Rauchverbot

Heute einmal kein Waffenthema, gleichwohl dennoch eines das mir unter den Nägeln brennt: Das de facto – Rauchverbot in der Gastronomie. Ähnlich dem Waffenthema wurde und wird hier sehr emotional diskutiert, die Fronten sind verhärtet, im Gegensatz zu den Waffen ist hier aber beiden Seiten klar daß Rauchen nicht gesund ist.

Ich selbst bin (leider wieder) Raucher, habe aber grundsätzlich kein Problem damit in einem Lokal auf meine Zigarette(n) zu verzichten, vor allem im Eßbereich eines Speiselokals, das gehört sich so. Auch bin ich völlig damit einverstanden wenn ein Lokalbetreiber es für richtig erachtet seinen Betrieb teilweise oder zur Gänze „rauchfrei“ zu erklären, er wird schon wissen was er tut.

Wogegen ich mich jedoch ganz klar ausspreche ist die Bevormundung der Gastwirte durch die Behörden! Die Situation sieht in Österreich ja derzeit so aus: Bis zu einer Lokalgröße von 50 m² kann der Wirt frei entscheiden ob er das Rauchen zuläßt oder nicht, ab 51 m² muß ein räumlich abgetrennter Nichtraucherbereich geschaffen werden, anderenfalls ist das Rauchen generell zu untersagen.

Dazu drei Beispiele aus eigener Erfahrung:

  1. Eine liebe Freundin von mir besitzt ein Kaffeehaus in Wien, jedesmal wenn ich in der Stadt bin gehe ich immer wieder gern dorthin, zumal ich dort auch einen guten Teil meiner Schulzeit verbracht habe. Das Lokal mißt knapp 100 m², somit also Rauchverbot oder räumliche Trennung. Eine solche Trennung ist aufgrund der räumlichen Gegebenheiten nicht oder nur mit höchstem baulichen (und somit natürlich auch finanziellen) Aufwand möglich, also mußte die liebe Hanni ihr Café zum Nichtraucherlokal erklären. Ergebnis: Ein Umsatzrückgang um gut 70%, Stammgäste bleiben aus, neue Kundschaften verlassen das Lokal sofort wieder wenn sie die Nichtraucher-Schilder sehen. Ein gutgehendes Kaffeehaus mit bis vor kurzem noch zwei angestellten Kellnerinnen wird jetzt von der Chefin allein betrieben, sie steht Montag bis Freitag allein im Geschäft, fallweise hat sie eine Aushilfe (wenn sie etwa Einkäufe erledigen muß). Allein ohne Angestellte, allein oft auch ohne Gäste. Wahrscheinlich wird sie demnächst zusperren.
  2. In einem früheren Stammwirtshaus von mir, Größe ähnlich dem Café, wurde eine Trennwand errichtet und somit ein Nichtraucherbereich geschaffen. Im Nichtraucherbereich herrscht zumeist gähnende Leere während sich im Raucherbereich nach wie vor die selben Gäste – Raucher wie Nichtraucher – aufhalten. Umsatzeinbußen mußte der Wirt also keine hinnehmen, auf den gar nicht so geringen Kosten für die sinnlose (da kaum genutzte) Trennwand ist er aber sitzengeblieben.
  3. Mein Stammlokal in Gars: Ein Heurigenbetrieb, knapp 50 m², Rauchen ohne Einschränkung erlaubt. Immer gut ausgelastet, besser noch als vor der Einführung dieser sinnbefreiten Gängelung da zahlreiche neue Gäste, die aus ihren bisherigen Stammlokalen „vertrieben“ wurden, dazugekommen sind.

