Schadwild

Heute muß ich mit meinen Formulierungen besonders aufpassen, viel zu leicht könnte ich mich sonst zu ehrenrührigen und somit klagbaren Aussagen hinreißen lassen, das will ich tunlichst vermeiden.

Dipl.-Ing. Erhard Brandstetter ist Kremser Bezirksjägermeister, bis vor kurzem war er sogar Landesjägermeister-Stellvertreter von Niederösterreich. Ich mag den Mann nicht, in waffenrechtlichen Fragen bin ich bereits des öfteren mit ihm aneinandergeraten. Verschwendete Lebenszeit, mit manchen Leuten kann man einfach nicht diskutieren, ganz allgemein gesprochen können da etwa festgefahrene Meinungen oder auch intellektuelle Defizite die Ursache dafür sein.

Brandstetter hat jedenfalls eine ganz erstaunliche Wortmeldung zum Zentralen Waffenregister von sich gegeben, doch dazu später.  Zunächst möchte ich noch zwei alte Artikel von mir zitieren, so nach dem Motto „Ich hab’s ja immer schon gesagt!“. Am 16. Dezember 2011 habe ich in „Generationenwechsel“ über die bevorstehende Änderung an der Spitze des Niederösterreichischen Landesjagdverbandes berichtet und u.a. folgendes geschrieben:

(…) besonders im Falle Brandstetters wäre ein Rückzug aber jedenfalls höchst an der Zeit. Der “Harti”, wie er von vielen Ehrenträgern des braunen Halsrings liebevoll gerufen wird, war in seinem Amt von Anfang an eine veritable Fehlbesetzung.

Als der Wechsel dann vollzogen war habe ich am 16. April dieses Jahres voller Freude darüber berichtet daß ich endlich wieder das Verbandsabzeichen des NÖLJV an meinen Hut gesteckt habe, denn:

Das hatte ich mir nämlich geschworen: Solange jemand wie Brandstetter die Funktion des Landesjägermeister-Stellvertreters innehat, werde ich keine sichtbaren Abzeichen dieses Verbandes tragen. Jetzt hab‘ ich’s doch erwartet!

Man sieht, ich mag den Mann nicht. Das ist an und für sich nichts Außergewöhnliches, es gibt viele Leute die ich nicht ausstehen kann, meistens (wie auch in diesem Fall) beruht das wohl auf Gegenseitigkeit. Soll so sein, es ist ja gut wenn man weiß woran man ist.

Was war jetzt die Äußerung Brandstetters die mich zu diesem Artikel veranlaßt hat? Ganz einfach, der Herr BJM hat der NÖN ein Interview zum ZWR gegeben, was er da von sich gegeben hat ist ein Skandal der seines gleichen sucht:

NÖN: Wird der private Waffenbesitz dadurch zurückgedrängt werden?
Brandstetter: Wenn der private Waffenbesitz – mit Ausnahme der Jagdwaffen – zurückgedrängt wird, sehe ich darin keinen Nachteil. Im Gegenteil, ich würde es sogar eher begrüßen.

Soso, der Herr Bezirksjägermeister würde den Rückgang des legalen Waffenbesitzes also „begrüßen“, freilich „mit Ausnahme der Jagdwaffen“. Das muß man mehrmals lesen um es erst einmal einsinken zu lassen. Wieso? Weshalb? Warum? Was veranlaßt einen Funktionär – ohne jegliche Not – zu einer solchen Aussage? Welche Vorteile verspricht er sich davon? Natürlich steht auch die Frage im Raum ob das eine persönliche Einzelmeinung ist, oder ob der BJM da die Linie des NÖLJV weitergibt.

Das sind Fragen die man an den NÖLJV stellen sollte! Ich für meinen Teil bin stolz, Jäger zu sein. Deshalb sehe ich mich aber nicht als Teil irgendeiner selbsternannten „Elite“ die gegenüber anderen irgendwelche Vorteile genießen sollte – in erster Linie bin ich nämlich ein freier, gesetzestreuer Bürger der Wert auf seine Bürgerrechte legt. Erhard Brandstetter legt darauf offenbar keinen Wert. Sagt viel über ihn aus.

