Gastbeitrag: Hier spricht Hagen

Wie angekündigt, bringe ich heute den Gastkommentar eines persönlichen Freundes, ich danke ihm sehr herzlich für seine Bereitschaft sein Wissen (und auch seinen gewachsenen Zynismus) mit mir und somit auch mit meinen Lesern zu teilen. Ein veritabler Experte, ich freue mich sehr, daß ich ihn überreden konnte hier zu schreiben. Seine Identität werde ich auf seinen Wunsch hin nicht preisgeben, wer weiß, was ihm sonst blühen könnte. Er gibt hier keine Antwort auf das ursprünglich angekündigte Thema „allgemeine Wehrpflicht“, ich gebe meinen Gastautoren aber die Themen auch nicht vor. Dennoch ist die erste (von hoffentlich vielen) Ausgabe von „Hier spricht Hagen“ lesenswert, viel Vergnügen!

Hier spricht Hagen: Als ehemaliger  Berufs- und Nachrichtendienstoffizier, der nach wie vor zum Stillschweigen verpflichtet ist, melde ich mich ab sofort zu aktuellen Themen zu Wort.

Darabos’s Highlight, nämlich eine berufsorientierte Armee zu gründen scheitert bereits in den Anfangsstadien. Wie den Medien zu entnehmen, haben sich bereits tausende „Krieger“ für diesen Job beworben. Sollte diese Flucht in die Armee sich weiter fortsetzen werden unsere Garnisonen zu klein werden. Eine Legion aus verarmten Wirtschaftskriminellen , ehemaligen und zukünftigen Sträflingen, Arbeitslosen und Unvermittelbaren, „republiktreuen“ fahnenbespuckenden Ausländern und verkappten Tierschützern  sowie bolschewistischen Che Guevara – Anhängern werden dieses glorreiche zukünftige Heer ausmachen.

Na selbstverständlich bin ich für ein Berufsheer! Es gibt doch nichts schöneres, als die Macht in meiner Hand zu haben! Stellt Euch vor, mir paßt’s nicht so wie es ist, ich nehme meine übriggebliebenen Panzer und ziehe vors Parlament, so wie es ein ehemaliger Armeekommandant zwecks Aufrüstung des damals wie heute schwachen Bundesheeres bereits in den 1960er Jahren formuliert hat.

Darabos, laß uns unser Bundesheer!

Und weil ich g’rad dabei bin:

Unlieber Darabos!

Sie haben – vollkommen zu Recht – einen Nazi-Verbrecher aus dem Gedenkbuch der Krypta des Heldenplatzes streichen lassen. Als Historiker ist es Ihnen zuzumuten daß Sie über Nachstehendes informiert sein sollten: Der zuständige Wiener Stadtrat für Kultur und Wissenschaft Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) und Vertreter der Universität für angewandte Kunst in Wien hat einen Wettbewerb gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit 2009 ins Leben gerufen, um das seit 1926 in der Inneren Stadt stehende Denkmal am Karl-Lueger-Platz zu Ehren des Bürgermeisters umzugestalten: Zum Mahnmal gegen Rassismus und Antisemetismus.

Der Landtagsabgeordnete Franz Ferdinand Wolf (ÖVP) konterte recht mutig: „Der Antisemitismus Luegers ist selbstverständlich und entschieden zu verurteilen und abzulehnen. …“ Ins gleich Horn stößt der neue Wiener ÖVP-Obmann und Stadtrat Juraczka, der sich generell als das konservative Gewissen seiner Partei in der Bundeshauptstadt aufspielt.

Jedem Österreicher ist wohl klar, daß Dr. Karl Lueger (1844 – 1910, da war Adolf Hitler immerhin schon 21 Jahre alt) ein glühender Nazi gewesen sein mußte.

Aber das ist noch nicht genug: Nach einem Ziehvater des SS-Verbrechers Dr. Mengele wurde ein ganzer Platz im 9. Wiener Gemeindebezirk benannt. Der Arzt und Sozialist Julius Tandler (1869-1936) war in den 1920er Jahren ein vehementer Vorkämpfer für Vernichtung und Sterilisierung von „unwertem Leben“ und gilt als geistiger Ziehvater der unseligen NS-Erbbiologie (Rassenhygiene), die bis zur Tötung Behinderter führte. 1934 emigrierte er zunächst nach China, später dann in die Sowjetunion, wo er auch verstarb. Nach ihm wurde im 19. Wiener Gemeindebezirk auch das Julius-Tandler-Studentenheim benannt. Seit dem Jahr 1960 wird die Profossor-Dr.-Julius-Tandler-Medaille der Stadt Wien an solche Personen verliehen, welche sich auf sozialem Gebiet große Verdienste erworben haben, bzw. „für Verdienste um die Menschlichkeit“ (wie auf der Medaille steht). Diese Medaille wird in Bronze, Silber und Gold verliehen.

