Von der „Prävention“

In letzter Zeit konnten in Oberösterreich zwei Verbrecher aufgrund des couragierten Verhaltens ihrer Opfer von der Polizei dingfest gemacht werden, sehr erfreulich und ein gutes Zeichen dafür, daß Kriminelle doch nicht jene omnipotenten Wesen sind als die sie oft dargestellt werden.

Natürlich hängt es von der jeweiligen Situation ab, ob und wie man sich gegen einen rechtswidrigen Angriff wehren bzw. angesichts eines Einbrechers verhalten sollte, laut der Landespolizeidirektion OÖ ist wehrhaftes Verhalten aber generell  abzulehnen:

(…) Anton Wachsenegger von der Landespolizeidirektion OÖ, zuständig für Prävention, sagt: „Generell muss man das (Selbsthilfe, Anm.) verneinen. Wir wissen ja nie, mit welcher kriminellen Energie uns die Täter gegenüberstehen, was sie genau vorhaben. Hier ratet die Prävention eher zur Defensive.“

Wachsenegger empfiehlt also Zurückhaltung, der Täter sei in brenzligen Situationen der Chef: „Speziell, wenn er bewaffnet ist lieber einen Rückzieher machen, sich gewisse Punkte wie Aussehen oder Sprache merken. Überfälle dauern ja meist nur sehr kurz, 30 Sekunden bis zwei Minuten.“ (…) (ORF)

Rein grundsätzlich hat Wachsenegger hier nicht ganz unrecht, wie zuvor erwähnt ist die Entscheidung zum Einschreiten bzw. zur Gegenwehr situationsabhängig und nicht in jedem Fall sinnvoll oder erfolgversprechend.

Daß es aber sehr wohl erfolgreiche Eigenmaßnahmen gegen Kriminelle geben kann (wie etwa die zwei in dem ORF-Artikel dargestellten) wird – aus welchen Gründen auch immer – verschwiegen, stattdessen wird auf den unbekannten Grad der „kriminellen Energie“ und – ganz zynisch – auf die ohnehin nur „kurze“ Überfallsdauer verwiesen.

Wer einen Überfall begeht, wer einbricht, ist kriminell. Das ist wohl unbestreitbar,  dabei ist es völlig egal ob es sich um einen abgebrühten Gewohnheitsverbrecher oder um einen in Geldnöten steckenden Junkie handelt. Die Entscheidung zur Gegenwehr hängt nicht von irgendwelchen „Energien“, sondern von den realistischen Erfolgsaussichten ab: Werde ich überrascht, oder höre ich den Einbrecher schon im Haus und kann mich mental auf die Auseinandersetzung vorbereiten? Bin ich dem Aggressor körperlich unterlegen, oder kann ich das Bürscherl leicht an die nächste Wand klatschen? Ist der Verbrecher bewaffnet? Bin ich womöglich besser bewaffnet und kann mit meiner Waffe auch gut umgehen? (Gerade die letzte Frage kommt freilich in der Gedankenwelt solcher Präventionsbeamten nicht vor, schließlich sind ja nur die Kriminellen bewaffnet, nicht wahr?)

Hier gilt es also eine Abwägung zu treffen, nicht gleich generell in Schockstarre zu verfallen und sich auf Gedeih und Verderb einem Verbrecher auszuliefern. Das sollten die diversen Präventionsstellen kommunizieren, das sollten sie den Bürgern klarmachen und sie auch auffordern, für den Fall der Fälle verschiedenste Szenarien vorab im Kopf durchzuspielen! Das könnte etwa so aussehen:

Wenn Sie mit einem Aggressor konfrontiert sind zählt für Sie nur eines: Ihr Leben und das Leben Ihrer Familie! Die körperliche Unversehrtheit des Verbrechers sollte in Ihren Überlegungen bestenfalls eine untergeordnete Rolle spielen. Der beste Weg einen rechtswidrigen Angriff unbeschadet zu überstehen kann sein, sich passiv und kooperativ zu verhalten, es kann aber auch sein daß Gegenwehr nicht nur möglich, sondern auch notwendig ist. Um für den Notfall gerüstet zu sein empfiehlt es sich, sich schon vorab, bevor also eine Notsituation eintritt, zu überlegen ob und wie eine erfolgreiche Gefahrenabwehr im Rahmen Ihrer Möglichkeiten liegt. Überlegen Sie: Sind Sie besonders gefährdet? Welche Sicherungsmaßnahmen können Sie einleiten um eine Gefährdung schon im Vorfeld abzuwehren bzw. auf einen Eindringling schon aufmerksam zu werden ehe er Ihnen gegenüber steht? Rüsten Sie sich mental für eine mögliche, hoffentlich nie eintretende, Selbstverteidigungshandlung, spielen Sie diverse Szenarien im Kopf durch und machen Sie sich die Gegebenheiten an Ihrem Aufenthaltsort, die Sie natürlich besser kennen als ein Angreifer, zunutze. Seien Sie also vorbereitet, dazu zählt auch sich geeignete Instrumente anzuschaffen mit denen einem rechtswidrigen Angriff angemessen begegnet werden kann, haben Sie also eine geeignete Waffe bei der Hand! Vermeiden Sie es, ein „Opfer“ zu werden!

