Zoodrama

Im Kölner Zoo hat ein Tiger eine Tierpflegerin angefallen und dabei tödlich verletzt, der Tiger wurde vom herbeigerufenen Zoodirektor erschossen. Soweit die Fakten. Wie immer nach solchen Dramen melden sich jetzt natürlich Besserwisser zu Wort die genau erklären, wie das anders gehandhabt hätte werden können bzw. müssen.

Diesen Besserwissern ist natürlich allen gemein daß sie nicht dort waren und somit die Situation am Ort und zum Zeitpunkt des Geschehens nicht einschätzen können, dennoch wird munter drauflosschwadroniert: „Wieso hat man den armen Tiger gleich erschossen?“ „Die Tierwärterin ist doch selbst schuld, hätte sie halt besser aufgepaßt!“ Hätte man den Tiger nicht bloß betäuben können?“ „Durfte der Zoodirektor den Tiger denn überhaupt erschießen?“, usw.

Zunächst: Es ist derzeit noch völlig unklar wie es zu der Tigerattacke kommen konnte, am ehesten wird von menschlichem Versagen, also einem Fehler der Tierpflegerin, ausgegangen. Wo Menschen sind passieren Fehler, das ist nun einmal so und manchmal haben solche Fehler eben auch tragische Konsequenzen. Hier von „selbst schuld“ zu sprechen ist in höchstem Maße menschenverachtend.

Zum Abschuß des Tigers: Wenn man den nahezu übereinstimmenden Medienberichten Glauben schenken darf (heikle Sache), so lag die Tierpflegerin nach der Attacke regungslos am Boden und der Tiger befand sich noch im Gehege, es war also für die Rettungskräfte nicht möglich zum Opfer vorzudringen. Zu diesem Zeitpunkt konnte kein Mensch mit Gewißheit sagen ob die Frau noch am Leben bzw. wie schwer sie verletzt ist, das geht mittels „Ferndiagnose“ nicht. Außerdem soll einzelnen Meldungen zufolge auch Gefahr für die Zoobesucher bestanden haben (was ich mir allerdings nicht vorstellen kann, aber bitte). Also war der Tiger selbstverständlich zu erlegen! Menschenleben gehen vor! Ein Betäubungsgewehr zu verwenden ist in einer solchen Situation blanker Unfug, ein Tier das solcherart betäubt wird fällt nicht einfach so um und schläft dann friedlich, sondern es wird (noch) aggressiv(er), bis zum Einsetzen der Betäubung dauert es gut 15 Minuten. (Ich war einmal beim Transport eines Damhirschen von einem Gatter in ein anderes dabei, auch der wurde betäubt. Der stand nach einer halben Stunde noch – zwar wackelig, aber immerhin – auf den Läufen.) Somit war der Abschuß die einzige Möglichkeit der Tierpflegerin eventuell doch noch das Leben zu retten. Leider war es dann doch zu spät…

Letztlich zur Frage ob der Zoodirektor das denn durfte: Na das will ich doch schwer hoffen! Wenn ich einen Zoo besuchen würde (das letzte mal in der Volksschule), so ginge ich schon davon aus daß geschultes Personal dort ist das für alle möglichen Eventualitäten einen Notfallplan hat, schließlich trägt man ja die Verantwortung für die Sicherheit seiner Gäste. Kein Zoodirektor oder -mitarbeiter wird aus Jux und Tollerei einen seltenen Tiger erschießen – aber wenn es sein muß, dann muß es eben sein. Wie zuvor geschrieben: Menschenleben gehen vor!

Natürlich ist es bedauerlich daß der Tiger erschossen werden mußte, zumal er ja wahrscheinlich nur seinem Instinkt und Beutetrieb gefolgt ist – aber in der geschilderten Situation war das sicherlich das einzig Richtige. Eine traurige, unnötige Geschiche. Meine Anteilnahme den Hinterbliebenen der Getöteten. Wenigstens wurde alles versucht sie zu retten!

6 Antworten zu “Zoodrama

  1. Pingback: Wochenrückblick 35/2012 | dagarser

  2. Der Pechlaner hat in Wien bei dem Jaguar-Unfall auch eine Pistole eingesetzt, das wurde aber nicht berichtet. In einen Zoo gehört unbedingt eine zugriffsbereite Waffe.

  3. Na hoffentlich kommen die linken Österreicherfeinde nicht auf die Idee, daß sie alle legal gehaltenen Wildtiere verbieten wollen.
    Mit den von den Österreichern gehaltenen Legalwaffen wollen sie es machen.

