Bin ich ein Nazi?

Diese Frage wurde mir vor kurzem an den Kopf geworfen, von einem lieben Bekannten der es gar nicht böse gemeint hat, beim Reden kommen d‘ Leut‘ z’samm sagt man nicht von ungefähr, ich rede gern und viel, wer mich persönlich kennt kann das (schmerzlich?) bestätigen.

Um diese Frage gleich vorab zu beantworten: Nein, ich bin natürlich kein „Nazi“, davon bin ich so weit entfernt wie ein Mondsüchtiger vom Sonnenbrand, ich habe das auch gleich entrüstet von mir gewiesen und gefragt: „Wie um Himmels Willen kommst‘ denn darauf?

„Na weilst‘ immer so rechte Thesen vertrittst und auf die Sozialdemokraten (sic!) losgehst!“ war die Antwort. In einer Diskussion nehme ich mir die Argumente des Gegenübers stets zu Herzen, entsprechend habe ich auch diese Worte auf mich wirken lassen ehe ich geantwortet habe, ganz glücklich war er damit nicht: Ich bin konservativ, zweifelsohne, deswegen bin ich politisch derzeit recht „einsam“, „Sozialist“ bin ich aber deswegen schon einmal sicherlich keiner, schon gar kein „nationaler“. Das waren nämlich die „Nazis“, die „Nationalsozialisten“, mit deren Verbrechensregime habe ich nichts am Hut, wer in Geschichte ein bisserl aufgepaßt hat wird wissen, daß in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts (ist auch schon eine Zeit her, nicht?) die Nationalsozialisten ihre Gegner „ruhiggestellt“ haben, ob das jetzt die Ermordung von Dollfuß in Österreich oder die Ruhigstellung von Ludendorff und das Abwarten des Todes von Hindenburg in Deutschland war. Hat mit meinem Verständnis wie ein Staat funktionieren soll nichts zu tun.

Nicht alle „Nazis“ waren Sozialisten, natürlich nicht, das wäre auch zu einfach gedacht, im Umkehrschluß sind ja auch nicht alle Sozialisten Nazis. Zumindest nicht die, die ich kenne. Aus welchem Bodensatz sich der braune Mob, der unter anderem für die Reichskristallnacht verantwortlich zeichnet, ursprünglich rekrutiert hat mag sich allerdings ein jeder überlegen. Das Bildungsbürgertum war’s nicht.

Wer  die „Nazikeule“ auspackt sollte der Worte des großen Vorsitzenden Bruno Kreisky gedenken, „Lernen’s Geschichte“, ich bin kein Fan von dem Mann, so eine Lichtgestalt war er auch wieder nicht. War aber auch „vor meiner Zeit“. Wenn ich mir allerdings seine Nachfolger betrachte wär’s besser gewesen, er hätte noch ein paar Jahre angehängt. Es kommt halt nix besseres nach.

Zurück zur Eingangsfrage: Nein, ich bin kein „Nazi“. Das verbitte ich mir. Nachhaltig!

12 Antworten zu “Bin ich ein Nazi?

  1. Pingback: Wochenrückblick 25/2012 | dagarser

  2. Meine Freundin dachte auch, dass sich auf den Schießständen Nationalsozialisten herumtreiben. Als ich ihr dann einmal schilderte, wie positiv die Stimmung bei den Schieß-Wettbewerben war, hat sie ihre Meinung geändert und noch diesen Sommer wird sie ihre ersten Schüsse abgeben.
    Wie man sieht, müssen wir aktiv gegen die Unwissenheit ankämpfen, weil je weniger jemand zu einem Thema weiß, desto eher glaubt er/sie, was in der Zeitung steht.

  3. ….der Bund Sozialistischer Akademiker, war ein Hort von Nazis und darunter auch echten Kriegsverbrechern….siehe Dr. Groß vom Spiegelgrund…..die Liste wäre lang….heute alles totgeschwiegen….Nazis sind nur die Anderen!

  4. Hallo!
    Ich lese schon seit einiger Zeit in diesen Blog hier mit und wollte mich mal zu Wort melden weil mich manche Themen hier sehr ansprechen.

    Zum Thema „Nazi“ kann ich nur aus eigener Erfahrung sprechen das man schnell in die deutschnationale Ecke zu den echten Neonazis und Rechtsradikalen gedrängt wird wenn man zu „Pro Österreich“ ist und nicht dem geistigen Mainstream folgt oder mal etwas gegen die EU oder Ausländerkriminalität sagt.

    Zitat von zakrajsek:
    „Es ist eine Tatsache, daß die Nazis – die oft ja keine Nazis waren, sondern bloß Mitläufer – nach 45 fast alle bei den Sozialisten gelandet sind.“

    Ich dachte immer das die Ex-Nazis eher den christlichsozialen Lager (heute ÖVP) zugeneigt waren während der Rest der Bevölkerung in der Nachkriegszeit eher kommunistisch/sozialistisch gelagert war.

