Citius, altius, fortius

„Schneller, höher, stärker“ – die Olympischen Sommerspiele 2012 in London werfen ihre Schatten voraus. Es gibt arge Bedenken bezüglich der Sicherheit der Spiele, doch dazu später, erst möchte ich noch ein paar Begriffe klarstellen, wohl wissend daß es wahrscheinlich eh nichts bringt:

Es handelt sich um die Olympischen Spiele, eine Olympiade bezeichnet den vierjährigen Zeitraum zwischen den Olympischen Spielen. Nicht jeder Teilnehmer der Olympischen Spiele ist ein Olympionike, „nike“ bedeutet „Sieger“ und bezeichnet somit den Gewinner eines olympischen Bewerbs. Der Sieger beispielsweise des Marathonlaufs ist ein Olympionike, der zweitplatzierte aber nicht und der letzte schon gar nicht. Wer bei einem olympischen Bewerb den dritten Platz erzielt hat eine herausragende sportliche Leistung erbracht, das ändert aber nichts daran daß Bronze eine Legierung und kein Edelmetall ist. Mag sein, daß sich diese Sprachver(w)irrungen mittlerweile „eingebürgert“ haben, deswegen sind sie aber auch nicht richtig und man muß ja schließlich nicht jeden Blödsinn der von TV-Reportern verzapft wird nachplappern.

Die Olympischen Spiele der Neuzeit wurden von Baron Pierre de Coubertin ins Leben gerufen, Ziel war die körperliche Ertüchtigung der „Jugend der Welt“ sowie die internationale Verständigung, also kann man die Olympischen Spiele durchaus auch als „Friedensprojekt“ bezeichnen, ein Begriff der durch unsere geliebte EU ja leider relativ inflationär und auch mißbräuchlich verwendet wird.

Im Vorfeld der Spiele in London kommen zunehmend Sorgen wegen möglicher Terroranschläge ans Tageslicht, wohl nicht unbegründet wenn man sich etwa folgenden ORF-Artikel zu Gemüte führt, auszugsweise:

Wenn verdächtige Passagiere, die auf der Liste des Innenministeriums stehen, an der Passkontrolle auftauchen, müssten eigentlich auf Anti-Terror-Einsätze spezialisierte Kollegen eingeschaltet werden, hieß es in dem Bericht.

Während seiner Schichten sei das seit Anfang Juli in mindestens drei Fällen nicht passiert, sagte der Beamte. Der „Observer“ zitiert einen weiteren Mitarbeiter der Behörde, der von fünf Fällen allein an einem einzigen Tag sprach. „Wenn sie einmal drinnen sind, weiß man nicht, wohin sie weiterreisen werden“, sagte der Beamte.

Na fesch, die britischen Legalwaffenbesitzer werden bis aufs Blut schikaniert und reglementiert, aber Terrorverdächtige läßt man einfach so ins Land. Krank.

Damit weitet sich der Skandal um die Sicherheitsfirma G4S, die erst vor wenigen Tagen eingestand, dass sie die vertraglich zugesagte Zahl von 10.000 Mitarbeitern für die Spiele nicht zusammenbekommt, immer mehr aus. Angeworbene Mitarbeiter berichteten in britischen Zeitungen, die Tests seien ohnehin sehr lax gewesen, praktisch jeder habe bestanden, unabhängig von seinen Leistungen.

Und trotzdem schaffte es die Sicherheitsfirma bisher, lediglich rund 4.000 zu rekrutieren – und G4S musste zudem eingestehen, dass nicht einmal sicher sei, dass alle von ihnen Englisch sprechen bzw. verstehen.

Reizend. Da fragt man sich schon, warum der Vertrag mit dieser Firma nicht umgehend aufgelöst wurde, immerhin gibt es ja Alternativen:

Nun muss kurzfristig die britische Armee mit Tausenden zusätzlichen Soldaten einspringen, um die Sicherheit der Spiele zu gewährleisten. Insgesamt werden nun 17.000 Militärangehörige in London und Umgebung im Einsatz sein.

17.000 Soldaten, nicht schlecht für ein Friedensprojekt. Aber wahrscheinlich sind die wenigstens alle der Landessprache mächtig, immerhin ein Vorteil.

Hoffentlich sind die Terrorsorgen unbegründet, bei dem Stand der Organisation würde das wahrscheinlich katastrophal enden. Rule Britannia!

