Der Tanz geht weiter

Ich habe an dieser Stelle lang und breit über die ungeheuerlichen Vorgänge rund um den Ball des Wiener Korporationsringes berichtet, sowohl was die Agitation im Vorfeld dieser Veranstaltung betraf als auch über die gewalttätigen Ausschreitungen des linken Mobs am Rande des Balls.

Nun ist für den 1. Februar 2013 eine „Neuauflage“ dieser Ballveranstaltung geplant, wieder in der Hofburg, nur daß der Ball künftig „Akademikerball“ statt „WKR-Ball“ heißen soll, der Veranstalter nunmehr die FPÖ und nicht mehr der WKR sein wird. Jetzt hat plötzlich auch die Wiener Hofburg Kongresszentrum BetriebsgmbH nichts mehr dagegen, also könnte man sich eigentlich schon auf diese Veranstaltung freuen.

Aber eben nur eigentlich. Zwar ist der größte Kritiker des letzten WKR-Balls, Ariel Muzicant, mittlerweile nicht mehr Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, sein Nachfolger in diesem scheinbar sehr wichtigen Amt will sich aber offenkundig ebenfalls in der medialen Aufmerksamkeit sonnen und hat eine Presseaussendung zu diesem Thema ausgeschickt, hier ein Auszug:

„Wieder soll ein rechtsextremes Netzwerktreffen stattfinden und die Hofburg-Betriebsgesellschaft schaut wieder weg. Das ist skandalös. Ein simpler Namenstausch der Veranstaltung ändert die Veranstaltung und die Teilnehmer nicht. Dass nunmehr die FPÖ einen Ball für den WKR organisiert, stellt einen für Humanisten nicht überraschend kommenden Offenbarungseid der FPÖ dar: Eine Abgrenzung zum Rechtsextremismus gibt es nicht“, sagt Oskar Deutsch, der es als Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde als gesellschaftliche Verpflichtung ansieht, den für das nächste Jahr angekündigten WKR-FPÖ-Ball in der Hofburg zu verurteilen. (…)  (APA-OTS)

Ja. Eh. Leider ist der IKG aber die Abhaltung des Balls am Holocaust-Gedenktag am 27. Jänner abhandengekommen, ein ganz gewichtiges Argument gegen den Ball ist also weggefallen. Nachdem ich allgemein – nicht zu Unrecht – als sehr hilfsbereit gelte will ich dem Herrn Deutsch noch ein paar Fakten nennen, die die Abhaltung einer Tanzveranstaltung am 1. Februar 2013 in einem äußerst ungünstigen Licht erscheinen lassen:

  • Am 1. Februar 1883 wird August Schmidt, ein deutscher General der Flakartillerie und verurteilter Kriegsverbrecher, geboren. Wer wollte am 130. Geburtstag eines solchen Mannes schon tanzen?
  • Am 1. Februar 1933 löst Reichspräsident Paul von Hindenburg auf  Wunsch des neuen Reichskanzlers Adolf Hitler den deutschen Reichstag auf. 80 Jahre später sollte man – sich geißelnd – im Kreis laufen, nicht feiern!
  • Ebenfalls am 1. Februar 1933 wird Rosemarie Nitribitt geboren, sie würde also am Tag des geplanten Balls ihren 80. Geburtstag feiern. Sie wird aber leider nur 24 Jahre alt – „gefeiert“ hat sie aber zur Genüge. Deshalb sollte man ihrer in Stille gedenken, zumal man bis heute nicht weiß, wer sie umgebracht hat. Womöglich ist ja der (mittlerweile greise) Täter ein leidenschaftlicher Ballbesucher und „Netzwerker“.
  • Am 1. Februar 1968 tötet der Polizeichef von Saigon, Nguyễn Ngọc Loan, einen festgenommenen Vietcong durch einen Kopfschuß. Jeder kennt das Foto von dieser „Hinrichtung“, ein ebenso trauriges wie beeindruckendes Zeitdokument (das war jetzt keine Ironie, Anm.). Wer könnte da schon in der Hofburg Walzer tanzen, wenn er dabei ständig gleichsam auf dem Grab des vor 45 Jahren gemeuchelten Vietnamesen tanzen würde (das war jetzt schon Ironie, Anm.).
  • Am 1. Februar 2003 wird das Space Shuttle Columbia bei der Rückkehr von einer Allmission zerstört, alle 7 Besatzungsmitglieder finden den Tod. Am 10. Jahrestag ist ein Ballbesuch unangebracht.
  • Am 1. Februar wird in Bulgarien alljährlich der Opfer des Kommunismus gedacht. Das ist zwar bei weitem nicht so gut wie ein Gedenktag für Opfer des Nationalsozialismus, aber immerhin ein Gedenktag. Wer mag da schon feiern?

Wenn man nur lange genug sucht wird man sicherlich noch viel mehr und viel bessere Gründe finden, die gegen den „Akademikerball“ sprechen, ich bin zuversichtlich, daß daran schon mit Hochdruck gearbeitet wird. Nachdem dafür mit Sicherheit wieder Steuergeld verbrannt wird will ich beim Sparen helfen und erlaube ausdrücklich die Verwendung der oben von mir gesammelten Fakten. Weil’s ja eh wahr ist.

3 Antworten zu “Der Tanz geht weiter

  1. Pingback: Wochenrückblick 11/2012 | dagarser

  2. Man sollte schon im Vorfeld klarstellen das dieser Ball nicht von Rechtsextremen veranstaltet oder besucht wird. Der Ball sollte unter dem Motto stehen:
    „Demokraten gegen den Rechtsextremismus in Israel, stopt die Unterdrückung und Vertreibung der Palestinenser“.

    Dann auch noch eine Spendensammlung für Kinder deren Eltern von Israelischen Soldaten getötet wurden auf dem Ball.
    Die Israelis haben den Staat Israel mit sehr hohen Mauern und Grenzbefestigungen umgeben, sodaß sie nun wieder in einem Ghetto sitzen und darum nicht merken wie sich die Welt um sie herum verändert – Ewig gestrige!

  3. …..neue Besen müssen sich ja auch bewähren.
    Bei der Columbia war übrigens der erste Israeli mit im All, wie all die Anderen, auch für einen Traum gestorben…..dabei hätten wir auf der Erde genug zu tun – Nahost ist schon wieder knapp vor einem großen Knall….

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