    • Nein das stimmt nicht. Die ÖVP als (damals noch) christliche Partei) hat die Nazis nicht gemocht. Außerdem hatten die doch den Dollfuß umgebracht. Die Sozis hatten aber keine Berührungsängste. Sozialistisch ist und bleibt sozialistisch. Man vergißt ja immer, daß Nazis ja keine Rechten sondern Linke waren.
      Außerdem wollten die Sozis die Akademikerquote bei ihren Mitgliedern erhöhen. Viele Nazis sind daher beim BSA gelandet.

    • Zum Thema WER die NS -ler aufgenommen und auch durchaus hofiert hat: http://www.dokumentationsarchiv.at/SPOE/Braune_Flecken_SPOE.htm

  5. ….und noch etwas: Dir als halben Briten, ist etwas in die Wiege gelegt worden, was ich erst während meiner langen Lehr-u. Wanderjahre, von denen ich in den späteren 60er, einige in London verbracht habe, gelernt habe: Zu verstehen, was Demokratie, Freiheit, Tradition, Redefreiheit aber auch die Verantwortung für diese Werte bedeutet!
    Die Rückkehr aus der Welt nach Österreich war für mich und jeder ehemalige Auslandsösterreicher wird das bestätigen, ein Kulturschock.
    Was diese obigen Werte betrifft, liegt Österreich noch immer im tiefen 19.Jh.

    • Die PC hat das überall in der EUdSSR beendet. Insoferne kann der Kulturschock heute nicht mehr groß sein. Außer, daß in Österreich die Scharia noch nicht wirklich Fuß gefasst hat. Ist auch verzichtbar.

  6. Es ist eine Tatsache, daß die Nazis – die oft ja keine Nazis waren, sondern bloß Mitläufer – nach 45 fast alle bei den Sozialisten gelandet sind. Sie brauchten ja nur das „National“- entfernen und gegen ein „International“- eintauschen und das ging ganz leicht. Man möge sich die Kabinette Kreisky anschauen. Aber das Totschlagargument. „Nazi“ funktionert leider nur allzugut. Darum wird es auch angewendet.

  7. Was mich betrifft, kann ich weder Nazi noch Sozialist sein: wo der Freie Bürger ist, ist nicht links oder rechts, sondern vorne. Er ist vorne, wo es die Kultur zu erhalten und weiter zu entwickeln gilt, wo der Not abzuhelfen nötig ist, wo es aufzubauen gilt. Und selbstverständlich ist der Freie Bürger zur Stelle, wo dem Übel abzuhelfen und zu wehren nötig ist. Ein Freier Bürger schämt sich seiner Herkunft nicht (er ist Patriot) noch ist er überheblich gegenüber denen, die von anderem Stande sind. Für ihn gibt es nur den Adel des Geistes und der Arbeit. Er tritt immer für Familie, Frauen und Kinder ein, denn er weiß, daß das die Keimzelle eines guten Staates ist – der Staat selber ist für ihn von minderer Bedeutung als der Mensch. Und damit ist es auch schon klar, daß er kein Anhänger einer linken Ideologie sein kann. Freiheit ist eben – nach dem Menschen und der Familie – sein höchstes Gut. Eigentum und Recht und Sitte beachtet er gerne und freiwillig. Natürlich ist er ebenso Mensch wie jeder andere und hat eben auch sein Unvollkommenheiten und Fehler – er ist kein ausgeklügelt’ Buch. Aber er bemüht sich sein Ideal so nahe wie möglich zu leben. Und jetzt sagt mir, ob der Freie Bürger irgendeiner politischen Richtung bedingungslos angehören kann… Am Ehesten noch einer Richtung, deren Namen schon die Freiheit enthält. Doch auch hier gebraucht er sein Hirn und denkt selber. Er wird nie unbesehen nachbeten, was in einer Partei gerade Parteilinie sein kann, ist oder wird…

  8. ….ja, für die Sozis ist alles was nicht ihrer Meinung ist ein Nazi.
    Man ist halt, unter geschichtlich Unkundigen – das ist der Großteil der Menschen, bald verdächtig, wenn man nicht die Meinung des Hauptstromes blind wiederholt, sondern relativiert, insbesonders die SPÖ, welche ja nach dem Krieg den Großteil der alten Nazis schluckte, reagiert mit der Nazikeule.
    Eine eigene Meinung zu haben, ist für alle aus dem marxistischen Eck kommenden Parteien und Ideologien verdächtig.
    Despoten mögen keine eigene Meinung.

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