Willkommen in der Realität

Über die „Piraten“ habe ich hier schon einiges geschrieben, stets hauptsächlich in Zusammenhang mit ihrer seltsamen Einstellung zum Legalwaffenbesitz. Aber auch grundsätzlich bin ich von dieser „Partei“ nicht sonderlich beeindruckt, das kommt mir alles ziemlich weltfremd vor.

Die Ursprünge der „Piratenpartei“ liegen ja im Bereich der Computer-„Piraterie“, alles im Netz soll frei und natürlich gratis zugänglich sein, Respekt vor geistigem Eigentum hat hinter der Informationsfreiheit zurückzustehen, so die Theorie/Ideologie.

Nun bin ich selbst ja auch ein großer Freund dieser Informationsfreiheit, nicht umsonst sind alle hier veröffentlichten Artikel bei Quellenangabe frei vervielfältigbar. Das ist aber meine freie Entscheidung, wenn jemand das anders handhabt ist das natürlich zu respektieren.

Mit mir müssen die „Piraten“ also eigentlich ihre helle Freude haben – im Gegensatz zu einem ihrer eigenen deutschen Vorstandsmitglieder: Julia Schramm ist eine der bekannteren deutschen „Piratinnen“, eine fesche Person, vordergründig voll auf „Piraten“-Linie. Für sie ist geistiges Eigentum „ekelhaft“, geschützt wird dieses von einer „Contentmafia“, ganz schlimm! Sogar ein Buch zu diesem Thema hat Schramm geschrieben, „Klick mich“ der klingende Titel, soll zwar nicht besonders gut sein, aber immerhin der Autorin 100.000,- Euro eingebracht haben, nicht schlecht.

Jetzt wird’s lustig, ich zitiere einen Artikel von „Spiegel Online“:

Für das Buch, in dem sie (Schramm, Anm.) auf „Contentmafia“ und Kapitalismus schimpft, möchte der Verlag Geld haben: 16,99 Euro kostet die gebundene Ausgabe, 13,99 der Download des E-Books.

Noch am Montag, dem Tag der Buchveröffentlichung, stand alternativ eine Kopie kostenlos im Netz. Unbekannte hatten das PDF bei einem Online-Speicherdienst abgelegt, den Link zum Download über Twitter und Tumblr verbreitet, zusammen mit dem Hinweis auf das Parteiprogramm der Piraten. Hinter der Aktion kann man durchaus eine gewisse Häme vermuten. „Klick mich“ zum Klicken, nicht zum Kaufen.

Der Verlag schaltete umgehend seine Rechtsabteilung ein und nahm Kontakt zum Betreiber des Online-Speicherdienstes auf. Mit Erfolg: Am späten Montagabend war die Datei zumindest unter der ursprünglichen Adresse nicht mehr abrufbar, stattdessen fand sich dort der folgende Hinweis:

„This file is no longer available due to a takedown request under the Digital Millennium Copyright Act by Julia Schramm Autorin der Verlagsgruppe Random House.“

Ihr eigenes geistiges Eigentum ist für die „Piratin“ also offensichtlich doch nicht ganz so „ekelhaft“, vielleicht haben ihr aber auch die 100.000,- Euro ein wenig dabei geholfen den Ekel zu überwinden, wer weiß?

Vielleicht ist sie aber auch einfach nur in der Realität angekommen. Womöglich eine recht harte Landung…

14 Antworten zu “Willkommen in der Realität

  1. Pingback: Wochenrückblick 38/2012 | dagarser

  2. An Alle die hier gerade über die Piraten am meckern sind :
    habt IHR schon DIE Partei eures Herzen gefunden ?
    Ich glaube eher nicht….
    Nach der Wahl (versprechungen) kommen immer :
    – das war so nie gemeint…
    – das ist aus dem Zusammenhang gerissen worden…
    – so ist das in der Realität nicht machbar ( ??? )
    – wir müssen mit den Koaliationspartnern noch darüber verhandeln..
    – wir müssen uns der Basis anpassen ( nur wer hat die jemals gefragt ? )

    usw.,usw.,…..lasst Euch nur weiter verarschen.

    Wer sagt mir,mit Hand aufs Herz,ob Österreich oder Deutschland !
    Welche Partei ist wählbar,ohne hinterher „Amok“ zu laufen….?!

    MkG Jan

  3. Geben sollen nur die anderen, nehmen will ich aber.

    Den Egoismus der Mitglieder dieser Partei wird zunehmend offensichtlich. Liberale oder gar soziale Ziele sind nur Mittel zum Zweck, um sich in die Parlamente zu schleichen und sich persönlich bereichern zu können.

