2nd Amendment

Ich habe es schon öfters geschrieben: Ich bin den Amerikanern nicht allzu viel neidig, ihren zweiten Verfassungszusatz, das 2nd Amendment, aber schon:

A well regulated Militia, being necessary to the security of a free State, the right of the people to keep and bear Arms, shall not be infringed. (Da eine gut aufgestellte Miliz für die Sicherheit eines Staates notwendig ist darf das Recht des Volkes Waffen zu besitzen und zu führen nicht angetastet werden.)

Eine ganz klare Ansage, Interpretationsspielraum gibt es da keinen – shall not be infringed! Die USA hatten sich ihre Freiheit, ihre Unabhängigkeit hart erkämpft, die „Gründerväter“ hatten das nicht vergessen und somit, um für die Zukunft einer neuen Unfreiheit vorzubeugen, diesen zweiten Verfassungszusatz in Kraft gesetzt.

2nd Amendment

Nun ist mir ein interessanter Kommentar des USA-Korrespondenten der Financial Times Deutschland, Matthias Ruch, untergekommen: Wenn ein Gewehr für Freiheit steht. Ruch beschreibt darin hervorragend die Hintergründe dieses Verfassungszusatzes und – obwohl er ganz offensichtlich kein Freund des Waffenbesitzes ist – verteidigt ihn auch, hier ein paar Zitate aus dem Artikel:

  • Konservative Politiker und die mächtige Lobby der Waffenindustrie verteidigen dieses Grundrecht seit Jahrzehnten mit all ihrer Macht. Und womit? Mit Recht. Genauer gesagt: mit dem Zweiten Verfassungszusatz, der bis ins Jahr 1791 zurückgeht. Damals wollte man damit vor allem sicherstellen, dass sich die Bürger auch gewaltsam gegen ihre Regierung zur Wehr setzen können, falls sich diese nicht mehr an die Verfassung gebunden fühlt.
  • Freiheitsrechte, die in einer Verfassung festgeschrieben werden, damit sich der Bürger im Ernstfall gegen die Regierung zur Wehr setzen kann, müssen grundsätzlich so ausgestaltet sein, dass die Politik sie weder abschaffen noch aushöhlen kann. Nur dann können sie ihren Zweck erfüllen und dem Einzelnen seine fundamentalen Rechte garantieren.
  • Dass dieses Recht immer dann infrage gestellt wird, wenn es irgendwo im Land wieder zu einem Massaker kommt, ist durchaus verständlich. Unter dem Eindruck eines schrecklichen Ereignisses unverzüglich fundamentale Rechte zu beschneiden ist aber die falsche Reaktion. Wer persönlich betroffen ist, kann nicht mehr nüchtern und ausgewogen entscheiden.
  • Aus der Sicht eines europäischen Pazifisten, der seit Jahren in New York lebt und noch nie eine Schusswaffe abgefeuert hat, erscheint ein generelles Waffenverbot – oder zumindest eine landesweite Übernahme der restriktiven New Yorker Gesetze – durchaus wünschenswert.
  • Außerhalb von Manhattan und San Francisco, im „richtigen“ Amerika, sieht das allerdings etwas anders aus.Wer jemals erlebt hat, mit welchem Stolz und mit welcher Selbstverständlichkeit friedliche Rancher von Texas bis Montana seit Generationen ihre Waffen tragen, um sich im Ernstfall verteidigen zu können, wird ihnen dieses Recht kaum streitig machen wollen. Für diese Menschen ist die Waffe im eigenen Haus ihr letzter, handfester Beweis für ihre Freiheit. Die Constitution von 1791 ist ihre Verfassung, und Amerika ist ihr Land.

Sehr schön ausgeführt, Gratulation zu diesem vernünftigen und ausgewogenen Kommentar!

