Weihnachten im ORF

Am 23. Dezember hat der ORF seinen zahlenden Zwangskunden und sich selbst in Verkennung des bevorstehenden Festes ein veritables Ei gelegt: Der ausgebuffte Medienprofi Niko Pelinka wurde zum Büroleiter des ORF-Generalintendanten Alexander Wrabetz ernannt.

Der 25jährige Pelinka, der vor seiner steilen ORF-Karriere immerhin parlamentarischer Mitarbeiter bzw. Pressesprecher politischer Kapazunder wie Andreas Schieder und Claudia Schmied war, kennt den Betrieb am Küniglberg ja bestens, als ORF-Stiftungsrat und Leiter des SPÖ-„Freundeskreises“ stand er ja schon bisher in bestem Einvernehmen mit GI Wrabetz und konnte ihm etwa bei der Zusammensetzung politischer Gesprächsrunden mit seiner großen politischen Erfahrung schon oft entscheidend weiterhelfen, kein Wunder, daß Wrabetz bei der Neubesetzung seiner wichtigsten direkten Mitarbeiterstelle sofort an den smarten Niko gedacht hat. Der Gewinn des ORF ist allerdings der Verlust der ÖBB, immerhin war Pelinka seit seinem Einzug in den ORF-Stiftungsrat, der mit der Mitarbeit in einem politischen Kabinett nicht vereinbar ist, dort „Public-Affairs-Beauftragter“. Dem Vernehmen nach hat er sich jedoch auch dort schon mehr mit dem ORF als mit den ÖBB beschäftigt, das will ich aber nicht glauben, ein derartiges Talent ist ja sicherlich multitasking-fähig.

Im Gegensatz zu Wrabetz, Faymann, Rudas & co. finden sich aber seltsamerweise zahlreiche Stimmen, die mit der Bestellung Pelinkas nicht einverstanden sind. Neben der ÖVP und  zum Teil auch den Grünen sind die ORF-Redakteure mit dieser Personalentscheidung nicht einverstanden und haben sogar einen offenen Brief an den Generalintendanten verfaßt:

„Es ist für die RedakteurInnen der Zeit im Bild unakzeptabel, den bisherigen Leiter des SPÖ-Freundeskreises im Stiftungsrat, Niko Pelinka, nun als Ihren Büroleiter hinnehmen zu müssen. Damit ist die politische Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des ORF schwer beschädigt. Diese Entscheidung schließt an eine Kette von politisch motivierten Postenbesetzungen an. Die RedakteurInnen der Zeit im Bild sind täglich darum bemüht, unabhängig zu arbeiten und sich allen politischen Einflussnahmen zu widersetzen. Diese politische Unabhängigkeit ist keine Selbstverständlichkeit, wurde durch die RedakteurInnen hart erkämpft und wird durch Umfragen und die hohe Akzeptanz des Publikums bestätigt. Durch Ihre Personalentscheidungen wird die Glaubwürdigkeit der ORF-Information beschädigt.
Wir fordern Sie daher auf, diese Entscheidungen im Interesse des Unternehmens zurückzunehmen.“ (red)

Die Unterzeichner
Dieter Bornemann, Lisbeth Bischof, Eugen Freund, Andrea Kandioler-Kiml, Sabine Schuster, Oliver Ortner, Christian Staudinger, Christian Stöger, Fritz Jungreuthmayer, Thomas Faustmann, Andrea Brückner, Andrea Reimoser-Feitsch, Armin Wolf, Wolfgang Wagner, Andreas Pfeifer, Christoph Varga, Brigitte Handlos, Gudrun Gutt, Arno Pindeus, Christiane Wassertheurer, Rosa Lyon, Birgit Fenderl, Lou Lorenz-Dittlbacher, Marie-Claire Zimmermann, Tarek Leitner, Matthias Schmelzer, Julia Ortner, Rainer Hazivar, Dominik Wurnig, Georg Dox, Nadja Bernhard, Katrina Goeschi, Veronika Fillitz, Max Hartmann, Nicole Kampl, Oliver Dötzl, Christian Jänsch, Gabriele Frei, Lisa Gadenstätter, Thomas Hois, Sascha Schrems, Andreas Mitschitz, Jakob Weichenberger, Alexander Wagner, Kaspar Fink, Matthias Euba, Stefan Hartl, Stefan Daubrawa, Alexander Hecht, Friedrich Ortner, Hannelore Veit, Matthias Westhoff, Jörg Hofer, Susanne Höggerl, Barbara Seebauer, Johannes Schwitzer, Christian Wehrschütz, Ben Segenreich, Lisa Totzauer

