Turbulenzen im ORF

Im ORF geht’s weiter rund: Am Montag tagte die Redakteurskonferenz und verabschiedete eine Resolution, Armin Wolf gab dem profil ein Interview, die ORF-Betriebsräte verfaßten einen offenen Brief an Generaldirektor Wrabetz. Stein des Anstoßes war wieder einmal die Bestellung von Nikolaus Pelinka zum Büroleiter von Wrabetz.

Der 25-jährige Pelinka, der bis vor kurzem noch der Chef des „SPÖ-Freundeskreises“ im ORF-Stiftungsrat gewesen war soll also die „Nr.1“ von Alexander Wrabetz werden, kurz vor Weihnachten wurde das öffentlich gemacht. Daß Wrabetz und Pelinka gut miteinander können ist bekannt, auch, daß Pelinka bei der Wiederwahl des Generaldirektors wohl eine entscheidende Rolle gespielt hat. Die ausgesprochene Nähe Pelinkas zur SPÖ, ebenso wie die Tatsache, daß er sich schon früher seiner Einflußnahme auf ORF-Sendungen gerühmt hat, allerdings werfen ein mehr als schiefes Licht auf diese Bestellung, daß sie noch vor der verpflichtenden Ausschreibung dieses Postens bekannt wurde war da nur noch das i-Tüpfelchen.

Ebenfalls am Montag fand im privaten TV-Sender „puls 4“ eine gut besetzte Diskussion über dieses Thema statt. Hier einige Eindrücke davon: Gerald Groß, vormals ORF, machte deutlich, daß Pelinka lediglich eine Symbolfigur für das sei, was im ORF derzeit schieflaufe; er sei der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen gebracht habe. Das ganze sei ein schwerer Imageschaden für den ORF, daß Pelinka mit höchstens rudimentären journalistischen Kenntnissen gleich so hoch in der Hierarchie des ORF einsteige sei zudem ein Schlag ins Gesicht jener jungen Redakteure und Mitarbeiter, die mit verhältnismäßig niedriger Entlohnung bei schrumpfenden Sendungsbudgets hervorragende Arbeit leisten würden. Fritz Hausjell gab sich wenig überrascht von Pelinkas Bestellung, es sei keine Frage gewesen ob, sondern wann er kommen würde. Ansonsten sah Hausjell das aber recht entspannt. Peter Huemer sprach von einem zentralen Schaden für die Glaubwürdigkeit des ORF, weniger durch die Person Nikolaus Pelinka, dieser sei lediglich ein „Symptom“, vielmehr würde künftig alles, was aus dem ORF komme, unter dem Generalverdacht der politischen Einflußnahme stehen. Wolfgang Moitzi, der Chef der Sozialistischen Jugend, ließ durch die Aussage aufhorchen, daß die SJ mit der Person Pelinka auch nicht glücklich sei und sich eine andere Person für diese Position wünschen würde. Gernot Bauer vom profil schließlich geißelte die fortwährende politische Einflußnahme auf den ORF.

Die Diskussion war recht interessant, ein Lösungsansatz für das Problem konnte aber nicht herausgearbeitet werden. Das war aber auch nicht das Ziel der Sendung, derartige Turbulenzen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sind natürlich für einen Privatsender wie puls 4 wie Weihnachten und Ostern an einem Tag, das will man dann schon auch ein wenig genießen.

Wie es weitergehen soll ist also offen, Wrabetz kann ohne Gesichtsverlust nicht zurück, die ORF-Redakteure aber auch nicht. Einzig der Verzicht Pelinkas auf diesen Posten könnte die Situation halbwegs bereinigen, Sorgen müßte man sich um ihn deshalb wohl auch nicht machen, die SPÖ würde schon wieder einen Posten für ihn finden, da bin ich ganz unbesorgt.

Was am Ende auch dabei herauskommt: Der Imageschaden für den ORF ist da, Wrabetz hat durch sein Verhalten nicht nur sich selbst, sondern auch sein Amt und das Unternehmen schwer beschädigt. Frei von politischer Einflußnahme war der ORF nie und er wird es auch nie sein. So patschert hat man sich aber bislang noch nicht angestellt.

5 Antworten zu “Turbulenzen im ORF

  1. Pingback: Des Dramas (vorläufig) letzter Akt | dagarser

  2. Pingback: Wochenrückblick 2/2012 | dagarser

  3. Zwangsgebühren werden die trotzdem immer kassieren.

  4. »Peter Huemer sprach von einem zentralen Schaden für die Glaubwürdigkeit des ORF, weniger durch die Person Nikolaus Pelinka, dieser sei lediglich ein „Symptom“, vielmehr würde künftig alles, was aus dem ORF komme, unter dem Generalverdacht der politischen Einflußnahme stehen.«

    Der ORF IST ein Staatsfunk. Noch dazu einer, der sehr “systemkonform” ist – wer meine diversen Wortspenden kennt, weiß, was ich damit meine. Aber »systemkonform« sind fast alle öffentlich-rechtlichen Sender in der EUdSSR – jedenfalls ist mir nichts gegenteiliges bekannt geworden. Wer auf die Propaganda und Volksverdummung der öffentlich-rechtlicher Sender in der EU noch hereinfällt, der ist das berühmte Schlafschaf. Leider sind das noch viel zu Viele.

  5. Ich glaube, es wäre ehrlicher den ORF in SJS (Sozlaistischer Jubel Sender) oder SPS (SPÖ Privat Sender) umzubenennen. Gut mit den Zwangsgebühen hätten´s dann vielleicht ein Problem….

Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s