Die hoh(l)e Geistlichkeit – Teil 2

Am Sonntag habe ich unter „Die hoh(l)e Geistlichkeit“ von ein paar schwarzen Predigern geschrieben, die derzeit Europa unsicher machen um Waffenproduzenten davon zu überzeugen, biometrische Sicherungen in ihre Neuwaffen einzubauen.

Ein himmelschreiender Unfug, wenn das jemandem etwas bringt dann den Herstellern solcher Sicherungen, sonst sicher niemandem! Es kann aber offenbar nichts blöd genug sein, daß es nicht auch von unseren Medien dankbar aufgegriffen würde, somit fand sich auch in der „Kronen Zeitung“ vom 14.12.2013 folgender Kommentar:

Chalupka

„Kronen Zeitung“, vom 14.12.2013, S. 18

Na ja, irgendwie war ich davon nicht so wirklich überzeugt, deshalb habe ich dem Herrn Pfarrer Chalupka folgenden Brief zukommen lassen:

Sehr geehrter Herr Pfarrer Chalupka!

In Ihrer Kolumne „Von Gott und der Welt“ in der „Kronen Zeitung“ schreiben Sie am 14. Dezember 2013 unter dem Titel „Weihnachtswunsch“ von der Initiative einiger US-amerikanischer Geistlicher die – unter anderem – nach Österreich gekommen sind, um bei Waffenherstellern für den Einbau neuer Sicherungen in deren Erzeugnisse (die Waffen also) zu plädieren.

Herr Pfarrer, dieser „Weihnachtswunsch“ wird Ihnen versagt bleiben! Kein Waffenhersteller der Welt wird das Risiko eingehen, eine solche „Sicherung“ in eine seiner Waffen einzubauen, damit womöglich zu werben, und dann im Falle des Versagens dieser „Sicherung“ existenzbedrohenden Produkthaftungsklagen entgegenzusehen. Das ist weltfremd.

Das ist aber nicht weiter schlimm, solche „Sicherungen“ braucht nämlich in Wahrheit kein Mensch! Wir alle sind von potentiell lebensbedrohenden Gegenständen umgeben: Wenn ich an meinen Messerblock in der Küche denke, die Holzscheiter neben dem Kamin, das Kabel an dem mein Laptop hängt – mit all dem könnte ich viel Unheil anrichten, in der Tat verrät ein Blick in die Kriminalstatistik Österreichs daß die überwiegende Großzahl an Gewalttaten mittels spitzer oder stumpfer Gewalt ausgeführt wird. Schußwaffen fallen da kaum ins Gewicht, falls da doch einmal etwas passiert handelt es sich in der Regel um illegal besessene Waffen, die per definitionem keiner Reglementierung unterliegen können.

Sieht man sich die von Ihnen zitierten 236 Morde im Kirchenkreis von Pastor Miles im Vorjahr an, und wirft auch gleichzeitig einen Blick auf die gesamte Kriminalstatistik von Baltimore (FBI, http://www.fbi.gov/about-us/cjis/ucr/crime-in-the-u.s/2012/crime-in-the-u.s.-2012/tables/8tabledatadecpdf/table-8-state-cuts/table_8_offenses_known_to_law_enforcement_by_maryland_by_city_2012.xls), so gelangt man zu der Erkenntnis daß diese Morde wohl nichts mit einer mangelnden Sicherung der verwendeten Schußwaffen, zu tun haben – sondern vielmehr Ausdruck der dort vorherrschenden sozio-ökonomischen Umstände sein müssen.

Wer morden will, der wird es tun, unterm Strich ist es dann auch schon egal ob er dafür eine Schußwaffe, ein Messer oder einen Sesselhax’n verwendet. Absolute Sicherheit kann es nicht geben, das sagen einem sowohl Menschenverstand als auch Lebenserfahrung – gegen einen perfiden Plan gibt es keine „Sicherung“.

Oder glauben Sie, Herr Pfarrer, tatsächlich, daß etwa die Gangkriminalität in den USA durch eine biometrische Sicherung von Neuwaffen in den Griff zu bekommen ist? Nein, Herr Pfarrer, die einzige wirksame „Waffensicherung“ ist beim Menschen schon „eingebaut“, sie befindet sich zwischen den Ohren des Waffenträgers!

Der im Schlußsatz Ihrer Kolumne präsentierte Wunsch nach einer „missbrauchssicheren Waffe“ ist also meiner Meinung nach eben nicht mehr als ein – durchaus frommer – Wunsch, man muß sich aber darüber im klaren sein, daß es böse Menschen auf dieser Welt gibt und daß man diese bösen Menschen nicht durch Verbote oder „Sicherungen“ von ihren Untaten abhalten kann. Traurig, aber ein Fakt!

Aus dem Konfirmandenunterrricht (lang ist’s her…) ist mir erinnerlich, daß in der Evangelischen Kirche eigenständiges Denken und Handeln einen hohen Stellenwert einnehmen, aus diesem Umstand heraus ist es für mich, als evangelischen Christen, der seine Schußwaffen ganz selbstverständlich zur Jagd, zum Schießsport und zur Selbstverteidigung nutzt bzw. bereithält, nicht nachvollziehbar, weshalb die Eigenverantwortung des denkenden Individuums gerade in diesem Fall nicht greifen sollte!

