Menschenverstand

Wenn sich ein „hoher“ Polizeibeamter zum Thema „legaler Waffenbesitz“ äußert kommt leider nur in den seltensten Fällen etwas Brauchbares dabei heraus. Ob bei der Polizei tendenziell eher die Dümmeren nach oben schwimmen, oder ob das vielleicht doch dem politischen Druck und der daraus resultierenden Sorge vor dem Amtsverlust zu schulden ist weiß ich nicht, ich will aber glauben, daß es die Politik ist. Das ist zwar unschön und feig, aber wenigstens nicht dumm, und Dummköpfe will ich in der Polizei nicht haben.

Dazu zwei Beispiele aus Deutschland, das erste, negative, ist schon etwas älter, deshalb gehe ich nur kurz darauf ein, das zweite ist ganz aktuell und zeigt, daß es mit gesundem Menschenverstand auch anders geht:

Im September 2010 äußerte sich der frühere Bundesvorsitzende (inzwischen „abgesägt“) des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) Klaus Jansen in einem Radiointerview mit dem WDR anläßlich einer Bluttat im deutschen Lörrach wie folgt zum Legalwaffenbesitz:

Also wir feiern dieses Jahr 20 Jahre Wiedervereinigung, in der DDR gab es Munition und Waffen nicht im Privathaushalt, es gibt also 16.000.000 Bürger, die es eigentlich gelernt hatten, die damit klarkamen, wo Schießsport stattfand, wo man als Staat ganz anders ’rangeht, vielleicht aus anderen Gründen. Aber das Grundsätzliche ist doch – das müssen sich auch Sportschützen diese Frage gefallenlassen –, weshalb muss man Munition zu Hause haben? (siehe dazu auch IWÖ-Forum)

Interessant, ein hoher Standesfunktionär der deutschen Polizei hat sich also nach DDR-Verhältnissen zurückgesehnt. Das war wahrscheinlich keine Dummheit sondern wohl eher Ideologie, wobei dieses Beispiel deutlich zeigt daß diese beiden Faktoren gut Hand in Hand gehen können. Jansen ist meines Wissens nach mittlerweile auf EU-Ebene tätig, schön für ihn, da ist er ja jetzt wo er hingehört und kann endlich seine DDR-ostalgischen Neigungen nach Herzenslust ausleben.

Das zweite Beispiel ist ein Interview, das der Justiziar der deutschen Gewerkschaft der Polizei (GdP), Sascha Braun, der Märkischen Allgemeinen Zeitung gegeben hat. Es lohnt sich wirklich, diese Stellungnahmen zur Gänze zu lesen, noch selten (je mehr ich darüber nachdenke: noch nie) habe ich derart vernünftige – und vor allem deutliche – Aussagen von einem hohen Polizeifunktionär abgedruckt gesehen! Hier ein paar Beispiele:

Auf die Frage nach der Zahl der Waffen in Deutschland in Privathand:

Die Zahl 10 Millionen beim legalen Waffenbesitz ist mir auch bekannt. Der illegale Waffenbesitz ist aber schwer zu schätzen. Es gibt Menschen, die sagen, es seien 20 Millionen illegale Waffen in Deutschland vorhanden. Im Ergebnis ist es müßig zu schätzen, denn in einem sind wir uns alle einig, es gibt offenkundig sehr viel mehr illegale als legale Waffen.

Auf die Frage nach der Wirksamkeit von Waffengesetzverschärfungen, um „Amokläufe“ zu verhindern:

Wir als Gewerkschaft der Polizei stellen uns folgende Frage: Sind Gesetze tatsächlich in der Lage, eine bestimmte Straftat, insbesondere eine herausragende Einzelstraftat, wie einen Amoklauf zu verhindern? Jeder Amoklauf zeigt, dass es nicht gelungen ist, durch eine gesetzliche Normierung diese Straftat zu verhindern.

Zum Thema „Waffenverbote“:

Wir sind nicht der Auffassung, dass es zurzeit zwingend notwendig ist, den privaten Waffenbesitz zu verbieten. Das liegt im Wesentlichen daran, dass nach unseren Informationen bei den meisten mit einer Schusswaffe begangenen Straftaten illegale Waffen verwendet werden. Ich weise aber ausdrücklich auf die Ausnahme Amokläufe hin, denn hier wurden bisher legale Waffen eingesetzt. Die Debatte um die private Bewaffnung verdeckt leider das tatsächliche kriminalistische Problem, nämlich den illegalen Waffenbesitz.