Zitat Tandler: „Welchen Aufwand übrigens die Staaten für vollkommen lebensunwertes Leben leisten müssen, ist zum Beispiel daraus zu ersehen, daß die 30.000 Vollidioten Deutschlands diesem Staat 2 Milliarden Friedensmark kosten. Bei der Kenntnis solcher Zahlen gewinnt das Problem der Vernichtung lebensunwerten Lebens an Aktualität und Bedeutung. Gewiß, es sind ethische, es sind humanitäre und fälschlich humanitäre Gründe, welche dagegen sprechen, aber schließlich und endlich wird auch die Idee, daß man lebensunwertes Leben opfern müsse, um lebenswertes zu erhalten, immer mehr und mehr ins Volksbewußtsein dringen.“ (Zitat Ende Julius Tandler, Sozialist)

Darabos, streichen Sie auch diesen Vorkämpfer der KZ-Katastophe aus den Annalen!

 Ich komme wieder! Euer Hagen

7 Antworten zu “Gastbeitrag: Hier spricht Hagen

  1. Pingback: Wochenrückblick 26/2012 | dagarser

  2. Seid ihr echt alle schon so komisch drauf das ihr den Beitrag von Hagen so toll findet?

    Im ersten Absatz wird die Heeresreform vom Hr. Darabos kritisiert was ja jedermanns gutes Recht ist aber ich sehen es nicht so das ein Berufsheer umbedingt ein Sammelbecken für Versager, Asoziale, Kriminelle und Taugenichtse wird wenn man bei der Vorauswahl der künftigen Profisoldaten solche Subjekte einfach nicht aufnimmt nur müsste man wenn man normale und intelligente Leute haben will denen nun mal auch mehr bieten als in der Privatwirtschaft und da haperts in Österreich sicher gewaltig weil wer will schon Dienst an der Waffe machen wenn er 3 € Stundenlohn bekommt?

    Und zum Rest des Beitrages sag ich nur das damals in den 20er und 30er Jahren JEDER Politiker der erfolgreich war auch Dreck am Stecken hatte.
    Antisemitismus war damals so salonfähig wie das heutige schimpfen auf Ausländer.
    Ich traue mich wetten das es in jeder Partei Leute gab die heute bewundert und verehrt werden aber sicher auch eine braune Vergangenheit hatten.

    • Ich traue mich wetten das es in jeder Partei Leute gab die heute bewundert und verehrt werden aber sicher auch eine braune Vergangenheit hatten.

      Das ist aber doch auch der springende Punkt: Tandler ist 1936 in Moskau (!) gestorben, der hatte genausowenig eine „braune Vergangenheit“ wie der 1910 (!) verstorbene Lueger. Lueger war allerdings lediglich ein Populist (welcher Wiener Bürgermeister war/ist das nicht?), aber halt kein Sozialist, was die posthume Hatz auf ihn erklärlich macht. Wenn man den Dr.-Karl-Lueger-Ring umbenennt müßte man aufgrund der in obigem Artikel genannten Fakten auch den Julius-Tandler-Platz umbenennen, das wird aber, solange in Wien die Sozi/Kommunisten das Sagen haben, nicht passieren. Das ist – bestenfalls – selektive Wahrnehmung und hat mit „braun“ aber sowas von nichts zu tun.

      • Zitat von Dagarser:
        Das ist – bestenfalls – selektive Wahrnehmung und hat mit “braun” aber sowas von nichts zu tun.
        Zitat Ende

