Vom Anstand

Anstand ist keine politische Kategorie, soviel kann man als interessierter Beobachter der Politik allgemein und der österreichischen Innenpolitik speziell als gegeben voraussetzten. Selten aber wurde diese Theorie so eindrucksvoll untermauert wie dieser Tage durch Monika Lindner.

Vorweg: Ich halte vom „Team Stronach“ nichts. Ich nehme zur Kenntnis daß diese Gruppierung bei den jüngst abgehaltenen Nationalratswahlen vom Wähler legitimiert wurde, wenngleich diese Legitimation mit 5,7% wohl doch deutlich unter den Erwartungen des Namens- wie Geldgebers ausgefallen ist; das Zustandekommen, die Gründung des „Team Stronach“ hat für mich aber doch nach wie vor den üblen Beigeschmack der handstreichartigen Wählertäuschung. So wie seinerzeit beim „Liberale Forum“ unseligen Angedenkens, wobei die ja mit einem neuen Mäntelchen auch wieder im Parlament sitzen.

Ich kann also nicht leugnen daß es mich durchaus mit Schadenfreude – und auch einer gewissen Genugtuung – erfüllen würde, wenn dem skurril auftretenden Milliardär die Mandatare davonliefen, wenn er also von seiner eigenen Medizin zu schlucken bekäme. Das empfände ich als „gerecht“ und es würde mich auch nicht wundern, wenn es früher oder später so käme.

Der erste Aderlaß des „Team Stronach“ in Form des Abgangs von Monika Lindner aber ist so zutiefst mies, falsch und unanständig daß einem nahezu die Luft wegbleibt: Kein Mensch – außer wohl Lindner selbst und die paar Freunde, die ihr noch geblieben sind – hat das „Team Stronach“ ihretwegen gewählt, wobei: immerhin 109 Vorzugsstimmen hat sie bekommen (BMI). 109 Stimmen bei 268.679 Stimmen für das „Team Stronach“ und 4.692.907 gültigen Stimmen gesamt. Eine Promillesache also.

Monika Lindner hat keine Sekunde wahlgekämpft, sie hat nach einem Zerwürfnis mit dem damaligen Klubobmann des „Team Stronach“ dieses verlassen und ist nur aus formaljuristischen Gründen auf dem dritten Platz der Wahlliste, die schon dem Innenministerium vorlag und nicht mehr geändert werden konnte, geblieben. Aufgrund dieses sicheren Listenplatzes steht ihr aber nun – wiederum rein formaljuristisch – ein Mandat im Nationalrat zu und sie hat das auch angenommen.

Bei der Gesamtzahl der Wahlberechtigten „kostet“ ein Nationalratsmandat rund 35.000 Stimmen, Lindner kann jetzt – bis zur nächsten Wahl – mit gerade einmal 109 Stimmen  ein solches Mandat ausüben und „einen wesentlichen Beitrag zur Demokratie leisten“ (Die Presse).

Daß Lindner durch ihre „wilde“ Abgeordnetentätigkeit zusammen mit ihren Ruhestandsbezügen kolportierte 18.000,- Euro im Monat abcashen (von „verdienen“ will ich in diesem Fall nicht sprechen) wird ist in meinen Augen eher nebensächlich, soll sie glücklich damit werden. Demokratiepolitisch ist dieser Vorgang aber weit mehr als lediglich bedenklich, menschlich ist es jedenfalls in höchstem Maße unanständig und ein Schlag ins Gesicht jener 6.384.199 wahlberechtigten Österreicher die Monika Lindner nicht gewählt haben. Pfui Teufel!

Es ist im österreichischen Nationalrat Usus, daß ein neu gewählter Mandatar bei seiner „Jungfernrede“ im Parlament von allen Fraktionen mit Applaus bedacht wird. Ich werde mir die erste Wortmeldung von Monika Lindner ganz genau ansehen, wenn man danach keine Stecknadel fallen hören kann, dann ist diesem Land, diesem Parlament, dieser Politik nicht mehr zu helfen.

