Wahrlich ein „Drama“

In Wien ist ein minderjähriger Häftling von seinen Mitgefangenen ganz übel mißhandelt worden, so etwas soll und darf nicht passieren und wirft kein gutes Licht auf Justiz und Strafvollzug. Ein Gefängnis ist aber auch kein Ponyhof, dort sind per definitionem schlechte Menschen interniert, und schlechte Menschen machen halt auch schlechte Dinge. „Gleich zu Gleich“ also, mein Mitleid hält sich in überschaubaren Grenzen.

Was ist geschehen? Ein 14jähriger Nachwuchsgangster wollte gemeinsam mit Komplizen einen Pensionisten berauben, wurde gefaßt und eingesperrt. Im Gefängnis wurde er von Mithäftlingen mittels eines Besenstiels „rektal befriedigt“, mutmaßlich ein unschönes Erlebnis für den Kriminellen und zweifelsohne ein Anlaßfall die Haftbedingungen in österreichischen Justizvollzugsanstalten einer kritischen Überprüfung zu unterziehen. So etwas darf nicht vorkommen!

Was folgte war ein unwürdiges Schauspiel, Justizministerin, Richterin (eh klar) und Staatsanwaltschaft versuchten (und versuchen noch immer) sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben, schließlich muß ja irgendwer schuld sein am schrecklichen Schicksal des armen Jugendlichen. (Seltsamerweise liest man nichts von den eigentlichen Tätern, also jenen, die das andere Ende des Besenstiels geführt haben müssen.)

Gänzlich bizarr wird aber ein Artikel in der „KRONE“ von Conny Bischofsberger, veröffentlicht am 30. Juni 2013. Hier ein paar Auszüge:

(…) „Er war großgewachsen, schlaksig, a patscherter Bua. Mit all seinen Gesten hat er ausgedrückt: Bitte, habt mich lieb!“, erinnert sich Gefängnislehrer Wolfgang Riebinger. (…) Schwierig sei K. (der Verrecher, Anm.) schon gewesen, aber nicht bösartig, eine Mischung aus depressiv, aggressiv und zurückgezogen. (…)

Bösartig war er also nicht, der „patscherte Bua“, immerhin. Depressiv und zurückgezogen wird er aber auch nicht gerade gewesen sein als er

(…) einem alten Mann gemeinsam mit „zwei Freunden“ unter vorgehaltenem Taschenmesser das Handy abknöpfen (wollte) (…)

Herrschaften, wir reden hier von einem (versuchten) schweren Raub, nicht davon irgendjemandem irgendetwas „abzuknöpfen“! Wer Verbrechen begeht ist ein Verbrecher, nicht ein „Abknöpfer“. Er mag ein „patscherter Bua“ sein – ein Verbrecher bleibt er und entsprechend gehört er weggesperrt!

Selbsternannte „Experten“ sehen das naturgemäß anders, etwa der vormalige Präsident des ehemaligen Jugendgerichtshofs Udo Jesionek, ein Mann der nebenbei auch stets gegen die Bewaffnung rechtstreuer Bürger zu deren Schutz eingetreten ist:

(…) „Wenn ein Softie zu drei harten Burschen in eine Zelle gesteckt wird, kann man sich ausmalen, was passiert.“ (…)

Ich weiß nicht (und will auch gar nicht wissen) was der Herr Jesionek sich ausmalen kann. Jemand der einen alten Mann mit vorgehaltenem Messer auszurauben versucht ist aber sicherlich kein „Softie“! Ein Feigling vielleicht, aber kein Softie.

Ein Trost für das „arme Hascherl“:

(…) Er hat jetzt einen Brief von Justizministerin Beatrix Karl bekommen, in dem steht, dass es ihr Leid tue. K. hat erreicht, dass eilig eine „Taskforce“ ins Leben gerufen wurde. Eine Expertenkommisssion wird ab Montag Alternativen zur U-Haft von Jugendlichen entwickeln. (…)

Vielleicht eine Tanztherapie? „Zucker in den Arsch“ ist hier jedenfalls mindestens so verkehrt wie „Besenstiel in den Arsch“, unschuldig ist der Kerl hier allemal nicht „zum Handkuß“ (oder so ähnlich) gekommen…

(…) Dem 14-jährigen hilft das nichts mehr. Er wird ein Leben lang an seinem Leid zu tragen haben. (…)

Von dem Verbrechensopfer liest man komischerweise nichts. Gar nichts. Sein „Leid“ tut hier scheinbar nichts zur Sache, zumindest die Frau Bischofsberger scheint es jedenfalls nicht zu interessieren. Seltsam.