Drei Beispiele von vielen, wahrscheinlich wird jeder solche und ähnliche Fälle kennen, diese Beobachtung auch selbst schon gemacht haben. Ich gestehe jedem selbstverständlich die Freiheit zu ein Nichtraucherlokal aufzusuchen, das ist ganz klar. Umgekehrt sollte aber auch jeder Lokalbetreiber das Recht haben zu bestimmen, ob in seinem Betrieb geraucht werden darf oder nicht. Diese Bevormundung aus – erraten! – Brüssel ist sinnlos und führt maximal zur Vernichtung zahlreicher Existenzen, während sich das Problem (und das Rauchen ist zweifelsohne ein gesundheitspolitisches Problem, das weiß jeder) lediglich verlagert hat.

Aber Problemlösungskompetenz hat ja die EU und auch die österreichische Regierung ohnehin noch nie ausgezeichnet.

(Übrigens: „Inspiriert“ zu diesem Artikel wurde ich durch einen Bericht der WAZ, wonach im deutschen Halle zahlreiche Wirte über Grüne Politiker, die sie für die dortige Raucher/Nichtraucher – Regelung, die der österreichischen gleich sein dürfte, verantwortlich sehen ein Lokalverbot verhängt haben. „Lokalverbot für Grüne!“ Gefällt mir, sollten wir vielleicht auch einführen und gleich auf das Parlament ausdehnen…) 

11 Antworten zu “Rauchverbot

  1. Pingback: Wochenrückblick 35/2012 | dagarser

  2. In Berlin gibt es auch die „östereichische“ Lösung. Aber selbst die wollen die Grünen in Bremen und NRW abschaffen und nehmen dafür das „Kneipensterben“ in Kauf.

    Der Grundsatz des Rauchverbots war ja, dass die Angestellten vor Passivrauchen geschützt werden sollten. Wenn Chef und Angestellte aber selber rauchen wollen, dann muss es auch weiterhin möglich sein – egal bei welcher Größe – eine Raucherkneipe, Rauchergaststätte oder auch Raucherrestaurant zu betreiben.

    In Australien ist es nicht einmal erlaub, auf den Stühlen VOR der Gaststätte zu rauchen. Dort muss man sich 1m enfernt von den Stühlen stellen. Das hat mit Schutz nichts mehr zu tun, sondern nur noch mit Diskriminierung und Ächtung. Und diese beiden Punkte will man auch im internationalen Waffenhandelsvertrag durchsetze: Zigarette pfui baba, Waffe pfui baba, CO² pfui baba, Blei pfui baba, Zucker pfui baba usw. usw.

    • Es ist schon etliche Jahre her, daß ich zum letzten Mal in den US of A gewesen bin. (Werd auch nicht so bald wieder rüberfliegen, da ich keine Lust habe, mich von der TSA wie ein Krimineller behandeln zu lassen.)
      Bereits damals wurde es Rauchern überm großen Teich schwer gemacht. Eine Sache, die mir gut in Erinnerung blieb: Das Raucherkammerl am JFK-Flughafen in New York. Überall Rauchverbot. Raucher mussten ins Raucherkammerl, das etwa 4×4 Meter groß war und nur aus Glaswänden bestand. Die Lüftung arbeitete entweder nicht oder zu wenig, da man bereits von außen sah, wie extrem dick die Luft da drinnen war. Eigentlich hätte man gratis rauchen können da drinnen: nur tief Luft holen…
      Ich ging lieber ein paar hunder Meter weiter zum Haupteingang und zündete mir eine Zigarette nahe der Taxis an. Ich bezweifle, daß man selbst das noch heute tun darf.
      Diese „wir-zwingen-dich-zu-deinem-Besten“-Mentalität nahm angeblich in der Kalifornischen Universitätsstadt Berkeley ihren Anfang, wo man heute (ebenfalls angeblich) in der Öffentlichkeit nicht mehr rauchen darf.
      Die Verfechter dieser Unkultur werden drüben gerne als „Helath Nazis“ bezeichnet, was nicht wirklich übertrieben ist, wenn man bedenkt, daß der Begriff „Passivrauchen“ im III. Reich entstanden ist.

