Von der Glaubwürdigkeit

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Martina Schenk

Die Abgeordnete zum Nationalrat Martina Schenk hat – in Zusammenhang mit der geplanten bzw. beschlossenen Schließung von weit über 100 Polizeiinspektionen in Österreich – zur Sicherheit der Bevölkerung einen leichteren Zugang der Menschen zu Waffen, besonders aber die bessere Möglichkeit diese Waffen auch mit sich führen zu können, eingefordert. Der ORF zitiert Schenk wie folgt: „Ich möchte, dass jeder unbescholtene Bürger, der das Bedürfnis hat, sich selbst verteidigen zu wollen oder sein subjektives Sicherheitsgefühl erhöhen zu wollen, die Möglichkeit bekommen soll, eine Waffe zu bekommen und die Waffe auch bei sich tragen zu dürfen.

Zu oben erwähntem ORF-Bericht wurde übrigens auch eine Umfrage durchgeführt, gestern habe ich meine Leser in einem Aufruf gebeten sich daran zu beteiligen.

Als gelernter Österreicher ist man natürlich skeptisch, wenn auf einmal ein Politiker auftaucht und Dinge einfordert die einem selbst auch wichtig sind, da wird gerne gleich einmal die Frage nach der Glaubwürdigkeit dieser Forderungen gestellt – denn was zu gut ist um wahr zu sein, das ist meistens auch nicht wahr. Waffenbesitzer sind da – als gebrannte Kinder – naturgemäß besonders mißtrauisch, entsprechend habe ich vielfach die Frage gestellt bekommen ob Martina Schenk in dieser Frage zu trauen ist, oder ob sie sich womöglich nur auf Kosten der Waffenbesitzer profilieren möchte.

Das will ich hier für mich gleich ganz eindeutig beantworten: In der Frage eines vernünftigen, liberalen Waffengesetzes hat Martina Schenk mein volles Vertrauen! Ich kenne Martina nun schon seit einigen Jahren persönlich, ich kann ausschließen, daß sie in dieser Frage populistische Ziele verfolgt. Ganz im Gegenteil, sie ist sich – wie ich vorgestern von ihr erfahren habe – durchaus bewußt, daß sie sich mit diesem Vorstoß „einiges antut“.

Das ist aber nicht nur meine subjektive Einschätzung, Martina Schenks Eintreten für ein liberales Waffenrecht läßt sich auch noch anders belegen:

  • Schenk ist IWÖ-Mitglied, und zwar seit 1997. Ist eine lange Zeit, länger jedenfalls als ich dabei bin.
  • Bei der Debatte zur Waffengesetznovelle 2010 gab es genau eine wirklich gute Wortmeldung, die kam von Martina Schenk. Nachlesen kann man das im stenographischen Protokoll.
  • Daß Martina Schenk sich für den legalen Waffenbesitz einsetzt kann man schließlich auch direkt hier auf dieser Seite schwarz auf weiß nachlesen: Weshalb ich mich für den legalen Waffenbesitz einsetze

Für mich ist damit die Glaubwürdigkeit von Martina Schenk in Fragen des Waffengesetzes eindeutig und hinreichend belegt, daran ändert auch die Tatsache nichts daß ich mit ihrer Partei, dem „Team Stronach“, nichts anzufangen weiß und ich mir ziemlich sicher bin, daß die Martina da mit ihrer Meinung ziemlich einsam dasteht. Falls ich mich irre soll’s mir recht sein, allein das glaube ich nicht.

Was zählt ist die Tatsache, daß hier von einer Abgeordneten zum Nationalrat in einer wichtigen Sache die richtigen Worte gefunden wurden. Kommt ja nicht so oft vor.

Wenn wir hier aber schon von „Glaubwürdigkeit“ sprechen, so sollte auch die vom ORF zu diesem Thema gestartete Umfrage näher unter die Lupe genommen werden. Hier ein Screenshot von der Fragestellung:

ORF-Umfrage, Screenshot vom 01.02.2014

ORF-Umfrage, Screenshot vom 01.02.2014

Sehen wir uns das einmal näher an:

  • Die erste Antwortmöglichkeit ist klar, vernünftig und nachvollziehbar. Gegen Selbstverteidigung gibt es auch keine guten Argumente, schließlich ist diese im Rahmen der Notwehr vom StGB geregelt und ausdrücklich erlaubt.
  • Die zweite Option ist sehr „interessant“: Daß diese Frage eingehender Diskussion und genauer Regelungen bedarf wird keiner in Abrede stellen, das ist also klar. Wieso aber „aus unbescholtenen Bürgern (…) mit Waffen sehr schnell Verbrecher werden (können)“ vermag sich mir nicht zu erschließen. Wer kommt auf so einen Blödsinn? Würde Waffenbesitz zum Verbrecher machen, dann wäre nicht nur ich, sondern ein sehr großer Teil meines persönlichen Umfelds, schwerst kriminell! Ist aber nicht so. Wenn jemand glaubt, daß Waffenbesitz einen zum Kriminellen macht, dann nur deshalb weil er selbst so gestrickt ist. Dann ist aber auch die kriminelle Energie vorhanden, sich auf illegalem Weg zu bewaffnen und erklärt gleichzeitig die Abneigung gegen bewaffnete Nicht-Verbrecher.
  • Die dritte Möglichkeit schließlich ist wirklich putzig: Ich für meinen Teil fühle mich auch recht sicher in Österreich, das würde sich aber ändern wenn ich mich nicht mehr wirksam verteidigen könnte. Im Gegensatz zum ORF weiß ich nämlich ganz genau, daß jeder „mit einer Waffe herumgehen kann“. Diejenigen, die Verbrechen im Sinn haben kümmern sich nämlich ohnehin nicht ums Waffengesetz und gehen herum womit immer sie wollen.

