Opfer-Täter-Umkehr?

Ich habe im Juni von jenem Wiener Taxifahrer berichtet, der bei einem bewaffneten Überfall auf sich den Täter erschossen hat. (siehe: Gut gemacht!) Wie es scheint hat der Rechtsstaat noch nicht gänzlich kapituliert und das gegen den Mann eingeleitete Verfahren wurde jetzt eingestellt, sehr erfreulich (ORF). In diesem Zusammenhang bin ich allerdings auf eine wahre Ungeheuerlichkeit aufmerksam geworden:

Es ist sicherlich nicht leicht, einen Menschen erschießen zu müssen, wie diversen Medienberichten zu entnehmen war leidet der Taxifahrer doch ziemlich darunter dazu gezwungen gewesen zu sein und hat auch psychologische Hilfe in Anspruch genommen.

Diese psychologische Hilfe – mag man dazu stehen wie man will – hat er aber nicht von der Verbrechensopfer-Hilfsorganisation „Weisser Ring“ erhalten, die Herrschaften haben das nämlich mit dem Hinweis verweigert, nicht für „Täter“ zuständig zu sein, ein veritabler Skandal!

Neugierig wie ich bin, will ich natürlich wissen wie der „Weisse Ring“ zu dieser absurden Theorie kommt und habe dem Verein folglich eine Anfrage geschickt:

Gars am Kamp, am 17. Oktober 2013

Sehr geehrte Damen und Herren!

Gewiß ist Ihnen der Fall jenes Wiener Taxilenkers bekannt, der im Juni dieses Jahres von einem pakistanischen Verbrecher mit einem Messer in seinem Fahrzeug überfallen wurde und sich daraufhin gezwungen sah von seiner Schußwaffe Gebrauch zu machen um seine körperliche Unversehrtheit zu bewahren und sein Leben zu retten. Bei diesem Schußwaffeneinsatz ist der Verbrecher ums Leben gekommen, wie in solchen Fällen üblich und normal wurden von Seiten der Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Schützen eingeleitet. Diese Ermittlungen wurden nunmehr eingestellt, laut Staatsanwalt Thomas Vecsey handelte es sich im vorliegenden Fall „um eine glatte Notwehrsituation“ (siehe hier: http://wien.orf.at/news/stories/2609349/)

In diesem Zusammenhang erlaube ich mir, den „Weissen Ring“ um eine Stellungnahme zu ersuchen: Mir liegt ein Newsletter der „Fachgruppe Wien für die Beförderungsgewerbe mit PKW“ vom September dieses Jahres vor, ich zitiere aus dem Editorial des Obmanns KommR Christian Gerzabek:

„(…) Wir haben dem Kollegen (dem Überfallsopfer, Anm.) jegliche Unterstützung zugesagt, sowohl psychologische Betreuung als auch Unterstützung im gerichtlichen Vorverfahren.

Der „Weiße Ring“, welchen wir jährlich bisher mit einer Spende unterstützt haben, hat die psychologische Betreuung durch Spezialisten abgelehnt, weil der „Weiße Ring“ nur für Verbrechensopfer und nicht für „Täter“ zuständig sei. Ich finde diese Vorgangsweise bei unserem Kollegen mehr als bedenklich und hinterfragungswürdig. Wir haben jedenfalls andere Möglichkeiten gesucht und gefunden, um dem Kollegen die absolut notwendige psychologische Betreuung nach einem solchen Ereignis zukommen zu lassen. (…)“                                                                                                 (Quelle: http://portal.wko.at/wk/dok_detail_file.wk?angid=1&docid=2090435&conid=696054&stid=726319&titel=Taxi-Fachgruppennews%2c5%2f2013)

Dazu einige konkrete Fragen:

1)    Stimmt diese Darstellung von KommR Christian Gerzabek?

2)    Falls sie stimmt: Wie kommt der „Weisse Ring“ darauf, daß das Überfallsopfer kein Verbrechensopfer sondern vielmehr ein „Täter“ ist?

3)    Falls sie stimmt: Wird der „Weisse Ring“ nun, da das Verfahren gegen das Überfallsopfer eingestellt wurde, diesem – falls erwünscht – Unterstützung angedeihen lassen?