10 Antworten zu “Citius, altius, fortius

  1. Pingback: Wochenrückblick 29/2012 | dagarser

  2. Hallo Leute! Ich packs nicht mehr……

    In der Dumpfbacken Gratis Zeitung „heute“ hab ich eine Meldung gelesen, die haut dem Fass den Boden raus. Also einen solchen Schwachsinn …. Ich zitiere aus dem Geschreibsl von der Seite 28: „….. Vor Terroristen zittert auch London. Weil eine Sicherheitsfirma versagte, muss das BUNDESHEER eingreifen. Statt 3500 sollen 17.000(!) Soldaten die Sicherheit bei den Sommerspielen 2012 garantieren. Ein Beamter der Grenzkontrolle warnt vor zu laxen Kontrollen am Flughafen Heathrow.“

    SoSo das Bundesheer? Wann hat denn der Österreichische Nationalrat diesen Auslandseinsatz genehmigt? Unter welcher „Flagge“ läuft dieser AuslE? Nach UNO-regeln, nach PfP-NATO oder nach Petersberg Kriterien? Wenn Petersberg, was ist es dann? eine humanitäre Hilfe, ein SAR Kampfeinsatz oder doch eine (bewaffnete) friedensstiftende Mission? Wer kann sich dafür melden? Ich glaube nicht dass im ÖBH 17 000 Freiwillige sind, die Wach und Schließdienst machen wollen – außer die Bezahlung ist exorbitant gut.

    Stelle ich mir extrem lustig vor, wenn das kleine Militär Österreichs (0,77% BIP, Freidensstärke 35 000 Mann (. 10 000 Kader und 7.700 GWD Quelle BMLVS/ ich bin halt schwach im rechnen lol)) in einem Land das duchaus eine militärische Macht darstellt (2,5% BIP, rd. 200 000 Mann Freidensstärke) einen „Hilfseinsatz“ mit allen verfügbaren Soldaten macht (was machen wir dann mit den Soldaten im Auslandseinsatz in der Zwischenzeit? fahren die alle nach London?).

    Vielleicht ist aber auch die „Heute“ so patriotisch dass dieses SPÖ LobhudeleiBlattl meint die Britischen Streitkräfte müssten sich geehrt fühlen, mit dem Trarabusch haufen verglichen zu werden…. obwohl wenn man die Trarabusch-hörige Führung ausser Acht lässt… dem ÖBH endlich die schon längst überfällige Rüstung gibt, dann wäre diese Klein-Armee eine duchaus sehr ernst zu nehmende Grösse! Denn nur Mannzahlen sagen nichts über die Kampfqualität aus… und da hat das ÖBH international einen ausgezeichneten Ruf!

    Nur das ein solch Schmierblattl wie „Heute“ positiv über Österreich und über dessen Bundesheer berichtet, ist bei der Qualität (besser: nicht vorhandenen Qualität) äußerst unvorstllbar.

    P.S. ich betrachte mich selber als ÖBH Insider.

    • Nachtrag: SAR Einsätze sind nach dem Petersbergabkommen (BK Schüssel hat es unterzeichnet) Such- und Rettungseinsätze im Kriegsgebiet mit Kampfhandlungen (mit Tötungsabsicht!). In diesem Zusammenhang von Neutralität zu sprechen halt ich für ziemlich starken Tobak!

  3. …..das was Bruce Schneier schreibt, ist 100% richtig – nur, da liegt ein grundlegender Irrtum der dummgläubigen Beschützten zugrunde: Alles ist Geschäft – sehr grosses Geschäft und Politik. Die Politik zeigt sie tut was für das Volk und gleichzeitig leben einige Millionen Menschen vom „Bewachungsgeschäft“.
    In Wien würde man „Augenschmäh“ dazu sagen, wie ihn auch Bruce beschreibt.
    Sinn für die Sicherheit der Bürger hätten andere Vorkehrungen, beispielsweise die breite Bewaffnung von vertrauenswürdigen Bürgern…aber dann bräuchten diese freien, selbstverantwortlichen Menschen am Ende keine Politiker mehr…na das wäre was…

  4. …..zugegeben, es ist schon länger her, habe ich für Sicherheitsfirmen Schiessausbildung gemacht und einer der von mir Ausgebildeten, hat sich sogar beim Synagogenanschlag in Wien, glücklich aus der Affäre gezogen, was immerhin zeigt, ganz umsonst war das nicht.
    Nachträglich hatte ich trotzdem Kopfschmerzen, denn es war unbeschreibliches Glück und nicht Können, vor allem das Glück, auf Amateure zu treffen.
    Der Grossteil dieser Bewacher entspricht jedoch dem oben beschriebenen schlechten Standard, nur wissen das weder die Beschützer noch die Beschützten wie auch die Auftraggeber und den Firmen scheint es egal zu sein, solange die Kohle stimmt und richtig verteilt wird…
    Es funktioniert eher nach dem Motto: Es wird schon nix gschehn und falls was gschiagt, kann ma a nix machn….und, es kennt si eh kana aus….
    Aber das ist in der Branche scheint es weltweit so – denn Topleute kosten anderes Geld…..viel Geld….

