Wir hier in der Steiermark haben schon einige Zeit den Wahlspruch »Blaue Augen sind schöner als a rote Nasen und blauer Himmel ist auch besser als schwarze Wolken… Damit ist alles gesagt…

    • Um diese ÖVP ist es nicht schade. Schade ist es um die Funktionäre, die „kleinen“ Bürgermeister und Gemeinderäte in den Gemeinden. Da gibt es viele, die hervorragende Arbeit leisten, die können nichts für ihre „Mutterpartei“.

      Bei mir im Waldviertel ist idR „da Buagamasta hoid a Schwoaza“, das wird sich so bald nicht ändern, zumal es da keine vernünftigen Alternativen gibt.

      Die Bundes-ÖVP ist da ein ganz anderes Thema, einerseits nur Politik eben für Banken, Konzerne und Bonzen, anderseits war da weltanschaulich der Kreisky ein Rechtsextremist dagegen.

      • »…anderseits war da weltanschaulich der Kreisky ein Rechtsextremist dagegen.«
        Leider ABSOLUT wahr!
        Hier in der südlichen Steiermark hat der Wortbruch von Politikern einen Namen:
        SPÖVP…
        Die »Grünen« laufen ohnehin außer Konkurrenz…wie auch immer man das verstehen will…

  3. Na da bin ich aber gespannt, was die ÖVP in Wien noch zusammenbringt.

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