Kärntner Ideen

Der 1. April ist zwar schon lange vorbei, dafür nähert sich aber der Fasching schon mit Riesenschritten, das schlägt sich in Kärnten bekanntlich besonders nieder. Anders ist der neueste Vorstoß von FPK-Landesrat Harald Dobernig wohl nicht zu verstehen, seltsamerweise kommt der aber aus Klagenfurt und nicht aus Villach.

Dobernig hat jedenfalls eine großartige Idee ventiliert: Das Land Kärnten solle doch eine Steuer von den Kärntner Prostituierten einheben! 100 Euro pro Nase (oder was auch immer) und Monat sollen es sein, ganz schön, aber die marode Kärntner Landeskasse kann sicherlich jede(n) Finanzspritze(r) vertragen.

Folglich geht Dobernig auch einen ganz ungewöhnlichen Weg, denn neben den registrierten Prostituierten will er auch die illegalen besteuern! Das wirft natürlich einige Fragen auf, allen voran: Wenn die „illegal“ sind – woher weiß das Land Kärnten dann wem es die Vorschreibung zustellen soll? Gibt es in Kärnten gar ein „ZHR“ (Zentrales Hübschlerinnenregister)? Wenn ja – sind dort nicht nur die „legalen“ einschlägig tätigen Damen (und Herren?) registriert? Oder sind die Kärntner gar so ein ehrliches Volk daß auch alle illegalen Gegebenheiten sofort der Behörde gemeldet werden?

Das würde natürlich das Nichtfunktionieren des Zentralen Waffenregisters erklären, das System ist wahrscheinlich deshalb zusammengebrochen weil alle Kärntner Besitzer illegaler Waffen diese am Montag gleich registrieren wollten!

Interessant sind aber auch die Zahlen die in diesem Zusammenhang genannt werden, etwa hier vom ORF:

In den Erläuterungen zum Begutachtungsentwurf heißt es, dass sich das Land bei der neuen Steuer seines „Abgabenerfindungsrechts“ bedient. In Kärnten gibt es durchschnittlich rund 360 registrierte Prostituierte. Es wird mit einem jährlichen Abgabenvolumen von 500.000 Euro gerechnet. Davon abzuziehen sind die Kosten für den Verwaltungsaufwand. Bei behördlich bewilligten Bordellen ist die Prostitutionssteuer wie die Ortstaxe vom Bordellbetreiber einzuheben und abzuführen.

Kurz nachgerechnet: 360 registrierte Prostituierte sollen monatlich € 100,-, jährlich also € 1.200,- Steuer berappen, das ergibt die Summe von € 432.000,-. Bleibt auf die halbe Million also der Differenzbetrag von € 68.000,-, das dividiert durch 1.200 ergibt also die geschätzte Zahl von rund 57 illegalen Prostituierten in ganz Kärnten. Jetzt kenne ich mich in der „Szene“ nicht wirklich aus, rein gefühlsmäßig kommt mir das aber recht wenig vor. Ich will das aber nicht beurteilen, wer weiß welche intensiven Recherchen diesem Vorstoß Dobernigs vorangegangen sind. (Übrigens: Wie wird die „Prostitutionssteuer“ eigentlich bei behördlich nicht bewilligten Bordellen eingehoben und abgeführt?)

Das ist natürlich eine lächerliche Geschichte, so etwas kann einem ja höchstens im Vollrausch einfallen. Wo einem aber das Lachen im Hals stecken bleibt ist das Wort „Abgabenerfindungsrecht“. Wer mich kennt weiß was ich meine.

8 Antworten zu “Kärntner Ideen

  1. Pingback: Wochenrückblick 40/2012 | dagarser

  2. Muss jetzt mal nachfragen:

    Geht es um „illegale “ Nutten oder korrekt um „nichtregistrierte “ also „freischaffende“ Nutten. Ich denke ein feiner Unterschied denn wer etwas „illegal “ tut, der tut es im rechtswidrig und den besteuert man nicht sondern bestraft.Da gibt es für einen Staatsanwalt nicht mal viel Spielraum.

    Könnte mir also vorstellen dass die „nichtregistrierten“ aber dennoch legal tätigen Damen irgendwann nach einer Steuererklärung als „freischaffende “ gefragt werden.Dss wäre ja noch nachvollziehbar.