    Piraten, nein danke.

    • Und die anderen Parteien? Denen lässt man das kommentarlos durchgehen, bei denen hat man sich schon dran gewöhnt. Aber auf den Piraten rumhacken … na ja …

      Enttäuscht von einer Partei, die gnadenlos gehyped wurde? Enttäuscht, weil die eigenen Wünsche und Hoffnungen so gnadenlos un-selbstkritisch draufprojiziert und nicht erfüllt wurden? Wunschdenken hilft uns nicht weiter.

      Zur Info: http://www.indiskretionehrensache.de/2012/09/piratenpartei/
      Vor allem @Sportschütz sollte das lesen.

  4. Ach, die Julia. Die dreht sich doch wie ein Fähnchen im Wind. Eine astreine Opportunistin. Ihr Buch (das ich sogar gelesen habe – furchtbar dumm und seicht) offenbart ihre narzisstisch-ignorante Grundhaltung und sie ist Mitglied der „Spackeria„, die von einem Großteil der Piraten nicht ernst genommen wird.

    Und ich glaube nicht, daß sie in der Realität angekommen ist. Dazu ist sie zu weltfremd. Sie mag zwar eine Studierte sein, aber sie verhält sich wie ein 12-jähriges Gör. Das stößt allen Piraten die ich kenne, ziemlich sauer auf.

    Man kann die Piraten nach den „Köpfen“ beurteilen. Aber diese Köpfe sprechen oft nicht für die Parteibasis. Deshalb wird Julia auch nicht wiedergewählt werden. Die Piraten werden immer wieder mal auf Egozentriker reinfallen, aber mittel- und langfristig hoffe ich auf den Selbstreinigungseffekt, der sich bei anderen Themen bisher immer als sehr zuverlässig erwiesen hat.

    Die Piraten befinden sich noch in ihrer Selbstfindungsphase. In ca. 5 Jahren können wir mal ernsthaft über die Entwicklung reden. Jegliche Vorschußlorbeeren oder Verteufelungen sind verfrüht. Piratenpolitik findet nicht mit „Köpfen“ sondern in Arbeitsgruppen statt. Das kann und wird sich noch ändern, da dieser idealistische Ansatz vermutlich nicht durchgehalten werden wird. Die „Köpfe“ werden heftig kritisiert und auch zurechtgestutzt (manchmal auch zu unrecht kaputtgemacht) – aber davon bekommen die Mainstream-Medien wenig mit und über die eigentliche Arbeit der Basis hört man auch nix.

    • Daher sollte man die Piraten auf Tauchstation schicken. Sie sollen wieder auftauchen, bis sie ein taugliches Programm und vernünftige Anführer haben. Dann kann man reden mit ihnen. Vorher nicht.

      • Hm – die FDP hat derzeit gar kein aktuelles Programm (und zu den Landtagswahlen hatte sie gar keins) und die anderen Parteien haben Programme, an die sie sich nicht halten. Ist das besser als ein halbfertiges, wenn auch sehr ambitioniertes Programm? Sind doch alles nur Absichtserklärungen.

        Die Grünen fingen als Ein-bis-zwei-Themen-Partei an. Da haben die Piraten schon deutlich mehr zu bieten. Sicher, die Kompetenz in anderen Bereichen müssen sie sich erst erarbeiten, aber das ist doch bei allen jungen Parteien so. Wo sollen sie’s denn lernen, wenn nicht in freier Wildbahn?

        Haben andere Parteien „vernünftige“ Anführer? Ich sehe keine. Fast alles Marionetten, gefangen in zementierten Parteistrukturen, Konzernlobbyisten und eigenen Interessen. Bestrebungen irgend etwas besser (weil anders) zu machen? Fehlanzeige. Die einen wollen den Status Quo zementieren, die anderen wollen komische Ideologien durchdrücken, die auf die Menschen keine Rücksicht nimmt.

        Jede Partei, jeder Politiker wird früher oder später korrumpiert. Den Piraten ist das bewusst und sie wollen etwas ändern bevor das passiert. Daß sie mit dem Anspruch jetzt an die Türen der Realität klopfen ist eine Lernaufgabe.

        Verändert haben die Piraten alleine durch ihre Existenz schon eine Menge. Manches schlecht, manches gut – die Zeit wird zeigen, ob sich was zum Besseren ändert.

