Österreichs Wörter des Jahres 2012

Vor fast genau einem Jahr habe ich hier die von einer Fachjury gekürten österreichischen Wörter des Jahres 2011 kommentiert, jetzt sind die „siegreichen“ Begriffe für 2012 auch schon da. Zuvor aber ein kurzer Rückblick, was von dem was unsere Republik damals „bewegt“ hat ist heute noch aktuell?

Die Wörter des Jahres 2011 waren (in dieser Reihenfolge) „Euro-Rettungsschirm“, „Arabischer Frühling“ und „Inseratenkanzler“. Schau an, tempora mutantur, wie sieht das heute aus? Für den Euro (bzw. die Eurozone) reicht ein einfacher Schirm nicht mehr aus, aus dem arabischen Frühling ist eine arabische Götterdämmerung geworden und der Inseratenkanzler hat wahrscheinlich eine Taxilizenz, dafür aber womöglich keine Matura.

Die Unwörter 2011 waren „Töchtersöhne“, „Lobbyist“ und „letale Vergrämung“, da hat sich nicht viel getan: Die Bundeshymne wird nach wie vor gesungen wie es sich gehört, nicht wie es sich die Frau R-K-M-P. eingebildet hat, Lobbyist ist noch immer ein Unwort, Ernst Strasser gilt noch immer als Ungustl (vielleicht hat er dafür wenigstens bald im Häfn ein paar Fans), und Krähen werden nach wie vor geschossen, also „letal vergrämt“. Nichts Neues also.

Doch genug von der Vergangenheit, wenden wir uns der Gegenwart zu: Österreichs Wort des Jahres 2012 ist – trara! – „Rettungsgasse“. Meiner Meinung nach ein Abstieg gegenüber dem Vorjahr, das Wort gibt überhaupt nichts her, ein paar Idioten verstehen halt das Konzept nicht. Nicht sehr spektakulär. Da gefällt mir der aktuelle 2. Platz, „Schulschwänzbeauftragter“, schon wesentlich besser, das war ich immerhin auch einmal – oder so ähnlich… Es stellt sich aber die alte Frage: Wer überwacht die Überwacher? Vielleicht gibt es ja 2013 ein neues Wort, etwa den „Schulschwänzbeauftragtenoberkontrollor“ – wundern täte es mich nicht. Besonders schön ist aber das drittplatzierte Wort: „präfrustriert“. Die Begründung ist einfach herrlich:

Dieses semantisch paradoxe Wort drückt aus, dass man in Hinblick auf das Ergebnis eines künftigen Ereignisses bereits im Voraus frustriert ist, weil man annimmt, dass es negativ ausgeht. Solches geschah aus Sicht der Wiener Jungsozialisten in Hinblick auf den jüngsten sozialdemokratischen Parteitag, der sie „präfrustrierte“, weil sie sich davon letztlich nichts erwarteten.

„Präfrustriert“ gefällt mir sehr gut, ich kann das auch nachvollziehen: Das ist so, wie wenn man in Wien zur Gemeinderatswahl geht obwohl man weiß, daß die Deppen doch mehrheitlich die Roten wählen werden. Da war ich – bevor ich dieser Stadt den Rücken gekehrt habe – schon ein paarmal „präfrustriert“, leider habe ich dieses Wort damals noch nicht gekannt. Macht nichts, Schwamm d’rüber. (Übrigens: Im obigen Zitat steht „im Voraus“ mit großem „V“, bereitet mir nahezu körperliche Schmerzen. Scheint aber die neue Rechtschreibung zu sein…)

Somit nahtlos zu den Unwörtern 2012, es sind dies „Unschuldsvermuteter“, „Pleitegriechen“ und „Anfütterungsverbot“. „Unschuldsvermuteter“ habe ich ehrlich gesagt noch nie gehört, dafür rollen sich mir bei jedem „mutmaßlich“ die Zehennägel auf, das ist immerhin artverwandt. Bei den „Pleitegriechen“ und dem „Anfütterungsverbot“ fällt mir spontan nur der 3. Platz der Unwörter 2011 ein: „letale Vergrämung“…

Die Jugendwörter 2012: „leider geil“, „Zehentanga“ und „urkeksi“. Ja.  Leider fällt mir dazu nichts ein, höchstens a g’sunde Watschn und das tut man ja nicht. Schade eigentlich.

