Eine Abrechnung

©Parlamentsdirektion/Bildagentur Zolles KG/Martin Steiger

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„Abgerechnet wird zum Schluss – Politik zwischen Wahrheit und Wirklichkeit“, so lautet der Titel des neuesten Buches von Martin Graf, seit gestern ehemaliger dritter Nationalratspräsident und „dienstältester“ Abgeordneter der FPÖ. Auf knapp 200 Seiten liefert Graf ein Sittenbild der österreichischen Innenpolitik, der Verflechtungen von Medien, Justiz und Politik, und bietet auch sonst durch hohes Insiderwissen gekennzeichnete Einblicke in die Vorgänge dieser Republik. Hochinteressante Lektüre, zeitweise muß man beim Lesen aber schon auf seinen Blutdruck achten!

Das Buch ist nahezu tagesaktuell, das Vorwort schließt mit einem Verweis auf den Ausgang der jüngst abgehaltenen Nationalratswahlen, und es ist wirklich eine „Abrechnung“ mit den vorherrschenden Verhältnissen die der politikinteressierte Bürger förmlich gelesen haben muß! 15 Jahre Abgeordneter zum Nationalrat, die letzten 5 davon als dritter Nationalratspräsident – viel mehr „Insider“ kann man schon fast nicht mehr sein, viel mehr Hintergrundwissen kann man schon nicht erwarten.

(…) Andreas Unterberger bezeichnete „Abgerechnet wird zum Schluss“ als Buch eines empörten, zornigen Menschen, der sehr oft persönlich attackiert wurde und nun selbst kräftig austeilt. Der Nahkampf dominiere dabei, es werde nicht immer genau, dafür aber stets hart getroffen (…)

Soweit also Andreas Unterberger laut einer Aussendung des Pressedienstes des Parlaments, eine Einschätzung die sicherlich zum Teil zutreffend ist, dem Buch aber meiner Meinung nicht ganz gerecht wird. Natürlich wird in einer „Abrechnung“ auch „kräftig ausgeteilt“, das liegt in der Natur der Sache, inwieweit „genau getroffen“ wird wird aber der Autor – der dabei gewesen ist – wohl besser wissen.

Sei es die Amtsführung bzw. das Amtsverständnis der ersten Nationalratspräsidentin Prammer, seien es die diversen Medieninterventionen von „Kronen Zeitung“ bis „ORF“, seien es die Lücken im Lebenslauf von Werner Faymann – Graf gibt dazu kompetent und schonungslos Auskunft.

Als Beispiel eine kleine Leseprobe, es geht dabei um die Ankündigung Heinz Fischers im Bundespräsidentschaftswahlkampf 2010 keinen Orden an Martin Graf verleihen zu wollen:

(…) Im Übrigen wurde der Bundespräsident von den Medien Jahre zuvor gefragt, ob er mir, also dem Dritten Nationalratspräsidenten Graf, das „Große Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich“ verleihen würde. Er hatte damals mit „Nein“ geantwortet. Verwundert über diese Aussage habe ich Bundespräsident Heinz Fischer im Rahmen eines Treffens am 31. August 2010, bei dem wir ein sehr amikales Gespräch führten, darauf angesprochen. Ich sagte ihm, dass ich sehr enttäuscht darüber sei, wenn er öffentlich kundtut, mir keinen Orden verleihen zu wollen. (…) Fischer entschuldigte sich damit: Man dürfe nicht vergessen, dass man sich zu diesem Zeitpunkt im Wahlkampf befunden habe. (…) Fischer meinte, dass er sich auch um die Stimmen der Grünen bemüht hätte und dass er mit dieser Ansage ein notwendiges Signal zur linken Grün-Wählerschicht senden wollte. Diese hätte sich das von ihm erwartet und deshalb habe er das auch gesagt. (…)

(…) Ich zeigte mich enttäuscht von seiner Haltung, worauf er mich fragte, was ich denn getan hätte in einer solchen Situation, „schließlich sind ja auch Sie ein Politiker“. Ich antwortete: „Ich habe Sie immer als schlauen Kopf gesehen. Und Sie hätten es sich ganz einfach machen können, indem Sie gesagt hätten: Die Frage stellt sich nicht, weil er hat diesen Orden ja schon verliehen bekommen.“ (…)

(…) Daher war Fischers Wortmeldung völlig überflüssig und rein parteipolitisch motiviert – und das sagte ich ihm bei diesem Gespräch auch ins Gesicht. Daraufhin überlegte er und sagte: „So sehen Sie das. Aber damit hätte ich den linken Rand nicht befriedigt“. Mein Konter: Wenn Sie das Amt so auslegen, sagt das viel über Ihre Amtsführung aus… (…) (Martin Graf – Abgerechnet wird zum Schluss – S. 94f.)

Schon allein dieser Absatz war den Kauf dieses Buches für mich wert, immerhin habe ich jetzt einen neuen Spitznamen für unseren Bundespräsidenten gefunden: „Randbefriediger“!

Kurz: Ich empfehle meinen Lesern die Lektüre dieses neuen Buches von Martin Graf, erschienen bei 1848 Medienvielfalt Verlags GmbH! Bestellen kann man es um wohlfeile € 19,90 hier: unzensuriert

4 Antworten zu “Eine Abrechnung

  1. Pingback: Wochenrückblick 44/2013 | dagarser

  2. Werde mir das Buch kaufen, aber wahrscheinlich nicht lesen, da ich große Probleme mit dem Blutdruck habe. Sollte ich mich aber einmal sehr ruhig und gelassen fühlen, dann werde ich einen vorsichtigen Versuch starten. Zur Sache Fischer darf ich mich nicht äußern, da dieser … unter dem Schutz des Gesetzes steht, aber es kann sich jeder aufrechte Österreicher denken, was ich meine…

  3. Grafs Buch gehört sicherlich als Pflichtlektüre in jede Bibliothek. Doch zeigt ein kleiner Auszug von weiteren Büchern deutlich auf, wie verkommen die Politik in unserem Land mittlerweile geworden ist.

    Heinz Fischer-Der Mann im Schatten)
    Faymann-Der Kanzler im Zwielicht)Ernst Hofbauer
    Die Klima Connection-Freundschaft -Karl Öllinger/Werner Kogler
    Vranitzky im Zwielicht-Zeitschriftenbuch/M.Grassl Kosa, Hans Steiner
    ..auf halben Wegen und zu halber Tat/Norber Leser
    Der Fall Lucona/Pretterebner
    Mein Protokoll-Michael Sika(GenDir.öffentl. Sicherheit a.D).

    Scheinbar unbeeindruckt von den, in Grafs Buch gegen sie erhobenen Vorwürfen leitete Prammer am gestrigen Tag die konstituierende Nationalratssitzung, ein treffliches Beispiel von Abgebrühtheit.
    Als Trost bleibt mir aber, dass sie diese Position nicht mit meiner Stimme erreicht hat.

  4. …..für mich war der Fischer immer schon ein Patreibeamter und bestenfalls Selbstbefriediger, oder wie sagt man doch bei uns noch, W… ehrter HBP….
    im Dienste der Partei…..was sonst?

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