Abschließend noch ein Wort zum Strafvollzug, bzw. zu den im StGB normierten Strafen: Natürlich steht da nirgends daß Vergewaltigungen mit mechanischen Gegenständen ein taugliches Mittel des Strafvollzugs sind, das ist auch richtig so. Zwei Richtsäulen des Strafvollzugs sind aber die Spezialprävention und die Generalprävention.

Wenn „Das Drama in Zelle E 2/14“ wenigstens dazu gut war, dann soll es so sein…

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22 Antworten zu “Wahrlich ein „Drama“

  1. Pingback: Wahrlich ein “Drama”/Teil 2 | dagarser

  2. wenn jemand in Gefangenschaft insbes. in staatlicher Obhut misshandelt wird, ist das ein Versagen des Systems und unseres Landes unwürdig.
    DIe „Strafe“ hat der 14(!)jährige vom Richter zu bekommen und nicht von Mitgefangenen oder vom „Schicksal“ oder dem „lieben Gott“.

    Auch unschuldige bzw. harmlose Menschen können in U-Haft gelangen.
    Ob Menschen generell nach Misshandlungen etc. für die Gesellschaft wertvoller oder „klüger“ werden, ist zu hinterfragen…
    Wer Opfer und Straftäter in Anstalten „produziert“ schadet dem Land.
    Die Schweizer sind da wieder schlauer…

    ich orte in diesem Forum bisweilen eine recht kurzsichtige law & order – Mentalität…die Folter – das Verbrechen schlechthin- dulden will?! Merkwürdig….

  3. Salzkammergutler

    Vor lauter Hass, Selbstgerechtigkeit usw. sollte man vielleicht trotzdem nicht vergessen, dass es sich um einen 14 Jährigen handelt – ein Kind, einen Jugendlichen, ganz egal wie man es dreht oder wendet.

    Hat dieses Kind, dieser junge Mensch, Scheisse gebaut und ist kriminell geworden? Aber sicher. Gehört es bestraft? Sicher. Aber gleichzeitig sollte eigentlich gerade junge Menschen mit besonderer Rücksicht und Aufmerksamkeit behandelt werden. Wir selbst und der Staat haben eine Verpflichtung gegenüber Kindern – und wenn ich mir hier einige Kommentare ein KIND betreffend durchlese, dann frage ich mich schon, wo einige Personen hier Anstand, Ehre und Rücksicht gegenüber Kindern verloren haben.

    Wenn so etwas passiert, ist Kritik und eine öffentliche Debatte selbstverständlich und gerechtfertigt. Gerade der Vollzug für Kinder und Jugendliche gehört so sicher wie möglich gemacht.

    Warum genau die Ministerin schuld sein soll erschließt sich mir nicht – die hat ein schon jahrelange existierendes System übernommen, das bis jetzt auch funktioniert hat. Sie hat weder bestimmt, mit wem der Jugendliche in die Zelle kommt, noch was in dieser Zelle drinnen ist noch sonst irgendwas. Verantwortlichkeit gut und schön – aber Omnipräsenz verlangen ist ein wenig übertrieben.

    Das wäre unter jeder beliebigen Person in dieser Position geschehen, egal ob rot, schwarz, grün, blau, organge oder was auch immer. Da sollte man realistisch sein und mal für einen Moment die eingefärbte Brille abnehmen

    • Für Jugendliche gibt es ja ein Jugendstrafrecht, also hat der Gesetzgeber das berücksichtigt. Das ist auch in Ordnung. Aber ein 14jähriger ist kein Kind mehr sondern ein Jugendlicher. Und so ist er zu behandeln.

      • Salzkammergutler

        Ja, der Gesetzgeber hat das berücksichtigt. Schaut man sich Kommentare wie die von Porscheraser an, kann man nur froh sein, dass der Gesetzgeber klüger als so mancher Bürger ist.

        Übrigens – auch Jugendliche gehören anders behandelt als Erwachsene. Man kann auch darüber diskutieren, ob ein 14 Jähriger jetzt mehr Kind als Jugendlicher ist – Entwicklungspsychologen würden da auf die individuelle Entwicklung verweisen.

        Und sich die USA als Vorbild nehmen kann doch nur ein schlechter Scherz sein – siehe Porscheraser. Von einem Land, das bei 5% der Weltbevölkerung 25% der Sträflinge dieser Erde stellt, muss man sich in Punkto Justiz wirklich nichts abschauen.

