Profilierung

Investigativer Journalismus ist ein wichtiges Werkzeug der Demokratie, vieles gehört „aufgedeckt“, es ist gut wenn den Politikern „auf die Finger geschaut“ wird. Die österreichische Wochenzeitschrift „profil“ war da früher einmal sehr gut darin (ich sage nur: AKH), diese Qualität scheint dort aber abhanden gekommen zu sein.

Zwar werden dort – im Gegensatz zu den meisten Tageszeitungen – nicht lediglich Agenturmeldungen 1:1 wiedergegeben, das ist ja erfreulich, aber wenn das nicht stimmt nutzt es auch nichts.

So hat sich im aktuellen „profil“ eine gewisse Franziska Dzugan an das Thema „Waffenbesitz“ herangewagt, ein zugegebenermaßen interessantes Thema worüber man viel schreiben kann, leider hat das mit der Recherche nicht ganz so geklappt.

Der Artikel beginnt ganz reißerisch, in einem Wiener Lokal hat ein Mann im Zuge einer Auseinandersetzung eine Waffe gezogen. Hintergrund wird keiner genannt, lediglich daß der Mann später festgenommen wurde, die Waffe legal besessen hat und aufgrund eines Waffenpasses auch führen durfte. „Wie ist es möglich, dass jemand, der in einer Wirtshausschreierei eine tödliche Waffe zieht, von staatlich geprüften Gutachtern als ‚verlässlich‘ eingestuft wurde?“, so die bange Frage von Frau Dzugan. Eine berechtigte Frage, kann ich leicht beantworten: Weil er sie dabei hatte. Wobei das mit der „tödlichen Waffe“ relativ ist, schließlich heißt es nicht umsonst daß „die Feder mächtiger als das Schwert“ ist, mit meinem Stahlkugelschreiber könnte ich ein Gegenüber wahrscheinlich schneller umbringen als mit meiner Glock.

Natürlich war diese Frage aber auf den unsäglichen „Psychotest“ gemünzt, eine dumme Schikane die nach einem „Amoklauf“ (dieses Wort darf natürlich in einem Artikel über Schußwaffen nicht fehlen) eingeführt wurde. Da wird auch ein Psychologe des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (die sind da wirklich zuständig!), Dieter Krainz, bemüht der den Test verteidigt (no-na, die verdienen ja viel Geld damit). Wozu ein unbescholtener Bürger der eine Waffe besitzen möchte so einen depperten Test machen muß bleibt Krainz aber schuldig.

Weiters moniert Dzugan daß „man den Test beliebig oft wiederholen“ kann und „die Fragen im Internet kursieren“. Nun ja, vielleicht schreibt Frau Dzugan ja bald einmal etwas über die Führerscheinprüfung, kleiner Tip: Da gibt’s die Fragen auch im Internet. Den Pulitzer-Preis teilen wir uns dann aber, gell!

Weiter geht’s mit dem zentralen Waffenregister, fassungslos berichtet Dzugan daß man derzeit gar nicht weiß wieviele Waffenbesitzer es in Österreich gibt. Auch da kann ich helfen, der frühere SPÖ-Innenminister Schlögl ist von ca. einer Million Waffenbesitzern in Österreich ausgegangen, also immerhin jeder achte Bürger. „Und so unglaublich das klingt, von offizieller Seite gibt es nicht einmal eine Aufstellung, wie viele Verbrechen mit legalen und illegalen Waffen verübt wurden. BKA-Sprecher Mario Hejl: ‚Das wäre zu aufwändig (sic!).'“ Ja, das ist wirklich unglaublich! Würde es eine solche Statistik nämlich geben, so müßte etwa auch Frau Dzugan schreckgeweiteter Augen erkennen daß legal besessene Waffen in der Kriminalität bestenfalls eine untergeordnete Rolle (und hier spreche ich vom Promillebereich) spielen. Was an einer solchen Statistik „aufwändig“ sein soll weiß ich auch nicht, wenn die Polizei nach einer Gewalttat ein zusätzliches Hakerl „legal/illegal“ anklicken müßte so sollte das doch keinen unzulässigen Aufwand bedeuten, oder?