        Was ich eigentlich Ausdrücken wollte ist das es schon vor Hitler gewisse politische und antisemitische Strömungen gab die von jedem Politiker auch aufgegriffen wurde um bei den Leuten gut anzukommen.
        Der Begriff „braun“ ist da etwas unglücklich von mir gewählt worden.
        Es wird sicher genügend Kommunisten,Sozialisten, Christlich-Soziale und Deutsch-Nationale gegeben haben die sich damals mit solchen Sprüchen profiliert haben und nach denen man Straßen und Plätze benannt hat und zu deren Ehren man sogar Denkmaltafeln aufgestellt hat.
        Mit der heutigen politisch selektiven Wahrnehmung gebe ich aber Dagarser recht.
        Sowas wie die Umbenennung des Dr. Karl Lueger Ringes ist blinder Aktionismus um gewisse Leute politisch zu befriedigen.
        Sowas ist einfach nur ein Blödsinn der nichts bringt.
        Weil wir gerade beim Thema sind habe ich hier was lustiges zum Lesen:
        http://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Strache
        Der letzte Absatz ist wirklich lustig, frag mich ob manche Leute keine anderen Sorgen haben als sich über so einen Schaß den Kopf zu zerbrechen.
        Ich muss nachher gleich mal im Wiener Straßenverzeichniss meines Stadtplanes nachsehen ob es vielleicht auch eine Gudenus Straße oder Rosenkranz Gasse gibt.
        Da hätten gewisse Leute mit heißer Luft im Kopf noch einiges zu tun. 😉

  3. ……eines der grundlegenden Fehler bei der Geschichtsbetrachtung ist, dass 99% der Menschen, kein tiefer gehendes geschichtliches Wissen haben und vor allem Geschichte aus heutiger Sicht beurteilen.
    Dieses mangelnde Wissen, öffnet natürlich Tür und Tor für manipulatives Aufarbeiten oder Interpretieren der Geschichte für die eigene Sicht.
    Zugegeben ist dieses fundierte Wissen ein Lernprozess über Jahrzehnte und hört nie auf – so ist das eben mit tiefer greifendem Wissen.
    Gegenständliche Diskussion über die Wehrpflicht, sollte man sehr wohl über den Gedanken „Da könnte man ja mit dem Panzer zum Parlament fahren“ sehen, sowie auch die Zusammensetzung der künftigen „Berufsarmee der Ausgestoßenen“, welche ähnlich der Waffen-SS in den früheren Jahren dieser Bewegung, ein Sammelbecken von Leuten war, die sich dort einfach Zukunftschancen erhofften, obwohl sie über wenig Bildung verfügten.
    In der Wehrmacht konnten diese, wegen der unvergleichlich höheren Grundanforderungen, z.B. Matura – Abitur, niemals Offizier werden – ausser in den letzten Zügen des Reiches, wo man alles nehmen musste.
    In der SS mussten sie nur unbedingt gehorchen – was immer da an Befehlen kam. Die Verluste dieser Politkrieger sollte man aber auch kennen – die waren enorm, im Vergleich zur Wehrmacht und sehr viel weniger effizient, als oft dargestellt.
    Menschenverachtung begann da schon bei den eigenen Leuten, geschweige denn bei den Gegnern.
    Betrachtet man die damals ähnliche Konstellation des wirtschaftlichen Zusammenbruches, dann werden die bisher für eine Sozialisten zurecht undenkbare Vorstellung der Aufgabe der Wehrpflicht klarer, man denkt eben, dieses Instrument der SS, für sich selbst einsetzen zu können – bei Bedarf.
    Man hat natürlich das Argument der Kosten zur Hand, der angeblich besseren Effizienz und auch der Bequemlichkeit für unsere Jugend, die dann nicht mehr eine „Ach so harte, sinnlose Zeit“ beim Militär absitzen muss, welche aber allesamt keiner Überprüfung standhalten.
    Man sollte aber auch die in diesem Zusammenhang erlassenen Überwachungsgesetze sehen – vorgeblich gegen Islamisten, tatsächlich gegen die eigene Bevölkerung gerichtet, in Verbindung mit dem jetzt gesetzlich legitimierten Zugriff amerikanischer Geheimdienste auf unsere Daten.
    Wir alle sollten auf das HEUTE aufpassen, um nicht wieder in die eigene Scheiße zu treten, abgelenkt durch so „Wichtigkeiten“, wer in seiner damaligen Zeit, welchen Standpunkt vertrat, denn dafür ist tatsächlich tieferes Geschichtswissen erforderlich, sonst bleibt es Stückwerk, allerdings sozialistischem Aktionismus auf niedrigstem Niveau dienlich.

  4. Bravo! Und wie wäre es, wenn wir als allererstes den Herrn Darabos streichen? Als Historiker und als Minister.

  5. Höchst erfreulich, daß »Hagen« hier schreibt. Zu seinen Ausführungen etwas kommentieren zu wollen ist mir nicht möglich, denn ich kann den ganzen Artikel, so wie er da steht, unterschreiben. Wahrheit muß Wahrheit bleiben! In diesem Sinne freue ich mich auf jeden weiteren Gastkommentar von »Hagen«!
    Glück auf!

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