De gustibus non est disputandum

Über Geschmack läßt sich nicht streiten, besser: über Geschmack hat man nicht zu streiten, ein altes Wort das dauernde Gültigkeit hat. Gestern habe ich im Fernsehen zufällig eine absurde Diskussion verfolgt, „Am Punkt“ auf ATV, der verheißungsvolle Titel lautete „Aus für Mohr im Hemd, Negerbrot, Zigeunerschnitzel – wie politisch korrekt müssen wir sein?“.

Unter der Leitung von Meinrad Knapp diskutierten Gastwirt Stefan M. Gergely, Journalistin Clara Akinyosoye, Alexander Pollak von „SOS-Mitmensch“ und Christian Höbart, Abg. z. NR (FPÖ). Aufhänger der Diskussion war eine (angebliche, da gab es verschiedene Meinungen) Aussendung der Wirtschaftskammer wonach österreichische Gastronomen auf Speisenamen verzichten sollen, die „einen rassistischen Beigeschmack haben“. Also eben der „Mohr im Hemd“ oder das „Negerbrot“.

War eine recht angeregte Diskussion, zwar natürlich vergeudete Lebenszeit aber dennoch streckenweise unterhaltsam. Hier ein paar Eindrücke, natürlich aus meiner rein subjektiven Sicht:

  • Der Moderator war absolut in Ordnung. Im Vergleich zu den berufsbetroffenen ORF-Quasslern hat er durchwegs fair und übersichtlich agiert. Ich schaue selten ATV, Meinrad Knapp kenne ich hauptsächlich aus dem Radio, ich kann mich auch erinnern daß er in Gars einmal eine Veranstaltung moderiert hat. Mit ihm würde ich mir auch gerne einmal eine Diskussion ansehen wo es tatsächlich um etwas geht.
  • Stefan Gergely beeilte sich zwar zu versichern, mit der FPÖ nichts zu tun zu haben, hatte aber für den Maulkorb auf der Speisekarte weder Sympathie noch sonderliches Verständnis. Wörtlich sagte er „ein simpler Austausch von Worthülsen ändert nichts“, das sei „nichtssagendes Gewäsch“. Immerhin das hat er erkannt.
  • Clara Akinyosoye ist Chefredakteurin von „M-Media“ („Diversity Mediawatch Austria“), wie der Name andeutet (darf ich das jetzt eigentlich schreiben?) ist sie eine Schwarze (nein, eher nicht von der ÖVP, von der Hautfarbe halt). Sie hat sich zwar pro forma über den „Mohr im Hemd“ aufgeregt, ich hatte aber den Eindruck daß ihr das gar nicht so wichtig war. Viel wichtiger war ihr die „Einwanderungsgesellschaft, in der wir nun einmal leben“. Muß wohl auch einmal gesagt werden.
  • Eine Offenbarung war Alexander Pollak beileibe nicht, es ist aber immer wieder faszinierend zu beobachten wie denjenigen, die sich hinter einer Maske von Toleranz verstecken, der Haß und Geifer förmlich aus jeder Pore dringt. Man muß fürchterlich aufpassen daß solche Gestalten ja nie in eine Position gelangen wo sie Macht ausüben können – aus solchem Holz waren viele jener Leute geschnitzt, die später verdienterweise als Kriegsverbrecher verurteilt wurden.
  • Christian Höbart war die Fassungslosigkeit über eine solch blödsinnige Diskussion eine Spur zu sehr anzumerken. Ich stelle es mir aber zugegebenermaßen nicht leicht vor, zu einem Thema wie „rassistische Speisebezeichnungen“ auf die Dauer ernst zu bleiben. Höbart hat das dennoch gut geschafft, Respekt, daß er sich dafür hergegeben hat.

Meine Leser können sich vielleicht vorstellen, wie ich zu dieser Problematik stehe: Ich bin natürlich zutiefst betroffen, so empfinde ich etwa die Bezeichnung „Mohr im Hemd“ insofern als rassistisch, als sie von sehr, sehr vielen Menschen als solches empfunden wird. (Wer mir als erster sagen kann, auf welche Politikerin ich mit diesem „Zitat“ anspiele gewinnt irgendetwas!)

Ich habe jedenfalls die Werbepausen dieser TV-Diskussion genutzt und habe in meinem Lieblingskochbuch „Klassische Österreichische Küche“ von Franz Maier-Bruck geschmökert, mit Entsetzen mußte ich feststellen daß es allein beim Gulyás ein wahres Vielvölkergewirr gibt: Gulyás, -bosnisches, -Debreziner, -Karlsbader, -Pester, -Preßburger, -Serbisches, -Szegendiner, -Triester, -ungarisches, -Znaimer, nicht zu vergessen das Zigeunergulyás – unfaßbare Diskriminierungen! Oder auch nur die Gulyássuppe – genossen mit Frankfurtern oder Debrezinern! Rassismus pur!

Ich kann verstehen, daß eine Frau Akinyosoye oder ein Herr Pollak auf solch ein Thema anspringen – erste ist „Chefredakteurin“ eines Mediums das sich mit nicht viel anderem beschäftigt (macht auch sicherlich irrsinnig viel Gewinn und braucht keinerlei Subventionen), letzter ist – naja, von „SOS-Mitmensch“ halt, logisch daß alle anderen schlecht sind und er und die seinen gut. Die sehen das also beruflich so, die leben davon, die müssen das auch vorleben, sonst haben sie nichts am Brot.

Wer das aber tatsächlich und ohne Not so sieht ist sicherlich in einer geschlossenen Anstalt gut aufgehoben. Besser dort als in einer Wahlzelle.

4 Antworten zu “De gustibus non est disputandum

  1. Pingback: Wochenrückblick 11/2012 | dagarser

  2. Wenn einmal sämtliche Speisen pc Namen haben, dann kommt bald der nächste Schritt: Der Rassismus in der Botanik muss aufhören! Dann gibt es nur mehr Obst, keine (namentliche) Unterschiedung mehr zwischen Apfel, Banane, Erdbeere usw; denn wenn jemand einen Apfel lieber isst als eine Birne, dann ist das rassistisch gegenüber den Birnen. Das hört erst dann auf, wenn alles nur mehr Obst heißt.
    Ob dann auch der Unterschied zwischen Obst und Gemüse abgeschafft wird kann noch nicht abgeschätzt werden.

    *Zynismus aus*

  3. Geht es nach dem Willen der rhetorischen Lustmörder, gibt es in Zukunft nur noch einen Wortschatz beschränkter, behördlich genehmigte Vokabel. Reflexartig werden über Jahrhunderte gebrauchte Ausdrücke plötzlich zu Beleidigungen umgelogen. Wie man weiß, umgehen Reflexe die Ganglien. Diesen geistigen Zerfallserscheinungen sollte nicht nachgegeben werden. Ein Nachgeben würde nur eine Herrschaft der Dummheit begründen.

  4. …..nicht zu vergessen „Negerbusserl“ – mochte ich als Kind gerne, heute auch noch, wenn sie ausgesprochen hübsch und weiblich sind….

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