„Wie freigiebig der Staat Waffenscheine (sic!) vergibt, hat einen unmittelbaren Einfluss darauf, wie oft Menschen aufeinander schiessen.“ Waffenscheine werden schon lange nicht mehr ausgestellt, die sind Vergangenheit. Wie der eingangs erwähnte investigative Journalismus. Psychologe Krainz dazu: “ Die bloße Anwesenheit einer Waffe steigert automatisch die Aggressionsbereitschaft.“ So ein Blödsinn, das Gegenteil ist der Fall! Außer man setzt die Möglichkeit bzw. Bereitschaft sich gegen einen „gegenwärtigen oder unmittelbar drohenden rechtswidrigen Angriff“ (§ 3 StGB, Notwehr) zu wehren mit „Aggression“ gleich, dann ist aber ohnehin Hopfen und Malz verloren.

„Inhaber von Waffenbesitzkarten dürfen ihre geladene Pistole unter dem Kopfpolster lagern, solange niemand anderer in der Wohnung ist. Ansonsten ist sie getrennt von der Munition und geschlossen aufzubewahren – theoretisch. Überprüft wird die Lagerung der Waffe aber nur alle fünf Jahre.“ Naja, bei mir ist sie im Nachtkastl, nicht unterm Kopfpolster, aber bitte, das ist Geschmackssache. Ansonsten verwahre ich sie verschlossen, aber selbstverständlich geladen auf, das darf ich nämlich. Außer Frau Dzugan kann mir erklären wo sie im Zuge ihrer umfangreichen Recherche auf die Regelung gestoßen ist wonach die getrennte Lagerung von Waffen und Munition vorgeschrieben ist, ich bin gespannt. Und – wie oft sollte die Überprüfung denn stattfinden, Frau Dzugan? Jährlich? Monatlich? Wöchentlich? Täglich? Bitte um Vorschläge, auch wie das zu finanzieren wäre! Immer raus damit…

„Für Jäger genügt allein der Jagdschein (sic!), ihre geistige Gesundheit wird offenbar vorausgesetzt.“ Werte Frau Dzugan, ich weiß ja nicht wie es Ihnen geht, aber ich setze grundsätzlich bei jedem Menschen „geistige Gesundheit“ voraus, ob das jetzt ein Jagdkarteninhaber ist oder nicht. Außer ich erlange einen gegenteiligen Eindruck. Bei Ihnen wäre ich mir da nicht so sicher, vielleicht sollten Sie sich mit dem Herrn Krainz vom KfV zusammensetzen und sich mit ihm über Hoplophobie unterhalten. Ob der da aber kompetent ist wage ich zu bezweifeln.

28 Antworten zu “Profilierung

  1. Pingback: Wochenrückblick 34/2012 | dagarser

  2. OT–OT
    Hallo RITM,
    ICh glaube, das wäre für Dich interessant zu kommentieren:
    http://burgenland.orf.at/news/stories/2546364/

    lg,

    -noricus-

    • PS:
      Unglaublich, welchen Leuten der orf (klein geschreiben, weil der österreichische Rotfunk keine Großschreibung verdient) in seinen Beiträgen (wie o.a.) eine Plattform bietet:
      http://www.vegan.at/elmar/

      • Servus Stephan,

        danke für die Links! Den ersten kannte ich schon, über den zweiten mußte ich gerade recht herzlich lachen. Zum orf: Der Wolf hat die Glawischnig heute eigentlich ganz gut „zerpflückt“. Ist er krank?

        • Keine Ahnung. Ich bin seit Jahren überzeugter Fernsehverweigerer und hab so ein Kastl erst gar nicht. Vielleicht war wieder Mal eine Portion „Objektivität“ für die Schafe angesagt.
          Auf orf.at wird, wie mir scheint, recht positiv über dieses Gespräch berichtet.

  3. Gut geschrieben, hätte ich einen Hut würde ich ihn jetzt vor ihnen ziehen.

  4. Wenn jemand dumm oder unfähig ist, dann sage ich das auch.
    Als wenn so mancher Waffenbesitzer nicht auch dumm oder unfähig ist wie man oft genug aus den Tageszeitungen erfahren kann.
    Wie war das mit dem Waffen-Opa der einem aufsässigen Jugendlichen ins Bein geschossen hat?
    Ob der IWÖ Mitglied war? Ich werde es sicher nie erfahren 😉

    Beim Melonenkuerbis muss ich oefters an deutsche Waffenbesitzer denken. “nur keinen Konflikt!” und “Zack!”, kriegen sie wieder Eine reingewuergt.

