Es geht doch!

Wenn ich hier von erfolgreicher Notwehr/Selbstverteidigung berichte so handelt es sich meist um Fälle aus dem Ausland, besonders den USA. Nicht, daß es das in Österreich nicht gäbe, oft wird ein Selbstverteidigungsfall aber gar nicht bekannt, entweder, weil es medial verschwiegen wird, oder aber weil es (etwa aufgrund der bloßen Drohwirkung) gar nicht erst zum Waffengebrauch kommt und der Vorgang überhaupt nicht zur Anzeige gebracht wird.

Nun ist es aber im steirischen Spielfeld zu einem gelungenen Selbstverteidigungsfall gekommen, der ORF berichtet von einem Einbruch in ein Wirtshaus wo sich der Wirt und sein Sohn mit Waffengewalt erfolgreich gegen drei Einbrecher zur Wehr gesetzt haben:

Der Wirt, der schon im Pyjama war, schnappte sich seine Schrotflinte und seine Schutzweste. Er stürmte zu den Einbrechern, stellte sie mit vorgehaltener Waffe und gab einen Warnschuss in den Boden ab. Während einer der drei flüchtete, streckte der zweite seine Hände „in den Himmel“, so Hansjörg Bacher von der Staatsanwaltschaft Graz; der dritte Verdächtige, ein 30-jähriger Grazer, marschierte auf den Lokalbesitzer zu und griff nach der Schrotflinte.

Während der 59-Jährige und der mutmaßliche Täter um die Waffe rangelten, kam auch der ebenfalls mit seiner Schrotflinte bewaffnete Sohn des Besitzers hinzu. Plötzlich löste sich ein Schuss aus der Waffe des Vaters – daraufhin zielte der 28-Jährige auf die Beine des 30-jährigen Grazers und drückte ab. Statt sofort in die Knie zu gehen, blieb der Einbrecher stehen; erst als der Wirt auch noch Pfefferspray einsetzte, gab der Angreifer auf.

Was fällt daran auf? Zunächst: Der Wirt war vorbereitet, er hatte seine Flinte und sogar eine Schutzweste(!) parat, das ist natürlich schon einmal lobenswert. Er hat aber auch einen Fehler begangen: Wenn man mit einer Waffe droht muß man auch bereit sein sie einzusetzen, wenn ein Angreifer trotz Warnschuß auf einen losgeht darf es zu keinem „Gerangel“ kommen, dann ist der Aggressor im Zuge der gerechtfertigten Selbstverteidigung zur Eigensicherung durch einen körpermittigen Schuß zu stoppen. Das sieht man auch anhand des im Zuge der Nothilfe abgegebenen relativ wirkungslosen Schusses des Sohnes des Wirten auf die Beine des Verbrechers.

Hier ist es gut gegangen, hätte der Täter ein Messer gezückt hätte die Sache ganz anders ausgehen können. „Ganz oder gar nicht“ muß die Devise lauten, sonst hätten nämlich jene Ungeister nicht so unrecht die stets davor warnen, daß einem Selbstverteidiger die Waffe leicht entrissen und gegen ihn selbst verwendet werden kann.

Der ORF weiter:

Das Trio wurde wegen Einbruchs angezeigt, und auch gegen Vater und Sohn wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Geprüft wird laut Bacher, ob die beiden in Notwehr geschossen hatten.

Das Ermittlungsverfahren nach einem Schußwaffengebrauch ist normal und ich bin zuversichtlich, daß den beiden Opfern keine Nachteile aus ihren Handlungen erwachsen werden. Dennoch fallen mir dazu zwei alte Sprüche ein: „Schieß oder schieß nicht, du wirst es bereuen“, aber auch „Lieber von zwölf verurteilt, als von sechs getragen!“

23 Antworten zu “Es geht doch!

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  3. in deutschland ginge das ganz anders aus: die einbrecher bekommen bewaehrung und ein integrationsprogramm und die schuetzen wuerden wegen koerperverletzung und versuchten totschlags zu mind 1-2 jahren gefaengnis verurteilt…..

  4. Für mich sind da noch einige Fragen ungeklärt:
    Wo war der Safeschlüssel? Im Pyjama ?
    Blieb der Safe offen stehen oder hatte der Sohn auch einen Schlüssel.
    🙂
    Vom Wirt finde ich es ausgesprochen mutig einen Warnschuss abzugeben, wenn 3 Angreifer gegenüberstehen und nur 2 Patronen vorhanden sind (ich gehe davon aus, dass es keine Pumpgun war).

    • Noch ein 2. Warnschuss bei einer Doppelflinte wäre fatal gewesen lol…

    • Pumpguns gibst doch nicht in Österreich ?

      • Als das VSRF-Verbot damals in Kraft getreten ist konnte man seine Pumpgun auch melden und die Waffe dann behalten, alternativ abgeben. Neukauf war keiner mehr möglich.

