Die Sache mit der Selbstverteidigung

Im Grunde genommen geht es uns in Österreich was das Recht auf Selbstverteidigung betrifft sehr gut. Das Recht auf Notwehr ist im § 3 des Strafgesetzbuches geregelt, im § 22 Abs. 1 des Waffengesetzes 1996 ist zudem normiert, daß das Bereithalten einer genehmigungspflichtigen Schußwaffe (in diesem Fall idR also einer Faustfeuerwaffe) zur Selbstverteidigung innerhalb von Wohn- oder Betriebsräumen sowie eingefriedeter Liegenschaften eine Rechtfertigung für den Erwerb und den Besitz einer solchen Schußwaffe darstellt. Das ist keine „kann-„, sondern eine „muß-Bestimmung“ (waffenrechtliche Verläßlichkeit vorausgesetzt).

Der Erwerb eines Waffenpasses, der auch zum Führen einer genehmigungspflichtigen Schußwaffe berechtigt, ist leider sehr viel schwieriger, da gilt es einen Bedarf nachzuweisen, die Anerkennung eines solchen Bedarfes wird von den Verwaltungsbehörden äußerst restriktiv gehandhabt. Dennoch ist die österreichische Regelung im Vergleich etwa zu den Verhältnissen in Deutschland nicht schlecht, dort wird „Selbstschutz“ als Bedürfnis nämlich nicht anerkannt. Ich habe recht viele Leser aus Deutschland, ich weiß, daß viele von ihnen in dieser Beziehung recht neidvoll nach Österreich blicken.

Werfen wir einen näheren Blick auf das, was die meisten in Österreich ausgestellten waffenrechtlichen Dokumente, also die Waffenbesitzkarten, in diesem Zusammenhang ermöglichen: Die bewaffnete Selbstverteidigung im persönlichen Lebensbereich.

Die gesetzliche Situation ist eindeutig: Ich darf mich gegen einen gegenwärtigen oder unmittelbar drohenden rechtswidrigen Angriff wehren, ich darf dabei Gewalt einsetzen, wobei die Verteidigung nicht „unangemessen“ sein darf. Nachdem Einbrecher und Gewalttäter sowieso in aller Regel zumindest mit einem Messer, wie man es in jedem Haushalt findet, bewaffnet sind wird eine Verteidigung mit einer Schußwaffe wohl stets als „angemessen“ zu werten sein, das klärt aber ohnehin ein Gericht. Wenn ich als Opfer eines Gewalttäters eine solche Gerichtsverhandlung erlebe, dann habe ich schon sehr viel richtig gemacht.

Das Innenministerium rät zwar von der Verwendung von Schußwaffen zur Selbstverteidigung ab, da diese „die Aggressivität und die Gewaltbereitschaft eines Angreifers noch zusätzlich steigern können“ und zudem die Möglichkeit bestehe, daß dem Verteidiger die Waffe entrissen und gegen ihn selbst verwendet werden könne. Das ist natürlich Unfug, wenn man weiß, was man tut ist diese Gefahr im Vergleich zu jener, in der man sich ohnehin schon befindet, vernachläßigbar. Ich habe ein sehr schönes Zitat gefunden, und zwar von Clint Smith, einem Feuerwaffen- und Taktiktrainer aus Arizona:

„Make your attacker advance through a wall of bullets. You may get killed with your own gun, but he’ll have to beat you to death with it, ‚cause it’s going to be empty.“

(„Lassen sie einen Angreifer nur durch einen Kugelhagel an sich herankommen. Es kann schon sein, daß er sie mit ihrer eigenen Waffe umbringt, aber er wird sie damit totschlagen müssen, denn sie wird leergeschossen sein.“)

Ein sehr vernünftiger Ansatz, den Leuten, denen Täterverständnis wichtig und Opferschutz egal sind wird das zwar nicht gefallen, aber das ist deren Problem.

Es ist natürlich richtig, daß das bloße Bereithalten einer Schußwaffe keinen Schutz bietet, man muß schon auch damit umgehen können und auch tatsächlich bereit sein, sie im Ernstfall einzusetzen. Wer also eine Schußwaffe zur Selbstverteidigung bereithält sollte auch entsprechend vorbereitet sein:

