Beschwichtiger vom Dienst

Die Bestrebungen der EU, genauer gesagt der Europäischen Kommission, ganz genau der Innenkommissarin Cäcilia Malmström, das Waffenrecht auf europäischer Ebene „harmonisieren“ zu wollen sind bekannt, ebenso auch die Tatsache, daß die euphemistisch „Harmonisierung“ genannten Vorstellungen der Kommission in Wahrheit auf eine weitere Restriktion der Waffengesetze im Wirkungskreis der Europäischen Union, also auf Verschärfungen, hinauslaufen.

Nicht umsonst spricht Malmström von einer „Eindämmung der Waffengewalt“ durch eine „Verschärfung der EU-Binnenmarkt-Richtlinie zum Besitz von Waffen in den Mitgliedstaaten“, beispielsweise auch „durch eingeschränkten Zugang zu besonders gefährlichen Waffenmodellen für zivile Zwecke“ (siehe hier); wer die Waffengesetzänderungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte in den Staaten Europas verfolgt und aufmerksam begutachtet hat wird wissen, daß unterm Strich dadurch nur bürgerfeindliche Verschärfungen herausgekommen sind, eine Einschränkung der Bürgerrechte bei gleichzeitigem Anstieg der Kriminalität.

Wenn von „eingeschränktem Zugang zu besonders gefährlichen Waffenmodellen für zivile Zwecke“ die Rede ist, dann offenbart sich auch die völlige Ahnungslosigkeit der Antagonisten eines liberalen Waffenrechts, denn was ist eigentlich „besonders gefährlich“? Nimmt man hier – wie bei Waffengegnern besonders beliebt – etwa halbautomatische Schußwaffen, wie beispielsweise das Steyr AUG-Z oder die diversen AR-15-Klone, zum Maßstab, dann ist auch jede Pistole „besonders gefährlich“, eigentlich alles was nicht ein Vorderlader, zumindest aber einschüssig, ist. Dann steht ein Verbot aller Glocks, Berettas, SigSauers etc. im Raum – ohne daß dadurch die Sicherheit für die Bevölkerung in irgendeiner Form erhöht würde. Natürlich wäre da auch ein an die Kalibergröße gekoppeltes Verbot denkbar, ebenfalls sinnlos, ebenfalls unnötig und falsch.

Doch ist es wirklich nur „Ahnungslosigkeit“, die man den Waffenverbotsphantasten vorwerfen kann? Können diese Leute tatsächlich so ahnungslos, so engstirnig, so dumm sein? Oder muß man hier nicht vielmehr zwingend von einem perfiden Plan ausgehen, die Völker Europas waffen- und somit wehrlos zu machen? Noch jeder Diktator hat bewaffnete Sklaven gefürchtet, noch jedes geknechtete Volk wurde zuallererst entwaffnet und wehrlos gemacht. Befinden wir uns also gar auf dem besten Weg in eine Diktatur, in der die Kritiker zuerst entwaffnet, dann mundtot gemacht und schließlich ausgebeutet werden?

Die Zeichen stehen auf Sturm, wer Geschichte nicht nur auswendig gelernt, sondern auch verstanden hat kann nicht wollen, daß anständige, gesetzestreue und verläßliche Bürger grundlos entwaffnet und somit ihrer Bürgerrechte beraubt werden. Europa hat dunkle Zeiten durchlebt, kann es sein, daß die Lehren daraus schon in Vergessenheit geraten sind?

Was hat das aber mit „Beschwichtigern vom Dienst“ zu tun? Ganz einfach: Die oben angeführten Sorgen sind real, sie werden von zahllosen Leuten so empfunden, es gibt Bestrebungen, diese neuerliche Verbotswelle abzuwehren. Daß da von seiten der Befürworter der Verschärfungen beschwichtigt wird ist ja ganz normal, natürlich wird da etwa wider besseres Wissen behauptet, daß die von der Kommission vorgeschlagene Strategie zum Ziel hat, Bürger und Gemeinden vor Gewalttaten zu schützen. Die Apologeten der Entwaffnung müssen das ja sagen.

Beängstigend wird es aber, wenn sich solche „Beschwichtiger“ auch in die Reihen der Waffenbesitzer, der unmittelbar von allfälligen (und wahrscheinlich geplanten) Waffenverboten Betroffenen also, einschleichen und – statt schärfstens gegen diese Pläne aufzutreten – diese üble Propaganda auch noch schamlos verbreiten!

Ganz übel ist es allerdings, wenn gleich eine ganze Vereinigung, die sich den Erhalt des legalen Waffenbesitzes auf die Fahnen geschrieben hat, ganz offenbar mit klingendem Spiel zum „Gegner“ überläuft und – öffentlich – wenn schon nicht Verständnis, dann immerhin doch Toleranz für die Entwaffnungspläne erkennen läßt.