    Ich sehe den Waffenbesitz nicht so blauäugig und unkritisch wie viele andere hier und bin sehr wohl für Beschränkungen weil viele Menschen mit der Verantwortung den der Besitz einer Waffe mit sich bringt einfach nicht umgehen können.
    Solange fast jede Woche irgend ein Wappler mit seiner Legalwaffe Mist baut solange werde ich auch an meiner Meinung fest halten.


    @Melonenkürbis
    Sie haben ihren nickname nicht um sonst.

    Was soll man dann von jemanden erwarten der sich „Nixon“ nennt?
    Vielleicht ein zweites Watergate?

    • Fast jede Woche? Einer mit einer Legalwaffe? Das ist doch nicht richtig. Ich hätte gerne eine Aufstellung darüber, sollte das stimmen. Bitte bei der Wahrheit bleiben!

      • Okay ich nehme die Herausforderung an und werde die Medien besonders genau nach solchen Vorfällen durchsuchen.
        In der 34. Woche (Stand Mittwoch Nachmittag) gab es glücklicherweise noch keinen Vorfall was aber noch nichts aussagen muss da die meisten Leute meiner Erfahrung nach am Wochenende ausrasten.

    • hhmmm, also ein „Waffen-Opa“? Faellt Ihnen an dieser Diktion etwas auf werter Melonenkuerbis?

      Wir wissen beide nicht was dort vorgefallen ist. Moeglicherweise kommt es vor Gericht heraus.

      Und vieleicht sieht man dann, dass es Notwehr war. Oder, dass der Mann schon lange kein waffenrechtliches Dokument oder einen Fuehrerschein mehr haben sollte. Beides ist moeglich.

      „Jede Woche?“ Eine ziemlich gewagte Angabe.

      Zu den Beschraenkungen: Was sollen die bringen oder besser, verhindern?
      Ich lebe derzeit in Deutschland. Hier ist das Waffenrecht wesentlich restriktiver als in Oesterreich. Und die Mordrate fast doppelt so hoch.
      Auch das Fuehren von Einhandmessern ist beispielsweise verboten. Nur: Was bringen Gesetze und Vorschriften? Verbrecher und Soziopathen halten sich nun einmal nicht daran.

      Ich akzeptiere, dass mein Waffenschein zeitliche und geographische Einschraenkungen enthaelt. Ich bin ein rechrstreuer Buerger. Trage ich eben zweckoptimierte Alltagsgegenstaende bei mir. Nachteil: Drohen faellt also weg.
      Natuerlich wird es Waffenbesitzer geben die von Rechts wegen in die Psychiatrie gehoeren, ebenso wie (siehe oben) Autofahrer.

      „They who can give up essential liberty to obtain a little temporary safety, deserve neither liberty nor safety“ Benjamin Franklin

  5. @Melonenkürbis
    Sie haben ihren nickname nicht um sonst. 🙂

  6. Also „Depperte“ geht auf den Intellekt und auf den Informationsstand und wie man ihn sich beschafft, ist daher hier berechtigt. „Schneebrunzer“ ist eine inhaltslose Beleidigung und hat zudem nur im Winter eine Berechtigung. Kann man also nicht vergleichen. Ich nehme an, daß die Dame die IWÖ überhaupt nicht kennt. Jetzt schon.

  7. Gerade an die Redaktion des „profil“, z.Hd. Frau Dzugan, geschickt:

    Sehr geehrte Frau Dzugan,

    Ihr Artikel im aktuellen profil hat mich zu folgender Stellungnahme veranlaßt: https://dagarser.wordpress.com/2012/08/20/profilierung/

    Ich würde mich freuen wenn Sie sich das einmal durchlesen würden und eventuell im Kommentarbereich eine Stellungnahme Ihrerseits abgäben!

    Für fundierte Informationen zur waffenrechtlichen Situation in Österreich stehe ich Ihnen gerne jederzeit zur Verfügung, was ich selbst nicht wissen sollte kann ich Ihnen jederzeit vermitteln.

    Mit freundlichen Grüßen

    Richard Temple-Murray/dagarser

    Weblog dagarser: http://dagarser.at
    Email: office@dagarser.at
    dagarser auf Facebook: http://facebook.dagarser.at
    dagarser bei Twitter: http://twitter.com/dagarser

  8. Mir fällt auf dass die meisten Anti-Waffenartkel in Zeitungen von ganz bestimmten Journalisten/innen verübt werden:

    Weiblich und voller Mutterinstinkt, jung, unerfahren im Leben,gerade die Ausbildung absoviert, braucht dringend reißerische Beiträge zur Profilsuche und für die Karriereleiter ( die man im Galopp bewältigen möchte).