Kommendes Wochenende ist die Jagdmesse in Tulln, am 16.10. der Bezirksjägertag der Geschäftsstelle Wien des NÖLJV im Palais Niederösterreich. Dort wird man Funktionäre des NÖLJV treffen, vielleicht kann man diese Fragen dort klären. Und vielleicht kann man den Herrn Brandstetter dorthin schicken wo er hingehört. Wo das ist mag ein jeder für sich selbst befinden.

Zum Abschluß noch eine kleine Anekdote: Vor ein paar Jahren, als gerade das „freiwillige Übungsschießen“ für Jäger aufgekommen ist, habe ich es bei einer Hegeringsitzung gewagt die Sinnhaftigkeit dieser Aktion anzuzweifeln. BJM Brandstetter hat mich darauf coram publico als „Querulant“ bezeichnet und (an die Runde gerichtet) ausgeführt: „Schauen Sie, wenn ich als Jagdleiter beispielsweise den Herrn Temple-Murray zu einer Jagd einlade kann ich durch einen kurzen Blick auf die Jagdkarte feststellen ob er ein geübter Schütze ist oder nicht, ob er mitjagen kann oder nicht.“ Natürlich eine äußerst schwache Ansage, als Jagdleiter sollte man auch so wissen wen man einlädt oder auch nicht einlädt – so haben es die guten Jagdleiter nämlich immer schon gehalten. Ich habe jedenfalls wie folgt geantwortet: „Herr Dipl.-Ing., dieses Problem wird sich nicht stellen. Denn wenn Sie mich einladen komme ich garantiert nicht!“

18 Antworten zu “Schadwild

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  3. Zum Herrn Brandstetter hat die IWÖ viele Briefe bekommen. Wenn wir die veröffentlichen, kommen wir aus dem Gerichtssaal gar nicht mehr heraus.

  4. heißt der Kerl Brandstetter oder Brandstifter ?
    Ich mag Leute nicht, die mir das Recht absprechen, mich gegen einen Vergewaltiger effektiv zur (Not)wehr setzen zu können.

    Befürwortet Herr Brandstetter damit nicht auch Gewalt gegen Frauen ? Indem er ihnen die Verteidigungsmittel abspricht ? Befürwortet er Einbruchdiebstähle, Raubüberfälle, Morde ?

    Die Antwort mag man sich denken.

  5. Das is‘ doch einfach nur ’ne Privatmeinung, es gibt genauso Polizisten und so, die Legalwaffen verbieten wollen.

    • Ein Funktionär der als solcher interviewt wird hat seine Worte auf die Goldwaage zu legen. Wenn er dazu zu blöd ist soll er einfach den Mund halten. Als Funktionär spricht er eben nicht nur für sich selbst.

    • Ich habe viel in Kooperation mit Wiener Polizisten gearbeitet. Davon lehnt schaetzungsweise einer von 20 privaten Waffenbesitz ab.
      Ich kann es nicht untermauern, meine aber da schaut es besser aus, als beim Durchschnitt der Bevoelkerung.

      • Wobei Wien, zumindest aus der deutschen Ferne betrachtet, ja ein, sagen wir mal vorsichtig, etwas „komisches“ Pflaster für den legalen Waffenbesitz darstellt.
        Das wird sich in logischer Konsequenz auch auf den Privatmann „Polizist“ auswirken. In ländlichen Regionen wird die Quote eher noch fallen. So war ich vor zwei Wochen ein Jagdwochenende lang in Sachsen-Anhalt in einem Niederwildrevier eingeladen. Das Dorf dort hat etwa 40 Einwohner. Meine neue Selbstladeflinte wurde auch von den „Einheimischen“ bestaunt, völlig wertfrei erkundigte man sich über funktionsweise und jagdlichen Mehrwert der Waffe. So wie es sein sollte.

  6. Man nennt so etwas auch St.Floriansprinzip ( „Brand“stetter paßt ja schon mal ) und der hat im Prinzip geglaubt wenn Sportschützen nicht mehr da sind die Unsinn machen könnten dann wären die Jäger um so unbehelligter.
    Als ob Jäger keine Unfälle oder Straftaten verursachen können.