        Ein besonderes „Schmankerl“ ist daß man diese gemeldeten, also in legalem Eigentum stehenden, Waffen nun entgegen anderslautenden Zusagen nicht mehr vererben kann, bei Ableben „verfallen“ sie.

        Ich hatte und habe keine, kenne aber einige Leute die das damals so gemacht, also sie gemeldet, haben. Die meisten davon sagen heute: „Schön blöd war ich damals!“…

    • Oehm, Kat D, also jedes volljaehrige, unbescholtene Familienmitglied als berechtigt anzusehen.
      Warum soll die nicht neben dem Bett stehen?

  5. Das Ermittlungsverfahren ist normal und sogar von Vorteil. Ein „Beschuldigter“ geniesst nach oest. Gesetz ein Recht, welches einem Zeugen nicht zusteht.

  6. Ohne die genauen Umstände zu kennen und nur in Kenntnis des durch die Medien veröffentlichten Sachverhaltes:

    Ein vorbildlicher Fall von Notwehr. Kein Losballern auf die Einbrecher bei erster Sichtung, Warnschuss abgegeben – und angemessene Gewalt bei Bedrohung der eigenen körperlichen Unversehrtheit (bzw. Nothilfe).

  7. …..aber Du hast schon recht: Meist wird nichts bekannt oder angezeigt, denn wozu auch? Die Täter gehen ohnehin frei aus, die Polizei hat nur viel Arbeit und selbst hat man auch nur Zores und Zeitverlust…..
    Ich hatte mehrfach nur Glück, dass es mit der Drohung reichte….nur spannend war daran gar nix – lieber Jörg….ich hätte liebend gerne verzichtet!
    Schießsport schult Disziplin und Selbstverantwortung – aussterbende Eigenschaften – und nebenbei auch die Fähigkeit zur treffsicheren, weidgerechten Jagd. Selbstverteidigung ist da noch lange nicht inkludiert, denn diese erfordert geschulte Taktik (wie in vorliegendem Fall klar zu erkennen!!!), welche ich in keinem mir bekannten Schützenverein oder Jagdverein als Schulungsgegenstand kenne.
    Nicht einmal das PPS, Combat oder sonstige Sportschießen – obwohl etwas realitätsnäher, sind dafür wirklich geeignet.
    In der BRD, hat man ja sogar das abgedreht…..oder ist gerade dabei….nur bei Olympia oder Biathlon, jubelt die Nation den Sportlern zu – aber das ist eine andere Sache….
    Schießgeile Jäger und Schützen, mag es zwar geben, aber sie sind eher im Promillebereich zu finden, ich selbst kenne keinen – und ich kenne sehr, sehr viele.
    Die ausufernde Phantasie der Waffengegner, macht aus gelegentlichen Zeitungsmeldungen – macht sich immer gut, etwas mit Waffen, eine Riesenproblem, aber das lenkt ja vorzüglich von tatsächlichen Problemen ab…

  8. Wenn ich (bei der Bundeswehr in Dt.) auf Streife ging, war der Spruch:
    „Lieber stehend vorm Richter, als liegend vorm Pathologen“.
    Sag ich den Neulingen im Sportschützenverein zum „Notwehrparagraphen“ immer noch dazu.

  9. Ihr habt unheimliche Probleme mit Einbrechern, ist ja eine richtige Plage.

    Ich wohne abseits am Waldrand und habe keine, was mach ich falsch denn ich hätte doch gerne auch mal einen, schon damit ich meine Wumme mal austesten darf oder meine schöne Schrotflinte.
    Nee das war jetzt gelogen denn ich bitte Gott oder wen auch immer dass ich nie, nie niemals in eine Situation komme dass ich auf jemand schießen muss .
    Vielleicht gibt es bei mir auch nichts zu holen, mein Auto ist 13 Jahre alt und mein Anwesen ist auch nicht mehr ganz neu.

    Bei mir wird mein Hund wahrscheinlich ausreichen und schuldig sein das ich keinen Einbrecher schießen darf…

    Ansonsten Respekt vor dem Wirt auch wenn er im Streß einiges falsch gemacht hat, aber ich bin sicher die meisten hier bleiben da cool und haben noch einen lockeren Spruch drauf.

    • Ach Jörg, man muß nicht mehrmals von marodierenden Banden heimgesucht worden sein, es langt ein einziger gewalttätiger Einzeltäter.

      Was ist schlecht daran sich auf so einen Einzelfall vorzubereiten, sich Gedanken über eine solche Eventualität zu machen und aus den Fehlern anderer zu lernen?

      Und ja: Ich möchte in so eine Situation nie kommen, noch wünsche ich das irgendjemandem. Aber ich für meinen Teil weiß was ich zu tun hätte…

      • Mag schon sein aber ich vermute dass man in seiner Anwesenheit von einem Einbrecher heimgesucht oder gar bedroht wird ist so selten wie ein Sechser im Lotto.
        Das kann passieren, ist aber eher unwahrscheinlich … und es gibt auch passiven Einbruchschutzt wie gute Türen und Fenster. Sie wissen doch die „Kriminalpolizei rät“
        Die machen ihre Arbeit wenn der Hausbesitzer auf Urlaub oder Arbeit ist, ist doch viel einfacher und am hellichten Tag haben die auch genug Licht zum Suchen als wie Nachts.. mit Taschenlampe … oh Grusel…..