  5. Das Militär ist aber nicht dafür da, die Spiele zu bewachen. Soldaten sind kein Wach- und Schließverein. Wer nicht in der Lage ist, die Sicherheoit solcher Veranstaltungen zu garantieren, soll keine veranstalten..

  6. Das Geld für den Schutz einzelner Großereignisse vor Terror ist verschwendet, verglichen mit Maßnahmen bei denen man nicht erraten muss, was die Terroristen als nächstes tun.

    Der Sicherheitsfachmann Bruce Schneier schrieb:
    „We need to defend against the broad threat of terrorism, not against specific movie plots.“
    http://www.schneier.com/essay-087.html

  7. Ich verstehe nicht warum man nicht gleich das Militär für diese Sicherheitsdienstleistungen herangezogen hat.
    Das Personal bei den privaten Sicherheitsfirmen taugt im Normalfall kaum zu mehr als in der Nacht irgend ein Fabriksgelände zu bewachen was aber auch an den niedrigen Anforderungen liegt die solche Firmen an ihre Mitarbeiter stellt.
    Hauptsache billig sollen die Leute sein und ich glaube kaum das sich ein normaler Mensch längere Zeit für so einen Job begeistern kann bei dem er 60 bis 70 Wochenstunden arbeiten kann und dafür knapp 1100€ bekommt.
    Die Leute die dann solche Jobs machen sind entweder Leute die wo anders nichts finden oder Neo-Österreicher die jeden Job annehmen damit sie über die Runden kommen können.

    • Es spricht nicht fuer grosse Branchenkenntnis hier alle ueber einen Kamm zu scheren. Ich habe selbst frueher fuer die oesterreichische Niederlassung dieses Unternehmens gearbeitet.

      Natuerlich gibt es jene die den Baustellenzaun bewachen, aber ebenso arbeiten dort mehrsprachige (und ich meine nicht tuerkisch oder serbo-kroatisch) Sicherheitsfachkraefte, die auch im diplomatischen Umfeld eine gute Figur machen. Die verdienen auch etwas besser. 😉

      Allerdings kaeme sogar die niedrigste Besoldungsgruppe bei solchen Stundenleistungen auf mehr als 1100€.

      Zu London.
      Hier hat man sich klar uebernommen. Die Gier is a Hund!
      Aber wem ausser dem Groessten in der Branche soll man so einen Auftrag geben? Antwort: Bei der Fussball EM in Osterreich haben sich fast alle oesterreichischen Sicherheitsfirmen zusammen geschlossen.

      • Hallo Ex-Kollege!

        Ich selber habe drei Jahre bei G4 als Revierfahrer gearbeitet und kenne daher die Firma auch von innen.
        Damals hat sie sich aber noch Group4Falck genannt aber es wird sich sicher auch nicht allzu sehr verbessert haben was die Besoldung anbelangt.
        Als ich vor 6 Jahren noch dort war hat man nicht mal die Bestätigung von der Firma bekommen das man einen WP beantragen kann.
        Von Karriere und Aufstiegsmöglichkeiten mal ganz zu schweigen.
        Lustig war damals die „Sicherheitsakademie“ die man gleich nach der Aufnahme in dieser Firma besucht hat.
        Hört sich voll wichtig an war aber nur ein 2 tägiger Kurs wo eigentlich Sachen gelehrt wurden die man eigentlich schon mit dem Hausverstand mitbekommen haben sollte.
        Der Abschlusstest dieser „Sicherheitsakademie“ war dann ein Kreuzerltest mit Fragen wie diese hier: „Wie ist die Telefonnummer der Polizei?“
        Wer da nicht besteht dem ist dann wirklich nicht mehr zu helfen.
        Ich schätze daher das sich seit damals nicht wirklich was geändert hat.

        PS:
        Ich bin heute noch in der privaten Sicherheitsbranche tätig und verdiene um einiges besser seit ich nicht mehr bei G4 bin.

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