Jagdliches Brauchtum

Jener Wiener  Berg, den wir unter dem Namen Kahlenberg kennen, hieß früher „Sauberg“, der heutige Leopoldsberg hieß bis zur Widmung der Leopoldskapelle 1693 Kahlenberg, dessen Name da an den Sauberg „wanderte“. Das „Kahl“ kam aber nicht vom mangelnden Bewuchs, ganz im Gegenteil, sowohl der Sau- wie auch der Kahlenberg waren von dichten Eichenwäldern bedeckt die dem Schwarzwild, den „Sauen“, Heimat waren und die dort auch entsprechend bejagt wurden.    Nein, das „Kahl“ kommt vom „Kallen“, dem Lautgeben der Jagdhunde, der sogenannten „Saupacker“.

Der Name des Wiener Hausbergs geht also auf die Jagd zurück, wie etwa auch die Gründung des Stiftes Klosterneuburg durch Markgraf Leopold III. weil auf einer Hetzjagd dessen Jagdhunde auf den verschollenen Brautschleier seiner Gattin Agnes verwiesen woraufhin er – einem Gelübde folgend – an dieser Stelle das Augustiner-Chorherrenstift Neuburg errichten ließ.

Zwei „Anekdoten“, gewiß, aber welche Relevanz wohnt ihnen zum Thema „jagdliches Brauchtum“ inne? Was hat ein Berg, was ein Stift, mit überlieferten Traditionen und „Riten“ zu tun?

Die Antwort ist einfach: Die Jagd galt in früheren Zeiten zwar wohl als „herrschaftliche Betätigung“, doch gleichzeitig war sie allgegenwärtig und viele Leute lebten direkt oder indirekt von der Jagd.

In der heutigen Zeit hat die Jagd zwar für die Menschen nicht mehr diese existentielle Bedeutung, die Wichtigkeit der Jagd lebt allerdings  in den Sitten und Gebräuchen der Jägerschaft, dem sogenannten „jagdlichen Brauchtum“, aber auch im allgemeinen Sprachgebrauch, weiter.

Die Jägersprache etwa, die vielen uneingeweihten mitunter seltsam oder gar „gestelzt“ vorkommen mag ist nichts anderes als eine Zunftsprache. Wo der Jäger statt Blut „Schweiß“ sagt, wo er einen Hirsch mit langen Spießen, der einen Artgenossen damit verletzt oder gar tötet  einen „Mörder“ heißt, der seinen Rivalen „forkelt“, da sagt der Mediziner zum Bauch „Abdomen“ und zum Durchfall „Diarrhoe“. Während allerdings die Ärztesprache – um bei diesem Beispiel zu bleiben – aus den lateinischen Wortursprüngen entstanden ist, so ist die Jägersprache über Jahrhunderte aus der Praxis gewachsen und ist keineswegs „künstlich“, sondern vielmehr praktisch: Daß etwa „Lauscher“ die Ohren bezeichnen, „Lichter“ die Augen und „Windfang“ die Nase, „Äser“ bzw. „Geäse“ das Maul und „Lecker“ die Zunge, ist keine Verkomplizierung, sondern eine logische Simplifizierung die – innerhalb der Jägerschaft – allgemein gültig ist und entsprechend auch verstanden wird.

Doch auch abseits der Jägerschaft hat sich die Weidmannssprache fest etabliert: Wenn man „jemandem auf den Leim geht“ erahnt man das frühere Schicksal der Singvögel, die mittels der „Leimrute“ gefangen wurden, geht einem etwas „durch die Lappen“ teilt man den jagdlichen Mißerfolg des mittelalterlichen Jägers dem das Wild aus dem „eingelappten“, also mit Fetzen eingefaßten, Revierteil entkommen ist.

Neben der Jägersprache haben aber auch andere jagdliche Bräuche Einzug in den Alltag gefunden: Bezirksjägertage werden schon lange nicht mehr nur von Jägern besucht, im Wiener Rathaus finden Jagdhornbläserkonzerte statt, jagdliche Fachmessen ziehen auch Nichtjäger stark an.

Herbstliche Hubertusmessen oder auch die Jägermesse vom „Grünen Kreuz“ im Wiener Stephansdom entpuppen sich als wahre „Publikumsmagneten“ wo auch im urbanen Raum die nichtjagende Bevölkerung an von Jagdhornklängen untermalten Jägerbräuchen teilnimmt.

Das Thema „jagdliches Brauchtum“ kann im vorliegenden Artikel aufgrund seiner Vielschichtigkeit nur angerissen werden. Auf welcher Hutseite welcher „Bruch“ getragen wird, welche Holzarten als Bruch überhaupt in Frage kommen, wie eine „Strecke“ richtig „gelegt“ und „verblasen“ wird, etc., würde den Rahmen hier sprengen. Der diesbezüglich interessierte findet aber sicherlich in seiner Umgebung reichlich Möglichkeiten mehr darüber zu erfahren und Bekanntschaften zu intensivieren und zu knüpfen.

Gehen Sie auf Jäger zu, kommen Sie mit ihnen ins Gespräch – Sie werden nette Leute kennenlernen und womöglich auch eine gute Bezugsquelle für Wildbret auftun!

Zu Beginn dieses Artikels wurde auf die Vergangenheit der Jagd verwiesen. Freuen wir uns auf ihre Zukunft!

Weidmannsheil!

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Dieser  Artikel ist zuvor in den IWÖ-Nachrichten 2/2011 erschienen.

2 Antworten zu “Jagdliches Brauchtum

  1. Pingback: Wochenrückblick 4/2012 | dagarser

  2. Weidmannsheil! Der Artikel wäre auch in einer Jagdzeitscharift nicht schlecht.

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