Post von der Vereinsbehörde

Das ist ja schnell gegangen: Vorige Woche habe ich eine Anfrage an die Vereinsbehörde geschickt, man möge doch bitte prüfen ob die Vorgehensweise des „Weissen Ringes“ in Zusammenhang mit einem Überfallsopfer mit den Statuten dieses Vereins in Einklang steht (siehe: Na gut!). Gestern habe ich eine Antwort erhalten.

So richtig befriedigend ist die freilich nicht, dennoch will ich sie meinen Lesern nicht vorenthalten:

Betreff:

„Weisser Ring“, gemeinnützige Gesellschaft zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und Verhütung von Straftaten                                                   ZVR-Zahl: 970062660

Bezug: Ihr Schreiben vom 06.11.2013

 Sehr geehrter Herr Temple-Murray!

 Zu Ihrem Schreiben vom 06.11.2013 wird mitgeteilt, dass es nicht in die Kompetenz der Vereinsbehörden fällt, zu beurteilen, ob der im Betreff genannte Verein dem Wiener Taxifahrer die statutarisch vorgesehene Hilfe zu Recht verweigert hat oder nicht. Die Auslegung der Statuten in diesem Fall ist eine zivilrechtliche Angelegenheit.

Mit freundlichen Grüßen

Der Referatsleiter

Gut. Ehrlich gesagt habe ich mit nichts Anderem gerechnet, zumindest habe ich nicht erwartet daß die Vereinsbehörde in irgendeiner Art und Weise tätig wird oder gar Sanktionen gegen den „Weissen Ring“ verhängt. Ganz offensichtlich ist da die Form der Statuten wichtiger als der Inhalt, ich kann mich noch gut erinnern wie die Vereinsbehörde bei einem großen Verein, wo ich im Vorstand war, bei einer Statutenänderung „inhaltliche Mängel“ festgestellt hat weil ein „usw.“ zuviel im Text war. I-Tüpferl-Reiterei halt, da endet die Zuständigkeit.

Die „Auslegung der Statuten“ ist also eine „zivilrechtliche Angelegenheit“, hier kann ich, da ich ja in keiner Weise beteiligt bin, nichts mehr machen. Ich kann ja keine Leistung einklagen, die mir nicht zusteht.

Wer könnte nun aber auf dem Zivilrechtsweg hier eine Klärung herbeiführen? Natürlich kommt einem da zuerst der Betroffene selbst, also der Taxifahrer, in den Sinn, ob sich der das aber antun will darf bezweifelt werden, zumal er ja scheinbar die notwendige Hilfe schon von seiner Innung erhalten hat. Es gibt aber auch andere, die Interesse an einer diesbezüglichen Aufklärung haben könnten: Die Sponsoren des „Weissen Ringes“ nämlich, jene Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen die diesem Verein in gutem Glauben an die statutenkonforme und widmungsgemäße Verwendung Zuwendungen zukommen haben lassen.

Die können fragen: „Wieso habt ihr dem Mann nicht geholfen?“ Die können Aufklärung darüber verlangen, ob der „Weisse Ring“ in diesem Fall entgegen seinen eigenen Statuten gehandelt hat, meiner Meinung nach wäre das durchaus auch eine „zivilrechtliche Angelegenheit“ und könnten diese Sponsoren, wenn schon nicht das bereits gespendete Geld zurückerhalten, so doch eine Entscheidungshilfe erlangen, ob sie einen solchen Verein auch weiterhin unterstützen möchten. (Laut der Spendenbilanz 2012 des „Weissen Ringes“ sind ca. 77% der Spenden ungewidmet, daher ist da wohl eine Rückforderung ausgeschlossen. Aber auch sonst recht interessant, diese Bilanz. Besonders die knapp 14½ Millionen Euro aus der „öffentlichen Hand“!)

Vielleicht sollte man die Sponsoren des „Weissen Ringes“ darauf aufmerksam machen, eine Liste findet man dankenswerterweise auf der Webseite des „Weissen Ringes“.

Ja, ich denke das werde ich nächste Woche tun. Natürlich werde ich dann auch einen Musterbrief hier einstellen. Wer weiß – vielleicht will sich ja der eine oder andere meiner Leser anschließen?

14 Antworten zu “Post von der Vereinsbehörde

  1. Die Spendenbilanz ist insofern besonders interessant als die Summe der Einnahmen (14.674.401,24) eine andere ist als die Summe der einzelnen Positionen (14.807.938,36). In wessen Tasche sind die fehlenden 133.537,12 EUR geflossen?

  2. Pingback: Wochenrückblick 45-46/2013 | dagarser

  3. würde mich auch anschliessen bin aber kein Österreicher sondern Deutscher

    • Das musst Du auch nicht, ichibu. Alleine deine Anwort in diesen Blog zeigt, das Dagarser Länderübergreifend die Leute erreicht. Und damit ist der Sinn und Zweck erfüllt.
      Bitte weitersagen…. 🙂

  4. BTW Ich habe exakt die gleiche Antwort von der Vereinsbehörde bekommen.

  5. Ich glaube, da hat sich wieder unser guter alter Salzi eingeschlichen! Nach den Bewertungen zu schließen!

    • Ach, der könnte das „besser“…

      Außerdem ist es mir mehr als recht wenn hier auch Leute mitlesen, die anderer Meinung sind. Besser als „Minuszeichen“ zu verteilen wäre es aber, sich in die Diskussion einzubringen. Wohlgemerkt: um zu diskutieren, nicht zu belehren!

  6. Putzt sich ab, ist leider so. Aber hier wurde das zum ersten Mal aufgezeigt und dafür muß man unserem dagarser sehr dankbar sein. Die Sponsoren sollten aber darauf hingewiesen werden. Vielleicht gibt es dann etwas weniger Geld und das wird den Herrschaften schon sehr weh tun.

  7. LEUTE!!!!
    Gibt es wirklich jemanden der glaubt, dass in einer Wiener Behörde KEIN Genosse Politikkommisar als Aufpasser installiert ist?

    Diese Politikkommisare sitzen überall und sind überall präsent! In der DDR war es mit Sicherheit nicht schlimmer!

    Also was kann man da schon eine (vernünftige) Antwort erwarten, bzw. glauben dass eine Genossen Behörde gegen einen Genossen Verein vorgeht….
    Wäre der weisse Ring auch nur in der Nähe der FPÖ, dann wäre dieses Vorkommnis schon ein Grund um den Verein aufzulösen….

  8. Gentlemen ( and ladies, sorry), start you word processors!

  9. Mit einem Satz: Die Vereinsbehörde „putzt sich ab“, um dem „Weißen Ring“ nicht weh zu tun, war zu erwarten, denn sie könnten, politisch gesehen, vielleicht auf einer Linie liegen. Ein Schelm, wer denkt, was ich mir denke…

  10. Ich werde mich auf jeden Fall an Deiner Aktion beteiligen und Danke Dir lieber Richard für dein Engagement in dieser Sache

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