    Vielleicht spekuliert er auch damit dass es dann zwangsläufig mehr Jagdscheine geben könnte um Waffen zu erwerben ….und sieht ein Geschäft winken.Er könnte ja dann verstärkt Kurse abhalten, gelle….

    Aber ich sagte ja schon im anderen Zusammenhang. Nur gemeinsam sind wir stark wenn wir uns selbst in Gruppen zerlegen dann sind wir unbedeutend.

  7. Der werte Herr Brandstetter kann doch mit gutem Beispiel voran gehen und seine eigenen Waffen abgeben, wenn er das Zurückdrängen von legal besessenen, privaten Waffen als so erstrebenswert findet.
    Wasser predigen, Wein saufen.
    Schämen soll er sich!

  8. Das ja bekanntlich nicht nur handwerklich, sondern auch inhaltlich schlecht gemachte deutsche Waffenrecht haben wir deutschen Legalwaffenbesitzer auch den damals involvierten Verbänden zu verdanken!
    Am Handwerk ist die Politik schuld, am Inhalt zum großen Teil aber auch u.a. der Bundesjagdverband (Waffenerwerb für Sportschützen begrenzen, damit weniger gewildert wird, usw.).
    Das hat zu dem katastrophalen Sockelgesetz von ’72 geführt, daß mit immer mehr schlechten Inhalten weitergeführt wurde und leider immer noch wird.
    Ich kann die österreichischen Nachbarn und Freunde nur davor warnen, so wie anno dazumal der DSB die Verschlechterung der Situation seiner Sportler noch schön zu reden bzw. nicht auf die Barrikaden zu gehen!
    „Wehret den Anfängen!“ kann ich nur immer wieder sagen, nein, muss es eigentlich eher predigen!

    Fabian Bonk, Sportschütze UND Jäger

    • ….man kann das „Wehret den Anfängen“, nicht oft genug betonen, denn sonderbarer Weise, ist aus der Geschichte richtige Schlüsse zu ziehen deshalb nicht möglich, weil sich der Grossteil, für nichts interessiert und wenn es dann an den Kragen geht, fürchterlich jammert…..
      Darum haben wir solche Politiker, Funktionäre und andere überflüssige Typen….

  9. ….Ehrenträgern des braunen Halsrings….
    Eine nette Umschreibung, kannte ich noch garnicht 😀

    Brandstetter: Wenn der private Waffenbesitz – mit Ausnahme der Jagdwaffen – zurückgedrängt wird, sehe ich darin keinen Nachteil. Im Gegenteil, ich würde es sogar eher begrüßen.

    Mal wieder typisch jägerisches Standesdünkel.
    Alle anderen sind uns wurscht, wir sind sowieso was besseres und stehen über dem (Waffen)Gesetz, Hauptsache wir bleiben davon verschont weil wir sind ja Jäger usw…blablabla.
    Wenn ich sowas lese könnte ich gleich kotzen.
    Gott sei Dank sind die Jäger keine homogene Masse an gleichgeschalteten Trotteln sondern teilweise zumindest noch mündige Bürger mit eigener Meinung die in erster Linie Waffenbesitzer sind die ihre Waffen unter anderem zur Jagd nutzen.
    So wie der Bezirksjägermeister da argumentiert braucht der sich nicht wundern wenn er mit solchen Statements bei den Antis offene Türen einrennt und so deren Salamitaktik noch Vorschub leistet.
    Einfach nur peinlich!

  10. Leider kein Einzelfall.
    Wenn ich bei uns an den Borchert denke oder Otto Obermeyer wird mir mindestens genauso schlecht…..
    Das solche Nieten auch immer wieder ein Sprachrohr finden ist traurig.

    WH Michael

  11. Das ganze Interview werden wir groß abdrucken und bei der Jagdmesse an die Besucher verteilen. Damit jeder weiß, was wir in NÖ für Funktionäre haben. Ein offener Brief an den Herrn LJM ist auch schon unterwegs.

  12. …..grundsätzlich bin ich ja für unbegrenzte Meinungsfreiheit, aber als Funktionär, sollte man seine private Meinung, von jener der Verbandes auseinander halten und auch deklarieren….wenn das die offizielle Sichtweise der Jagdverbandes ist, dann wäre das nicht hinzunehmen….

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