Die Bürger der neu gegründeten Vereinigten Staaten von Amerika hatten keinen Grund sich vor ihren Politikern, die Seite an Seite mit ihnen für die Unabhängigkeit gekämpft hatten, zu fürchten oder ihnen zu mißtrauen, ebenso haben sich diese Politiker nicht vor dem Volk gefürchtet. Sie haben es aber respektiert, sie haben noch erkannt daß Politik kein Selbstzweck ist sondern allein dem Wohl der Bürger – und somit des Staates – zu dienen hat. Sie sahen sich als Diener des Volkes, nicht als dessen Herrscher.

Wenn heute von Seiten der Politik Anstrengungen unternommen werden das Recht auf Waffenbesitz einzuschränken, so ist das nichts anderes als ein Eingeständnis daß man sich vor dem Volk, dem Bürger fürchtet. „Freie Menschen haben Waffen, Sklaven nicht„, so ein alter Spruch der heute mehr Gültigkeit besitzt denn je. Noch jede Diktatur hat mit der Entwaffnung der Bevölkerung begonnen, deshalb gilt zu jeder Zeit:  Wehret den Anfängen!

Das gilt für die USA, aber auch für jedes andere (vorgeblich) freie Land!

11 Antworten zu “2nd Amendment

  1. was hat denn die Ermordung von Kindern mit der Freiheit eines Vokes zu tun? Hier werden ja wohl zwei Dinge vermischt. Wenn der Besitz von Waffen dazu führt, dass das Volk bedroht ist, dann gehören Waffen definitiv in keinen Haushalt. Das Volk hat durchaus andere Mittel, sich gegen Politiker zu wehren (wobei sich die Frage stellt, ob das der wirkliche Grund ist oder nur ein dahergezogenes Argument der Waffenlobby).

    Nein, Waffen in den Händen von Bürgern sind Mordinstrumente.

  2. Artikel 20

    (1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

    (2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.

    (3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.

    (4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.
    Wie sollen wir uns wehren OHNE Waffen??

  3. Pingback: Wochenrückblick 32/2012 | dagarser

  4. Zitat: Und wenn wir mit dem Dreschflegl auf die “Herrscher in Brüssel” und deren Lakeien losgehen, aber wehrlos werden wir nicht untergehen.

    Ich möchte jetzt keinem seine Meinung madig reden aber wir sind nicht die USA wo die Leute skeptisch und kritisch dem Staat gegenüber stehen.
    Ich kann mir leider beim besten Willen nicht vorstellen das der typische österreichische Kriecher bei sowas mitmachen würde.

    Zitat: Da eine gut aufgestellte Miliz für die Sicherheit eines Staates notwendig ist darf das Recht des Volkes Waffen zu besitzen und zu führen nicht angetastet werden.

    Wir sind nicht die USA wo Bürgermilizen lange Tradition haben.
    Schaut euch mal die Homepage von einer US-Bürgermiliz an uns sagt mir ob sowas in Österreich möglich wäre: http://www.michiganmilitia.com/
    In Österreich wird ja gleich alles madig geredet was thematisch auch nur in die Nähe einer Bürgerwehr kommt.
    Ich schätze das ist auch der Grund warum in Österreich wie auch im gesamten europäischen Raum die Akzeptanz zum privaten Waffenbesitz immer weiter sinken wird.
    Waffen haben nur einen Zweck und der sollte jedem klar sein.
    Wenn man jetzt Landesverteidigung und Selbstverteidigung gegen Kriminalität ausklammert bleibt dann nicht mehr viel übrig was den Besitz einer Waffe rechtfertigt.
    Wenn als Rechtfertigungsgrund nur noch das sportliche Lochen einer Papierscheibe übrig bleibt dann braucht man sich nicht zu wundern das der Besitz von richtigen Schusswaffen eingeschränkt wird weil man das Löchlestanzen auf Distanz auch mit einem Luftdruckgewehr machen kann.

    Jetzt aber bitte nicht gleich zornig werden wenn ich das so schreibe aber ich persönlich sehe für den Privatwaffenbesitz schwarz was die Zukunft betrifft sofern es nicht wirklich einen garvierende politische und gesellschaftliche Wende gibt.

