Der Ball ist rund

Gestern wurde das wahrscheinlich meisterschaftsentscheidende Fußballspiel Rapid Wien gegen Red Bull Salzburg ausgetragen, die Salzburger haben gewonnen und liegen jetzt mit 6 Punkten voran. Gratulation!

Fußball ist nicht mein Sport, mir ist daher auch relativ egal wer letztlich in der Tabelle ganz oben steht, aber hin und wieder schau ich mir das ganz gerne an. Besonders wenn’s im Fernsehen übertragen wird, live muß ich mir das nicht geben. Vor rund 20 Jahren hat mich ein Freund einmal zu einem Spiel „mitgeschleift“, lustigerweise war das damals auch Rapid gegen (damals noch Austria-) Salzburg. Wie das Spiel ausgegangen ist weiß ich nicht mehr, an zwei Dinge kann ich mich aber noch sehr gut erinnern: Beim Einlaß ins Stadion hat der Ordner meinen Leatherman beanstandet, den mußte ich im Auto versorgen, OK, das konnte ich nachvollziehen, wenn’s die Hausordnung so vorsieht hat man sich als Gast daran zu halten; das zweite und wesentlich dramatischere war aber die aufgeladene und aggressive Stimmung, die im Stadion vorgeherrscht hat: Ein Hexenkessel, schmähende Sprechchöre, Beleidigungen, blanker, unverhohlener Haß der gegnerischen Mannschaft und deren Anhängern gegenüber. Für mich unfaßbar, gleichzeitig aber auch interessant zu erleben wie leicht man in Versuchung gerät, sich von dieser „Stimmung“ anstecken zu lassen. Unschön.

Aber zurück zum gestrigen Spiel: Anfangs recht gefällig, kamen (besonders im Laufe der ersten Halbzeit) einige häßliche „Härteeinlagen“ vor, ein Spieler mußte mit Verdacht auf Schlüßelbeinbruch vom Spielfeld getragen werden, bei einem „Zweikampf“ hat ein Spieler einem anderen einen Ellenbogencheck mitten ins Gesicht verpaßt (für einen Laien wie mich eine klare Arschkarte, blieb aber sanktionslos), auch sonst hatte das vielfach mit Sport nicht mehr viel zu tun. Zum „D’rüberstreuen“ soll in der Spielpause der Salzburger Co-Trainer in eine Rauferei verwickelt gewesen sein und mußte deshalb die zweite Spielhälfte von der Tribüne aus verfolgen.

Was mich dabei wundert ist, daß die Gesellschaft dergleichen Ausschreitungen widerspruchlos akzeptiert. Das gestern war ja noch harmlos, da haben sich lediglich ein paar hochbezahlte Berufssportler gegenseitig etwas härter „angefaßt“, soweit ich weiß kam es zu keinen Ausschreitungen am Rande der Veranstaltung (durch sogenannte „Fans“).

Vorgesorgt wäre für dergleichen Eventualitäten ja, bei solchen Bundesligaspielen stehen immer Rettungs- und Exekutivkräfte in genügender Anzahl parat, einen „Platzsturm“ unzufriedener „Fans“ muß man offenbar immer befürchten.

Irgendwie seltsam, bei den Sportveranstaltungen, die ich üblicherweise besuche sind weder Sanitäter noch Polizeikräfte (schon gar keine Hundestaffel) anwesend, ich könnte mich auch nicht erinnern, daß da jemals ein diesbezüglicher Bedarf bestanden hätte..

Liegt aber wahrscheinlich daran, daß ich hauptsächlich Schießveranstaltungen besuche. Und dort braucht man weder Rettung noch Polizei. Woran mag das liegen?

6 Antworten zu “Der Ball ist rund

  1. Pingback: Wochenrückblick 19/2012 | dagarser

  2. Das was bei Fußballspielen sonst noch so alles passiert und was den normalen Menschen in den Medien gezeigt wird sind vielleicht 5 % von dem was da wirklich noch abgeht.
    Besonders wenn gewisse Mannschaften (ich nenne sie hier nicht aber der halbwegs interessierte Fußballfan weis welche ich meine) spielen kommt es regelmäßig zu Ausschreitungen durch ihre Fans.
    Besonders wenn im Wiener St. Hannapi Stadion gespielt wird lassen die Fans gerne in der „3. Halbzeit“ gerne noch die Sau raus und demolieren in regelmäßigen Abständen Fahrzeuge die im Stadionbereich geparkt sind oder verwüsten Fanbusse oder die U-Bahn auf ihrem Heimweg.
    Vom menschlichen Leid reden wir hier mal garnicht weil ohne Schlägereien, ausgeschlagener Zähne und gebrochenen Rippen wäre ja im manchen Kreisen ein Stadionbesuch langweilig.
    In der Zeitung liest man aber am nächsten Tag nichts darüber, könnte ja das Ansehen dieses kommerziell ausgeschlachteten Profisportes ramponieren.

    Was auf dem Spielfeld oft passiert das kommentiere ich hier garnicht weil viele Verletzungen wären durch normales Fair Play vermeidbar.

    Wenn normale Dorfvereine der untersten Liga ihre Matches austragen muss ja im Normalfall auch keiner vom Spielfeld getragen werden und man kann nachher gemeinsam mit den Leuten der anderen Mannschaft und den Zuschauern auf ein Bier gehen und das ganze läuft ohne Polizeieskorte und Massenschlägereien ab.

    Tja irgendwas scheinen die Profis und ihre Fans wohl falsch zu machen.

  3. Diese, von den Medien gehätschelten, gewalttätigen Fußballfans müsste man eigentlich als „Fußballnarren“ bezeichnen, was wohl für diese Leute eher zutreffen würde. Statt dessen werden friedliche, gesetzestreue Sammler und Waffenbesitzer in den selben Medien immer als „Waffennarren“ bezeichnet. Aber erklär das den gehirnamputierten Wichtigtuern in unseren Politmedien, es wird niemand gelingen.

    • »Aber erklär das den gehirnamputierten Wichtigtuern in unseren Politmedien, es wird niemand gelingen.«

      Ich fürchte eher, daß die ganz genau wissen, was sie tun. Das dürften zum überwiegenden Teil keine Wichtigtuer sein, sondern ganz gefährliche Propagandatypen, die nichts anderes als Agitprop betreiben. An ihren Früchten kann man sie erkennen…

  4. Interessant ist auch das Ergebnis einer Untersuchung der STUDIA-Schlierbach (Studienzentrum für internationale Analysen) in Auftrag gegeben vom Land Oberösterreich:

    Bei Rettung und Feuerwehr sind Waffenbesitzer um 45 Prozent stärker vertreten als im Durchschnitt der Bevölkerung. Was die Bereitschaft betrifft, persönlich einzugreifen, wenn sich andere in Gefahr befinden, ist diese doppelt so hoch.

  5. [Mitgliueder der] Feuerwehr, Polizei und Rettung sind bei dem meisten Schießveranstaltungen, wo ich dabei bin; aber privat als Schützen, die ihrem Hobby nachgehen.

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