Schutz und Hilfe

Am Freitag war ich sprachlos: Einem KURIER-Artikel zufolge hieß es, daß im Zuge eines der von UMAZ Darabos angekündigten „Pilotprojekte“ für ein Berufsheer nun Strafgefangene für die Aufgaben von Grundwehrdienern herangezogen würden, genau Häftlinge aus der Strafanstalt Leoben am steirischen TÜPl Seetaler Alpen.

Ich war wie gesagt ebenso sprach- wie fassungslos, ich habe mich fürchterlich geärgert und ich ärgere mich immer noch – und zwar aus vielerlei Gründen. Zunächst einmal ärgere ich mich über mich selbst. Noch am Donnerstag habe ich den KURIER in einem Artikel in der Luft zerrissen und als übles Revolverblatt bezeichnet, am Freitag nehme ich dann aber eine Meldung ebendieses KURIER zum Anlaß, ohne weitere Recherche gleich unreflektiert loszuschimpfen. War keine Sternstunde von mir, zumal es zu diesem Zeitpunkt bereits eine Presseaussendung des Verteidigungsministeriums in Reaktion auf diese KURIER-Meldung gab, wonach der Einsatz von „Freigängern“ beim Bundesheer bereits seit 1969 stattfinde und das Berufsheer-Pilotprojekt auf dem TÜPl Seetaler Alpen noch nicht einmal begonnen habe. In einer weiteren Aussendung wird der Kommandant des TÜPl, Oberst Manfred Hofer, wie folgt zitiert: „Es arbeiten derzeit keine Freigänger beim Truppenübungsplatz Seetaler Alpe. Es haben auch noch nie welche bei uns gearbeitet“. Diese beiden Aussendungen stehen in direktem Widerspruch zu dem KURIER-Artikel, irgendwer lügt hier also, ich glaube ehrlich gesagt nicht, daß es der TÜPl-Kommandant ist. Man wird aber sehen, ob der KURIER seinen Artikel mit Beweisen untermauern kann, wenn ja, dann wären die zwei Presseaussendungen des BMLVS ein Skandal der Extraklasse. Bis zur Klärung dieser Frage ärgere ich mich jedenfalls über meine erste Reaktion.

Ich ärgere mich aber auch über die Tatsache daß es offensichtlich das normalste auf der Welt zu sein scheint, daß verurteilte Straftäter in den österreichischen Kasernen zum Einsatz kommen. Ich wußte das nicht, weder habe ich jemals davon gehört, noch habe ich während meiner eigenen Bundesheerzeit (wo ich als Wachsoldat bzw. -kommandant ja doch einen sehr guten Überblick hatte, wer sich in der Kaserne aufhält) irgendetwas davon mitbekommen. Wenn sich seit den 1990ern nicht allzuviel geändert hat ist der Zutritt zu militärischen Liegenschaften sehr streng geregelt, und das mit gutem Grund. Ob es da sinnvoll ist, irgendwelche Häf’nbrüder für Arbeiten heranzuziehen wage ich sehr zu bezweifeln. Resozialisierung ist ja sicherlich ein ganz wichtiger Aspekt des Strafvollzugs – aber muß das bitte beim Bundesheer sein?

Da kommen wir schon zum nächsten Punkt meines Ärgers: Den feuchten Träumen des UMAZ Darabos von einem Berufsheer. Jenes Darabos, der einst die Wehrpflicht als „in Stein gemeißelt“ angesehen hatte, seine Meinung aber blitzschnell und nachhaltig änderte als sein im Wahlkampf befindlicher Genosse Häupl ein populistisches Wahlzuckerl brauchte. Von den enormen Kosten, die ein solches Berufsheerexperiment dem finanziell ohnehin schon ewig ausgehungerten Bundesheer abverlangen würde einmal abgesehen – wer würde sich denn von einem solchen Berufsheer angezogen fühlen? Die Erfahrungen anderer Länder, die diesen Weg gegangen sind (oder ihn gehen mußten) zeigen, daß gerade (frühere) Kriminelle ihr Glück beim Militär suchen (in den USA beispielsweise ist es durchaus üblich, daß der Richter einen Kriminellen vor die Wahl „Militär oder Gefängnis“ stellt). Ob das der richtige Weg ist? Wo liegen da die Loyalitäten? Ist das dann noch ein österreichisches Heer oder eine Söldnertruppe?

Ein weiterer Aspekt: Was sagt das unseren Soldaten – den Grundwehrdienern und der Miliz? Wie sollte man Leute zu persönlichem Engagement oder gar zu einer Karriere als Soldat bewegen, wenn die Kameraden sich hauptsächlich aus dem kriminellen Milieu rekrutieren würden? Was wäre mit dem Ansehen des Soldatenberufs? Wobei man ehrlicherweise sagen muß, daß es um dieses Ansehen auch jetzt schon ungerechtfertigterweise äußerst schlecht bestellt ist. Da könnte sich Darabos einmal wichtigmachen, das tut er aber nicht. Der Fisch beginnt bekanntlich am Kopf zu stinken, welches Ansehen sollten unsere Soldaten also besitzen?

Das Bundesheer war in der zweiten Republik von der Politik stets ungeliebt, nie war ausreichend Geld da, der Verteidigungsetat war (in % des BIP) immer einer der niedrigsten Europas. Damit hatte unser Militär immer zu kämpfen, und mit ihm auch die jeweiligen Verteidigungsminister. Da gab es gute und weniger gute, fähige und unfähige, Minister, die bei der Truppe beliebt waren und solche, die geradezu verhaßt waren. So einen schlechten Minister wie Darabos gab es aber noch nie, er ist wirklich der Untragbarste Minister Aller Zeiten. Wie kann sich der schon so lange halten? Cui bono? Den Schaden, den er bis jetzt schon angerichtet hat wiedergutzumachen wird denjenigen, der diesem Kerl dereinst nachfolgen wird jedenfalls vor eine nahezu unlösbare Aufgabe stellen.

