Faszination ORF

Wie es erscheint versinkt die österreichische Innenpolitik in einem Sumpf aus Korruption und Freunderlwirtschaft – also eigentlich business as usual. Daß die Medien darüber berichten ist immerhin erfreulich, die Qualität der Berichterstattung ist allerdings vielfach fraglich, teils disqualifiziert sie sich in unglaublicher Art und Weise:

Am 26. März 2012 waren die Jagdeinladungen des Tiroler Landeshauptmanns Platter der Aufhänger der ORF-Nachrichtensendung „ZiB 20“, journalistisch sicherlich ein durchaus legitimes Thema (wobei ich persönlich da in dubio nichts dabei finde). Skandalös war aber die Einleitung dieses Berichts durch den Moderator Roman Rafreider:

Was immer erwachsene Menschen – vor allem Männer – daran fasziniert auf ein Murmeltier zu schießen – oder ein Reh – vor allem ÖVP-Spitzenpolitikern werden diese Jagdeinladungen jetzt immer mehr zum Verhängnis (…)

Was soll das bitte heißen: „Was immer erwachsene Menschen daran fasziniert…“? Was hat dieser Satz mit der Berichterstattung zu tun? Worin liegt der journalistische Wert dieser Aussage begründet? Was will Rafreider (der im übrigen aber nicht einmal annähernd so smart ist wie er glaubt) damit zum Ausdruck bringen? Ist diese despektierliche Aussage Rafreiders Privatmeinung oder offizielle Linie des ORF? (Im ersten Fall ist er untragbar, im zweiten der gesamte ORF.)

Diese Fragen möchte ich sehr gerne beantwortet wissen und habe folgenden Brief an den ORF-Kundendienst gesandt:

An den ORF, Kundendienst, 1136 Wien, kundendienst@orf.at

Betreff: ZIB 20 vom 26.03.2012

Gars am Kamp, am 27.03.2012

Sehr geehrte Damen und Herren!

Am 26.03.2012 waren die Jagdeinladungen des Tiroler Landeshauptmannes Platter der Aufhänger Ihrer Nachrichtensendung „ZIB 20“. Der Moderator, Roman Rafreider, begann die Berichterstattung folgendermaßen:

Was immer erwachsene Menschen – vor allem Männer – daran fasziniert auf ein Murmeltier zu schießen – oder ein Reh – vor allem ÖVP-Spitzenpolitikern werden diese Jagdeinladungen jetzt immer mehr zum Verhängnis (…)

Zu dieser Äußerung stellen sich mir folgende Fragen:

  • Was hat die „Faszination“, die die Jagd auf ca. 120.000 Jägerinnen und Jäger in Österreich ausübt mit der Berichterstattung über vermeintliche Korruption zu tun?
  • Hat diese Aussage von Herrn Rafreider irgendeinen journalistischen Wert? Wenn ja: welchen?
  • Steht es Herrn Rafreider in seiner Funktion als Nachrichtensprecher des ORF zu, die Aktivitäten von 120.000 Jägerinnen und Jägern (die wahrscheinlich zu einem großen Teil ORF-Gebühren zahlen) durch eine derartige despektierliche Aussage in Frage zu stellen?
  • Ist das Herrn Rafreiders Privatmeinung oder offizielle Linie des ORF?
  • Falls es sich um Herrn Rafreiders Privatmeinung handelt: Ist es für den Moderator einer Nachrichtensendung zulässig, diese seine Meinung mit den Nachrichten zu vermischen, oder hat er damit seine Kompetenzen überschritten? Wird es diesfalls Konsequenzen für Herrn Rafreider geben?

In Erwartung Ihrer geschätzten Stellungnahme verbleibe ich

Mit freundlichen Grüßen

Richard Temple-Murray

Wenn ich eine Antwort erhalte werde ich hier darüber berichten.

8 Antworten zu “Faszination ORF

  1. Pingback: Wochenrückblick 13/2012 | dagarser

  2. Der Rafreider ist mir – wie der ganze ORF – keinen wirklichen Kommentar wert…

  3. …..und weiter zu meinem ersten Kommentar:
    Man sollte solche Leute wegen Herabwürdigung klagen, ebenso diese Herrschaften, welche andauernd das Wort Waffennarren oder andere diskriminierenden Wörter verwenden.
    Wir bezeichnen den feinen Herrn ja auch nicht als „Dumme Linke Sau“……obwohl….

  4. Sehr gut! Der Rafreider ist schon öfter aufgefallen. Auf die Antwort des ORF bin ich recht gespannt.

  5. Also eins muß ich schon sagen: Bis jetzt ist die Reaktion des ORF sehr zufriedenstellend. Gestern unverlangt sofort ein Bestätigungsmail erhalten, gerade eben ein weiteres Mail daß meine Anfrage an die ZiB-Redaktion weitergeleitet wurde.

    So darf`s weitergehen.

    • Das Deine Anfrage weitergeleitet wurde, besagt beim ORF und gleichen linken Organisationen nur, dass wahrscheinlich mit nichtssagenden Floskeln geantwortet wird oder sie überhaupt im „Rundordner“ verschwindet. Würde mich wundern, wenn dieser bösartige, linke Vogel und Jägerhasser irgendwelche Konsequenzen zu tragen hätte. Ein Linker kann und darf in der heutigen Zeit alles sagen und tun. Aber die Wähler wollten es ja so…

      • Stimmt schon, Josef, keine Frage!

        Wobei das mit dem „Rundordner“ nach dieser ersten Antwort schon nicht mehr so leicht ist, immerhin wurde mein Schreiben damit gelesen und zur Kenntnis genommen.

        Konsequenzen für den Kerl wird’s keine geben, schon klar. Schlimmstenfalls hat er sich halt „mißverständlich ausgedrückt“ oder so.

        Aber egal – was ich hab‘, das hab‘ ich, besser als sich nur still zu „giften“

  6. Gut so, wer schweigt, den trifft Mitschuld am Niedergang…..

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