Vae victis

Unlängst ist mir in meiner Bibliothek wieder einmal ein hochinteressantes Buch aus der Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes in die Hände gefallen. Der selbsterklärende Titel lautet „Das Jahr 1945 im politischen Bezirk Waidhofen an der Thaya“, der Autor heißt Christoph Schadauer.

Das Waldviertel war im 2. Weltkrieg kein Kriegsgebiet per se, abgesehen von einigen Luftangriffen auf strategische Ziele (Eisenbahnlinien und Bahnhöfe, militärische Anlagen) blieb die Zivilbevölkerung von Kampfhandlungen verschont. Somit begann für viele Waldviertler der Terror des Krieges ironischerweise erst mit dessen Ende, mit der Besetzung durch die Rote Armee. Vae victis, „Wehe den Besiegten“, so hieß es immer schon, große Teile der Bevölkerung fühlten sich jedenfalls angesichts marodierender, plündernder, vergewaltigender und mordender Russen nicht so recht „befreit“. All diese Ereignisse sind in oben genanntem Buch bestens beschrieben, wer sich für diese Zeit interessiert dem sei die Lektüre wärmstens empfohlen (Titel s.o., ISBN 3-900708-09-6).

Um auf den Titel dieses Artikels zu kommen: In seinem Buch beschreibt Schadauer im Kapitel 27 auch die Ablieferung aller Waffen durch die Österreicher an die sowjetische Besatzungsmacht, hochinteressant, einen Teil will ich hier wiedergeben:

„ (…) Eine Sonderregelung wurde hinsichtlich des Besitzes von Jagdwaffen erreicht, denn die Sowjets verfügten, daß Jagdgewehre und Kugelgewehre ohne Drall von der Ablieferungspflicht ausgenommen waren, was in einem Erlaß des provisorischen Landesausschusses für Niederösterreich vom 18. Mai 1945 festgehalten ist. (…) Um einen Waffenmißbrauch jedoch zu verhüten, wurden die Bürgermeister angewiesen, jene Personen bekanntzugeben, die noch Jagdwaffen besaßen und denen die Ausübung der Jagd erlaubt war. Selbstverständlich kamen dafür nur politisch einwandfreie Personen und keinesfalls ehemalige Mitglieder der NSDAP in Frage. (…) Im Zuge der Waffenablieferungen schlossen sich mehrere Jäger in Waidhofen/Thaya, die ihre Gewehre nicht abgeben wollten (also offensichtlich politisch nicht ganz „einwandfreie“, Anm.), zusammen und entwickelten eine Methode, die es ihnen ermöglichte, die Gewehre zu vergraben und somit für sich zu retten. Die Gewehre wurden in Öl getaucht, danach in Wachspapier eingewickelt und anschließend in Tonrohre gesteckt. Die Rohre wurden mit in Teer getauchten Holzdeckeln feuchtigkeitsdicht verschlossen und an drei Stellen im Wald vergraben. Die Waffenablieferung dürfte allgemein nicht so funktioniert haben, wie man es sich von sowjetischer Seite vorgestellt hatte. Der sowjetische Stadtkommandant Major Schtuschkin ersuchte (!) daher im September 1945 den Bezirkshauptmann in Waidhofen/Thaya, alle Feuerwaffen (Jagdwaffen und Stutzen inbegriffen) innerhalb von drei Tagen und ohne Ausnahme einzusammeln. Im Dezember 1945 wurde dieser Befehl des Kommandanten der sowjetischen Besatzungstruppen wieder abgeschwächt und die Regelung vom 18. Mai 1945 in Kraft gesetzt. (…) Bei einer freiwilligen Ablieferung hatte der Besitzer der Waffen außer dem Verfall derselben keine weiteren strafrechtlichen Verfolgungen zu befürchten. Bei Nichtablieferung mußte der Besitzer allerdings mit einem Verfahren vor einem sowjetischen Militärgericht rechnen. Die Formulierung des Textes dieser Anordnung läßt darauf schließen, daß man sich seitens der Sowjets von einem harten Durchgreifen scheinbar nichts oder zumindest nur wenig erwartete. Die Straffreiheit, die man trotz mehrerer vorheriger Ablieferungsbefehle bei freiwilliger Ablieferung noch immer gewährte, ist wahrscheinlich als Anreiz für die Bevölkerung zur Waffenabgabe zu deuten. Wie groß der Erfolg der Waffenablieferung letztlich war, ließ sich natürlich nicht feststellen.“

Es ist völlig logisch, daß eine siegreiche Armee die Besiegten entwaffnet, auch die Nichtkombattanten. Das war immer so, das wird immer so sein. Ebenso klar ist aber auch, daß sich niemand gerne entwaffnen läßt, sich sein Eigentum, die Möglichkeit sich zu wehren, einfach wegnehmen läßt. Damals, im Österreich der Nachkriegszeit, haben viele Waffenbesitzer eher die Gefahr in Kauf genommen vor ein sowjetisches Militärgericht gestellt zu werden, als ihre Waffen abzugeben. Was einen vor einem solchen Tribunal erwartet hätte mag man sich gar nicht ausmalen, ein one-way-ticket nach Sibirien wäre wohl das mindeste gewesen.