        • Nur damit das klar ist: In Österreich ist ein 14 bis 18jähriger strafrechtlich ein Jugendlicher und wird anders behandelt als Erwachsene Auch die individuelle Entwiclung ist zu beachten. Also was solls?
          Und in den USA werden die Leute, die was anstellen, eben eingesperrt, bei uns aber nicht sondern auf freiem Fuß angezeigt. In den USA geht die Kriminalität daher ständig zurück und bei uns steigt sie.

          • Salzkammergutler

            Das ist ein Gerücht 😉
            Die USA haben mit ABSTAND die meisten Häftlinge (25% aller Inhaftierten dieser Welt sind US – Amerikaner) – Tendenz steigend, nicht rückläufig.
            In keinem Land sind die sozialen Ungerechtigkeiten so groß wie in den USA – dementsprechend hoch auch die Kriminalität. Österreich ist ein Land der Seligen im Vergleich dazu – es gibt absolut nichts, was wir von den USA lernen könnten. Höchstens, was die Überwachung der eigenen Bevölkerung und das Beginnen von Kriegen betrifft.

            Die USA ist kein Vorbild – auch wenn viele außerhalb der USA das immer denken 😉

            • FBI-Statistik lesen. Das hilft.

              • Salzkammergutler

                😀
                Dafür dass hier immer davon geredet wird, nicht den Medien und Berichten der Regierung uneingeschränkt zu vertrauen, setzten Sie schon sehr viel Vertrauen in offzielle Berichte einer Regierungsbehörde – weil es Ihnen ins Bild passt? Wo ist auf einmal die Kritikfähigkeit und das Misstrauen hin verschwunden?

                Nein, das FBI würde natürlich nie etwas schreiben, dass sie über alle Maßen gut aussehen lassen würde, nicht wahr ? 😀

                Man könnte auch einfach mal die Entwicklung der Anzahl der Gefängnisse der letzten 15 Jahre anschauen. Nur so als anderes Beispiel, das „hilft“ 😉

                • Diese Statistik läßt gar nicht das FBI guit aussehen, sondern die CCP-Strategie. Und darüber gibt es auch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen (Kleck, Lott jr, Halbrook, Zimrin ua.)

                  • Salzkammergutler

                    Hmmm, und trotzdem hat die USA die höchste Kriminalitätsrate überhaupt und die höchste Anzahl an Strafgefangenen der ganzen Welt.

                    Irgendwo ist da offensichtlich der Wurm drinnen 😉

                    Ist ja schön wenn sie so davon begeistert sind, dass da viele Leute eingesperrt werden. Nur hilft das der Sicherheit überhaupt nicht sondern ist reine Symptombehandlung. Über den Tellerrand darf geblickt werden 😉

                    • zakrajsek

                      Ein wenig Sachkunde wäre bei so einer Diskussion dienlich. Natürlich haben die USA eine hohe Kriminalitätsrate, das hat aber mit der Bevölkerungsstruktur zu tun. (Schwarze, Latinos) Und die höchste? In welchem Verhältnis? Mexiko? Venezuela? Brasilien? Südafrika? Nigeria? Kosovo? Albanien?

                    • Salzkammergutler

                      Was genau hat die Kriminalitätsrate mit der Bevölkerungsstruktur (Schwarze, Latinos) zu tun? Ich bin gespannt auf die Antwort

                    • „Hmmm, und trotzdem hat die USA die höchste Kriminalitätsrate überhaupt und die höchste Anzahl an Strafgefangenen der ganzen Welt. “
                      Du bist ein bisschen patscher im Nachdenken, oder?

                      In den USA reicht jeder Strafvollzug aus und dadurch ergibt sich auch die hohe Kriminalitätsrate, oder die „hohe“ Anzahl an Strafgefangener, die übrigens in Russland gemessen an Fläche und Einwohner höher ist.

  4. Verbrecher würde ich lieber im Steinbruch sehen. Essen nur dann wenn die Leistung stimmt. Resozialisierung – JA natürlich. Einen Job kann der BewähungshelferIN besorgen, Wohnung: während der ersten Jahr(e) in einer überwachten WG. Erst nach ein paar Jahren, wenn der Verbrecher seinen Willen gezeigt hat, anständig zu leben (bzw. auf den Geschmack der Anständigkeit gekommen ist), soll er dann wieder auf die Menschheit losgelassen werden.

    Mit Verbrecher meine ich vorallem jene die mit Vorsatz ein schweres Verbrechen begangen haben, nicht unbedingt den „Hendldieb aus Hunger“.

    Außerdem gehört die three strike Regel und auch die no tolerance Regel bei uns eingeführt!

