Ein Nachruf

Es war 1995. Ich war damals gerade beim Bundesheer und stand vor einem erwartbar langen wie langweiligen Wochenenddienst und wollte mir zum Wachbleiben spannende Lektüre besorgen, also habe ich in meinem Lieblingsbuchladen ein wenig herumgestöbert und bin auch bald fündig geworden: Ein elendsdicker Wälzer dessen Verfilmung ich im Vorjahr im Kino gesehen hatte.

Clear and Present Danger hieß das Buch, immerhin 700 Seiten stark, und ich habe den Inhalt förmlich verschlungen, das Original – wie zumeist – um Welten besser als die filmische Umsetzung. Seit damals habe ich alles gelesen was ich von Tom Clancy in die Finger bekommen konnte.

Die weitaus meisten von Clancys Büchern haben einen inhaltlichen Zusammenhang, den Aufstieg des Protagonisten Jack Ryan vom einfachen CIA-Analysten bis hin zum Präsidenten der USA, der Zeitraum umspannt dabei die dunklen Tage des Kalten Krieges bis zur Gegenwart. Natürlich sind Clancys Werke recht einseitig geschrieben, US-amerikanischer Hurra-Patriotismus auf der einen Seite, perfide Gegenspieler auf der anderen, wobei zum Schluß die Amerikaner logischerweise immer gewinnen. Nicht jedermanns Sache, jedenfalls nicht meine, dennoch haben mir die Bücher immer sehr gut gefallen. Manchmal habe ich mich halt gefragt wann Jack Ryan sich endlich den Anzug vom Körper reißt und das Superman-Cape zum Vorschein kommt. Aber die Geschichten haben immer „funktioniert“, darauf kommt es bei einem guten Buch an und das ist Clancy gelungen.

Ich habe alle Bücher von Tom Clancy daheim, natürlich im Original, ich kann jedes davon an einer beliebigen Stelle öffnen und bin gleich wieder mitten im Geschehen: Ich fiebere mit wenn Jack Ryan in The Cardinal of the Kremlin den KGB-Chef zum Überlaufen bringt, ich bin dabei wenn er in The Sum of All Fears einen Terroranschlag in den USA aufklärt und ich halte den Atem an wenn in Debt of Honour das japanische Flugzeug ins Washingtoner Kapitol stürzt.

Doch nicht nur Clancys Geschichten sind fesselnd, auch sein Schreibstil und seine technische Detailverliebtheit bei Waffensystemen und in militärischen Fragen waren bahnbrechend, nicht umsonst gilt er als Erfinder des „Techno-Thrillers“. Wer The Hunt for Red October liest, dem wird das Innere des Atom-U-Boots nicht erklärt, sondern der ist dort, wer die Wüstenschlacht in Executive Orders verfolgt sitzt mit in den Panzern der 10th U.S. Cavalry.

Generell muß ich sagen daß mir die älteren Bücher Tom Clancys besser gefallen haben als die zuletzt erschienenen (wo er meist auch einen Co-Autor hatte), ich freue mich dennoch schon auf Command Authority das im Dezember erscheinen wird. Es ist das letzte Buch des Autors.

Tom Clancy ist am 1. Oktober dieses Jahres im Alter von 66 Jahren in Baltimore verstorben. Rest in Peace.

6 Antworten zu “Ein Nachruf

  1. Pingback: Wochenrückblick 40-42/2013 | dagarser

  2. Ja, lieber Garser bei technischen, aber auch organisatorischen Details war er erstklassig. Beim Gedanken an den Rechercheaufwand wird mir schwindlig. Das er bei den für uns interessanten Details (Handfeuerwaffen) Schwächen hatte, sei ihm verziehen.
    Viele Amis sind nun einmal sehr patriotisch, allerdings noch immer weit vom herrenmenschlichen Chauvinismus russischer Prägung entfernt. Patriotismus ist kein Grund sich zu schämen. Mich bewegt es auch jedes mal die „Ode“ von Grillparzer, gut vorgetragen zu hören.

    Man kann bei Clancy entspannte Stunden verbringen. Ruhe er in Frieden.

    Übrigens hätte ich da noch einen Tip: Stephen Hunter. Am besten mit „Point of Impact“ beginnen.

    • Bevor ich es vergesse: Wie auch Clancy sollte Hunter nur in der Originalsprache gelesen werden. Aber ich schätze, da renne ich offene Türen ein… 😉

  3. …..nicht zuletzt, gab es da unglaublich gute Schauspieler wie Alec Guinness, welche solche Rollen spielen konnten……
    Ich habe beide Filme, Tinker, Tailor, Soldier, Spy und Smileys People, im Original der BBC…..
    Dagegen ist Jagd auf Roter Oktober, trotz guter Schauspieler, eine eher platte Geschichte – wir sind die Größten….

  4. ….bei US-Amerikanern, habe ich zu solchen Themen, ob Bücher und noch mehr in Filmen, immer das Gefühl, die Großartigkeit ist grenzenlos – und die Regierung sponsert das sogar….
    Mein Lieblingsautor themenbezogen, ist John le Carre und sein Hauptheld,
    George Smiley.
    Understatement und feiner Humor, oft hinterfotzig, aber immer intelligent, viel mit dem jüdischen Humor gemeinsam, das ist der britische Humor und die Herangehensweise an solche Themen – bodenverhaftet….nicht angeberisch…

    • In diesem Fall empfiehlt der Onkel Doktor Gavin Lyall (leider auch schon verstorben). In seinem Erstlingswerk „Midnight plus One“ schrieb er mein Lieblingsbonmot:
      „To the man who bets his life on the choice of his guns there`s only one True Belief – his own – and the only True Prophet is himself.“

Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s