Die Landesjagdverbände und die Waffenregistrierung

Die Waffengesetznovelle 2010 wird in wenigen Monaten in Kraft treten. Neben zahlreichen weiteren Veränderungen gegenüber dem derzeit gültigen Waffengesetz 1996 ist besonders die neu eingeführte Registrierungspflicht auch für Waffen der Kategorien C + D hervorzuheben.

Waren die C-Waffen bisher lediglich beim Büchsenmacher zu melden und die D-Waffen überhaupt „frei“, so sind künftig alle Kat.-C-Waffen (auch der „Altbestand“!) sowie alle neu erworbenen Kat.-D-Waffen – wiederum beim Büchsenmacher – zu registrieren. Lagen die alten Meldungen beim Büchsenmacher lediglich zur Behördeneinsicht auf, sind die neuen Registrierungen in ein zentrales Waffenregister einzutragen. Somit hat der Staat hinkünftig kompletten Überblick über alle im Privatbesitz befindlichen Legalwaffen, sollte irgendwann jemand auf die Idee kommen eine Waffensteuer einzuheben oder gar den Waffenbesitz zu verbieten so hat er alle dazu erforderlichen Daten verfügbar.

Die Registrierungspflicht war eine Idee der EU, die entsprechende Richtlinie war von allen Mitgliedsstaaten umzusetzen. Sicherheitsgewinn bringt sie keinen, wie sich das Waffengesetz ja generell nicht zur Kriminalitätsbekämpfung oder -prävention eignet und dafür auch nicht vorgesehen ist.

Was hat das aber mit den Landesjagdverbänden zu tun? Nun, es gibt in Österreich ca. 120.000 Jäger, diese sind natürlich alle Waffenbesitzer. Gehen wir – äußerst konservativ – von 5 Langwaffen pro Jäger aus, so sind das 600.000 Waffen die zu registrieren sein werden, schließlich gibt es auch bei den D-Waffen eine gewisse Fluktuation und auch der private Erwerb einer (gebrauchten) Flinte ist künftig zu registrieren. Daß die Registrierung natürlich nicht kostenlos erfolgt ist klar und auch verständlich, schließlich hat der Büchsenmacher ja Kosten und Aufwand. Die Kosten sind nicht reglementiert, 40 bis 50 Euro pro Waffe sind durchaus realistisch. Das heißt, die österreichischen Jäger werden allein für die Registrierung ihrer Waffen 30 Millionen Euro zu berappen haben, das ist viel Geld. Wer jetzt annimmt, daß die Landesjagdverbände ihre Mitglieder über die auf sie zukommende Registrierung, aber auch die Kosten informiert hat, der irrt. Ich habe selbst zahlreiche Vorträge über die Waffengesetznovelle 2010 vor diversen Jägerrunden abgehalten, bis auf wenige Ausnahmen hatte davon noch keiner gehört, „Wieso sagt uns das keiner?“ war der am öftesten geäußerte Satz.

Wieso eigentlich nicht? Wieso informieren die Interessenvertretungen der Jäger ihre Mitglieder nicht über einschneidende Änderungen ihr „Handwerkzeug“ betreffend? Wieso sagt man den Jägern nicht zeitgerecht, daß vor Inkrafttreten der WaffGNov 2010 (also dem Beginn der Registrierungspflicht) gekaufte Kat.-D-Waffen (zumindest vorläufig) nicht zu registrieren sind? Wieso werden die Jäger nicht über die auf sie zukommenden Kosten informiert? Wieso?

Ich habe das gefragt, vernünftige Antworten habe ich keine bekommen. Vielleicht können das andere erfragen und mir die Antworten zukommen lassen.

Ich wäre dafür sehr dankbar!

6 Antworten zu “Die Landesjagdverbände und die Waffenregistrierung

  1. Einige oder mehrere Funktionäre der Interessenvertretungen der Jäger sind schließlich Politiker, das würde erklären warum nichts geschieht. Politiker haben ja bekanntlich nur die eigenen Interessen im Sinn. Auch wenn in Zukunft die Funktionen neu besetzt werden, es wird sich nichts ändern.