    Die Hoffnung stirbt immer zuletzt also hoffe ich das es besser wird.

    • In Österreich wird ja gleich alles madig geredet was thematisch auch nur in die Nähe einer Bürgerwehr kommt.

      Ein Volk, dem der Nationalstolz gleichsam mit den Dreschflegel ausgetrieben wurde/wird ist dem Untergang geweiht. Cui bono?

      Wenn als Rechtfertigungsgrund nur noch das sportliche Lochen einer Papierscheibe übrig bleibt dann braucht man sich nicht zu wundern das der Besitz von richtigen Schusswaffen eingeschränkt wird weil man das Löchlestanzen auf Distanz auch mit einem Luftdruckgewehr machen kann.

      Und genau deshalb beharre ich auf meiner Meinung daß Schießsport zwar ein schönes Hobby/ein toller Sport ist, unterm Strich aber überhaupt keinerlei Rechtfertigung für den Waffenbesitz darstellt.

      Rechtfertigung – so man so etwas überhaupt braucht! – kann lediglich der Besitzwille sein. Das war’s dann aber auch schon, Fragen nach „wieso“ und „wozu“ haben sich zu verbieten, denn das geht keinen etwas an!

  5. Wir könnten dem Spuk der Unterdrückung und Entwaffnung ein Ende setzen, indem wir bei der nächsten Wahl jene Politiker, die an dieser Situation die Schuld haben- sprich SPÖ, ÖVP und Grüne- in die Wüste schicken. Dann raschest raus aus diese EU-Diktatur, und Österreich ist wieder unser Land, wie es nach dem Krieg von rechtschaffenen Politikern geschaffen wurde.

  6. Und wenn wir mit dem Dreschflegl auf die „Herrscher in Brüssel“ und deren Lakeien losgehen, aber wehrlos werden wir nicht untergehen.

    Waffen zu besorgen wird dann auch kein grosses Problem sein, denn in den militärischen Magazinen sind sicher genug Waffen vorhanden. Die Berufsarme(e) des Genossen Trarabusch wird beim ersten Autreten von ein paar beherzten Aufständigen das tun was diese „Superkrieger“ am besten können… den Ar… gegen Himmel richten, allalala gacktda schreien und davonrennen – un der weg in die Waffenkammern ist frei.

    P.S. Es müssen nicht immer Schusswaffen sein, um bei diesen „EliteSoldaten…ähm popos“ Furcht und Schrecken zu verbreiten.

  7. „[…], dass sich die Bürger auch gewaltsam gegen ihre Regierung zur Wehr setzen können, falls sich diese nicht mehr an die Verfassung gebunden fühlt.“

    Das finde ich einen nicht unwichtigen Aspekt. Vorallem, wenn man bedenkt, dass eine der ersten Amtshandlungen des dritten Reichs war, die Bürger zu entwaffnen.

    • Vorallem, wenn man bedenkt, dass eine der ersten Amtshandlungen des dritten Reichs war, die Bürger zu entwaffnen.

      Richtig, im 3. Reich war es so, aber auch in allen anderen faschistischen Diktaturen wie etwa der UdSSR. Diktatur bleibt Diktatur, Faschismus bleibt Faschismus – egal welches Mäntelchen sie/er gerade übergestreift hat.

      Allen gemein ist jedenfalls die gewaltsame Unterdrückung der Bevölkerung und der sozialistische Ursprung.

  8. Und in Europa ist seit den siebziger Jahren eine Entwaffnung der Bürger im Gange, bei uns erst mit dem Eintritt bei der EU. Es wird weitergehen, bis wir hier die Zustände haben, wie sie bei den Nazuis und bei den Sowjets (Brüder im Geiste) gewesen sind. Damit sich unsere (nicht gewählten) Herrscher in Brüssel nicht mehr vor uns fürchten müssen.

  9. 100% Zustimmung! Spricht mir aus der Seele. 🙂

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