    Ältere Journalisten und Schreiberlinge haben wohl schon soviel Lebenserfahrung gesammelt dass sie entweder die Finger von Themen lassen wo sie keine Ahnung haben oder sich doch mehr informieren und merken dass da nichts zu machen ist.

  9. …..trotzdem sollte man die Dame – und all die Anderen, immer wieder freundlich auf ihre Ungenauigkeiten aufmerksam machen, eventuell fragen sie ja vor so einem Artikel an….

  10. KLARTEXT über Selbstverteidigung in der letzten Nummer der IWÖ-Nachrichten:

    http://www.iwoe.at/img/IWOE2-12.pdf

    Natürlich lesen Dummschreiber keine Fakten. Das ist bekannt.

  11. Eine Depperte. Kein weiterer Kommentar. Einmal anrufen bei der IWÖ wäre zuviel der Recherche, Frau Journalistin?

    • Wer weiß ob sie nicht Angst hat daß sie durch’s Telefon von einem „Waffenfreak“ erschossen wird…

    • Eine Depperte…..

      Sowas muss aber nun wirklich nicht sein.
      Ihnen würde es sicher auch nicht gefallen wenn sie auf einer öffentlichen Internetplattform zum Beispiel als „alter Schneebrunzer“ bezeichnet werden.
      Die Dame wird schon wissen warum sie nicht bei der IWÖ anruft.
      Liegt vielleicht an der zu einseitigen und zu kritiklos positiven Meinung über Waffen die dort vorherrscht.

      • Ich bin auf öffentlichen Internetplattformen schon ärger beschimpft worden. Halte ich locker aus.

      • Die Dame wird schon wissen warum sie nicht bei der IWÖ anruft.
        Liegt vielleicht an der zu einseitigen und zu kritiklos positiven Meinung über Waffen die dort vorherrscht.

        Weil’s nicht ins Weltbild paßt?
        Und eine „kritiklos positive Meinung über Waffen“ liegt bei einer derartigen Interessenvertretung ja wohl in der Natur der Sache, zumal der Standpunkt der IWÖ in Sachen illegale Waffen ja wohl mehr als klar ist.
        Beim ÖAMTC wird man auch nichts von den Vorzügen eines autofreien Tages erfahren…

      • Wie sollte man jemanden titulieren der (offensichtlich) aus deutschen Quellen abschreibt (Jagdschein, Waffenschein), nicht bereit oder faehig ist, selbst zu recherchieren und nicht einmal erkennt wenn das resultierende Elaborat unlogisch ist.

        So lange man Leuten nicht auf die Zehen steigt, glauben sie manchmal man laesst sich alles gefallen.

        Beim Melonenkuerbis muss ich oefters an deutsche Waffenbesitzer denken. „nur keinen Konflikt!“ und „Zack!“, kriegen sie wieder Eine reingewuergt.

        • Richtig. Wir müssen eine schärfere Sprache führen. Wir werden nämlich nicht gehört, wenn wir immer sanft und angepaßt bleiben. Wenn jemand dumm oder unfähig ist, dann sage ich das auch. Unsere Gegner sind auch nicht zimperlich.

          • Da muß ich wieder einmal mein liebstes Filmzitat anbringen, John Wayne in seinem letzten Film „The Shootist“:

            I won’t be wronged, I won’t be insulted, I won’t be laid a hand on. I don’t do these things to other people and I require the same from them!

            • Gefaellt mir sehr gut. Mein Lieblingszitat stammt vom leider schon verstorbenen britischen Autor Gavin Lyall:

              „To the man who bets his life on the choice of his guns there`s only one True Belief – his own – and the only True Prophet is himself.“

      • Ich habe mit der Dame heute gesprochen. Sie hat gar nicht gewußt, daß es die IWÖ überhaupt gibt, sondern nur beim BMI angrufen und die haben ihr das alles erzählt und außerdem den Psychologen empfohlen, der den restlichen Blödsinn verzapft hat. Sie hat das alles brav geschrieben, nachgefragt hat sie überhaupt nicht.

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