Generationenwechsel

Seit 1991 ist Christian Konrad Landesjägermeister von Niederösterreich. Das ist eine lange Zeit, vieles hat sich in diesen 20 Jahren verändert, viel ist geschehen. Der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union etwa, der auch für die Jäger zahlreiche Änderungen gebracht hat, im Bereich der Wildbrethygiene ebenso wie mit der Vogelrichtlinie , der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie, sowie natürlich auch den beiden EU-Waffenrichtlinien 1991 und 2008.

Trotz stetigen Versuchen durch die EU, das Subsidiaritätsprinzip auszuhöhlen, wenn nicht gar ad absurdum zu führen, konnte die österreichische Jägerschaft im Interesse der nachhaltigen Jagdwirtschaft durchaus einiges bewirken, allein bei den Waffenrichtlinien war kein nennenswerter Einsatz festzustellen. Dabei hätte gerade dort Christian Konrad in seiner Eigenschaft als niederösterreichischer Landesjägermeister, als Chef des (ge)wichtigsten Landesjagdverbandes also, durchaus einiges durchsetzen können, sein „Zivilberuf“ als Raiffeisen-Generalanwalt versetzte ihn stets auf Augenhöhe mit den mächtigsten Politikern des Landes, und zwar aller Couleurs, über vielen stand er realpolitisch sogar d’rüber. Doch gerade bei der Umsetzung der Waffenrichtlinie 2008, die zur Waffengesetznovelle 2010 geführt hat, blieb er untätig, ein Versäumnis, das einen langen dunklen Schatten auf seine „Amtszeit“ werfen wird. Das eine oder andere (er)klärende Wort von ihm, an den richtigen Stellen ausgesprochen, hätte im Zuge der Gesetzwerdung so manche Grauslichkeit abschwächen, wenn nicht gar verhindern können, allein diese Worte sind ausgeblieben, warum dem so ist weiß wohl nur er selbst.

Wie dieser Tage den Medien zu entnehmen ist nähert sich Konrads Tätigkeit als niederösterreichischer Landesjägermeister ihrem Ende zu, als sein Nachfolger soll beim Landesjägertag im kommenden April der ehemalige Vizekanzler und Finanz- und Landwirtschaftsminister alt-ÖVP-Obmann Josef Pröll bestellt werden. Die Kür Prölls kommt nicht gerade überraschend (ich hätte keinen Cent dagegen gewettet), und sollte der mittlerweile ebenfalls im Raiffeisenkonzern tätige Pröll Christian Konrad auch in dessen Funktion als Raiffeisen-Generalanwalt nachfolgen würde man es wahrscheinlich auch nicht gerade als Knalleffekt werten.

Die Ära Konrad im NÖLJV hat nun also ein Ablaufdatum bekommen, eine wie ich meine richtige Entscheidung. Was mit Konrads Stellvertretern, Andreas Radlinger und Erhard Brandstetter, geschieht ist noch nicht publik geworden, besonders im Falle Brandstetters wäre ein Rückzug aber jedenfalls höchst an der Zeit. Der „Harti“, wie er von vielen Ehrenträgern des braunen Halsrings liebevoll gerufen wird, war in seinem Amt von Anfang an eine veritable Fehlbesetzung.

Doch genug von der Vergangenheit, wenden wir uns der Zukunft zu: Josef Pröll ist als Landesjägermeister Niederösterreichs sicherlich keine schlechte Wahl, er bringt Fachwissen aus seiner Zeit als Landwirtschaftsminister mit, ist politisch bestens vernetzt und wird durch seine Tätigkeit im Raiffeisenkonzern auch weiterhin ein wichtiger und mächtiger Mann sein. Ach ja, irgendwo in Niederösterreich soll er auch einen Onkel haben der auch das eine oder andere zu sagen hat. Es ist zu hoffen, daß er sein politisches Gewicht besser als sein Vorgänger in die Waagschale legen wird, die Evaluierung des Waffengesetzes wird kommen, es droht eine Waffensteuer ebenso wie Verwahrungskontrollen auch der Kat. C und D Waffen, wie er sich dabei verhält wird zeigen, ob er die richtige Wahl war.

7 Antworten zu “Generationenwechsel

  1. Pingback: Schadwild | dagarser

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  3. Der voraussichtliche „Neue“ ist ein politisches Schlitzohr. Er hat damals, als er noch Finanzminister war, genau erkannt, dass das Schiff Österreich am Untergehen ist und hat es rechtzeitig verlassen um sich mit Onkels Hilfe einer, mehr als lukrativen Tätigkeit zuzuwenden. Nun steigt er in der Karriere- und Geldleiter noch weiter hinauf. Ob er die richtige Wahl für die Jägerschaft sowie für die Waffenbesitzer bedeutet, ist meiner unmaßgeblichen Meinung nach, mehr als fragwürdig, da er politisch denkt ist und das bedeutet nie etwas Gutes.

  4. Falls sich der Neue denkt, daß ihn seine Jäger für den Fall, daß er vom Volk für seinen Bruch des Mastrichvertrages (Bailout-Verbot; April 2010; 2 Mia €) zur Verantwortung gezogen werden sollte, ihn dann verteidigen werden – ich werde nicht dabei sein!

  5. Abwarten. Was in dem Beitrag steht, ist goldrichtig und wird bei der künftigen Politik der IWÖ sicher berücksichtigt werden.

  6. »…ist politisch bestens vernetzt und wird durch seine Tätigkeit im Raiffeisenkonzern auch weiterhin ein wichtiger und mächtiger Mann sein«

    Das verheißt für uns Freie Bürger nichts Gutes…

    • Ich bin hier im Zweifel für den „Angeklagten“. Ich habe mir eben einen kleinen Rest Optimismus bewahrt.

      Ich bin aber auch Realist genug um gewußt zu haben, daß der neue Landesjägermeister nicht irgendein langgedienter, allseits angesehener Vollblutjäger wird, sondern wieder jemand mit „connections“.

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