    Sippenhaftung und Kollektivschuld ist heute bei totalitären Unmenschen wieder salonfähig.

  4. ….das erinnert mich an eine lange zurück liegende Begebenheit: Ich lebte in der Nähe eines Safariparkes. Der Zoodirektor lief immer mit einer .357 umher, ganz auf Safari- gedressed. Die .357 war in Hinblick auf die Gefährlichkeit der dort lebenden Tiere eher underarmed, aber ich hätte ihm einen persönlichen Einsatz diesbezüglich auch kaum zugetraut – und so war es dann auch.
    Ein ehemaliger Tanzbär, alt und durchgedreht, wurde dort abgegeben und man wusste sich dort nicht mehr zu helfen, ausser ihn zu erlegen – nur, der Direktor, hat nach späteren Aussagen seiner Angestellten, mit seiner .357 so gezittert, dass er sich wohl eher selbst erschossen hätte.
    Ich habe das dann mit einer Doublette in der Kopf, mittels .45ACP erledigt.
    Damals waren noch Hohlspitz-Geschosse erlaubt – für solche Zwecke unabdingbar…
    Aber erzähle das einmal wem….

  5. Eine tragische Geschichte aber es war ein Arbeitsunfall wie er auf der Welt immer wieder vorkommen wird. Wenn mit gefährlichen Sachen gearbeitet wird wirken sich Fahrlässigkeiten und Fehler eben schwer aus und sind manchmal auch tödlich.
    Auch in meiner Firma gab es einen tödlichen Unfall und auch hier war es Eigenversagen.
    Als wenn man vergißt eine gelade Jagdwaffe zu entladen….

    Insofern sehe ich es auch nicht als menschenverachtend an wenn man bei Eigenversagen sagt „selbst schuld“, das ist keine Herabwürdigung des Opfers als Trottel sondern eine nüchterne Feststellung, auch für die Versicherun.Ja die Tierpflegerin war selbst schuld, ihr könnt mich zerreißen, es ist so.
    Zumindest nach vorliegenden Erkenntnissen.Sie hat etwas übersehen, nicht beachtet und wurde bitter bestraft.
    Fast noch schlimmer wäre es wenn ein anderer durch Fahrlässigkeit ihren Tod verursacht hat, dieser muss sich dann sein Leben lang Vorwürfe machen.

    Nehmen wir ein anders Beispiel: Ein Autofahrer macht einen Fehler und verunglückt selbst tödlich,natürlich sagt man dann „selbst schuld“ aber auch natürlich in gewissen zeitlichen Abstand und mit Piätät gegenüber den Angehörigen.Insofern sollte der Diskutant den Sie gemeint haben und Tierliebhaber tatsächlich etwas besser schweigen.

    Ob man den Tiger erschießen mußte das ist hier keine Frage sondern es war eine Pflicht und auch rechtlich durch Nothilfe gedeckt. Selbst wenn der Zoo eine illegale Waffe verwendet hätte, es war ein Gebot der Situation zu schießen wenn keine andere schnelle Lösung möglich war. Und sie war es offenbar nicht zu einem Zeitpunkt wo schnelle medizinische Hilfe notwendig war.Man konnte ja die Frau nicht verbluten lassen während er Tiger noch auf die Betäubung wartet.

    Hätte man den Tiger später aus „Rache“ eingeschläfert wie man das oft bei Hunden tut würde ich auch protestieren denn es sind Wildtiere die keine moralische Wertung kennen, aber hier war die Situation unausweichlich.

    Die Tierschützer die sich jetzt darüber ereifern sollten besser nachdenken was sie in der gleichen Situation an Hilfe erhofft hätten und besser schweigen, aber vielmals nehmen Interessenvertretungen ( auch manchmal wir Waffenbesitzer ) oft verbissene und religiös anmutenden Züge an wo dann die nüchterne Überlegung verschwindet.

    • Nehmen wir ein anders Beispiel: Ein Autofahrer macht einen Fehler und verunglückt selbst tödlich,natürlich sagt man dann “selbst schuld” aber auch natürlich in gewissen zeitlichen Abstand und mit Piätät gegenüber den Angehörigen.

      Genau das meinte ich. Um beim Beispiel „Autofahren“ zu bleiben: Ein Besoffener verunglückt mit dem Auto. Natürlich wird der wahrscheinlich „selbst schuld“ sein – dennoch werden die Rettungskräfte alle erdenklichen Schritte setzen sein Leben zu retten, nicht grinsend danebenstehen und zynisch sagen: „Der Trottel ist eh selbst schuld!“…

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