No Guns Please, We’re British

Nach dem tragischen Mord an zwei Polizeibeamtinnen in Manchester werden jetzt in Großbritannien Stimmen laut, die eine Bewaffnung aller Polizisten, nicht nur der Spezialeinheiten, fordern.

So sagt etwa Darren Rathband, Bruder eines im Dienst angeschossenen und dadurch erblindeten Polizisten: „Give them more than a bloody piece of plastic and some spray!“ („Gebt ihnen mehr als ein verdammtes Stück Plastik und einen Pfefferspray!)

Diese und ähnliche Forderungen finden auf der Insel aber keinen Zuspruch bei den Verantwortungsträgern, sie werden vielmehr mit skurrilen Argumenten vom Tisch gewischt. So sagt etwa der stellvertretende Premierminister Nick Clegg „there would be ‚considerable risks‘ to giving every police officer a gun.“ („es bestünden erhebliche Risiken darin, jeden Polizeibeamten zu bewaffnen.“) Nun ja, worin da ein Risiko bestehen soll muß mir erst einmal einer genauer erklären, schließlich hatte der Mörder der beiden Polizistinnen nicht nur eine Schußwaffe, sondern sogar eine Handgranate! So etwas würde ich als ein „erhebliches Risiko“ nicht nur für die Polizei, sondern auch für die Bevölkerung betrachten. Und solche Leute kann man auch nicht entwaffnen indem man in eine Trillerpfeife bläst und mit einem Schlagstock herumfuchtelt!

Ein Sprecher des britischen Innenministeriums dazu:

„As the Chief Constable of Greater Manchester Police, Sir Peter Fahy, and Sir Hugh Orde of ACPO have clearly expressed, the British style of policing is based on policing by consent with police officers part of the communities they serve. This is not something we should readily give up and the majority of police in this country do not want to be routinely armed.“

(„Wie der Polizeichef von Manchester, Sir Peter Fahy, und Sir Hugh Orde von der ACPO (Vereinigung leitender Polizeibeamter, Anm.) deutlich dargelegt haben beruht die Polizeiarbeit in Großbritannien auf der einverständlichen Arbeit der Polizeibeamten die Teil jener Gemeinden sind wo sie Dienst tun. Das sollten wir nicht so einfach aufgeben, und die Mehrheit der Polizeibeamten in diesem Land will auch gar nicht bewaffnet Dienst tun.“)

Ja, das „policing by consent“ hat den zwei Beamtinnen wirklich weitergeholfen. So ein Schwachsinn! Und wenn die Polizeibeamten mehrheitlich keine Waffen tragen wollen, dann sind sie mehrheitlich durch geeignete Polizisten zu ersetzen, so einfach ist das!

Der oben genannte Sir Hugh Orde: „Sir Hugh said it was the ‚clear view of the British police service from top to bottom‘ that officers prefer to be unarmed because the public dislike approaching constables bearing weapons“ („Sir Hugh stellte fest, daß es ‚die klare Einstellung der britischen Polizei, von der Spitze bis zur Basis‘ sei keine Waffen tragen zu wollen, da die Bevölkerung nur ungern auf bewaffnete Polizeibeamte zugehen würde.“) Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken, und was ich von für den Polizeidienst ungeeigneten Personen halte habe ich im vorigen Absatz geschrieben. Und warum sich ein anständiger Bürger in Beisein eines bewaffneten Polizisten „unwohl“ fühlen sollte erschließt sich mir auch nicht. Es mag am Anfang ungewohnt sein, gut, aber jeder vernunftbegabte Mensch wird – gerade angesichts dieser Tragödie in Manchester – Verständnis für eine solche „Adaptierung“ der Polizeiarbeit haben. Ich bin kein Freund von Anlaßgesetzgebung, in diesem Fall aber handelt es sich um den Kampf zwischen bürokratisch-gutmenschlicher Idiotie und dem gesunden Menschenverstand!

Der eingangs zitierte Darren Rathband hat für sich die Konsequenzen gezogen: Selbst ein Polizist in Staffordshire, hat er dort den Dienst quittiert und ist nach Australien gegangen wo er jetzt wieder als Polizist arbeitet – aber bewaffnet! Er fragt: „How many officers need to die before the powers realise it is the 21st century?“ („Wie viele Polizeibeamte müssen noch sterben ehe die Verantwortlichen einsehen, daß wir im 21. Jahrhundert leben?“)

Eine gute Frage!

(alle Zitate: Daily Mail)

10 Antworten zu “No Guns Please, We’re British

  1. Die gesamte britische Polizei mit Waffen auszurüsten und zu trainieren käme wesentlich teurer als die Hinterbliebenenpensionen. Das Geld ist der limiterende Faktor.

  2. Bevor man über die Aufrüstung der Polizei nachdenkt sollte man über das Gefahrenpotential nachdenken und dann die Zuwanderungsgesetze entsprechend verändern.

  3. Pingback: Wochenrückblick 38/2012 | dagarser

  4. Es gibt in GB noch ein anderes Problem und das betrifft den normalen Bürger, der in GB überhaupt keine Möglichkeit hat sich gegen Kriminelle die ein Messer tragen zu wehren. Dort ist vom Messer bis zum Pfefferspray: http://www.pfefferspray-versand.de/produktinformationen/faq/rechtlich-fragen/ausland/pfefferspray_im_ausland.html : ALLES verboten! Kriminelle halten sich nicht an Verbote und somit ist das immer ein sehr einseitiger Kampf! Ich finde wenigstens Pfefferspray sollte man in GB legalisieren!

    • Marc, Sie meinen den Schwachsinn, der unter der Bezeichnung „Offensive Weapons Act“ laeuft. Auch hier in Deutschland ist man da mittlerweile sehr weit. (Messerverbote etc) Besonders pervers finde ich auch die Erfindung des Begriffs „Schutzwaffen“ fuer bestimmte Handschuhe, Pantalbecher, Zahnschutz und Aehnliches.

  5. In UK herrscht halt die Devise „keine Waffen für niemanden“ – wenn das jetzt einreißt, könnten die Bürger gleichsam auf die Idee kommen sich wieder zu bewaffnen…

  6. Unbewaffnet in den Tod

  7. Ich war 1985 zu einer Sprachlernreise in England. Für die Dauer von 3 Wochen. Unser „Gastvater“ war ein Bobby. Schon damals bemängelte er die Nichtbewaffnung, und mit seiner Meinung stand er laut eigener Aussage nicht gerade alleine da.

  8. Die britische Poliezei wurde nicht entwaffnet, sondern trägt, mit gewissen Ausnahmen, traditionell keine Waffe.
    Der Bobby wurde immer als „Bürger in Uniform“, betraut mit Aufgaben der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, respektiert.
    Selbst Schwerkriminelle waren bis in die Siebziger hinein generell unbewaffnet.
    Bewaffnet zu sein, oder gar auf einen Polizisten zu schiessen wurde dort schon immer besonders streng geahndet.
    Nun hat sich die Welt geändert, aber noch immer stehen Gegner und Befürworter einer Bewaffnung etwa 50:50 gegenüber.
    Letzte umfassende Umfrage aus 2004 hier:
    http://www.icmresearch.com/pdfs/2004_may_bbc_terrorism_poll.pdf
    Sehr gut auch dieser Artikel des BBC :
    http://www.bbc.co.uk/news/magazine-19641398

  9. Ich hatte noch nie ein Problem damit, einen bewaffneten Polizisten anzusprechen, selbst als ich noch keine Waffen besessen habe.
    Ich frage mich eher, wie es dazu kommen konnte, dass die Polizei entwaffnet wurde!

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