Anders läßt sich aber die aktuelle Mitteilung des deutschen „Forum Waffenrecht“ (FWR) nicht erklären, wonach „Herr Keusgen vom WFSA und FWR, Herr Gotzen vom Herstellerverband JSM und Jürgen Kohlheim vom DSB“  ein Gespräch mit Vertretern der EU-Kommission hatten und darüber nicht viel mehr zu berichten haben, als „dass seitens der Kommission nicht – wie allgemein befürchtet – beabsichtigt sei, den legalen Besitz von Jagd- und Sportwaffen sowie legale Herstellung und Handel mit Schusswaffen weiter zu verschärfen“.

Beschwichtigung pur. Wäre ich Mitglied im FWR, dann würde ich die Frage stellen, weshalb man sich nicht eindeutig, nachhaltig und endgültig gegen die Pläne der EU-Kommission stellt, weshalb man die Propaganda nach- bzw. weiterbetet, weshalb man sich nicht hinstellt und ganz klar und unmißverständlich formuliert: „Es reicht! Nicht mit uns!“

Cui bono? Wem nutzt das? Eine sich immer wieder stellende Frage, die Antwort darauf können freilich nur die handelnden Personen geben – so sie sie denn selbst wissen.

Ich habe lange mit mir gehadert ob ich diesen Vergleich bringen soll, aber als ich diese Aussendung des FWR gelesen habe war es das erste, was mir in den Sinn gekommen ist. Manche werden dieses Sinnbild als überzogen oder gar geschmacklos ansehen, meiner Meinung nach ist es aber leider zutreffend: Das Verhalten, das diese „Beschwichtiger vom Dienst“ an den Tag legen erinnert frappant an die Tätigkeit der „Judenräte“ im „Dritten Reich“! „Ihr müßt kooperieren!“ „Es wird schon nicht so schlimm kommen!“ „Wenn ihr mitspielt, dann geht es gut aus für euch!

Wie es ausgegangen ist, ist bekannt. Aber nicht nur für die „Beschwichtigten“, sondern auch für die „Beschwichtiger“!

24 Antworten zu “Beschwichtiger vom Dienst

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  4. Wenn die von der Kommission vorgeschlagene Strategie wirklich zum Ziel hat, Bürger und Gemeinden vor Gewalttaten zu schützen, scheitert sie, sobald es zu Terroranschlägen gegen eine Verschärfung des Waffenrechts kommt.

    Ich habe der Frau Kommissar dieses Szenario geschildert, und werde dafür mit einem Formbrief abgespeist:
    http://parabellum.minimalstaat.de/node/18

    Der Bezug auf Norwegen in der Pressemitteilung und auf Meinungsumfragen sprechen jedenfalls dafür, dass die Verschärfungspläne nach dem ersten Terroranschlag begraben werden.

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  10. Es ist schon so wie Dagarser und die IWÖ es sehen: Was soll denn die Frau Malmström und damit die EUR-Kommission schon machen können?
    (Abgesehen davon daß Malmström ja irgendeine Aktion machen muß, um ihre Daseinsberechtigung in der Komm. und damit ihre lukrative Gage zu rechtfertigen). Sie geht logischerweise gegen den legalen Waffenbesitz vor, denn gegen den illegalen ( und nur diesen sollte sie in den Griff kriegen ) hat sie keine Chance.
    Und es ist ebenso wie´s Dr.Zakrajsek immer schon schreibt: Jene die ein illegales Handwerkszeug suchen oder schon besitzen werden damit sicher nicht bei der Polizei auftauchen um die „besonders gefährliche Waffe“ registrieren zu lassen!
    Damit zeigt sich ja schon deutlich dass alle Verbote und Verschärfungen immer an die falschen Adressaten gerichtet werden!
    Cui bono? Das ist mir nicht möglich zu verstehen, denn die Entwaffnungslobby schadet in erster Linie der europ. Waffenindustrie. Geht diese Zugrunde so ist damit die europ. Konkurrenz für die chines./russische/israel./US-amerikan. Waffenindustrie aus dem Weg geräumt, dann kommt der Nachschub eben von dort!

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  12. Eine Waffe muß ja gefährlich sein, sonst wäre sie ja keine Waffe. „Besonders gefährlich“ ist ein Unsinn. Die Leute fahren hier eine völlig verfehlte Strategie. Die IWÖ nicht.
    IWÖ-Mitglieder ins EU-Parlament! Im nationalen sitzen sie ja schon drinnen.

  13. Eine sehr, sehr schwierige Zeit für uns, die wir um das Recht des Waffenbesitzes kämpfen, von politischen Parteien- sprich schwarz und besonders rot-grün- und linken Medien verteufelt werden. Besonders erschwerend ist allerdings, dass wir den Feind in den eigenen Reihen haben(FWR und sogar auch manche Schützenvereine und Dachverbände). Für die EU-Diktatur sind wir sowieso Freiwild, die sehen es nicht gerne, dass wir uns, wenn es einmal notwendig sein sollte, auch wehren können. Bei der nächsten EU-Wahl können wir, wenn wir uns einig sind, einiges zum Guten bewegen und uns gegen die Unterdrückung zur Wehr setzen.