Österreichs Ausspruch des Jahres 2012 stammt von Gabriele Moser, „Ich trete nicht zurück, ich mache den Weg frei.“ Egal, Hauptsache sie ist weg.

Zum Abschluß noch die Unsprüche 2012: „Das ist mir nicht erinnerlich“ und „Ich bin kein Politiker“. Erstes wurde im Korruptions-Untersuchungsausschuß öfter geäußert, finde ich eigentlich eine schöne Wortschöpfung Natürlich könnte man stattdessen auch „i woaß ’s neama“ sagen, aber so klingt es doch wesentlich seriöser. Nachdem dieser Spruch jetzt aber doch recht abgedroschen ist würde ich im Fall des Falles aber wahrscheinlich auf „Dazu habe ich keine Wahrnehmung gemacht“ zurückgreifen. Der zweite Unspruch, „Ich bin kein Politiker“, stammt von Frank Stronach. Wo er recht hat, hat er recht. Er ist kein Politiker, seine Equipage schon gar nicht. Braucht kein Mensch.

Alle Wörter, Unwörter, Jugendwörter, Sprüche und Unsprüche finden sich unter folgendem Link: Pressemitteilung

Natürlich habe auch ich mir meine Gedanken gemacht was mein persönliches Wort/Unwort des Jahres 2012 ist, war gar nicht so schwer: dagarsers Wort des Jahres ist eindeutig „Godzilla“, so viel Kreativität seitens meiner jagdlichen Standesvertretung muß einfach belohnt werden! Unwort des Jahres ist – auch nicht schwierig – „Waffenregistrierung“, dazu muß ich wohl nichts weiter ausführen.

Der Satz des Jahres kommt für mich vom neuen niederösterreichischen Landesjägermeister Josef Pröll, er hat in den IWÖ-Nachrichten folgendes von sich gegeben: „Die bisherigen Berechnungen zeigen, dass eine Waffensteuer der Politik nichts bringt, außer Unverständnis und Unmut der normunterworfenen Bevölkerung.“  Das ist natürlich erfreulich, zumal es von so einem Experten wie dem Herrn LJM kommt, immerhin war der vorher ÖVP-Obmann, Vizekanzler und Finanzminister. Zwei Dinge fallen dabei aber auf: Bisher wurde von allen maßgebenden Stellen stets darauf beharrt, daß eine Waffensteuer „nicht einmal angedacht“ worden sei. Woher kommen dann die „bisherigen Berechnungen“? Und: Warum in Dreiteufelsnamen sollte eine Steuer der „Politik etwas bringen“? Steuereinnahmen könn(t)en der Republik etwas bringen, den Bürgern. Aber doch nicht der „Politik“, also der Verwaltung. Was ist das für ein Verständnis?

13 Antworten zu “Österreichs Wörter des Jahres 2012

  1. Pingback: Wochenrückblick 49/2012 | dagarser

  2. „Keine Wahrnehmung“ ist Protokolldeutsch d.h. geeignet. einen Sachverhalt präzise, wertneutral und aktentauglich wiederzugeben.
    Auch sehe ich „Voraus“ weniger streng.
    Mir ist schon Schlimmeres passiert…..

  3. Wie wäre es mit „Einbrecher“ ?

  4. Der Vorname des Jahres ist – wie schon in den vergangenen Jahren – „Mohammed“

  5. …..übrigens – das gehört nicht zum Thema, aber ich bin darüber gestolpert, als ich mich über Jagd in Australien informieren wollte.
    Youtube: Titel
    Gun Control in Australia Watch and Weep….
    überall das gleiche…..

  6. „Österreichs Wörter des Jahres 2012“, Auf ein Unwort besonderer Art wurde anscheinend vergessen, nämlich „EU“.

  7. Das mit dem großen „Voraus“ ist natürlich ein Unfug. Einen „Voraus“ gibt es, das kommt im Erbrecht vor. Aber „im voraus“ groß zu schreiben kann nur einem Rechtschreibreformidioten (neue Rechtschreibung) einfallen.

  8. …..das ist genau das Verständnis, welches diese Herrschaften von ihrer (Un)tätigkeit haben:Was nützt der Partei und unserer Klientel….

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