Zu Tode erschreckt

In der bayerischen Gratiszeitung „Wochenblatt“ habe ich einen Artikel entdeckt der eigentlich nur eine Satire sein kann, mangels entsprechender Kennzeichnung muß man aber davon ausgehen daß das ernst gemeint ist.

Die Geschichte kurz erzählt: Zwei Frauen gehen mit ihren Hunden spazieren und machen sich wegen ein paar Schüssen in die Hose, das alles wird aber schön blumig ausgeschmückt:

Oft treffen sich die beiden Freundinnen Astrid G. (46) und Claudia P. (34) mit ihren beiden Hündinnen zum Spazierengehen. (…) Doch letztes Mal (sic!) ist ihnen etwas passiert, was sie in Angst und Schrecken versetzt hat.

O je! Was ist den beiden Freundinnen denn geschehen? Ist ihnen gar Claudia Roth über den Weg gelaufen? Nein, viel schlimmer:

Bereits am Harberhof, noch auf der anderen Seite der Autobahnunterführung, haben die Freundinnen einen lauten Knall gehört.
Nichtsdestotrotz machten sie sich gut gelaunt auf den Weg auf ihren üblichen Gassi-Pfad in das abgelegene Waldstück. Dann ein Schuss, direkt neben ihnen. „Ich hatte solche Angst und wollte gar nicht mehr weitergehen“, schildert die Holzheimerin Claudia.

Na das nenne ich doch eigentlich wirklich Mut: Trotz deutlich vernehmlichen „lauten Knalls“ nichtsdestotrotz todesmutig ins Ungewisse aufzubrechen, das traut sich nicht jeder! Hoffentlich waren sie so geistesgegenwärtig und sind beim „Schuss direkt neben ihnen“ gleich in Deckung gegangen, idealerweise in einer Gatschlacke.

Die 46-jährige Regensburgerin nahm schließlich all ihren Mut zusammen und brüllte in die Gegend, wer denn da am helllichten Tag rumballere. Antwort bekamen sie jedoch keine. Gerade, als sie das Weite suchen wollten, beobachteten sie einen Mann, der aus dem Wald mit einem Gewehr in der Hand quer über das Feld rannte. Der verschwand schließlich hinter einer Kuppel.

Das war taktisch gar nicht klug, wenn man unter Beschuß steht sollte man seine Position besser nicht bekanntgeben, aber im Schock denkt man an so etwas halt nicht. Als sie auf dem taktischen Rückzug dann auch noch einen „Mann mit einem Gewehr in der Hand“ erblickt haben wird wahrscheinlich auch noch was ins Hoserl gegangen sein. Die Frage ist, wieso rannte der Mann? Schauen Astrid und Claudia wirklich so schreckeinflößend aus?

Es dauerte nicht lange, da tauchte er aber wieder auf – nämlich mit einer großen Zielscheibe unter dem Arm, (…) Verdutzt konnten die zwei Frauen mit ihren Hunden Louise und Chiara dem Mann nur noch hinterher blicken, der sich schnell in seinem Jeep vom Acker machte. „Der Jäger wartete zwar noch kurz ab, wie wir reagieren, machte sich dann aber aus dem Staub“, erzählten die Hundehalterinnen.

Na sowas aber auch! Hat doch glatt so ein böser Bambimörder in seinem Revier sein Gewehr eingeschossen, ja wo samma denn? Und dann macht er sich noch „aus dem Staub“! Schlechtes Gewissen? Oder stimmt doch meine obige Theorie?

Der Polizei seien jedoch die Hände gebunden (…) haben die zwei leidenschaftlichen Spaziergängerinnen erfahren müssen. Wenn es nach ihnen ginge, solle man die Jagd ohnehin verbieten lassen: „Das sollten wir die Natur selbst regeln lasen“, sind sich die Freundinnen einig.

Und das ist der eigentliche Skandal: Die Polizei kann da gar nichts machen! Keine Ringfahndung, kein SEK, kein Ausnahmezustand – der böse „Schießer“ darf das wirklich, und das in einem Rechtsstaat! Hoffentlich wurde den beiden Frauen wenigstens ein Kriseninterventionsteam zur Seite gestellt, den sicherlich ebenso traumatisierten Hunden natürlich auch. Das wäre jedenfalls das mindeste gewesen! Ich befürchte aber, die Polizei hat das „die Natur selbst regeln lassen“…

Nochmals zusammenfassend, was ist passiert: Zwei Schreckschrauben hören einen Schuß aus dem Wald und gehen dennoch weiter. Dann hören sie einen zweiten Schuß und machen sich in die Hose, dann sehen sie noch einen Jäger. Was muß das für ein Käseblatt sein dem das einen Artikel wert ist?

