Uniformverbot

Ich habe mich schon vor einigen Wochen mit dem unwürdigen Eiertanz rund um den Ball des Wiener Korporationsringes am 27. Jänner 2012 in der Hofburg auseinandergesetzt. Als wäre diese absurde Diskussion nicht schon widerlich genug, hat jetzt der UMAZ (untragbarster Minister aller Zeiten) Norbert Darabos dem ganzen auch noch ein Ballkrönchen der Lächerlichkeit aufgesetzt:

Darabos hat das Militärkommando Wien angewiesen, Militärangehörigen die Teilnahme am WKR-Ball in Uniform zu untersagen (Der Standard), wer dem zuwiderhandelt muß mit disziplinären Maßnahmen bzw. mit einer Geldstrafe rechnen. Das kann bis hin zur Degradierung gehen, wenn beispielsweise ein Brigadier der Miliz in Uniform den Ball besucht kann es ihm durchaus passieren, daß er am nächsten Tag vor einem Gefreiten aufsalutieren muß. Die Vorstellung hat aber was, wo auf der Welt kann man schon von einem ehemaligen Zivildiener degradiert werden?

Natürlich hat ein Verteidigungsminister (bzw. jedes Militärkommando) das Recht, ein solches Uniformtrageverbot auszusprechen, das kann man den Allgemeinen Dienstvorschriften für das Bundesheer (ADV) entnehmen:

§ 34. (1) An Veranstaltungen des Bundes, der Länder oder Gemeinden dürfen Abordnungen des Bundesheeres sowie einzelne Soldaten in Uniform auf Einladung der Veranstalter teilnehmen oder mitwirken.

(2) An anderen Veranstaltungen dürfen Soldaten in Uniform mit Bewilligung des zuständigen Militärkommandanten teilnehmen. Diese Bewilligung darf nur erteilt werden, wenn die Veranstaltung keinen parteipolitischen Charakter trägt und erwartet werden kann, daß sie einen solchen auch nicht durch die Veranstalter erhält.

Was an einer Ballveranstaltung „parteipolitischen Charakter“ haben soll ist aber fraglich, zumal der Veranstalter ja nicht die SPÖ-Sektion Potzneusiedl ist sondern der unabhängige WKR („Der WKR lehnt jede parteipolitische Stellungnahme und Betätigung als Arbeitsgemeinschaft ab“ Quelle).

Der tatsächliche Hintergrund dieser fragwürdigen Aktion des UMAZ dürfte wohl eher in der seinerseits parteipolitisch motivierten ideologischen Gegnerschaft zu nicht-linkem Gedankengut verankert liegen, der Mißbrauch des Bundesheeres durch diesen Parteisoldaten erreicht damit einen weiteren negativen Höhepunkt in einer an solchen Momenten absolut nicht armen „Karriere“. Welcher Teufel die SPÖ seinerzeit geritten hat, ausgerechnet diesen Mann als Verteidigungsminister zu installieren weiß keiner, aber immerhin ist er uns dadurch als Innenminister (was ja sein eigentlicher Wunschposten war) erspart geblieben. Rücktrittsreif ist er jedenfalls, das war er aber schon lange vor dieser Aktion, ich habe mir auch schon ein hervorragendes Flascherl Wein beiseitegelegt das ich zu diesem freudigen Anlaß genußvoll entkorken werde. Im Moment jedoch wird der Schaden, den der UMAZ anrichtet von Tag zu Tag größer.

Doch zurück zum WKR-Ball: Ich kann weder für den WKR, noch für das Bundesheer sprechen, ich bin kein Korporierter und auch kein Korporal. Hätte ich im zuständigen Ballkomitee etwas zu sagen wüßte ich aber schon die richtige Antwort auf diese elende Ungeheuerlichkeit: Freier Eintritt für jeden Soldaten in Uniform! Und wäre ich Soldat (nicht ein vor bald 20 Jahren abgerüsteter Gefreiter) würde ich dieses Angebot freudig annehmen und mich von den Konsequenzen überraschen lassen. Es gibt Grenzen für die widerspruchslose Hinnahme von gesellschaftspolitischen Fehlentwicklungen, eine solche wurde mit diesem Uniformtrageverbot auf alle Fälle überschritten!

Mit anders „Uniformierten“ ist übrigens am 27. Jänner vor der Hofburg sicher zu rechnen: Linksfaschistische Agitatoren haben bereits vor Wochen zu Protesten gegen den Ball aufgerufen, das vermummte Gesindel wird auch im heurigen Jahr wieder versuchen, die Veranstaltung zu stören, wenn nicht gar zu verhindern. Laut einem Presse-Bericht werden jedenfalls über 1000 (in Worten: eintausend!) Polizisten aufgeboten werden um Ausschreitungen zu verhindern. Und nein, das ist nicht eine Bananenrepublik im Bürgerkrieg, das ist Wien in der Ballsaison. Unglaublich.

5 Antworten zu “Uniformverbot

  1. Pingback: Wochenrückblick 3/2012 | dagarser

  2. Pingback: Grenzenlose Blödheit | dagarser

  3. „Parteisoldat“ ist gut. Er sollte seiner Partei auch den Dienst verweigern, wie er es bei der Republik Österreich auch getan hat.

  4. »Linksfaschistische Agitatoren haben bereits vor Wochen zu Protesten gegen den Ball aufgerufen, das vermummte Gesindel wird auch im heurigen Jahr wieder versuchen, die Veranstaltung zu stören, wenn nicht gar zu verhindern.«

    In Österreich gilt, soweit ich weiß, in der Öffentlichkeit das Vermummungsverbot. Da mit diesen vermummten Anarchisten zu rechnen ist, sollte man bereits jetzt für genügend freie Gemeinschaftszellen sorgen. Schließlich wollen die doch gemeinsam die Strafe absitzen. Den Rest meiner Gedanken kennt ihr alle ohnehin. Man sollte vielleicht daran denken, die segensreiche Einrichtung eines Arbeitshauses zu forcieren. Damit wäre vielen Chaoten geholfen – sie würden das erste Mal in ihrem Leben arbeiten.

    • Das Vermummungsverbot gibt es natürlich, inwieweit das in praxi auch exekutiert wird steht auf einem anderen Blatt.

      Kann sich noch jemand erinnern wie im Jahr 2000 der damalige Wiener Polizeigeneral (Schnabl hat er glaube ich geheissen) bei einer unangemeldeten „Donnerstagsdemo“ mit seiner Tochter mitmarschiert ist anstatt vernünftigerweise Wasserwerfer auffahren zu lassen?

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