  3. Ein armer Raucher

    Folgendes aus Bayern, dem Himmel der Nichtraucher!
    Ich bin bayerischer Raucher und so hat sich das Rauchverbot auf mich als betroffenen Raucher ausgewirkt:
    Erst habe ich mich furchtbar aufgeregt über die Abstimmung zum Nichtraucherschutz. (Leider konnte ich selbst auch nicht abstimmen, da ich an diesem Tage just zu dieser Stunde eine Nachsuche hatte…)
    Dann habe ich mich aber wieder beruhigt, denn:

    1. Ich gehe kaum mehr abends weg, sondern treffe mich mich Freunden privat. Dort haben wir einen Partykeller eingerichtet und rauchen und trinken dort. Das hat mir schon viele hunderte Euros gespart. Die Wirte tun mir allerdings Leid, denn die NICHTraucher kommen nun auch nicht öfter als vor dem Rauchverbot in die Kneipe.
    2. Ich rauche deutlich weniger dadurch, weil ich bei den seltenen Abenden in einem Lokal doch tatsächlich zu faul bin, raus zu gehen.
    3. Ich lobe mir einen solchen Kompromiss wie in Österreich (dort ist meines Erachtens alles besser als in DE). Wenn ich in meinem Lieblingsland bin, gehe ich ausgiebig fort, mache viel Umsatz, und lasse mir mein Bier und die Zigarette VOR dem Essen so richtig schmecken. Das ist das, auf was ich mich beim Österreichurlaub am meisten freue. Wo man gar nicht rauchen darf, gehe ich auch nicht rein!

    Viele Grüße
    Ein (armer) Bayer

  4. Wenn man schon die Nichtraucher schützen will – dann gibt es nur eine Lösung: das totale Rauchverbot im öffentichen Raum.

    Damit sind neben Ämtern und Behörden auch die Gaststätten und Imbissstände und auch Heurigenlokale zu verstehen.

    Als ich neulich in Italien unterwegs war, war es für die Italiäner überhaupt kein Probelm das Lokal zu verlassen und vor der Tür zu rauchen. Sollte auch bei uns möglich sein. Im Winter, wenn dieTemperaturen fallen, werden die wirkich Süchtigen halt einen Mantel anziehen müssen.

    Ich halte ein generelles Rauchverbot für wesentlich vernünftiger als diesen Pfusch den wir derziet haben. Wird aber vermutich in ein paar Jahren kommen – sollte es dann noch diesen VersagerVerein namens EU geben.

    Für die Volksgesundheit wird aber ein generelles Rauchverbot nichts bringen. Wegen dieses Verbotes wird es keinen Jugendlicher weniger geben der nicht zum rauchen anfängt.Elternhaus und Freunde sind die Vorbilder für dieses Laster. Eine vernünftige Aufklärung in den Schulen wäre wünschenswert. Aber welcher Schüler soll seine Lehrer ernst nehmen, die selber rauchen?

    Besser als Verbote und Bevormundung ist die Aufklärung – und zwar einen richtig brutale, mit Raucherlungen und Raucherbein … – das kann vielleicht bei dem einen oder anderen ein Undenken bewirken. Sollte mal einem SchülerIN schlecht werden… ich denke ZIEL erreicht. Verpfichtende Aufklärung statt Bevormundung.

    Leider sind aber die Europäschen Völker schon so im politisch crorrectem Denken gefangen (verdummmt) dass man keine Eigenverantwortung mehr erwartet bzw uberhaupt zulässt.

    Der Weg muss weg von der Bevormundung (durch Brüssel) wieder zu mehr Eigenverantwortung sein – dass dann die Genossen und dernen grüner Wurmfortsatz nicht mehr gewählt werden wäre eine durchaus angenehme Begleiterscheinung. Dann würde auch die SPÖ wieder anfangen sich um die Menschen des eigenen Volkes zu kümmern und die GrünINNEN wären eine kleine Splittergruppe in der SPÖ so wie es derzeit mit dem LIF ist. Das wissen natürlich auch die Strategen der Linken und verhindern selbstständiges Denken des autochonten Volkes.

