Das Flobertg’wehr vom Opa …

… habe ich hier schon in etlichen Artikeln als „Beweis“ dafür angeführt, daß Waffen in Privathaushalten keinerlei Gefahr für die Bevölkerung darstellen. Nun ja, vielleicht hätte ich es nicht verschreien sollen, jetzt hat ein 5jähriger im Burgenland im Haus seines Urgroßvaters in einem unversperrten Kasten ein solches „Flobertg’wehr“ gefunden und beim Hantieren damit seiner Tante in den Kopf geschossen.

Eine schreckliche Geschichte, die junge Frau wurde dabei wohl schwer verletzt, hoffentlich geht das gut und ohne Folgeschäden aus.

Ist ein solcher Unglücksfall aber geeignet, mein Beispiel vom „ungefährlichen Flobertg’wehr“ ad absurdum zu führen? Ich meine: Nein! Zu dieser Tragödie haben eine Reihe von Umständen geführt, zunächst hätte der Bub das Gewehr nicht „finden“ dürfen, er hätte es nicht angreifen sollen, geschweige denn damit hantieren, die Tante hätte nicht im falschen Moment in den Kasten hineinschauen sollen und vor allem hätte der Uropa das Gewehr nicht geladen im unversperrten Kasten gelagert haben dürfen!

Dem Kind kann man keinen Vorwurf machen, Kinder sind halt neugierig und gehen gerne auf „Entdeckungsreise“, allenfalls kann man seine Eltern mit in die Verantwortung nehmen die ihn offensichtlich niemals an das Thema „Waffen“ herangeführt haben. (In dem Alter hatte ich schon meine ersten „schießsportlichen Erfahrungen“ hinter mir – natürlich unter Aufsicht, mit dem Luftdruckgewehr meines Onkels auf Quittenäpfel im Garten. Hat viel Spaß gemacht, mir wurde aber ganz deutlich zu verstehen gegeben daß ich niemals allein eine Waffe angreifen darf wenn sich der Spaß wiederholen soll!)

Auch der Tante kann man natürlich keinen Vorwurf machen, schließlich wollte sie ja nur fürsorglich nachsehen was der Bub in dem begehbaren Kasten so treibt. Wo allerdings die Verantwortung für dieses Unglück liegt, wem man die schwersten Vorwürfe nicht ersparen kann, das ist der Urgroßvater: Waffen sind immer so zu verwahren daß Unberechtigte keinen Zugriff darauf haben können, das gilt auch für Kleinkalibergewehre, zumal wenn sie geladen und Kinder im Haus sind. Das sagt einem nicht nur das Waffengesetz, sondern vor allem auch der gesunde Menschenverstand!

Dazu braucht’s in Österreich auch keinen großartigen Tresor oder Waffenschrank, es langt wenn es in einem versperrten Kasten (wo der Schlüssel natürlich nicht außen steckt!) gelagert wird. Damit ist dem Gesetz genüge getan, so hätte dieses Unglück verhindert werden können.

Für einzelne Medien ist dieser Fall natürlich ein gefundenes Fressen, genüßlich wird darüber schwadroniert daß solche „Flobertgewehre“ ab 18 frei erhältlich sind, das „lasche Waffengesetz“ wird in Frage gestellt, bei einem Artikel wurde gar eine doppelläufige Flinte als „Symbolfoto“ herangezogen (schaut ja auch ungleich spektakulärer aus als so ein KK-Pfeiferl).

Ein strengeres Waffengesetz hätte diesen Vorfall aber natürlich nicht verhindern können: Das „Flobertg’wehr“ hat der Uropa wahrscheinlich schon vor Jahrzehnten damals noch im Eisenwarengeschäft gekauft, es wurde ja nicht für diese „Tat“ angeschafft. Außerdem lag mit der unzureichenden Lagerung ohnehin schon ein Verstoß gegen das geltende Waffengesetz vor, was sollte da also eine Verschärfung bringen? Richtig – gar nichts!

In der Haut des Uropas möchte ich nicht stecken – neben den Vorwürfen, die er sich zweifellos selbst macht, wird das Ganze natürlich auch rechtliche Konsequenzen haben. Die hat er aber sich selbst zuzuschreiben und die werden wohl auch heftig ausfallen. Ich „gönne“ sie ihm von ganzem Herzen!

„Das Flobertg’wehr vom Opa“ hat als Argument jedenfalls dadurch etwas von seinem „Glanz“ verloren, aus einem unglücklichen Einzelfall darf man aber nicht auf die hunderttausenden weiteren Waffen in Privathaushalten schließen. Und vielleicht hat dieses Unglück wenigstens einen positiven „Nebeneffekt“ – wenn nämlich der eine oder andere Waffenbesitzer dadurch zum Nachdenken kommt ob seine Waffenverwahrung ausreichend ist.

7 Antworten zu “Das Flobertg’wehr vom Opa …

  1. tragisch,hätte so nicht pasieren dürfen,aber Unfälle aus Fahrlässigkeit passieren leider in allen Bereichen.

  2. Pingback: Wochenrückblick 35/2012 | dagarser

  3. Zitat Journalistin vom Kurier:

    „Warum sich das Gewehr – es soll Baujahr 1968 sein – in geladenem Zustand im Schrank befand und ob Hausbesitzer Hans B. eine Waffenbesitzkarte hatte, ist Gegenstand von Ermittlungen.“

    Da eine Waffenbesitzkarte für den Besitz einer Faustfeuerwaffe notwendig ist und es sich hier aber um eine Langwaffe, also ein Gewehr handelt, ist jeder weitere Kommentar überflüssig.

  4. …Autoschlüssel: Wenn es einen berechtigten Psychotest geben sollte, dann beim Führerschein….aber da hätten wir ja mit einem Schlag 80% weniger Verkehr…wer will das schon – Geschäft ist Geschäft, dafür darf man auf Waffenbesitzer medial dreinhauen…

  5. ….der Uropa, stammt vermutlich aus einer Zeit, wo das Wort „Das darfst du ohne den Uropa nicht anfassen“ noch etwas gegolten hat…
    Die Jagdgewehre standen bei uns im offenen Gewehrschrank, die Munition in den Laden darunter und alle Kinder hatten einen Heidenrespekt vor dem Opa…wir durften beim Patronenladen auf dem Küchentisch zusehen.
    Mein Opa hat mir einen Bogen gebaut, eine Armbrust und mit dem Luftgewehr geübt, als ich ca. 5 Jahre alt war…und mit ca. 9 Jahren, durfte ich einen Schuß mit der Schrotflinte machen – ich hatte dann für einige Jahre keine Fragen mehr….so bis 14, dann durfte ich offiziell Schießen…von Berufswegen…
    Ähnlich ist noch heute in den USA üblich und normal – halt weniger in demokratischen Haushalten…

  6. Ich verabscheue so eine Unverantwortlichkeit sehr. Aber noch mehr verabscheue ich jene Kollektivschuld- und Sippenhaftverteiler, die diesen tragischen Fall heranziehen um mir meine legal besseren Waffen wegzunehmen.

    Kollektivschuld und Sippenhaftung gab es schon bei uns. Aber sie war Jahrzehnte lang verpönt. Nun ist sie wieder salonfähig geworden unter den Antiwaffennarren und Linkspolitikern und –journalisten.

  7. Die Autoschlüssel in der Hand von Unberechtigten haben schon weit mehr Unglücksfälle auf dem Gewissen.

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