Eine schwierige Frage?

Ich freue mich immer über „Feedback“ meiner Leser, sei es in Kommentarform, sei es eine Nachricht über die Kontakt-Schaltfläche. Eine solche Nachricht habe ich heute erhalten, zu einem interessanten Thema, deshalb gehe ich hier gleich öffentlich darauf ein statt „nur“ persönlich zu antworten:

Zunächst hat der Leser die Artikel und die Kommentatoren hier gelobt, dafür möchte ich mich einerseits herzlich bedanken, andererseits nutze ich die Gelegenheit mich diesem Lob an die Kommentatoren anzuschließen – Ihr seid das Salz in der Suppe, vielen Dank dafür!

Doch nun zum eigentlichen Thema: Der Leser merkt – ganz offensichtlich in Hinblick auf meine Artikel in Zusammenhang mit bewaffneter Selbstverteidigung – kritisch an, daß nicht jeder Waffenbesitzer das für eine erfolgreiche Selbstverteidigung notwendige Rüstzeug besitze, sei es jetzt im mentalen und/oder „trainingstechnischen“ Bereich. Zudem bestehe die Problematik, daß womöglich jemand versehentlich, also aus einer vermeintlichen Notwehrsituation heraus, verletzt oder gar getötet werden könne; im Ernstfall sei das auch für beamtete Waffenträger ein ernstzunehmendes Problem.

All das ist richtig, bloßer Waffenbesitz macht einen noch nicht zum „geschulten Selbstverteidiger“, genausowenig wie jeder Polizist – nur weil er eine Uniform trägt – geeignet und in der Lage ist im Ernstfall richtig und entschlossen zu handeln. Es bedarf hier – und zwar für alle Waffenträger, egal ob beruflich oder privat – einer intensiven Auseinandersetzung mit der Materie, man muß schießen können, also trainieren, man muß sich aber auch das richtige „mindset“ aneignen, das heißt man muß sich schon im Vorfeld fragen: „Was könnte passieren?“ und „Wie würde ich mich verhalten wenn das passiert?“

Meine Gedanken dazu habe ich hier schon vor fast zwei Jahren niedergeschrieben, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, es deckt das aber – so meine ich – recht gut ab: Die Sache mit der Selbstverteidigung

Kann es sein, daß in einem Selbstverteidigungsfall ein Unbeteiligter, ein Unschuldiger, zu Schaden kommt? Ja, das ist nicht gänzlich auszuschließen. Das ist – gelinde gesagt – unbefriedigend, diese Gefahr kann man aber bei eingehender Beschäftigung mit der Materie so weit minimieren daß sie schon vernachlässigbar ist.

Es ist davon auszugehen, daß jeder Schußwaffeneinsatz ex post staatsanwaltlich geprüft wird, juristisch wird das also aufgearbeitet. So geschehen etwa unlängst im Fall jenes Taxifahrers der seinen Angreifer erschossen hat – der Schußwaffengebrauch wurde in einem eigens eingeleiteten Verfahren überprüft, für rechtens befunden und das Verfahren eingestellt. Juristisch ist also alles in Ordnung, psychologisch sieht es bei dem Taxler aber kolportierterweise nicht ganz so rosig aus – es ist sicherlich nicht einfach jemanden erschießen zu müssen, damit muß man erst einmal fertig werden. Dabei ist da ja ganz und gar kein „Unschuldiger“ zu körperlichem Schaden gekommen.

Wenn ich überfallen werde, wenn mich bspw. mitten in der Nacht ein vermummter Angreifer in meinem Haus bedrängt, dann stellt sich nicht die Frage ob das womöglich ein „Unschuldiger“ sein könnte – das ist ein Verbrecher den ich mit angemessenen Mitteln abwehren darf, Punkt und aus! Gewissensbisse kann nur haben, wer lebt!

Es ist jedenfalls unzulässig, das Recht auf bestmögliche angemessene Selbstverteidigung in Frage zu stellen nur „weil ja etwas passieren könnte“, das kann und darf nicht sein! Selbstverteidigung ist keine Pflicht, aber ein Recht. Und das muß es auch bleiben. Wer sich das nicht zutraut, der soll es bleiben lassen, das ist seine freie Entscheidung die zu akzeptieren ist. Insofern ist das also absolut keine schwierige Frage!

8 Antworten zu “Eine schwierige Frage?

  1. Pingback: Wochenrückblick 44/2013 | dagarser

  2. Dazu ein paar Anmerkungen:
    .) Außer vom psychologischen Aspekt her, ist es kein Nachteil im Verfahren zunächst als Beschuldigter geführt zu werden. Da dieser im Gegensatz zum Zeugen nicht der Wahrheitspflicht unterliegt, kann ihm aus einer irrtümlich fehlerhaften Angabe (schließlich handelt es sich um eine extreme Stressituation), schwerer ein Strick gedreht werden.
    .)Die Schußwaffe ist immer ultima ratio. Man sollte eine nonletale Alternative haben.
    .)Der öffentliche Raum wird zunehmend kameraüberwacht. Es kommt also gut, wenn auf solchen Bildern beschwichtigende Gesten (offene Handfläche) Richtung Aggressor zu sehen sind. Ton gibt es ja keinen.