Das ist heute der 100. Beitrag seit Bestehen dieses Blogs. Wenn ich mir zu diesem „Jubiläum“ etwas wünschen dürfte, dann wäre UMAZ Darabos schon sehr bald maximal Gemeinderat in seiner Heimatgemeinde Kroatisch-Minihof. Zeit wäre es, vielleicht könnte man unser Heer ja noch retten. Wenn man Darabos aber weitermachen läßt wird es bald endgültig zu spät sein. Das Motto des Österreichischen Bundesheeres lautet „Schutz und Hilfe“ – wer aber schützt das Heer und hilft ihm? Der eigene Minister jedenfalls nicht.

9 Antworten zu “Schutz und Hilfe

  1. Pingback: Wochenrückblick 11/2012 | dagarser

  2. Schön langsam sollten die betreffenden Österreicher draufkommen, welchen groben Fehler sie begangen haben, dieser Partei ihre Stimme zu geben, wodurch es erst ermöglicht wurde, „UMAZ“, wie ihn dagarser nennt, zum Bock als Gärtner zu machen. Es wäre wünschenswert, dass dieser Fehler sich nicht wiederholt.

    • Dazu muß man aber sagen, daß wir eigentlich „Glück im Unglück“ hatten: Schließlich hatte Darabos ja Ambitionen auf das Amt des Innenministers, das ging aber in den Koalitionsverhandlungen nach der Wahl 2006 an die ÖVP (und zwar an Ernst Strasser, zugegeben auch eine Katastrophe), somit mußte sich der Zivildiener mit dem Verteidigungsressort bescheiden.

      Darabos als Innenminister? Nicht auszudenken!

      • »Darabos als Innenminister? Nicht auszudenken!«

        Ich kann mir das leider doch vorstellen. Zumindest das, was uns dann geblüht hätte…vermutlich die »Albanisierung« Österreichs…

      • Nicht auszudenken ? Augen auf ! Was haben wir denn jetzt ? EinenTrampel der mindestens genau so unfähig ist ! Uns hilft nur mehr, dieses verlogene, hirnlose, präpotente, korrupte Politikergesindel mit nassen Fetzen aus dem Parlament zu jagen…………..

        • „Einen Trampel der mindestens genau so unfähig ist“

          Das Problem das ich dabei sehe ist aber, daß Darabos gar nicht so „unfähig“ ist. Der verfolgt ein längerfristiges Ziel, ganz stur und unbeirrbar.

          Das mit den „nassen Fetzen“ stimmt natürlich, grundsätzlich ist mir aber Unfähigkeit bei unseren Politikern noch irgendwie lieber als Perfidie.

  3. …..schlechte Ausstattung der Heeres mit Waffen, Munition und anderes wichtiges Rüstzeug, haben bei uns seit Jahrhunderten Tradition – nur an Äußerlichkeiten wurde nie gespart – Uniform z.B., früher zumindest.
    Schon während der Monarchie gab es Heeresminister, welche sich und dem Freundeskreis die Taschen füllten – also auch eine lange Tradition. (Auffenberg, WK. I z.B.)
    Aufwändig Paraden sollten die bittere Wahrheit übertünchen – bis heute.
    Von Königsgräz bis zum Isonzo hat uns diese Tradition immer viel Blut gekostet, aber Tote beschweren sich ja nicht nachträglich.
    Vor dem Einmarsch Hitlers in Österreich, war das BH zwar gar nicht schlecht ausgestattet, der Kampfwert der Truppe sehr hoch, nur Munition war höchstens für drei Tage vorhanden….
    Da sollte doch einer sagen, in Österreich ist man nicht traditionsbewusst…
    Wer wenn nicht Darabos, sollte die Tradition hochhalten?
    Er ist ja gelernter Historiker!
    Halt einer aus Kroatischirgendwashinterwinkel…wo ich ihm einen Gemeindediener – Job vergönnte!

  4. Wie schon an anderer Stell geschrieben, das mit den Häftlingen habe ich selbst gesehen. Kasernenpflege ist mir aber durch Häftlige lieber, als duch Rekruten, die für andere Aufgaben bestimmt WÄREN!!!!

    Nichts ist für einen Rekruten unbefriedigender, als Unkraut zupfen und den Kasernenhof fegen.

    Daher sind auch die Rückmeldungen (heute „Evaluierungen“) von GWDs die eine anständige (harte und erlebnisreiche) Ausbildung genossen haben, wesentlich positiver als die der „Systemerhalter“:

    Als Alternative zu Häftlingen könnte ich mir aber duchaus (Dauer)Arbeitslose vorstellen, die wieder eine Beschäftigung hätten. Zumindest vorübergehend wäre dadurch einge Art Therapie für diese Leute gegeben, die wirklich arbeiten wollen. Andererseits wären diejengen die lieber Berufsdemonstranten und Mindestsicherungsbezieher sind, auch einmal in einer sinnvollen Tätigkeit zu sehen. Und wenn diese Gutis und Antifas sich zu gut sind, Kasernenpflege zu betreiben, dann brauchen sie auch keine weitere staatliche Unterstützung,

    • Nichts wäre für Darabos unvorstellbarer, als die Beschäftigung der beschäftigungslosen Stammwähler – der könnte sich höchstens Gehirnwäschekurse, wie färbe ich, mein falls vorhandenes Gehirn, noch röter, vorstellen.
      Aber auch das tut er nicht, denn das stört nur den Pfusch und längeres Schlafen.
      Zahlen tun das ja eh die Anderen.
      In leichter Hoffnung auf Herbst 2013!!!!

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