  2. Pingback: Wochenrückblick 3/2012 | dagarser

  3. Registrierung ist die Vorstufe zur Enteignung, darüber sollte man sich bewusst sein. Trotzdem: Wer die Waffen (wie ich) in erster Linie für den Schießsport benötigt und damit auch in Zukunft legal im Land herumfahren will, muss in den sauren Apfel beissen und registrieren. Eine Verkehrskontrolle mit entdeckter nicht gemeldeter (=illegaler) Waffe, kostet nämlich die Zuverlässigkeit und somit alle Waffen.

  4. Es wird wirklich ein Desaster. Die Jagdfunktionäre haben bis jetzt nicht informiert und werden es wahrscheinlich auch nicht tun. Zumindest solange nicht, bis das Gesetz endgültig in Kraft getreten ist. Und dann wird es ein furchtbares Gedränge geben, keiner wird sich auskennen und das Resultat wird sein, daß die Jäger ihren gesetzlichen Verpflichtungen nicht nachkommen werden.
    Schon jetzt höre ich immer wieder: „Ich bin doch nicht blöd, ich werde nichts melden! Habe eh schon bezahlt dafür! Und wenn, dann gerade die Wáffen, mit denen ich ständig auf die Jagd gehe, die anderen aber nicht!“
    Ist es das, was sich unsere Politiker wünschen? Ist es das, was die Jäger tun sollen?
    Und auch die Politik macht überhaupt nichts. Keine Aufklärung, keine Einschaltungen in den Jagdzeitungen, keine Veranstaltungen.
    Augen zu und durch! Ist das diie richtige Strategie?

  5. Ich bin Mitglied im WLJV und habe im Editorial kurz etwas über die WaffG-Novelle erfahren; es war 2010 im Rahmen eines Ausblickes auf die kommenden Jahre. Der Autor hat lediglich über die „unwesentlichen Verschärfungen für Jäger“ jubiliert. Da stellt sich mir die Frage, wen er mit diesem Euphemismus blenden will? Eine Verschärfung ist und bleibt eine Verschärfung – ob sie unwesentlich ist oder nicht hängt wenn dann vom individuellen Fall ab. Dass alle Waffen zu registrieren sind, nämlich auch der Altbestand, wird auch von den LJVs m.E. wenig bis garnicht kommuniziert. Diese Verschärfung trifft uns Jäger voll ins Mark.
    Mittlerweile würde ich von meiner (Jagd-)Interessensvertretung erwarten, dass sie mir als zahlendem Mitglied konkrete Informationen über das Wann und Wie übermittelt. Die IWÖ macht das wesentlich besser.
    Der Aufwand für die Registrierung ist enorm, da bin ich mir sicher: Sie kostet vielleicht nicht Blut, Schweiß und Tränen, aber definitiv viel Zeit, Geld und Nerven.

    • „Ich bin Mitglied im WLJV und habe im Editorial kurz etwas über die WaffG-Novelle erfahren; es war 2010 im Rahmen eines Ausblickes auf die kommenden Jahre. Der Autor hat lediglich über die „unwesentlichen Verschärfungen für Jäger“ jubiliert.“

      Auch im „Weidwerk“, der – laut Selbstbekunden – „auflagenstärksten Jagdzeitschrift Österreichs“ war außer einer Randbemerkung schon vor einiger Zeit nichts über die Registrierung (sowie die anderen Änderungen) zu lesen.

      Wäre man sich seiner Verantwortung bewußt hätte man – statt immer mehr Raiffeisen-Werbung zu schalten – seit Bekanntwerden der Auswirkungen der Novelle in jeder Ausgabe mindestens eine halbe Seite an prominenter Stelle diesem Thema widmen müssen. Aber da sind Mautner Markhof’sche Autotests und Kochrezepte vom Mörwald scheinbar wichtiger.

      Cui bono?

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