Das wären meine Ratschläge wenn ich ein „Präventivbeamter“ wäre, ich fürchte aber mit diesen Zeilen habe ich mir diese „Karrierechance“ nachhaltig verbaut. Macht aber nichts, zumal die ohnehin nur das nachbeten dürfen was ihnen „von oben“ vorgegeben wird. Wieder einmal die Frage: Cui bono?

Abschließend noch ein kurzer Kommentar zu den „beruhigenden Worten“ Wachseneggers, wonach ein Überfall „ja meist nur sehr kurz, 30 Sekunden bis zwei Minuten“ dauert: Stimmt. Ein Mord dauert aber noch viel kürzer. Ist das dann ein Trost?

12 Antworten zu “Von der „Prävention“

  1. Pingback: Gewaltbereitschaft | dagarser

  2. Zu dem Thema möchte ich zwei Texte empfehlen, die auf etwas eingehen, was die Beamten oft übersehen. Was ist mit meiner unverletzlichen Menschenwürde? Bei einem Überfall geht es nämlich erst in zweiter Linie um den Besitz des Opfers – es geht um die Ausübung von Macht und die Unterwerfung des Angegriffenen.

    So ein Gewaltakt beschädigt die Würde des Opfers irreparabel. Und die verbeamteten Sprecher fordern die Leute sogar noch dazu auf, auf ihre Menschenwürde zu verzichten, obwohl die Menschenreche in fast jeder Verfassung eines Landes als unveräußerlich und unverletzlich gewürdigt werden.

    Wenn ich dem Verbrecher gebe, was er will … gut – mein Leben und meine Gesundheit habe ich (vielleicht) gerettet. Aber was ist mit meiner Selbstachtung und Würde?

    Es gibt da diese beiden Artikel. Leider in englisch. Einen habe ich gut übersetzen können:
    http://lawgunsandfreedom.wordpress.com/2013/05/30/ethics-from-the-barrel-of-a-gun/

    Der andere Text übersteigt meine bescheidenen Fähigkeiten leider, aber es lohnt sich sehr, ihn zu lesen, auch wenn er etwas länger ist:
    http://www.catb.org/esr/guns/cowards.html

  3. Pingback: Wochenrückblick 44/2013 | dagarser

  4. In meinem Umfeld gibt es seit einiger Zeit eine Tendenz die mir eigendlich Sorgen bereiten sollte (oder auch… nicht…!?.)

    Legal? Illegal? …Sch…egal !!!!

    Eines weiß ich jedenfalls, auf DIESE NACHBARN werde ich mich verlassen können 🙂

  5. Die oberen Herren Polizisten sind wirklich eine Plage. Mn sollte sie für alle Verbrechensfolgen verantwortlich machen, nämlich für solche Taten, die durch Notwehr und DSelbstverteidigung mit geeigneten Mitteln zu verhindern gewesen wären. Da würden sie schnell gescheiter werden. So aber nicht.

  6. Ein 87- jähriger Pensionist hat nach einem Überfall in der Nacht auf Donnerstag über neun Stunden auf Hilfe gewartet. Zwei Männer hatten den Mann in seinem Haus in Vorarlberg überrascht und ausgeraubt. Die Täter bedrohten den Senior mit einer Schusswaffe und fesselten ihn mit Klebebändern an Armen und Beinen.entkamen mit noch unbekannter Beute.Die beiden Täter sollen Deutsch mit ausländischem Akzent gesprochen haben
    Hr. Wachsenegger ! „Generell muss man das (Selbsthilfe, Anm.) verneinen.
    Ich zweifle am gesunden Menschenverstand unserer in oberen Reihen „Dienenden“ Sicherheitsorgane.Was sollen wir denn tun ausser uns mit allen Mitteln zur Wehr setzen? Uns erschlagen uns berauben unsere Kinder erpressen unsere Fauen vergewaltigen lassen und darauf hoffen dass die Staatsgewalt uns rettet?
    Das dürfen Wir „SICHER“ nicht zulassen.Denn wenn unsere Staatsmacht nicht mehr Willens oder in der Lage ist unsere Familien zu schützen müssen Wir das tun !
    Ob das den humanitären Volksverrätern gefällt oder nicht darf uns um der Sicherheit unserer Lieben willen nicht kümmern