P.S.: 109 Stimmen könnte ich bei einer Wahl auch ganz locker erreichen, da bin ich mir sicher. Deswegen würde ich aber nicht in den Nationalrat einziehen. Ich bin nämlich eitel und möchte auch weiterhin in dem Spiegel schauen können.

8 Antworten zu “Vom Anstand

  1. Pingback: Wochenrückblick 40-42/2013 | dagarser

  2. Die ganze Wahl war eine einzige Wählertäuschung. Den Pröll die Graue „Eminenz“ der ÖVP – ohne sein Machtwort geht nichts , hat doch mit Faymann bei einem „Glaserl“ Wein , oder waren es auch mehrere? , schon vor der Wahl alles ausgehandelt. Die Stimmen der NIchtwähler gehören genauso gezählt , wie die Stimmen der Wähler und Parteimäßig in Abzug gebracht . Wäre gespannt , wie viele Nationalratssitze an die Nichtwähler gehen wollen. Bei den Pensionen heißt es über kurz oder lang Unfinanzierbar .Wo bleibt das Einsparpotential bei den Politikern. meine letzte Pensionserhöhung ergab monatlich Netto 0,87 € , das sind 1 1/2 billig Semmel. Nicht einmal 1 Kg Brot und Lindner erhält unverschämte Tausende Euro zu einer Superpension. Wobei Sie eigentlich nirgends etwas großartiges geleistet hat

  3. Anstand ist heute im einfachen Leben schon eine Seltenheit, in der Politik hat es das nie gegeben. Politik der heutigen Zeit besteht nur aus Wählertäuschung, Korruption, persönliche Bereicherung, EU- Untertänigkeit und Verrat am eigenen Volk. Trotzdem wird diese Politik, wie am 29.9. bewiesen, von vielen Bürgern wieder gewählt- warum das so ist, weiß vielleicht nicht einmal Gott….

  4. frank war mit seinen ideen und aufrütteln der gelähmten gesellschaft bis zu seinem ersten wahldiskussionsauftritt im fernsehen durchaus ernst zu nehmen und zu repektieren, dann hat er sich selbst zerlegt. das ist aber geschichte und vorbei. was jetzt läuft ist für mich einfach nur erschütternd. wer dieser unperson namens lindner auch nur ein ernstes gespräch anbietet, sollte sich nur schämen und aus der öffentlichkeit verschwinden. der vorfall hat mit der von stronach gekauften abgeordnete überhaupt nichts zu tun. ihr verhalten ist einfach nur das letztklassigste was ich in der politik bis jetzt erleben musste.dieser person MUSS der weg nach draussen ins nirgendwo gewiesen werden und nie wieder irgendwo erwähnt werden. jeder pensionist, der monatlich auf seine auszüge schaut, muss sich von dieser politischen gesellschaft, die so etwas ermöglicht, verkauft, verraten, betrogen und und und vorkommen. ich bin nur gespannt, ob die verliererpartei övp, trotz anderer aussagen, sich doch nicht ein stimmchen sichert. das wär dann wenigsten der gnadenschuss, wir schon zeit.

  5. Wir bekämen auch locker die 35.000 Stimmen zusammen, lieber Freund! Die IWÖ ist nämlich für etwa 180.000 Stimmen gut.(Das waren die Unterschriften, die wir gesammelt haben)

    • ……das gäbe 4-5 Mandate….die würden schön schauen, diese Wi……wirklich überflüssige, große Koalition….

      • Aber bei der EU-Wahl werden wir aktiv werden. Ein IWÖ-Abgeordneter für das EU-Parlament müßte sich ganz leicht ausgehen.

  6. …..Schade, meine Stimme hättest Du schon!
    Stronach wäre eine gute Idee gewesen, wenn er selbst realisiert hätte, daß eine demokratische Partei kein Unternehmen ist – beinahe das Gegenteil.
    In seinem Fall hätte er wissen müssen, daß man mit drittklassigen Leuten, nichts Erstklassiges auf die Beine stellen kann, schon gar kein Unternehmen, da eher noch politische Parteien, wie wir ja täglich vorgeführt bekommen.
    Das Sprichwort der „Hutterer“ aus Tirol gilt da für ewig:
    Gottes Wort, wär nit so schwär, wenn nur der Eigennutz nit wär…….

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