    PS Wie immer ein lesenswerter „Garser“

  3. …..es gibt, aufgrund dieser scheinbar schwierigen Materie, in Österreich auch den Versuch, durch die Trennung von Waffenpaß und Waffenbesitzkarte zu lösen. Die damaligen Gesetzgeber waren durchaus kluge, lebensnahe Leute.
    Aus politischem Kalkül, gepaart mit bevölkerungsstrategischen Überlegungen und schlichtem Unvermögen, ein weit verbreitetes Markenzeichen unserer Abgeordneten, hat man das Gesetz nach und nach verwässert, vorgeblich um die Sicherheit zu erhöhen – gemeint war aber die Sicherheit der unfähigen Politik und der gierigen Wirtschaft und ihrer profitierenden Handlanger und Büttel.
    Die Sicherheit der einfachen Bürger, also der schweigenden, ebenso unwissenden Mehrheit, wurde jedoch dadurch gravierend verringert – war auch so gedacht, denn die sollen sich ja nicht wehren können.
    Politisch können sie sich ohnehin schon länger nicht wehren – das verhindern Wahlgesetze, welche größere Änderungen durch Wahlen ausschließen und andere Änderungen, womöglich gewaltsam, will man natürlich ausschließen, indem man die Bevölkerung entwaffnet, blind gehorsame Berufsarmeen einführt und dazu, wenn diese im Bedarfsfall so gar nicht auf die eigene, ungehorsame Bevölkerung schießen will, auch noch eine EU-Eigreiftruppe.
    Damit man eventuell renitente Teile der Bevölkerung besser überwachen kann, hat man jetzt auch bei uns Drohnen gekauft, vorläufig unbewaffnet…
    es ist natürlich billiger, als Hubschrauber und Flugzeuge.
    Verkauft wird uns das alles, wie eben auch ein Waffen-Weg-Gesetz der EU, mit dem Argument der höheren Sicherheit und die Leute glauben es auch noch – sie wollen es glauben, denn denken macht offensichtlich den bekannten 70% der Leute Kopfschmerzen….
    Wie ich immer sage: Wenn tatsächlich unseren Machthabern in dieser Parteiendiktatur, UNSERE Sicherheit am Herzen läge, dann würde ich bei Autos und Motorrädern beginnen….aber Dummheit und Feigheit, Gier und Frechheit im Ausmaß der Politiker, das muß man erst einmal haben – was auch nicht leicht ist….bei uns Politiker zu werden, beginnt als Erstes mit totaler Selbstverleugnung und Tag und Nacht Lügen – kein schönes Leben…dafür ist der oft zitierte Politkergehalt auch nicht wirklich hoch…..aber der Leistung angemessen….wer, der was gelernt hat, geht schon in die Politik?

  4. Frank-M. Wolf/pancho lobo

    moin,
    dein Beitrag beinhaltet (mindestens) 3 sehr wichtige Aspekte/Tatsachen:
    1. die mentale Vorbereitung
    2. -das ist ein Verbrecher den ich mit „den bestmöglichen“ Mitteln abwehren
    darf -von mir im Text etwas genauer beschrieben-
    3. Selbstverteidigung ist keine Pflicht, aber ein Recht
    saludos de pancho lobo

    • Man kann es eigentlich schon nicht besser formulieren…
      Ich dachte schon das ich mit meiner Meinung alleine da stehe 🙂
      Nur ein Staat (Politiker) die Angst vor ihren Wählern und Bevölkerung haben verbieten Waffen.. sind aber selber (Polizei, Militär, etc.) vollgestopft mit HighTech Waffen, auch Drohnen. Woher kommt diese Angst? Von den Gewalttaten mit legalen Waffen oder der Selbstverteidigung. Diese liegt im 0/00 Bereich.
      Beispiel Münchner S-Bahn. Leider habe ich den Namen des mutigen Mannes vergessen der auch leider durch seinen Einsatz von Selbstschutz und Fremdschutz ums Leben kam. Aber was währe gewesen wenn er vom Training nach Hause gefahren währe. Der gleiche Mann, die gleiche Situation, nur bewaffnet. Er hätte überlebt, die Kinder hätten überlebt und ein Angreifer oder beide währen Tod…. Dafür hätte er bestimmt nicht das Bundesverdienstkreuz bekommen, eher im Gegenteil, hier hätte eine Hexenjagd begonnen. Was ich damit sagen will, Selbstverteidigung ja, aber bitte nicht öffentlich, sonst ist man der Dumme. So sieht es doch aus.
      Oder?
      In diesem Sinne

      Ruediger

      • Selbstverteidigung ja, aber bitte nicht öffentlich, sonst ist man der Dumme. So sieht es doch aus.
        Oder?

        Dummerweise kann man sich nicht aussuchen, wann und wo man zur Selbstverteidigung genötigt wird.
        Im Zweifelsfall bin ich aber lieber „der Dumme“ als „der Tote“ – das ist dann nämlich endgültig…

        • Ich durfte mich schon selbst verteidigen, erfolgreich, und ich werde es auch wieder tun. Besser „Dumm“ tun als Allwissend sterben.

          Ich, und meine Freunde Heckler und Koch werden das schon richten….

    • Merci – wollte ursprünglich auch äußern…..doch besser und ausführlicher kann man es nicht formulieren – Respekt

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