  5. karl ein bild typisch für die partei die sie vertritt. der zwangsbeglücker orf erpresst ein entschuldigungsschreiben der unvorbereiteten frau justizminister. wenn ich es nicht selbst gesehen hätte, ich hätte es nicht für möglich gehalten. die linke medienlandschaft hebt einen verbrecher, wenn auch sehr jung, aber alt genug einen alten mann zu berauben und zu bedrohen, zum medienstar, der geschütz und verwöhnt werden soll. er ist ja so lieb… das opfer wird nicht erwähnt, die täter mit dem besen nicht genannt. wenn das freie meinung und pressefreiheit sein soll, bin ich für eine zensur, wo diesem rot.grünen journailiengesindel der mund gestopft wird. wir gehen einer zeit entgegen die ich mir nicht einmal vorstellen möchte. multikulti und vermischung sind das ziel. werte und familie das feindbild.

  6. Bringen wir das doch auf einen einfachen Punkt :
    Die Politik hat versagt, wie eigendlich immer 😦
    Und die Opfer werden immer allein gelassen, die Täter verhätschelt.
    Ist es da verwunderlich das es Leute gibt die an Selbstjustiz denken ?

    Und dann kommen noch Politiker die vor der Kamera von der Bevölkerung Zivilcourage verlangen. Tut das einer, und der Angreifer wird verletzt oder sogar getötet, steht der couragierte Bürger vor dem Richter und wird als „Monster“ tetuliert. Beispiele dafür gibt es zur genüge.

    Selbsverteidigung ist ein Bürgerrecht, nur frage ich mich oft wo das auch annerkant wird. 😦

  7. Dies ist eine abscheuliche Vergewaltigung und hat auch in einem Gefängnis nicht zu passieren. Die Verantwortliche Ministerin soll abtreten . Arbeiten im Gefängnis und das Geld am Konto , ist gut . Aber die Verzinsung von 2,5% eine Frechheit . Man sollte diese jugendlichen Quertreiber so arbeiten lassen wie in amerikanischen Jugendstraftäter Camps. Dies würde ihnen die Flausen austreiben.

    • Die Ministerin hätte gar nicht antreten dürfen. Sie ist völlig unqualifiziert, ahnungslos und hilflos.

  8. Wenn es beim Staat um den Sparfaktor geht , ist ein Menschenleben wenig Wert – soll heißen kein Geld für Jugendliche Gefangene-kein Personal übers Wochenende , man sperrt Sie einfach ab Freitag Mittag bis Montagfrüh in der Zelle ein. Wo ist hier der berechtigte Freigang täglich? Ich bin nicht für Straftäter , aber für menschenwürdige Behandlung. Das eiskalte : “ So etwas kann passieren…..!“ Der Justizministerin , ist mehr als fraglich. Was wäre wohl passiert , wen der Straftäter , der Sohn eines Politiker wäre. Der kommt bestimmt nicht in so eine Zelle. Man sieht an diesem Vorfall , das eindeutig am falschen Ort der Sparstift angesetzt wird. Man sollte alle Wirtschaftsflüchtlinge nach Hause schicken , dies sofort und die freiwerdenden zig Millionen Euro der Justiz und Polizei zur Verfügung stellen. Den in Punkte Sicherheit ist Österreich schon schlechter gestellt als CHIKAGO! Nun die Türkendemo einstweilen noch friedlich ! Wer genehmigt dies ? Übernimmt die jenige Person , bei eventuellen Schäden an Häusern , Geschäften , Personen, Fahrzeugen auch die Haftung dafür , oder muss man den Staat verklagen. Nun warum soll der österreichische Steuerzahler für Erdogandemoschäden aufkommen. Den Polizeieinsatz müssten die Befürworter der Demo und ihre Veranstalter Zahlen .
    Den dies ist eine innerpolitische Angelegenheit der Türkei und hat NICHTS mit Österreich zu tun.

  9. Was mich da wieder aufregt, ist, das man wieder zu verniedlichen versucht. „…ja, die armenTeufel sind ja den ganzen Tag unterbeschäftigt…“ habe ich schon gehört. Vermulich wird jetzt wieder nachgedacht, wie man die Gefängnisse angenehmen gestalten könnte, so das so etwas nicht mehr vorkommt!
    Ich wüßte etwas. Eine Kette an die Wand, das andere Ende an den Insassen und eine Kette mit einer Kugel an sein Bein!
    Die unschuldigen Opfer würden es sicher danken!

  10. ….die kleineren Sünden, bestraft der liebe Gott sofort, die größeren halt etwas später und manchmal nimmt er dazu einen Besenstiel….der liebe Gott!
    Was wohl der überfallene Pensionist zu dieser Sache sagt?
    Ich an seiner Stelle hätte da „tiefer“ darüber nachgedacht……

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