(Quelle: Der Standard)

Zugegeben, es liest sich schon lustig, wenn sich manche der o.a. Unterzeichner um die „Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des ORF“ Sorgen machen, zum Lachen ist es aber dennoch nicht. Der ORF ist schon „seit ewigen Zeiten“ im Würgegriff der Parteien, des Proporzes, die Nase vorn hatten und haben aber stets die Sozialisten. Man muß das zur Kenntnis nehmen, die können das offensichtlich am besten.

Ich gelange immer mehr zu der Überzeugung, daß es das g’scheiteste wäre der SPÖ den ORF einfach zu überlassen. Schlechter und einseitiger kann die innenpolitische Berichterstattung auch nicht werden, was soll’s also? Machen wir aus dem „Stiftungsrat“ doch einfach nun auch offiziell die SPÖ-Nachwuchsakademie, lassen wir die ZiB-Moderatoren auch zukünftig jedes Wahlergebnis, das keinen Zugewinn für die SPÖ darstellt, mit Trauermiene kommentieren.

Die Schlacht um den Küniglberg ist verloren, der ORF ist und bleibt fest in roter Hand. Ich würde damit nichts mehr zu tun haben wollen. Die paar G’schaft’ln bzw. Versorgungsposten für mehr oder weniger verdiente nicht-SPÖ-Parteigänger wird man woanders auch finden, Strich d’runter.

Frohe Weihnachten am Küniglberg! Merke: Wenn eine Weihnachtskugel auch noch so glänzen mag – innen ist sie hohl!

6 Antworten zu “Weihnachten im ORF

  1. Pingback: Des Dramas (vorläufig) letzter Akt | dagarser

  2. Nichtkonsum (kein Fernseher) stört die Bonzen dort aber nicht. Das ist genauso wie Nichtwählen. Man müßte sich wehren, aber leider sind die Zeitungen auch nicht mehr in der Lage, etwas zu machen (siehe Rundfunkvolksbegehren). Gebührenstreik wurde einmal schon versucht, hat aber leider nichts gebracht, die Beteilígung war zu gering.

    • »Nichtkonsum (kein Fernseher) stört die Bonzen dort aber nicht.«

      Immerhin erspare ich mir die Falschinformation und die p. c. Verblödung.
      Das ist ja auch schon etwas.

  3. Wir müssen Zwangsgebühren zahlen, also hätten wir auch das Recht, korrekt und nicht rotgrün eingefärbt informiert zu werden. Glaubt man, ist aber nicht so in Österreich und der EU…

  4. Politisch unabhängig kann ein Staatsfunk nicht sein – sonst wäre er ja kein Staatsfunk. Seit mehr als 30 Jahren habe ich weder Fernsehgerät noch Radioapparat. Damit habe ich der Falschinformation schon ein Mal einen Riegel vorgeschoben. Die Verblödung habe ich auch dadurch ausgeschlossen. Meine Informationsquellen sind sehr vielfältig (vor allem ausländische Medien und das Internet) – auch wenn man dabei oft falsch oder nicht informiert wird, so ergibt sich doch ein ausgewogeneres Bild. Kontroverse Medien haben kontroverse Standpunkte und man kann als tertium comparationis doch immer wieder – zumindest bruchstückhaft – die Wahrheit durchschimmern sehen. Gewiß – das erfordert mehr Zeit als vorgefertigte Nachrichten durch ein singuläres Medium über sich ergehen zu lassen. Aber die Zeit nehme ich mir eben. Und bilde mir meine eigene Meinung. Dieses Recht nehme ich mir.

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