        Einbrecher wählen also meist Zeiten wo der Bewohner nicht zu Hause ist, die wenigsten haben Bock darauf sich wegen Körperverletzung und Mord zu verantworten und lebenslänglich einzufahren. In diesem Fall haben ja zweie resigniert nur der dritte war dumm.
        Normalerweise suchen die das geringste Risiko und wenn die merken dass der bauliche Widerstand hoch ist (stabile Türen ) und Lärm dabei entsteht suchen die andere Quellen, es sein denn man hat eine Mona Lisa daheim.
        Es gab übrigens Statistiken dass die meisten Einbrecher vor Hunden abgeschreckt werden. – warum ::: Hunde hören gut, sind wachsam und machen Lärm, und beißen auch oft. Alles Dinge die sie fürchten.

        Natürlich kann man sich immer einen Plan machen was man tut aber nach Murphys Gesetzt geht das sowieso schief ( hier ja beinahe auch ).
        Ich hatte sicher auch selber Gedankengänge und Pläne zurecht gelegt für den ultimativen Ernstfall… aber es ist nicht so dass mich das pausenlos verfolgt. Ich schleiche auch nicht ständig in der Nähe des Feuerlöschers herum, auch wenn ich noch einen habe ( Vorschrift wegen Pulverlager).

        Ich weiß wo Waffe und Muni liegt und wenn ich die gebrauchen kann dann hole ich das und wenn nicht, dann soll der Einbrecher mit dem Krempel verschwinden und ich merke mir paar Hinweise.

        Man kann in erhöhte Wachbereitschaft gehen wenn es Einbruchserien gibt, eine Häufung , einverstanden ansonsten halte ich das alles für einen künstlich geschürten Hype der nur dafür sorgen soll dass mehr Waffen verkauft werden, meine Vermutung.

        Wahrscheinlich ist die Chance dass unsereiner heut zu Tage von einem SEK in der Nacht besucht wird größer als vor einem Einbrecher und beim SEK würde ich besser keine Waffe mehr ziehen….

    • Also in Oe wohne ich am Feldrand, der Wald ist erst 200m weiter….. aber da habe ich auch keine Probleme. Trotz der nur wenige km entfernten ungarischen Grenze. Im Umland gibt es eine Menge Einbrueche, in unserer Ecke kaum. Die ist baeuerlich gepraegt.
      Da laufen ein paar riesige, fellige Viecher frei in den Hoefen rum. Die sind zwar sehr freundlich und lassen sich gerne kraulen, aber wenn sie naechtens anschlagen, schaut mancher Besitzer mit der Zwoelfer nach.

      Ich profitiere da von meinen Nachbarn, denn ein Hund, egal wie gross ist erstklassige Praevention und ein treuer Freund. Gratuliere dazu.

      Und nein, man bleibt nicht cool, nicht beim ersten und auch nicht beim dritten mal. Unter Stress funktionieren nur eingeuebte Vorgaenge. Was heisst, trainieren und einen Plan haben. (oder mehrere)

      Wie gesagt, in unserem Haus fuehle ich mich relativ sicher. Was nicht bedeutet, dass ich auf die G19 mit GTL10 und grossem Tank im Nachtkastl verzichten wuerde.
      Genauso wenig wie auf einen Feuerloescher. Obwohl ich hoffe, dass es nie brennt.

    • Tja lieber Jörg ,dank des ZWR wirst Du womöglich doch noch deine Wummen ausprobieren können.
      Und es wird nicht ein SEK sein das dann in deinem Heim steht…

      • Ja DAS ist auch meine Sorge dass das ZWR mehr Unsicherheit bringt weil jetzt gezielte Suche möglich werden könnte.
        Autos werden ja auch gezielt geklaut auf Bestellung.
        Der Schutzmantel durch Anonymität könnte jetzt weggeblasen werden sobald das Register gehackt ist und das wird es.

        Ich habe ja an anderer Stelle geschrieben : Genau das wird dazu führen dass manche mehr Eigensischerung (in D) machen wollen indem sie verbotenerweise eine Waffe anders deponieren. So wie der Vater von Tim K. seine Waffe außerhalb des Tresors lagerte….
        Das ist zwar rechtswirdrig und ich mach das nicht aber die Unsicherheit wird zunehmen und falsche Anreize geschaffen.
        Meine Vermutung denn wer jetzt so auf dem Präsentierteller landet wird was tun.

  10. »Dennoch fallen mir dazu zwei alte Sprüche ein: “Schieß oder schieß nicht, du wirst es bereuen”, aber auch “Lieber von zwölf verurteilt, als von sechs getragen!”«

    Da ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Außer: Vorbereitet sein ist alles. Und das sollten wir schon lange sein…

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