Sehr seltsam

Am Freitag hat mich einer meiner Leser auf einen Artikel in der „Ganzen Woche“ aufmerksam gemacht, darin geht es um den Sportschützen Christian Planer. Ich habe mich überwunden und das Schmierblatt gekauft, jetzt weiß ich wenigstens wieder warum ich das so lange nicht getan habe.

Dabei muß man sagen daß der Artikel über Planer gar nicht so schlecht ist, er wird ganz sympathisch dargestellt und seine sportlichen Leistungen (immerhin u.a. vierfacher Europameister) werden auch entsprechend gewürdigt.

Ein wenig widersprüchlich ist das Geschreibsel dann aber doch, so wird Planer am Anfang wie folgt zitiert:

„Es gibt kaum einen Teil auf meiner Walther KK 300, der nicht eigens von Hand auf meine Bedürfnisse zugefeilt wäre“, erzählt er und verweist auf die zahlreichen Einzelteile seiner Waffe und einige Werkzeuge.

Klar daß ein Sportler seine Waffe so herrichtet daß sie ihm optimal liegt, sehr seltsam wird’s aber hier:

„Ich besitze kein einziges Gewehr und die Verherrlichung von Schusswaffen im Fernsehen sowie in Videospielen finde ich furchtbar. Ein Glück, dass mein Sohn bisher kein Interesse gezeigt hat.“

Ich persönlich fände es schade wenn sich mein Sohn nicht für meinen Sport interessieren würde aber bitte, wenn der Herr Planer das so sieht sei ihm das unbenommen. Wenn er aber „kein einziges Gewehr“ besitzt – was ist da mit oben erwähnter „Walther KK 300“? Befremdlich, aber wahrscheinlich ist dem Reporter da ein bisserl die Phantasie durchgegangen, daß ein Gewehrschütze kein Gewehr besitzt ist wohl genauso unwahrscheinlich wie daß Hermann Maier keine Ski daheim hat.

Ansonsten ist der Artikel wie erwähnt ganz in Ordnung, besonders gefällt mir der letzte Absatz, wieder ein Zitat:

„Die Politik unseres Landes will das Waffengesetz verschärfen, für mich ist das der falsche Weg. In England wurden Waffen verboten und die Kriminalität stieg. In einem Ort in den USA musste jeder verpflichtend eine Waffe besitzen und die Stadt wurde wieder sicherer.“

Sehr schön, deutliche Worte von einem Sportschützen der auch einmal über seinen Tellerrand blickt und eine vernünftige Meinung vertritt. Der Verweis auf Kennesaw zeigt zudem, daß er sich mit der Materie befaßt hat.

Insgesamt also ein guter Artikel mit einem zwar sehr seltsamen Widerspruch, dafür aber einem sehr erfreulichen Ende. Was will man mehr?

6 Antworten zu “Sehr seltsam

  1. Pingback: Wochenrückblick 32/2012 | dagarser

  2. Bei deiner Ankündigung „Ein guter Artikel in einer schlechten Zeitung“, dachte ich, dass du diesen Artikel hier beschreibst: http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M5118cf96302.0.html

    Zu dem würde diese Einleitung nämlich auch wie Faust auf’s Auge passen.

  3. Mal ehrlich . Die Verherrlichung und die Dominanz von Schußwaffen in Videospielen und im TV ist tatsächlich nicht mehr normal.
    Kein Videocover ohne dass eine riesige Wumme im Anschlag zu sehen ist und kaum ein Krimi an dem am Ende nicht mit ein halbes Dutzend Pistolen herumgefuchtelt wird.
    Ich bin zwar leidenschaftlicher Waffenliebhaber ( Waffennarr meinetwegen) mit großen Interesse für Waffentechnik und Ballistik aber die überbordende Präsenz von Filmwaffen ist mir manchmal peinlich.

    Labile Existenzen können so schnell suggeriert bekommen dass es heute zum Standard gehört die eigenen Probleme mit einer Waffe zu lösen und nicht umsonst läßt sogar die Bekleidung der Amokläufer in einigen Fällen darauf schließen woher sie ihre Anregungen bekommen haben für ihre Taten.

    Das ist aber Teil der Verantwortung die die Medien haben sollten und vielleicht ist das ein Hinweis warum wir am Ende die Sündenböcke sein müssen, denn die Medien sind ja grundsätzlich schuldlos.
    Irgendeiner muss ja den Schwarzen Peter für die Amoktaten zugesteckt bekommen , nur die Medien und Filmindustrie möchten sich das Geschäft nicht vermasseln lassen.
    Das könnte der Grund sein warum wir medial so heruntergemacht werden, frei nach dem Motto „haltet den Dieb“ um von Mitverantwortung abzulenken.

    Auch entsteht natürlich beim unbedarften Bürger auch schnell der Eindruck “ das es viel zu viele Waffen unter uns gibt , denn man sieht es ja immer wieder im Fernsehen.“…Dagegen muss man unbedingt was machen, klar doch.

  4. Woran zeigt der Sohn zum Glück kein Interesse? An Videospielen?

  5. >>Was will man mehr?<<

    1. Weniger verarsche von den Behörden wenn man eine WBK beantragt.
    2. Kein Kasperltheater wenn man seine WBK erweitern möchte.
    3. KK-Halbautomaten sollten unter Kategorie C fallen.

    Ich bin da schon bescheidener was meine Wünsche betrifft 🙂

  6. »Was will man mehr?«

    Ganz einfach: In Österreich Vorschriften wie in Kennesaw. Punktum.

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