Auch ich habe einen „Weihnachtswunsch“: Wenn es nach mir ginge, dann sollten auf der Welt keine Morde, keine Verbrechen, mehr passieren. Dieser Wunsch wird aber nicht in Erfüllung gehen, deshalb werde ich auch weiterhin meine Waffen bereithalten, mich gegen Verbrecher zu schützen. Mir langt dafür meine „eingebaute Sicherung“, diese Verantwortung nehme ich wahr und ich nehme sie ernst! Das muß genügen!

Ich würde mich freuen Ihre Meinung zu meinen Zeilen zu erfahren und verbleibe

Mit vorzüglichen Grüßen

Richard Temple-Murray

Ich bin gespannt, ob ich Antwort erhalte!

7 Antworten zu “Die hoh(l)e Geistlichkeit – Teil 2

  1. Pingback: Wochenrückblick 51/2013 | dagarser

  2. Mag. Michael Chalupka ist der Direktor der Diakonie Österreich, dem evangelischen Pendant zur Caritas Österreich. Wie diese Organisation politisch einzuschätzen ist, wird wohl bekannt sein. Und auch die Äußerung des Pfarrers sowie seines baptistischen Freundes
    [ https://www.facebook.com/events/159022890796809/ ]
    wird in diesem Zusammenhang verständlich.
    http://www.diakonie.at/goto/de/presse_service/pressetexte/weihnachtswunsch
    Kirchenvertreter haben durchaus das Recht auf ihre Meinung und Wünsche. Aber sie sollten sich besser nicht vor irgendwelchen ideologischen Karren spannen lassen. Und ohne Nachzudenken Unsinn von sich geben. Sonst könnte man auf den Gedanken kommen, dass da vielleicht ein Sponsoring von Armatix winkt …

  3. Die Herren Pfarrer sollen sich besser darum kümmern, dass sich ihre Kollegen nicht an minderjährigen Kindern vergreifen, keine persönlichen Reichtümer horten und sich nicht mit Sachen beschäftigen, von denen sie absolut nichts verstehen. Vielleicht täusche ich mich, aber mir kommt vor, als ob die geweihten Wichtigtuer von irgendwelchen Waffen-Hassern, an Hoplophobie leidenden Geistesgestörten und links-grün-roten Hanf-Rauchern zu diesen Aktionen angeheuert wurden. Der EU-Diktatur und unseren Polit-Clowns ist das nur recht, denn die wollen uns ja alle Waffen weg nehmen, uns der Notwehr berauben, damit ihre gehätschelten Gesetzesbrecher weiterhin gefahrlos stehlen, rauben und morden können.

  4. Und alle Jahre wieder: unqualifizierte und bisher kaum beachtete Kaschperl profilieren sich mit Mordopfern um auch endlich ihre durch Warhol legendär gewordenen 15 Minuten Ruhm zu bekommen.
    Solche unverbindlichen Hohlphrasen wie sie Politiker und andere Nobodys auf unsere Kosten ablassen, sind einfach nur lästig, denn sie geben letzlich nur irgendwelchen uninteressanten Versagern ein wenig Rampenlicht.
    Würde diesen ganzen Schwätzern die Sicherheit am Herzen liegen, würden sie nicht nur pathetisch dahergackern, sondern sich anhand der Statistiken ein Bild der bisherigen Lage machen.
    Diese ist eindeutig: Verbrecher halten sich nicht ans Gesetz und der jüngste Vorfall in einer Schule in Colorado zeigt, dass die Antwort eben doch bewaffnetes Sicherheitspersonal ist.
    Es wäre alles ganz einfach, wenn die Welt nicht permanent von verlogenen Ideologen sabotiert würde.

  5. Sehr gut geschrieben. Wird aber kein Gehör finden, der Herr Pfarrer Chalupka ist nämlich ein echter Experte. Das konnte man ja ganz klar aus seinem Artikel herauslesen.

  6. Eine Antwort würde mich wundern, aber manchmal gibt es noch Wunder sogar bei den Evangelischen. Vielleicht machen wir eine Diskussion mit dem Herrn Pfarrer.

  7. …..die Sicherung, befindet sich zwischen den Ohren – dort wird auch die dazugehörige Philosophie gemacht, oder auch nicht, je nach Begabung.
    Ein Spruch eines Pfarrers der „Hutterer“ einer kleinen christlichen Gemeinschaft, vormals aus Tirol, heute in den USA angesiedelt sagt:
    „Gottes Wort, wär nit so schwär, wenn nur der Eigennutz nit wär“….
    Cui bono gab es schon viel früher und wer danach recherchiert, wem die Dinge nützen, dann kommt man in allen Fragen darauf, was der eigentliche Grund hinter dem vorgegebenen Grund ist.
    Die nette Maske der Friedens kommt immer gut an.
    So getarnt, läßt sich Gier, Neid, das Böse, besser verkaufen, andere sind halt nur nützliche Idioten, im Besten Fall gute, aber realitätsverweigernde Menschen.
    Nicht zuletzt sind auch Pfarrer öfters keine „Kostverächter“ – in vielerlei Hinsicht, nicht zuletzt brauchen auch sie viel, viel Geld, um sich wie die Politik, ihre „Verehrer“ zu kaufen – erinnert mich so irgendwie an die oft gescholtene Prostitution….aber na ja….sie wollen uns so weit bekommen zu sagen: Eh schon ollas wurscht!!

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