Über Sportschützen:

Die Sportschützen, die ich kennengelernt habe, sind ausgewogene Menschen, die sich ihrer Verantwortung im Umgang mit der Schusswaffe bewusst sind. Es wäre auch ein völliger Irrglaube anzunehmen, Sportschützen seien Waffennarren, die aus Spaß eine Patrone nach der anderen verballern und Waffen horten. Der Schießsport ist ein ernstzunehmender Sport.

Schließlich zum Thema „zentrale Waffenlagerung“:

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es in der Vergangenheit für kriminelle Organisationen interessant war, z.B. in Bundeswehrdepots einzubrechen, um dort Waffen zu stehlen – denken Sie an die RAF. Wir sehen eine konkrete Gefahr, die davon ausgeht, in hunderten Schützenheimen Waffen und Munition zu lagern. Solche Depots würden ja auch nicht mit Wachpersonal rund um die Uhr gesichert, sondern lediglich baulich-technisch. Wir halten es für brandgefährlich, viele Schusswaffen an einem Ort zu konzentrieren.

Wie gesagt, nur ein paar Auszüge aus dem Interview, insgesamt aber Balsam für die Seele. Endlich einmal einer der erkennt, wo das wahre Problem liegt – bei den illegalen Waffen, bei jenen Leuten, die sich um Gesetze nicht scheren, nicht bei der wohl meistgeprüften wie –überwachten Gruppe gesetzestreuer Bürger!

Ich gratuliere Herrn Braun jedenfalls zu seinen Aussagen, wenn ich das lese keimt in mir doch das zarte Pflänzchen der Hoffnung daß in Deutschland der Zug noch nicht endgültig abgefahren ist!

So ein Interview würde ich mir für Österreich auch wünschen, leider sehe ich weit und breit keinen Funktionär, der so antworten würde. Und auch keine Zeitung, die das abdrucken würde.

10 Antworten zu “Menschenverstand

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  4. @Precursor: Die linken Verbotsphantasten rufen nach jedem „Amok“lauf nach totalen Waffenverboten. Bisher konnte das in Ö und D stets abgewendet werden, aber das Thema schwebt wie ein Damoklesschwert über uns.

    Interessant wird es erst dann, wenn ein England wieder ein Schulmassaker stattfindet. Wenn das Tatmittel eine illegale Waffe ist, der Täter sich nach der Tat praktisch immer selbst richtet, was dann? Dann kann auch eine höhere Strafe niemanden davon abhalten, der für sich den Entschluss gefasst hat, ein Massaker anzurichten.
    Was sagen die Linken dann, weil ihr Motto („Am Englischen Wesen genesen“) zieht dann auch bei den dümmsten … nicht mehr.
    Jedes Schulmassaker ist ein Trauma für die Hinterbliebenen, dass ich niemandem wünsche. So denkt wohl jeder andere auch; allerdings hat jeder andere Ideen, wie diese Taten verhindert bzw. minimiert werden können.

  5. Mastdarmakrobaten und Schleimschlecker trauen sich nicht selber zu denken. Schon gar nicht, trauen sie sich ihre eigene Meinung – so sie einmal eine haben sollten – öffentlich zu bekennen.
    In Diskussionen verschanzen sie sich hinter ihrer amtlichen Autorität: Keine Widerrede. Basta!

  6. Auch in Deutschland gibt es gescheite Leute. Man kann es kaum glauben. Danke Richard!

  7. Sascha Braun klingt ganz vernüftig.

  8. »Wenn sich ein „hoher“ Polizeibeamter zum Thema „legaler Waffenbesitz“ äußert kommt leider nur in den seltensten Fällen etwas Brauchbares dabei heraus.«

    Bei all diesen Kommentaren »hoher Polizeibeamter« und sonstiger Insassen des Gutmenschen-Irrenhauses erhebt sich für mich manchmal die Frage, ob ich nicht in die »innere Emigration« gehen sollte. Und als Freier Bürger, der ich ja weiterhin bleibe, tue, was ich für richtig halte…

  9. ….die Erfahrung mit Polizisten zeigt: Sobald einer ein rotes Kapperl trägt, wird er zum Politiker….
    die kleineren Polizisten, jene die die Drecksarbeit tun, frägt ja keiner…..so schauts aus!

  10. Es gibt also doch noch Wunder!
    Ich hoffe es folgen noch viele weitere solcher Kommentare von Leuten die eine Ahnung haben dann wird auch der politisch korrekte Mainstream langsam ins Wanken geraten was das Thema Waffen betrifft.

    Ich denke mal das viele Leute bereits erkannt haben das man Amokläufe nicht mit Gesetzen verhindern kann und jedes neue Verbotsgesetz spätestens beim nächsten Amoklauf als unnütz entlarvt wird.

    Na endlich wachen die Leute langsam auf.

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