Alarm!

Gestern kam es in Leipzig zu einem Großeinsatz der Polizei. Es wußte zwar keiner was eigentlich los war, die Auslösung eines „technischen Alarms“ an einer Schule hat aber genügt, einen gewaltigen Aufstand zu veranstalten.

Was war geschehen?

Die Polizei teilte mit, um 15:40 Uhr sei Alarm ausgelöst worden. Die Ursache sei unklar. (mdr-Teletext)

So so. Ein „technischer“ Alarm führt also heute zu einem Großeinsatz der Polizei, inklusive Sondereinsatzkommando. Auch die Medien springen begeistert auf den vermeintlichen „Amok“-Zug auf, atemlos wir berichtet, daß es nichts zu berichten gibt. Während die Kameras gebannt das Schulgebäude fixieren fallen die Worte „Erfurt“, „Winnenden“, „Columbine“, etc., es wird über mögliche Opferzahlen spekuliert, man spricht von „bangen Momenten“ und „beklemmenden Gefühlen“. Dann die erlösende Nachricht: Entwarnung!

Das SEK hat die Schule durchsucht und „keine Anhaltspunkte“ für einen Amokläufer gefunden, die Ursache für die Alarmauslösung konnte nicht festgestellt werden. Die tapferen Medien bleiben aber dran und filmen fleißig mit, wie die Schüler von ihren Eltern nach einem Fehlalarm abgeholt werden. Pulizerpreisverdächtig.

Gut ist’s ´gangen, nix is‘ g´schehn, Gott sei Dank. Dabei hätte nämlich sehr viel passieren können:

Notfallpläne sehen vor, dass sich die Schüler bei einem solchen Alarm in den Klassenräumen einschließen. (mdr-Teletext)

Ach so macht man das heute. Damals, als ich die Schule mit meiner (zeitweisen) Anwesenheit beehrte hat man die Schüler bei einem Feueralarm (eine andere Alarmdefinition gab es nicht) möglichst geordnet aus dem Schulgebäude hinausexpediert, das wurde auch mindestens einmal pro Semester geübt. Erschien mir damals eigentlich sinnvoll, ein brennendes Gebäude zu verlassen ist ja an und für sich auch logisch – es ist auf alle Fälle logischer, als sich darin einzuschließen. Aber irgendwer wird sich schon etwas dabei gedacht haben, wahrscheinlich ist man als Brandleiche weniger tot als wenn man von einem „Amokläufer“ erschossen wird. Deppen.

Weil’s gerade zum Thema paßt eine kleine Anekdote, ich habe in der Schule sogar einmal einen Bombenalarm(!) unbeschadet überstanden:

Wir schreiben das Frühjahr 1989, da 13jährige Garser sitzt an einem schönen Samstagvormittag in der Klasse und freut sich auf seine allererste Lateinschularbeit. Eben hat es zur zweiten Unterrichtsstunde geläutet, der Lateinprofessor will gerade die Schularbeiten austeilen. Auf einmal läutet die Schulglocke: Einmal. Ein zweites mal. Ein drittes mal. Der Professor Sch., ein ganz liebenswertes Original aber stockterrisch, teilt unbeirrt weiter aus. Wir Schüler: „Herr Professor! Feueralarm!“ Prof. Sch.: „Geh, geh, Kinder, laßt’s den Blödsinn! So schwer ist die Schularbeit eh nicht.“ Wir: „Nein, wirklich! Dreimal hat’s geläutet!“ Überzeugt ist der Herr Professor zwar nicht, aber immerhin riskiert er einen Blick auf den Gang und stößt ob der dort gerade einsetzenden Völkerwanderung einen gar nicht so kurzen Fluch aus. Dann sammelt er in aller Seelenruhe die Schularbeiten wieder ein und murmelt etwas von „Wehe da steckt einer von euch dahinter!“, dann schließen wir uns ruhig und geordnet dem Flüchtlingstreck an. Schon auf dem „Fluchtweg“ hört man erste Gerüchte von einer „Bombendrohung“, unten im Schulhof, unserem „Sammelpunkt“, wird’s dann offiziell: Nein, es brennt nirgends, aber es ist eine telefonische Bombendrohung im Sekretariat eingegangen! Komischerweise verfällt aber niemand in Panik, die Schüler nicht und die Lehrer schon gar nicht – wir lachen und scherzen, einige der älteren Schüler ziehen verstohlen in Richtung der Raucherecke, die Direktorin – „Frau Hofrat“ J., an und für sich schon eine furchterregende Erscheinung – zieht auf dem Kriegspfad von Klasse zu Klasse und befragt die Lehrer, an ihrem Gesicht läßt sich ganz klar erkennen daß auf den Verantwortlichen für diese Bombendrohung großes Ungemach zukommen wird. Inzwischen ist auch die Polizei eingetroffen (immerhin drei Funkstreifen!) und geht mit einem Bombensuchhund (haben sie jedenfalls gesagt) das Schulgebäude ab. Finden tun sie nichts, nach nicht einmal zwei Stunden ist der ganze Spuk vorbei: Der Übeltäter ist gefunden, eine 7. Klasse hätte ebenfalls in der zweiten Stunde großen Chemietest geschrieben, der einzige 5er-Kandidat fehlt aber heute. Das ist schon einmal ein Indiz, daß der Trottel sich aber schräg gegenüber im Café erwischen läßt und beim ersten bösen Blick der Frau Hofrat sofort alles gesteht bedeutet Entwarnung. Alles zurück in die Klassen, bald beginnt die vierte und letzte Stunde! Nix mit Lateinschularbeit heute, jetzt steht Physik auf dem Stundenplan – da kommt Prof. Sch. freudestrahlend auf uns zu: „Freut’s euch Kinder, ich hab mit dem Prof. E. Stunde getauscht, wir können jetzt die Schularbeit schreiben!“