        • Ich sehe keinen Grund den Piraten diesen Vertrauenvorschuß zu geben. Mir missfällt nicht nur das Parteiprogramm bzgl. privaten Waffenbesitz, die Uneinigkeit in der eigenen Partei, die öffentlichen Streiterein der Partei, die Schnorrerei eines Vorstandsmitgliedes beim Deutschen Staat (Harz 4) und die Einstellung der Frau Schramm wenn es um das eigene Täschchen geht sondern auch die Aussagen des Gründers der ersten Piratenpartei zum Thema Besitz von Kinderpornographie.

          Man hört nur Schlechtes. und wenn doch mal was Gutes kommt es aus den Reihen der Piraten und Selbstlob stinkt nicht nur sondern passiert auch nur wenn sonst niemand etwas Gutes zu sagen hat.

          • Zum privaten Waffenbesitz gibt es noch gar keinen Parteibeschluss.
            Gestritten wird überall. Die Piraten machen das halt offen.
            Jemand der H4 bezieht darf also kein Amt bekleiden?
            Um Rick Falkvinges Aussagen zu verstehen, sollte man sich gründlich in’s Thema einarbeiten.
            Was Schramm angeht, steht oben schon genug.

            Wenn ich mir so ansehe, was sich Politiker anderer Parteien leisten, dann frage ich mich, ob wir uns schon so sehr dran gewöhnt haben, daß wir denen ähnliches Verhalten durchgehen lassen.

            Wer nur auf die Oberfläche schaut, der sieht nicht, was unten drunter passiert. Aber jedem das seine …

        • Das beste Rezept gegen Korruption wäre, dem Staat das Geld wegzunehmen oder wenigstens zu kürzen. Was man nicht hat, kann man nicht verschleudern.
          Wenn die Piraten dafür eintreten, die Steuern zu senken, die Ust zu halbieren, eine Flattax einzuführen und alle Subventionen zu streichen, haben sie meine Stimme.

          • An Wirtschaftskompetenz und Finanzleuten fehlt’s bei uns leider noch sehr. Aber wir arbeiten dran … ^_^

          • Den Staat handlungsunfähig zu machen ist auch nicht gut, aber wie wäre es Korruption endlich auch in Deutschland unter Strafe zu stellen und die Übeltäter genau so zu verfolgen wie Ordnungswidrigkeiten beim Waffenbesitzt.Bislang ist Korruption hier strafffrei und die Koalition ( nicht die Grünen ) weigern sich hier Gesetzte zu verabschieden ( ja und die wollen wir wählen ?)

            Ich will ja nicht gleich die chinesische Lösung bei Korruption vorschlagen aber eine mehrjährige Haftstrafe wäre angebracht.

            Jeder kleine Beamte wird belangt der im Rahmen seines Dienstverhältnisses ein kleines Geschenk als Dankeschön annimmt und wenn es eine Packung Pralinen sind.
            Entscheider und Politiker in hohen Ämtern die eigentlich treuhänderisch mit unseren Steuern umgehen dagegen lassen sich schmieren dass es nur so kracht – allen voran die FDP.
            Und wir sind schon soweit dass es selbst die Wirtschaft fordert ( wahrscheinlich weil die „Kosten“ lästig werden )
            http://www.welt.de/wirtschaft/article108526320/Deutschland-blockiert-Abkommen-gegen-Korruption.html

            Wenn das nicht gemacht wird wird der Staat ( eigentlich die Mandatsträger die augenblicklich regieren ) auch wenn weniger Geld da ist das Wenige verplempern.

  5. Mit dem Waffenbesitz ist es ähnlich. Keine Privatwaffen, aber wenn es um die eigene Sicherheít geht, werden Bodygards engagiert. Und noch dazu um Steuergeld.

  6. …..die Dame hat schnell gelernt, dass es etwas Anderes ist, ob man über eigenes Geld redet, oder über fremdes Geld – eben schon ganz Politikerin…
    aber schon daran ist zu erkennen, dass man diesen Leuten nicht trauen kann….
    Als ich in jungen Jahren, einmal mit dem damals schon alten Herrn von Sachsen-Coburg am Ansitz sass und wir aus irgendwelchem Grund, kurz über Politik sprachen, meinte er: Weisst Du, der Trog bleibt immer der Gleiche, nur die Schweine, die daraus fressen, sind Andere…..
    Ich habe dann ein Schwein erschossen…..nein, einen Keiler erlegt….wir haben dann sehr gelacht, über dieses Wortspiel….

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