17 Antworten zu “Zu Tode erschreckt

  1. Pingback: Wochenrückblick 42/2012 | dagarser

  2. Letztens eine Grüninnenin gesehen, die ihrem Retriever Stöckchen ins Wasser warf und nicht mitbekommen hat, wie der weithin sichtbare Schwan seine Brut beschützen wollte. Die Stöckchen schlugen im Mainzer Hafen ca 3 m neben den frisch geschlüpften Jungschwänen ein. Der erwachsene Schwan war sichtlich gestreßt …

    Wie blöd muß man sein …

    • Woran erkennt man eine Grünin ?

      An der Gesichtsfarbe, grüner Stern,grüne Fußnägel … hmmm wüßte es gern.

      • Typische Verhaltensmuster.
        .)Vonkeinerlei biologischen Wissen getruebte “ Tierliebe“. Siehe oben.
        .)auf 25m mit dem Rad die StVO dreimal verletzt und wuetende Reaktion auf den entsprechenden Hinweis.
        .)Voellige Ablehnung von Argumenten auf naturwissenschaftlicher Basis.
        .)Absenz von Hausverstand.

  3. Es gibt Berichte, den kann man nur mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus begegnen, – einfach herrlich geschrieben! Ich hab vor lachen Tränen in den Augen! Es gibt Menschen, die froh sein können, das Ihre exorbitante Dummheit nicht strafbar ist!

    • Wenn ich vor der Wahl stehe zu lachen oder zu weinen ziehe ich das Lachen vor. Auch wenn es einem manchmal im Hals steckenbleibt…

      Danke jedenfalls für das Lob!

  4. Ach lass sie doch.
    Wenn die recht haben und die Natur regelt das von selbst werden die samt ihrer Hunde irgendwann von einer wütenden Bache die Frischlinge hat erschreckt. Aber dieser Schreck wird noch heftiger sein, wetten ?
    DANN regelt die Natur das und wie !

    Wie kann man einen Hund übrigens „Louise nennen ?

    • Unser Hund hieß „Ulrick von Rhein-Main-Nahe“! Da ist Louise ja noch harmlos. OK…. er hat auch auf „Schweinebacke“ gehört. War aber ansonsten ein Charakter-Hund. Rauhaardackel!

      • Ich hatte einmal einen Hund der hieß (kein Scherz) „Yellow Mister Ypsilon vom Winzerschlössel“, ein Beagle. „Hasso“ hat uns allen aber irgendwie besser gefallen.

        „Louise“ schreckt mich gar nicht so, „Chiara“ schon viel eher. Wahrscheinlich dem RTL-Bildungsfernsehen entlehnt, beide Namen lassen aber Rückschlüsse auf die Halterinnen zu.

  5. Wenn man Leute, die nicht aus dem Fenster schauen können ohne Krebs zu bekommen, ohne Aufsicht aus dem Haus lässt, dann kann sowas schon passieren. RTL und andere Qualitätsmedien sorgen dann für die nötige Sensationslust, dass auch die banalste Alltagssituation irgendeiner drittklassigen Schmonzette noch ein paar Zeilen wert ist.

  6. Unsere Gesellschaft ist total verblödet.

  7. Nachdem die beiden Schreckschrauben der Gratiszeitung Grund für einen Artikel im Stil schlechter Groschenromanschreiber geliefert haben, sollte besagtes Käseblättchen den beiden wenigstens Windel für den nächsten Spaziergang zur Verfügung stellen. Gratis natürlich.

  8. Ich glaube fast die Damen hat es nur geärgert, das die Schüsse die sonst reichlich vorhandene Beute für ihre frei laufenden Hunde verschreckt hat……

  9. Ja, da muss unheimlich viel los sein in der Gegend, dass man solche Artikel veröffentlicht 😀

  10. Wenn ich so einen Artikel in einer Zeitung lese, komm ich nicht umher zu denken das der Verfasser Liebesromane für den Bastei-Verlag schreibt. Was für ein Müll!

  11. ……nun, die Hunde können nichts dafür…..denen kann man keine Schuld für ihre Frauerl geben….die füttern sie vermutlich mit Müsli….das tut man in diesen Kreisen….

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