  7. …..dieser bedauernswerte Polizeisprecher, hat als Befehlsempfänger der Politik, keine andere Wahl – obwohl, ich traue denen schon zu, die ungeschminkte Wahrheit zu kennen, nur wäre das nicht gut für die weitere berufliche Laufbahn.
    Den Menschen direkt zu sagen, Leute, es gibt im Leben viele Situationen, da könnt ihr euch nur selbst um euer Wohl kümmern, das ist auch von der Politik zu viel verlangt – die wollen gewählt werden…..
    Wenn die 70% und mehr nicht selbst nachdenken können, dann haben sie eben Pech gehabt und beißen, wenn es schlimm kommt, ins Gras….
    Wer Opfer sein will, der wird es dann auch und schuld ist er nur selber – so einfach ist es….EIGENVERANTWORTUNG!!!

  8. Wie meinte einmal ein Kommentator in etwa hier im Blog: besser ein paar Geschworene als ein paar Sargträger. Und zur absolut richtigen Sichtweise meines „Vor-Schreibers“ kann ich nur anmerken und hoffen, dass sich der Nicht-Coole nicht selbst in den Hintern trifft und das Abschreckungsmoment seiner Waffe ausreicht, Leben und Gesundheit zu retten.
    Übrigens perfekt, werter dagarser.

  9. Alexander HEINDL

    Verehrung mein lieber (persönlich unbekannter) Freund aus Gars! Wir beide blasen aus einer Trompete, doch muss ich Dir aufgrund meiner 30 jährigen Berufserfahrung schon mitteilen, dass eine aktive Gegenwehr zum einen einmal jemanden braucht, der die Nerven nicht wegschmeißt und zum anderen, die Situation passen muss. Ich ziehe vor jedem den Hut, der (neusprachlich) cool bleibt, und sich nicht dem Diktat des Aggressors unterwirft. Jedoch gebe ich zu bedenken, dass es schon Personen gibt, die in einem solchen Situationen (eben aus Gründen der Nichtvertrautheit mit Waffen – Nachteil die möglicherweise nichtvorhandene Mitgliedschaft in einem Schützenclub). Prinzipell sehe ich aber schon so, dass gerade Personen die im Einzelhandel tätig sind, Waffenbesitzer
    sein sollten, und diese auch bestimmungsgemäß i.S.d. StGB nutzen sollten.

    • Stimmt alles! Wehren sollte sich nur derjenige, der es kann und sich zutraut.
      Der bloße Besitz von Selbstverteidigungswaffen ist noch kein Garant für eine erfolgreiche und wirksame Abwehrhandlung, deshalb ist ja die mentale Vorbereitung so wichtig – und der fehlende Hinweis darauf so fahrlässig…

      • Ich kann, bin trainiert und bereit dazu einen Angriff auf die unversehrtheit meiner Familie, meiner Person und Haus und Hof, zu verteidigen ! Hinzu ein Rechtsanwalt der nur darauf wartet dieses vor Gericht bis in die letzte Instanz zu vertreten. Ein Freund, kein Verwandter, Schwager oder Schützenbruder ! Nur ein Jurist der möchte das Rechtsprechung wieder das wird was die Gesetztgebung ursprünglich vorgesehen hat : RECHT SEIN WAS RECHT IST !

        Ja, solche Menschen gibt es wirklich noch….

    • Alexander: Vollkommen richtig!

      Konsequenz: TRAINING, TRAINING und nochmals TRAINING!

      Nicht nur dass ich trainiere die Waffe zu beherrschen, sondern was mir wesentlich wichtiger erscheint ist das mentale Training.

      Was nützt es mir wenn ich ein Schütze mit olympischen Fähigkeiten bin, wenn ich im Fall des Falles nicht weis was zu tun ist. Deshalb ist es wichtig die möglichen Szenarien immer wieder duchzudenken, event. sogar simuliert duchzuspielen….

      Das kann genau der Sekundebruchteil sein der zwischen Leben und getötet werden entscheidet!

      P.S auf den üblichen Entfernungen beim „home defense“ reichen meine mittelmäßigen Schießkünste ….

      lg porscheraser

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