Fehlinformation

In der Jagdzeitung jagd-wien.at, dem Mitteilungsblatt des Wiener Landesjagdverbandes, finden sich immer wieder gute und interessante Artikel, ich lese das – wenn ich eine Ausgabe in die Finger bekomme – eigentlich recht gerne. In der aktuellen Ausgabe findet sich allerdings ein Artikel der mir teilweise gar nicht gefällt:

Unter dem Titel „Sicherheit im Jagdbetrieb“ wird diesmal auf Seite 12 auf „Verwahrung, Transport und Führen der Waffe“ näher eingegangen, einleitend heißt es dazu:

Etliche Bestimmungen sind im Waffengesetz nur sehr allgemein geregelt. Daraus resultiert ein „Interpretationsspielraum“. Wir Jäger sollten auf jeden Fall im Umgang mit unserem Handwerkzeug, der Schusswaffe, der Öffentlichkeit und den Behörden gegenüber als Vorbilder auftreten. (…)

So „allgemein“ ist das Waffengesetz nun auch wieder nicht, im Gegenteil ist es vielmehr oft eher als „überregulierend“ zu bezeichnen. „Interpretationsspielraum“ kann ich nicht allzu viel entdecken, vor allem nicht wenn es die Bereiche „Transport“ und „Führen“ betrifft. Im Artikel heißt es jedenfalls weiter:

(…) Der Transport einer Waffe im Auto erfolgt ungeladen in einem geschlossenen Behältnis. Es reicht nicht aus, die Büchse oder Flinte lediglich in einen Stoffsack („Waffenstrumpf“) zu stecken oder gar mit einer Jacke bedeckt in einer Hängevorrichtung, z. B. an der Rücksitzlehne, zu befördern. Wichtig ist, die Jagdkarte stets bei sich zu haben, denn diese ist unser Nachweis, eine Jagdwaffe führen zu dürfen. Apropos ungeladen: Auch im Magazin der Waffe darf sich keine Patrone befinden! (…)

Sehr schön! Der Verfasser hat damit bewiesen daß er lesen kann, im vorliegenden Fall § 7 (3) WaffG. Dort heißt es:

(3) Eine Waffe führt weiters nicht, wer sie – in den Fällen einer Schußwaffe ungeladen – in einem geschlossenen Behältnis und lediglich zu dem Zweck, sie von einem Ort zu einem anderen zu bringen, bei sich hat (Transport).

„Lesen“ heißt aber nicht notwendigerweise auch „verstehen“, schließlich richtet sich dieser Artikel an Inhaber einer gültigen Jagdkarte – und die muß dieser Paragraph überhaupt nicht interessieren, schließlich sind sie ja berechtigt ihre Jagdwaffen zu führen. Kann man auch im Waffengesetz nachlesen, nämlich ganz klar im § 35 (2) 2 WaffG:

Außerdem ist das Führen von Schusswaffen der Kategorie C oder D zulässig für Menschen, die im Besitz einer gültigen Jagdkarte sind, hinsichtlich des Führens von solchen Jagdwaffen.

Als Inhaber einer gültigen Jagdkarte kann ich also – ohne jegliches weitere waffenrechtliche Dokument – selbstverständlich mit meiner geladenen (bzw. unterladenen) Waffe mit dem Auto ins Revier fahren, ich brauche auch kein „geschlossenes Behältnis“, ich kann die Waffe ohne weiteres auch offen im Fahrgastraum unterbringen. Das gilt auch nicht nur für die Fahrt ins Revier, wenn ich will kann ich so auch vom Boden- zum Neusiedlersee und zurück fahren und das wäre rechtlich zu 100% gedeckt. Kein Raum also für „Interpretation“, wenngleich wohl keiner seine Jagdwaffe ohne Grund (etwa Jagdeinladung) auf „Österreichrundfahrt“ mitnehmen wird.

Ich finde es immer schade wenn sich in einen an sich gar nicht so schlechten Artikel derart unnötige und dumme Fehler einschleichen, es wäre im vorliegenden Fall auch gar nicht notwendig gewesen. Schließlich finden sich am Ende unter „Service“ Links sowohl zur IWÖ, wie auch zum Rechtsinformations-systems des Bundeskanzleramts, dort hätte man das ganz leicht nachlesen – oder, alternativ, gleich bei der IWÖ nachfragen – können!

„Wir Jäger sollten auf jeden Fall im Umgang mit unserem Handwerkzeug, der Schusswaffe, der Öffentlichkeit und den Behörden gegenüber als Vorbilder auftreten.“ Ein richtiger, wichtiger Satz. Besonders vorbildhaft ist es aber, seine Rechte zu kennen und auch auszuüben, nicht mit einem nicht vorhandenen „Interpretationsspielraum“ Unwissen zu verbreiten und die eigene Klientel zu verunsichern!

3 Antworten zu “Fehlinformation

  1. Pingback: Wochenrückblick 40-42/2013 | dagarser

  2. Leute, die an der Spitze stehen, um die unteren ordentlich zu vertreten um ihren Belangen Gehör zu verschaffen, haben leider sehr selten auch die Eignung dazu. Dies zeigt sich deutlich in allen Bereichen unseres Lebens. Hier spielt die Politik eine viel zu große Rolle, dadurch wird Parteizugehörigkeit vor Eignung, Mut und Können gestellt.

  3. Vorbild sein heißt hier: päpstlicher als der Papst sein. Damit richten unsere jagdlichen Vertreter viel Schaden an und haben schon viel Schaden angerichtet. Wir sollten aber Vertreter haben, die sich erstens auskennen und zweitens mannhaft für unsere Rechte eintreten. Beides haben wir – so sagt uns der Artikel – aber leider nicht.

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