  5. Eine weitere Facette des „Nanny-States“, in dem zu leben wir in allen westlichen „Wertegesellschaften“ gezwungen werden.
    Wir müssen ja nicht unbedingt ins 18. oder 19. Jahrhundert zurück, als Eigenverantwortlichkeit noch selbstverständlich war (damals gab es eine Freiheit, die heutigen Lemmingen schier „unverantwortlich“ erscheinen muß); es reichen schon z.B. die 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts, um zu sehen, wiesehr sich Vieles verschoben hat.
    Beispiel „freie Kindheit“
    In den Sommerferien trieben wir uns im Wald oder sonstwo herum, konnten tun, was wir wollten und wussten, daß wir um sieben Uhr zu Hause sein sollten. Hätte jemand damals meine Mutter gefragt, wo ich mich denn herumtriebe, hätte sie wohl unbestimmt mit der Hand gewedelt: „Irgendwo da draussen!“. Heute bekäme eine Mutter Probleme wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht.
    Als ich das Radfahren erlernte, fuhr ich Knirps drauflos – quer über Straßen, Wege, Wiesen, Felder in den Wald hinein.
    Heute muß man, wenn man unter 12 ist, einen Radführerschein haben, plus Radhelm.
    Es gäbe soviele andere Dinge zu berichten, die damals anders waren – und übers damalige Waffengesetz brauch ich Dir wohl nichts zu erzählen, oder? Als ich Grundwehrdiener war, besaß ich eine Franchi-Pumpgun und einen Erma M1-Halbautomat im Kaliber .22
    Heute bekäme ich für die erste Waffe ernsthafte Probleme und für die Zweite bräuchte ich eine WBK.
    Sehr vieles ist Schlechter geworden seither. Eines aber wurde viel besser: Die Qualität unserer Seen, Flüsse und Bäche. aber das steht wieder auf einem anderen Blatt Papier.

  6. Ich verteidige die Privatautonomie. Jeder muss über seine persönlichen Belange selbst entscheiden dürfen: als Gastwirt – wer mein Lokal betritt und ob er rauchen darf oder nicht; als Firmenchef – wer meine Angestellten sind, mannlich, weiblich oder krank und arisch oder nicht; als Autofahrer – ob angeschnallt oder nicht; ….
    Meine persönliche freie Entscheidung will ich niemand anderm überlassen müssen.

  7. Ich wäre für eine einfache Lösung: wenn dem Wirt eine Umsatzeinbuße durch das Rauchverbot entsteht, dann haben das die Politiker aus Brüssel aus der eigenen Tasche auszugleichen. Das muß gleicherweise für die Grünen gelten. Schließlich muß ja die Verursacherregel gelten. Wer einen Schaden verursacht, der ist schuldig ihn auszugleichen. Punktum

  8. ZITAT: Lokalverfbot für Grüne ist gut, noch besser wäre Politikverbot.

    Zakrajsek hat recht ! ! !

  9. Lokalverfbot für Grüne ist gut, noch besser wäre Politikverbot.

  10. Das Nichtraucherschutzgesetz in öffentlichen Lokalen ist ist einfach schlecht durchdacht worden.
    Entweder man lässt es gleich ganz bleiben oder man fordert gleich ein totales Rauchverbot in Gaststätten.
    So spart sich der Wirt wenigstens den Umbau mit den Trennwänden und wer wirklich Rauchen will der soll sich zum Rauchen vor die Türe stellen.
    Meines Wissens gibt es in Irland ein ganz strenges Rauchverbot in Gaststätten und die Leute haben sich einfach daran gewöhnt zum Rauchen vor die Tür zu gehen.
    Das was wir aber hier bei uns haben ist mal wieder die typisch österreichische (Pfusch-)Lösung mit der alle unzufrieden sind.

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