Das war also die Geschichte von „meinem“ Bombenalarm. Die Schularbeit ist (sehr) gut für mich ausgegangen, nach Schulschluß sind wir alle fröhlich ins Wochenende gegangen. Der „Bombendroher“ ist dann die Woche darauf hochkantig von der Schule geflogen, was ihm sonst noch passiert ist weiß ich nicht, man hat nichts mehr gehört.

Ich frage mich allerdings manchmal, wie so eine Situation heute ausgehen würde: Wahrscheinlich würde eine Hundertschaft der Polizei aufmarschieren, der Cobra-Hubschrauber über dem Gelände kreisen, die Presse würde in ähnlicher Mannstärke wie die Polizei das Geschehen gebannt verfolgen und wüste Spekulationen über die Herkunft der „Höllenmaschine“ anstellen. Kriseninterventionsteams des Roten Kreuzes würden sich um die schluchzenden, traumatisierten Schüler kümmern und die fassungslosen Lehrer würden über die Gefahren des Lehrberufes räsonieren.

Ich weiß nicht – irgendwie war’s früher besser. Auch die Tatsache daß man ein Gebäude, in dem sich möglicherweise eine Bombe befindet verlassen und sich nicht darin eingesperrt hat.

3 Antworten zu “Alarm!

  1. Pingback: Wochenrückblick 9/2012 | dagarser

  2. »Wir Waffenbesitzer werden früher oder später die Auswirkungen spüren – Wetten dafür, werden schon jetzt angenommen…..«

    Das Unterfangen der österreichischen Systempolitiker wird sich im Vergleich mit dem, was die EUdSSR für uns plant wie ein – ich bitte um Verzeihung – Lercherlschas im tiefen Walde ausnehmen. Diktaturen sind eben so. Aber keine Diktatur hält ewig. Und was hernach mit den Diktatoren geschieht, kann man in so manchen Geschichtsbüchern nachlesen. Oder aber im Internet ansehen. Ich sage nur: Gaddafi…
    Das sollten die machtgeilen Politiker beachten…

  3. …..Zufall oder Riecher?
    Gestern kam es in Klagenfurt im Gericht zu einem Amok-Polizeieinsatz – als Übung.
    Ich finde solche Übungen dann sinnvoll, wenn man dann auch wirklich Maßnahmen trifft – ich fürchte, das wird es nicht.
    Dann kam ich zufällig in die Parlamentsdebatte über zwei Gesetze und zwar über das Abkommen mit den USA über den Personendatenaustausch für „Verdächtige“ – verdächtig sind mir in erster Linie allerdings die Verdächtiger….aus langer geschichtlicher Erfahrung.
    ……um das „Abkommen“ Österreich abzupressen, hielt man sich nicht lange mit Verhandlungen auf, sondern drohte freundlich, aber bestimmt in imperialistischer Manier, die Visapflicht stünde als Alternative im Raum – nun, die gibt es ja ohnehin schon in Form von Befragungen vor, während und nach der Landung bei einem Amerikabesuch oder Überflug….
    Sinn dieses Aufwandes ist meiner Meinung in erster Linie, Millionen Leute im Sicherheitsbereich zu beschäftigen und gleichzeitig den Anschein Sicherheit für das Dummvolk zu erwecken.
    Einem ähnlichen Zweck dient unser eigenes „Sicherheitspolizeigesetz“.
    FPÖ, BZÖ und man höre und staune auch die Grünen, haben das aus gutem Grund abgelehnt und da haben vor allem die Grünen sehr gute Argumente dagegen präsentiert.
    Oder haben diese beiden Gesetze denn etwas miteinander zu tun?
    Ein Schelm der dabei Böses denkt….
    …..ich hätte wenigstens den Anschein vermieden, aber nicht einmal das fand man für das Dummvolk erforderlich.
    Wir Waffenbesitzer werden früher oder später die Auswirkungen spüren – Wetten dafür, werden schon jetzt angenommen…..

Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s