    Ich kenn mich in dem Gewerbe nicht so gut aus (ehrlich ) aber in Tschechien war es doch ähnlich. Mädels die irgerndwie organsiert waren und in Bordellen ihre Dienste als offizielle Dienstleisterinnen anboten und zahleiche Damen die nach Feierabend Gelegenheitsarbeiten am Straßenrand machten – aber eben auch nicht illegal.
    Teilweise stellten die sich in Schaufenster an der E 55 ! War schon teilweise pervers dassMütter ihre Töchter anboten wie Sauerbier.
    Probleme hatte man damals wegen dem „Standorten“ wo die sich aufhielten, aber weniger mit dem Status.
    Jetzt haben die das wohl besser in Griff bekommen.

    Ich weiß jetzt nicht wie das in Austria ist ob jede Tätigkeit im horizontalen Bereich registriert sein MUSS ? oder gar in eine Berufsgenossenschaft samt Gesundheitschecks organisiert sind , an Gewerkschaft will ich gar nicht denken (lol).
    Ist es möglich dieses Gewerbe auch ohne staatliche Registrierung aber dennoch legal zu betreiben, so wie man eben auch Putzfrau sein darf die nebenher noch putzen geht nach Feierabend und aber eventuell eine Verdienstgrenze einhalten muss ?

    Wäre doch etwas fairer man würde genau lesen können was der Herr sich genau gedacht hat, mitunter ist es eine Definitions oder Auslegungsfrage die dazu führt dass etwas am Ende komisch wird .
    Etwa illegales Besteuern geht doch eigentlich gar nicht so bescheuert kann doch nicht mal ein Politiker sein ?
    Gibt es dazu einen Link ?

    • Berufsgenossenschaft?
      Das ist nicht .de!
      Es ist einfacher: Entweder sie hat ein „Buechl“ oder sie ist eine illegale Prostituierte. Richtig ist, dass dies mit Gesundheitschecks verbunden ist.

      Die Illegale Prostitution ist kein Witz. Da kommt man harufig auch in den Bereich von Menschenhandel und organisierter Kriminalitaet.

      Diesen Blitzgneisser und seine Erguesse braucht man nicht zu analysieren. Der empfiehlt sich schon selbst fuer Hoeheres. Sowas kann nur von Leuten aus einer geschuetzten Werkstaette ( Politik, Journallismus), kommen.

  3. Überhaupt sollte alles Illegale viel stärker besteuert werden. Wie verblödet sind unsere Politiker?

  4. Villach ist ja auch besser als ‚furt!

  5. Es ist erschütternd zu sehen, wie sich Vater Staat (bzw. seine Vertreter) immer mehr illegaler Methoden bedienen (oder es wollen), um an Geld zu kommen.

    Das kärntner Beispiel ist dasselbe, als würde man die Mafia mit einer Umsatzsteuer belegen.

    Mir graut vor solchen hilflosen und ahnungslosen Gesellen und -Innen.

  6. Warum sollte der ubiquitäre Wahnsinn denn vor Kärnten haltmachen?
    Und vom Abgabenerfindungsrecht macht die Politik doch schon seit Jahrhunderten Gebrauch – nur hat sie es früher eben nicht so genannt.
    Das Lachen kann mir nicht im Halse stecken bleiben. Es ist mir seit längerer Zeit ob der Politik in ganz Österreich bereits vergangen…

  7. ……als ehemaliger Wahlkärntner und immer noch Kärnten-Liebhaber, kläre ich Dich auf: Kärntnerinnen haben wie in Kärnten jeder weiss, einen Sprachfehler – sie können nicht NEIN sagen…..und das wertet der werte Dobernig als Prostitution…..das bedeutet, alle Kärntnerinnen sollen die €100.-, welche ihnen der verblichene Jörgerl dazumals geschenkt hat, wieder zurückzahlen, denn die Hypo braucht das Geld wieder…..
    Im Grunde ja normale österreichische Politik:
    Man sagt den Leuten, wenn ihr mich wählt, dann schenke ich euch das Geld der Anderen und bis die draufkommen, dass mit den Anderen, auch sie selbst gemeint sind, ist die Legislaturperiode eh schon vorbei…..ganz einfach, nicht?

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