4)    Falls sie stimmt: Wie ist diese Sichtweise des Opfers als „Täter“ mit den auf der Webseite des  „Weissen Rings“ veröffentlichten Zielen vereinbar die  lauten: „die rasche und unbürokratische Unterstützung von bedürftigen Opfern von Verbrechen und die Verbesserung der Situation von Verbrechensopfern in Österreich“?

5)    Falls sie stimmt: Wenn das Überfallsopfer aus Sicht des „Weissen Rings“ ein „Täter“ ist, ist dann im Umkehrschluß der erschossene Gewaltverbrecher ein „Opfer“?

6)    Falls Sie die in 5) gestellte Frage bejahen: Hätte der Verbrecher den Vorfall überlebt, hätte er dann vom „Weissen Ring“ Hilfestellung erfahren?

 Ich weise in darauf hin, daß das österreichische Strafgesetzbuch im § 3 ausdrücklich die Notwehr erlaubt und (s.o.) im vorliegenden Fall die Rechtmäßigkeit der Notwehrsituation eindeutig festgestellt und das eingeleitete Verfahren eingestellt wurde.

 Es ist gut, daß es den „Weissen Ring“ gibt, ich bin der festen Überzeugung daß schon vielen Verbrechensopfern gut, schnell und unbürokratisch geholfen werden konnte. Was dem „Weissen Ring“ aus meiner Sicht aber nicht zusteht – und auch nicht zustehen darf – ist, Verbrechensopfer in Kategorien einzuordnen und jenen Opfern, die ihr Recht auf Notwehr in Anspruch genommen und sich gewehrt haben die Unterstützung zu versagen!

 Ich freue mich auf Ihre geschätzte Stellungnahme zu dieser Angelegenheit bzw. zu den obigen Fragen und mache Sie darauf aufmerksam, daß ich sowohl diesen Brief wie auch Ihre Antwort auf meiner Webseite https://dagarser.wordpress.com veröffentlichen werde; sollte also eine Stellungnahme Ihrerseits erfolgen so werte ich dies als Ihr diesbezügliches Einverständnis.

 Mit freundlichen Grüßen

(bf_Weisser Ring_17102013)

Ich bin gespannt ob ich eine Antwort bekommen werde. Meine Leser werden es erfahren!

 

19 Antworten zu “Opfer-Täter-Umkehr?

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  11. Habe mir mal erlaubt das zu verlinken:
    [url=http://www.outdoorandguns.de/index.php?page=Thread&postID=25022#25022]Klick![/url]

  12. Pingback: Wochenrückblick 40-42/2013 | dagarser

  13. Leutln, die LEBEN davon, daß es Verbrechensopfer gibt! Erlaubt die Blogsoftware eine Abstimmung? So wie: Was glauben Sie? Kommt a) gar keine Antwort, oder b) eine wortreiche Nichtantwort.

  14. …..erstaunlich für mich ist, daß der derzeitige Obmann der Fachgruppe Taxi, so richtig reagiert hat – der vorherige Obmann hat in einem ähnlichen Fall, nach Verschärfung des Waffengesetzes gerufen – aber der trank auch zu viel….man sah ihn öfters mit dem Michi…
    Ob der Jesionek auch Alkoholiker ist, kann ich nicht sagen – aber die Ansichten der Weißen Ringes, deuten darauf hin….

    • Ich glaube, dass ich den Kerl aus einem anderen Bereich kenne. Schon damals war er eher für die Gesetzlosen eingestellt als für die, welche das Gesetz zu vertreten hatten. Leider darf ich nicht mehr dazu sagen. Da hat man anscheinend wieder einmal den Bock zum Gärtner gemacht…

  15. Man muß wissen, daß der Präsident des Weißen Rings der ehemalige Präsident des Jugendgerichtshofes Udo Jesionek ist, ein ganz übler AWN.

  16. Lebt der Weiße Ring von Spenden und ist daher Anti-Gun?
    2011 sagte der niedesächsischen Landesvorsitzende: „Die meisten schweren Straftaten werden nach wie vor mit legalen Waffen begangen.“

    Er ist Polizist und müsste es besser wissen -sowohl aus der Praxis als auch aus der polizeilichen Statistik.
    http://waffenblog.tetra-gun.de/?p=177

  17. Hervorragend, Richard! Wir werden sehen, mit welchen Ausreden die Herrschaften daher kommen. LG Josef

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