Mit diesen Antwortmöglichkeiten (wieso eigentlich drei?) hat sich der ORF also als absolut nicht glaubwürdig im Sinne von „objektiv“ verhalten, zwei der drei Antworten sind tendenziös und irreführend.

Objektiv wäre es gewesen, die Forderung von Martina Schenk im Wortlaut hinzuschreiben und anschließend zwei Antwortmöglichkeiten zu bieten:

  1. Ich stimme zu.
  2. Ich stimme nicht zu.

Objektivität ist aber im Rotfunk Staatsfunk ORF nicht gefragt, zumindest nicht vom zuständigen Politbüro. Glaubwürdigkeit hin oder her.

15 Antworten zu “Von der Glaubwürdigkeit

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  3. Ausgenommen die Aussage von Martina Schenk, ist alles andere Quatsch!
    Die 3 Fragen sowieso und wenn der Wähler bei der kommenden EU Wahl nicht wieder so deppert ist, wie bei der NR Wahl, dann sehe ich ein Licht für demokratische Verhältnisse im Land und der EU.

  4. Das Endergebnis von über 60% Pro steht groß und breit da.o

  5. Ein wenig off topic. Eben habe ich online das Editorial des neuen Visier gelesen. Gut, daß ich Visier und Kaliber eben zu Gunsten des DWJ aufgegeben habe. Außerdem muß sowieso bald die nächste Ausgabe vom American Handgunner im Briefkasten sein.

    Jetzt bin ich doch beim Thema. Mit der derzeitigen politischen Führung wird weder in Österreich noch in Deutschland noch in der EU in ordentlicher modus vivendi zu finden sein. Es liegt an uns die Politiker auszuwechseln.

    • Passt! Wenn wir alle- ich sagte alle- zusammenhalten, uns auf die Hinterbeine stellen, dann sollte es diesmal klappen. Politiker auswechseln ist gut, aber zuerst müssen wir ihre Wähler austauschen, denn die ermöglichen ja das, was zur Zeit vorgeht.

      • Oiser,…… nicht ganz sechseinhalb Millionen Wahlberechtigte in Österreich. Das heißt etwa fünf Prozent davon haben ein waffenrechtliches Dokument und knapp zehn Prozent sind Waffenbesitzer. Mander s’isch Zeit!
        Bei der EU Wahl sehen wir weiter.

        • Wenn alle Besitzer eines waffenrechtlichen Dokumentes zur Wahl gehen- und richtig wählen(ihr wisst schon wen ich meine), dann auch vorher jeder, auch nur eine Person von der Richtigkeit unserer Anliegen überzeugen können, dann stellen wir schon eine gewisse Macht dar, an der unsere Gegner nicht so einfach vorbei können- nur Mut- und auf gehts…

  6. Ähnliches forderte letztes Jahr vor der Bundestagswahl ein FDP Politiker.
    Dieser ließ sich für ein Wahlplakate sogar mit Gehörschutz und Revolver
    ablichten ( in der endgültigen Druckversion wurde die Waffe weggelassen) Natürlich wurde er, wie immer, von „Qualitäts“Journalisten in der Luft zerrissen, andere Medien haben ihn und seine Forderung Politisch Korrekt unterm Teppich gekehrt.
    Leider ist dieses aufflammen von Vernunft eines Einzelnen niemals von
    Erfolg gekrönt wenn es die Unterstützung von betroffenen LWB`s,
    Schießsport Verbänden, Jägerschaft usw. fehlt. Wie es letztendlich ausgegangen ist konnte man,
    leider, am scheitern der FDP verfolgen. Ich jedenfalls hoffe für den FDP Politiker
    Roland Rehmet dass er seiner Linie treu bleibt und für weiteres „Aufsehen“ in Sache
    Pro – Waffenbesitz sorgt.
    Denn nach der Wahl ist vor der Wahl ! Folgend ein Beitrag der Hamburger Morgenpost :
    http://www.mopo.de/bundestagswahl/-schiesssport-ist-freiheit–wahlkampf–roland-rehmet–der-baller-mann-der-fdp,24028072,24040886.html

    Mein Motto :

    „Lieber eine Waffe in der Hand, als einen Polizisten am Telefon !“

    • Die Zustimmung dafür beim deutschen Stimmvieh hielt sich in Grenzen, auch die Waffenrechtsorganisationen in D (gibts so etwas überhaupt?) waren nicht existent. Das wird nix.

  7. Wahrscheinlich von der Restpolitik mit ihrer Ansicht alleingelassen versteht sie dann aber umso besser, wie es sich anfühlt, ständig gegen Widerstände anzukämpfen zu müssen (siehe Blogbetreiber).

  8. Ich glaube, sie hat etwas Wichtiges angestoßen und manche Politiker beginnen bereits darüber nachzudenken, natürlich weder bei der SPÖ und schon gar nicht bei der ÖVP, denn dort denkt man ja schonl lange nicht mehr. Nochmals: Bravo, Martina!

  9. …..man sollte der Dame in der FPÖ einen wählbaren Platz anbieten – bei Stronach ist sie bald Geschichte und zu schade….

  10. Endlich eine Politikerin,die für den legalen Waffenbesitz eintritt und sich das auch sagen traut.Vielleicht äußern sich jetzt mehr Voksvertreter zu diesem Thema und sprechen sich gegen die Tendenz zur Volksentwaffnung aus!

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