Die Besatzer haben unser Land 1955 verlassen, Österreich war „frei“. In der Folge hatten wir auch ein sehr brauchbares Waffengesetz. Die Freiheit, die Souveränität, hat Österreich aber 1995 wieder eingebüßt: Mit dem Beitritt zur EU sind zwar keine neuerlichen Besatzungstruppen ins Land eingefallen, Herren im eigenen Staat sind wir aber nicht mehr. Und wieder, wie schon `45, greifen die Kommissare nach unseren Waffen, nur daß sie diesmal nicht in Moskau sondern in Brüssel sitzen.

Glücklicherweise steht Sibirien der EU als Druckmittel nicht zur Verfügung, also hat sie uns vorerst einmal die „Entwaffnung light“ beschert – die Registrierungspflicht. Hätte es ein zentrales Waffenregister 1945 schon gegeben, hätte der im Text oben genannte Major Schtuschkin nicht an die freiwillige Waffenablieferung appellieren müssen – er hätte seine Rotarmisten einfach mit Listen ausgestattet und von Haus zu Haus zum Einkassieren geschickt.

„Leider“ gab es damals aber noch kein zentrales Waffenregister und so konnten viele Bürger ihre Waffen (wiewohl unter Lebensgefahr) behalten. Die Nazis hatten es verabsäumt, ihre Bürger auch in dieser Hinsicht zu versklaven. Die EU holt das jetzt nach.

10 Antworten zu “Vae victis

  1. Pingback: Wochenrückblick 10/2012 | dagarser

  2. Was die sowjetischen Besatzer nicht im Stande waren, wird auch der EU-Diktatur und unseren verräterischen Politikern nicht gelingen. Nur müssen wir uns halt gewaltig auf die Füße stellen.

  3. ….gelegentlich höre ich da in den amerikanischen Vorwahlkampf hinein:
    Auffällig ist, dass jeder Kandidat über sein Verhältnis zum privaten unbegrenzten Waffenbesitz befragt wird und jeder der Republikaner sagt selbstverständlich, er besäße und verwende auch persönliche Waffen – den Obama braucht das keiner zu fragen….das sind auch die Linken….wirklich link….s…..überall und ihre einzige Qualifikation besteht darin, Geld anderer Leute auszugeben und wenn keines da ist, machen wir Schulden für 3 Generationen….ich hoffe, ihre eigenen Kinder nageln sie dafür noch ans Kreuz…

  4. Zeit für einen Reim:

    Wer seine Waffen registriert
    ist sicher, daß er sie verliert.

    • ….Reim
      ….ja, es gibt Zeiten, wo es schwer fällt Gesetze zu befolgen.
      Gesetze sind so eine Sache. Ich vergleiche das immer mit dem 7. und 9. Mai 1945.
      Wofür du am 7.Mai 1945 noch das Ritterkreuz bekamst, dafür bist du möglicherweise am 9.Mai aufgehängt geworden und umgekehrt und alles war gesetzeskonform.
      Solange es demokratische Mittel gibt, sollte man diese verwenden.
      Ich glaube an das Gesetz, denn die Alternative ist Anarchie.
      Wie gesagt: Es fällt verdammt schwer.

      • »Solange es demokratische Mittel gibt, sollte man diese verwenden.«

        Soferne diese noch irgendetwas nützen: ja.
        Wenn diese nichts mehr nützen: dann handle man stets so, daß es dem Volk – dem Freien Bürger – dient.

      • Die demokratischen Mittel und das Gesetz sind zu einer sehr einseitgen Angelegenheit geworden.

  5. Erst registrieren, dann einkassieren. Das ist ist moderne Methode. Und schon gibt es die nächste Bedohung in der EU – die Abschaffung der Kat. C und D. Wie diese Waffen also registriert, kann sicher sein daß er sie verliert.

  6. »Die Nazis hatten es verabsäumt, ihre Bürger auch in dieser Hinsicht zu versklaven«

    Das heißt, daß man in der EUdSSR weitaus mehr versklavt wird. Das ist das wahre Gesicht des »friedensstiftenden« Projektes EU.
    Kein weiterer Kommentar nötig…

  7. ….wie ich immer sage: Lernt aus der Geschichte!
    Sie wiederholt sich immer nach gleichem Muster.

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