    • Schwierig, wie Josef sagt, ist es für uns nur, weil wir immer die falschen Politiker wählen.
      In Europa müßten die sogenannten Rechtswähler Stimmen gewinnen!

  14. Also: Bei der Malmström sei zu bedenken, dass in der EU nicht die Creme der Politik sitzt. Hier eher die saure Sahne. Diese ist leicht von den Hintermännern der Verbotspolitik beeinflussbar.
    Zur Deliktrelevanz von Schusswaffen: Da kann ja eigentlich nur heraus kommen, dass legal besessene Schusswaffen gar nicht deliktrelevant sind.
    Wobei die Sache „Deliktrelevanz“ ist natürlich an sich schon Quatsch: Ich verbiete rote Autos, weil mit denen am meisten Unfälle passieren (könnten).

  15. Und nun? FWR abstrafen, austreten und im Meer der stimmlosen Bedeutungslosigkeit versinken?

    • Nicht austreten – überlegen, ob das FWR in dieser Form noch irgendeine „Bedeutung“ hat, Schlüsse daraus ziehen und das FWR reformieren!
      Ein Austausch solcher Beschwichtiger an der Spitze wäre ein guter Anfang!

      • Das kannste vergessen!

        Die normalen Mitglieder, sind Fördermitglieder, ohne wirkliche Rechte. Nur die Verbände können da eine Änderung bewirken und das wird nicht geschehen.
        Fördermitglieder im FWR sind nicht Stimmberechtigt!

        • Dann muß man eben auf die Verbände Druck machen!
          Da müßten halt mehr als nur eine Handvoll mittun…

          • Kann man auch vergessen. „Die Verbände“ lassen sich doch von der Politik vorführen und bedrohen und sagen dann zu allem Ja und Amen. Innerhalb der Verbände kann man nichts reißen. Die sind verbohrt und verkrustet.

            Meine Fördermitgliedschaft im FWR habe ich vor Jahren gekündigt. Von denen wird man nicht wirklich vertreten. Oft genug gibt es nur faule Kompromisse.

          • Ein Teil des Problems ist:
            Ein Verband muß eine Sportordnung haben. Die Sportordnung muß vom Bundesverwaltungsamt genehmigt werden. Die können sagen, Nein! Diese Disziplin wird nicht genehmigt. Das macht die Schießsportverbände (nach meinem Wissenstand sechs Stück, prima Aufsplitterung) natürlich relativ willig sich für Vater (oder Mutti) Staat zu bücken.
            Etwa genau so breit ist die Streuung bei Interessensvertretungen für Waffenbesitzer. Das geht bis zur Kooperation mit Armatix.
            Soweit zur Situation unserer deutschen Freunde. Seit ich hier bin, habe ich ein berühmtes Wort des großen Heine schätzen gelernt.

  16. Die Passion 2013
    Wie viele Silberlinge hat man Judas diesmal geboten?

  17. Wir erinnern wir uns auch gerne an das Gespräch von Herrn Keusgen und Frau Lange mit IM Gall in „angenehmer Atmosphäre“, was einige Tage später in einer erneuten Verschärfungsforderung von Gall mündete.

    Man erkennt wieder die Parallelen:

    „Das Gespräch zeigte auf, dass seitens der EU-Kommission nicht – wie allgemein befürchtet – beabsichtigt ist, den legalen Besitz von Jagd- und Sportwaffen sowie legale Herstellung und Handel mit Schusswaffen weiter zu verschärfen.“

    Oder hier, Herr Dr. Uhl:

    „Die Meldungen, wonach in den Koalitionsverhandlungen eine Verschärfung des geltenden Waffenrechts vereinbart worden ist, sind falsch. Man hat sich dort lediglich auf eine Formulierung verständigt …

    Und dann aus heiterem Himmel die Entlarvung (brandneuer Beschluss der Innenministerkonferenz):

    „Die IMK bittet den Bundesminister des Innern, in Abstimmung mit dem Fachbeirat Schießsport und weiteren waffentechnischen und kriminalpolizeilichen Experten zu prüfen, -ob und inwieweit bestimmte Schusswaffen/Munition unter Berücksichtigung der Deliktsrelevanz vom sportlichen Schießen ausgeschlossen werden sollten; -wie der private Besitz von Schusswaffen weiter reduziert und auf das tatsächlich notwendige Bedürfnis beschränkt werden kann.“

  18. …..und genau das denke und sage ich seit Jahren und Jahrzehnten….aber was nützt es, dem Rufer in der (Denk) Wüste….

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