Des Dramas (vorläufig) letzter Akt

Gestern war es soweit: Nikolaus Pelinka hat seine Bewerbung für den Posten des Büroleiters des ORF-Generalsekretärs Alexander Wrabetz zurückgezogen. Vorangegangen waren dieser Entscheidung endlose Diskussionen um politische Einflußnahme im ORF, ich habe hier, hier und hier darüber berichtet.

Die Erklärung Pelinkas im Wortlaut:

Die andauernde öffentliche Debatte über meine Person und meine mögliche Bestellung zum Büroleiter des ORF-Generaldirektors hat ein Ausmaß erreicht, das nicht mehr akzeptabel ist. Ich ziehe mich von dieser Ausschreibung zurück.

Dieser Schritt erfolgt nicht, weil ich die falsche Person für diesen Posten bin. Er ist einerseits notwendig, weil ich weitere untergriffige Angriffe gegen mich, meine Familie und mein persönliches Umfeld vermeiden möchte. Er erfolgt auch, weil eine breite öffentliche Diskussion mittlerweile die Substanz des ORF gefährdet und ich weiteren Schaden nicht akzeptieren will.

Die unerfreulichen formalen Unstimmigkeiten rund um die Bestellung sind ein weiterer Grund für diesen Schritt. Die Perspektive einer wochenlangen Weiterführung dieses unwürdigen Theaters möchte ich weder mir noch dem ORF zumuten.

Außerdem möchte ich nicht das Symbol für etwas sein, das nicht meiner persönlichen Wertehaltung entspricht. Der Grund für mein angestrebtes Engagement im ORF war ausschließlich mein persönliches Vertrauensverhältnis zu Alexander Wrabetz und mein Interesse am Medienunternehmen ORF.

Ich freue mich nun auf spannende berufliche Aufgaben in der Zukunft.“ (APA-OTS)

Die öffentliche Debatte ist also nicht mehr „akzeptabel“. Soso. Daß die Bestellung eines strammen Parteijungmannes per se inakzeptabel sein könnte, darauf kommt der Herr Pelinka also nicht. Wie auch? Schließlich sieht er sich ja selbst nicht als „die falsche Person für diesen Posten“. Die „untergriffigen Angriffe“ waren sicherlich unschön und teilweise starker Tobak, aber wenn man sich exponiert muß man das auch aushalten können. Das wird Pelinka schon noch lernen, er ist ja noch jung. Wenn er allerdings schreibt, er wolle „nicht das Symbol für etwas sein, das nicht seiner persönlichen Wertehaltung entspricht“, dann kann das nur an der närrischen Jahreszeit liegen. Einer der – laut Elfriede Jelinek – Sargnägel der Sozialdemokratie hat sich von seinen Freunden Werner und Laura verheizen lassen, die Erkenntnis fällt natürlich schwer, aber auch da wird er noch d’raufkommen. Was die „spannenden beruflichen Aufgaben in der Zukunft“ betrifft wünsche ich ihm viel Glück, allzu offensichtlich wird ihn die SPÖ in näherer Zukunft wohl nirgends hineinsetzen können, dafür stehen zu bald Neuwahlen an.

Auch Alexander Wrabetz hat Pelinkas Entscheidung mittlerweile kommentiert, hier ein Auszug:

Niko Pelinka hat nun seine Bewerbung für den Posten meines Büroleiters zurückgezogen. Ich respektiere seine Entscheidung, dafür nicht mehr zur Verfügung zu stehen und sich beruflich neu zu orientieren, in höchstem Maße. Die geplante Bestellung von Niko Pelinka war ebenso wenig Gegenstand einer parteipolitischen Absprache wie sein nun bekanntgegebener Rückzug. Ich bin auch überzeugt, dass sich Niko Pelinka mit großem Einsatz bedingungslos für den ORF und die im öffentlich-rechtlichen Auftrag enthaltenen Werte eingesetzt hätte. (Voller Text: Die Presse)

„Die geplante Bestellung von Niko Pelinka war ebenso wenig Gegenstand einer parteipolitischen Absprache wie sein nun bekanntgegebener Rückzug.“ Meint der das ernst? Der Mann ist ja nicht mehr zu retten! Statt still, leise, kleinlaut und schlicht den Rückzug der Bewerbung zur Kenntnis zu nehmen und auf zahlreiche weitere Kandidaten hinzuweisen tischt er diesen Unsinn auf den ihm niemand in ganz Österreich glauben kann. Und das ist der Generaldirektor des ORF? Wahnsinn.

Wrabetz ist angezählt, das hat er allein sich selbst zuzuschreiben. In den Medien ist Glaubwürdigkeit das höchste Gut, wenn der Leiter des größten Medienunternehmens im Lande seine Glaubwürdigkeit so nachhaltig verspielt hat wie Wrabetz wird er diese nur schwerlich zurückgewinnen können. Das ist sein Schaden, aber auch der Schaden des öffentlich-rechtlichen ORF.

Abschließend noch ein Wort zu den ORF-Redakteuren, die so nachhaltig gegen die Bestellung Pelinkas mobil gemacht haben: Langjährige ORF-Konsumenten wissen genau, daß dieser Protest weniger gegen die (sozialistische) Einflußnahme gerichtet war, sondern vielmehr gegen deren Offensichtlichkeit. Das Haus am Küniglberg war, ist und bleibt in dieser Beziehung eine Schlangengrube.

4 Antworten zu “Des Dramas (vorläufig) letzter Akt

  1. Pingback: Wochenrückblick 3/2012 | dagarser

  2. Der ORF wrd sicher nicht besser werden dadurch. Aber immerhin haben die Redakteure gezeigt, daß sie etwas bewirken können. Ob das reicht?

  3. „…wird ihn die SPÖ in näherer Zukunft wohl nirgends hineinsetzen können, dafür stehen zu bald Neuwahlen an.“

    Bei diesen Neuwahlen wird die SP wieder mit der Postenschacherei konfrontiert werden. Diese und andere Kritikpunkte könnten die SP dazu veranlassen, mangels substanzieller Erfolge der Großen Koalition (nicht irgendwelche Reförmchen), Verzweiflungsschläge gegen anders gerichtete Interessensgruppen auszuteilen. Wir Waffenbesitzer haben da gewohnt oberste Priorität. Die Schergen der „Großen Vaterländischen Waffenhysterie“ werden dann wieder zur Höchstform auflaufen, vielleicht gibts auch ein paar Unterbeschäftige vom „Aktionsbündnis Winnenden“, die in Ö Stimmung machen wollen.

  4. »Langjährige ORF-Konsumenten wissen genau, daß dieser Protest weniger gegen die (sozialistische) Einflußnahme gerichtet war, sondern vielmehr gegen deren Offensichtlichkeit. Das Haus am Küniglberg war, ist und bleibt in dieser Beziehung eine Schlangengrube.«

    Das Gleiche gilt für die systemhörigen Zeitungen. Ob diese allerdings systemhörig sind oder eigentlich Bestandteil des Systems – das ist eine Frage, die sich bei ineinander verschlungenen Seilschaften schwer beantworten lässt. Ein Glück, daß es das Internet gibt – hier kann man noch mancherorts die Wahrheit lesen. Bei »dagarser« und bei den »Querschüssen« ist die Wahrheit offensichtlich.

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