  • Ich muß mit der Waffe, mit der ich mich im Notfall verteidigen werde, vertraut sein, ich muß sie auch unter Streß und in der Dunkelheit sicher und selbstverständlich bedienen können.
  • Ich muß regelmäßig mit dieser Schußwaffe üben, nicht nur schießen, sondern auch treffen.
  • Ich muß mir bewußt sein, daß ich gezwungen sein kann auf einen anderen Menschen zu schießen und ihn womöglich zu töten um mein eigenes Leben und das meiner Lieben zu schützen.
  • Ich mache es einem Gewaltverbrecher so schwer als möglich in mein Heim einzudringen. Erstens sucht er sich dann vielleicht ein anderes Opfer, zweitens muß er dann, um bei mir einzudringen, schon Gewalt anwenden, das ist laut, das höre ich und bin gewarnt.
  • Ich mache mir vorher Gedanken, wie ich mich im Selbstverteidigungsfall verhalten werde, ich spiele verschiedene Szenarien durch: Wo werde ich den Angreifer stellen? Suche ich die Konfrontation oder ziehe ich mich mit meiner Familie in einen Raum zurück in dem ich mich verschanzen und auf das Eintreffen der Polizei warten kann? Wissen die übrigen Familienmitglieder, wie sie sich im Fall des Falles zu verhalten haben?

Es ist wichtig, diese und andere Fragen im Vorfeld durchdacht und geklärt zu haben, man darf nämlich nicht vergessen, daß ein Angreifer einen Riesenvorteil hat: Er weiß, daß er ein Verbrechen verüben wird, er weiß auch wann er diesen Schritt setzen wird, das Überraschungsmoment ist auf seiner Seite. Wenn er um drei Uhr morgens im Haus steht ist er hellwach, die Opfer gerade aus dem Tiefschlaf erwacht. Durch Training und Vorbereitung kann man diesen Vorteil aber soweit abschwächen, daß er nicht mehr allzu sehr ins Gewicht fällt.

Ich wünsche mir nicht, jemals in eine solche Selbstverteidigungssituation zu kommen, ich wünsche es auch meinen Lesern nicht, ich wünsche es niemandem. Für meinen Teil bin ich allerdings vorbereitet, denn ich will kein Opfer sein. Mein Wohlergehen steht über dem des Angreifers, was ihm geschieht hat nur er zu verantworten, er ist selbst schuld.

Abschließend noch ein Tip für den – hoffentlich nie eintretenden – Ernstfall: Nach erfolgreicher Selbstverteidigung sollte man ohne Rechtsbeistand keinerlei Aussagen der Polizei gegenüber tätigen! Dieses Recht hat man, das sollte man auch in Anspruch nehmen, zu groß ist die Gefahr, daß einem in unserer täterfreundlichen Gesellschaft vor Gericht die eigenen Aussagen im Mund verdreht und zum Nachteil ausgelegt werden.

4 Antworten zu “Die Sache mit der Selbstverteidigung

  1. Pingback: Eine schwierige Frage? | dagarser

  2. Die größten Feinde der Legalwaffenbesitzer und des Rechts auf Selbstverteidigung mit der Waffe sind Politiker(Linke, Grüne und Teile der Schwarzen), Staatsanwälte, Rechtsanwälte und die Gerichte selbst. Sie alle haben sich zu Gehilfen der Verbrecher entwickelt und sind Handlanger des unseeligen, linken, feigen Zeitgeistes der derzeit Mode ist.

  3. Legalwaffenbestiz steht und fällt mit dem Recht der (bewaffneten) Notwehr.

    Daher: Wehret den Anfängen!

  4. »…zu groß ist die Gefahr, daß einem in unserer täterfreundlichen Gesellschaft vor Gericht die eigenen Aussagen im Mund verdreht und zum Nachteil ausgelegt werden.«

    Diese Gefahr ist in der Tat die größte Bedrohung für den Selbstverteidigungsfall und hält das Verbrechensopfer oft davon ab sich gezielt und wirkungsvoll zu verteidigen. Dennoch: es ist besser als von sechs politisch korrekten Männern im Blechsarg aus dem Haus getragen zu werden. Daher: immer bereit sein sich bis zum Äußersten zu verteidigen, den Täter erfolgreich besiegen und hernach nicht unmittelbar nach Eintreffen der Polizei irgendetwas sagen außer,daß man das Opfer eines Verbrechers war.

    Und nicht vergessen: niemals die Schußwaffe bei Eintreffen der Polizei in der Hand halten! Man kann sehr leicht mit dem Verbrecher verwechselt werden. Die Einsatzkräfte wissen meist nur, daß sich ein Verbrechen ereignet hat und es zu einer Schießerei gekommen ist. Typischer Funkspruch für eine Polizeistreife: »Überfall in XY, der Täter ist bewaffnet und anwesend.« Daß der Verbrecher inzwischen kampfunfähig ist oder tot, das wissen die Polizisten oft nicht.

    In jedem Fall das Resumee: der Einzige, den man verletzt oder tot aus dem Haus schafft, muß der Verbrecher sein!

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