Aktuell im „VISIER“

Das „VISIER“ ist eine der großen deutschen Waffenzeitschriften. Ich bin zwar kein Abonnent, wenn ich aber in der Trafik (für meine deutschen Leser: am Kiosk) ein Exemplar sehe dann kaufe ich es meistens. Die aktuelle Februar 2014 – Ausgabe war mir noch nicht untergekommen, entsprechend war ich recht gespannt als mich heute nachmittag ein Freund angerufen und mir ganz aufgeregt erzählt hat, daß ich Thema im Editorial der aktuellen Ausgabe bin.

Ich habe dann die „Schnupperversion“ des VISIER in Internet gefunden, tatsächlich, im „Startschuss“ des stv. Chefredakteurs Andreas Wilhelmus auf Seite 3 wird mir und meiner bescheidenen Seite recht viel Aufmerksamkeit gewidmet, siehe hier: VISIER Leseprobe, Seite 3

Das Thema hat mich nicht sonderlich überrascht, mit der conclusio von Wilhelmus gehe ich aber absolut nicht d’accord. Entsprechend habe ich folgenden Antwortbrief verfaßt und gerade abgesendet:

Gars am Kamp, am 03. Februar 2014

Sehr geehrter Herr Wilhelmus,

mit Interesse habe ich Ihr Editorial im aktuellen VISIER, „Nur gemeinsam sind wir stark“, gelesen. Ich hatte freilich nicht damit gerechnet mit vollem Namen und genauer Blogadresse im VISIER aufzuscheinen, schon gar nicht auf „Seite 3“, und eigentlich sollte ich mich ja darüber freuen, schon alleine der Gratiswerbung wegen.

Ich schreibe hier „eigentlich“, da ich mit dem Grundtenor Ihres „Startschusses“ nicht konform gehen kann: Es ist zutreffend, daß ich am 20. Dezember des Vorjahres unter dem Titel „Beschwichtiger vom Dienst“ (https://dagarser.wordpress.com/2013/12/20/beschwichtiger-vom-dienst/) die neuerlichen Entwaffnungspläne durch die Europäische Union thematisiert und die diesbezüglich vom Forum Waffenrecht veröffentlichten Informationen als „Beschwichtigung pur“ kritisiert habe. Auch den Vergleich mit den Judenräten im Dritten Reich habe ich gezogen – wohl wissend, daß es sich dabei durchaus um starken Tobak handelt. Inwieweit dieser Vergleich – wie Sie meinen – „hinkt“ oder nicht ist Ansichtssache, wie ich schon damals geschrieben habe war das das erste was mir in den Sinn gekommen ist und ich bleibe nach wie vor dabei.

Was aber wollte ich mit diesem Beitrag bewirken? Wollte ich – wie Sie ausführen – dem Vorsitzenden des FWR „auf den Schlips treten“? Nein, Herr Wilhelmus, das war nicht meine Intention, wiewohl mir schon klar war, daß man auf seiten der als „Beschwichtiger“ titulierten Personen und Organisationen damit wenig Freude haben würde. Meine Intention war (und ist) es vielmehr, die interessierten Waffenbesitzer über die fortgesetzten Pläne der EU, den Waffenbesitz in Europa nach und nach zurückzudrängen und letztlich so gut als möglich gänzlich zu verbieten, zu informieren – denn darauf läuft diese ganze leidige Initiative der Frau Malmström ja eindeutig hinaus, ganz gleichgültig was ihre Büttel Perignon und Marini dem FWR für einen Bären aufgebunden haben! Wahrscheinlich ist dieses Gespräch aber – wie seinerzeit jenes mit dem Innenminister von Baden Württemberg, Reinhold Gall – „in äußerst sachlicher und sehr guter Atmosphäre“ verlaufen. Da war doch was?

Ich halte es nach wie vor für legitim, offensichtliche Fehlentwicklungen aufzuzeigen und anzuprangern, die Zeit der Beschwichtigungen ist angesichts der neuen Bedrohungen des legalen Waffenbesitzes durch die Brüsseler Waffenverbotsphantasten endgültig vorbei! Natürlich ist es nicht damit getan, bloß etwas aufzuzeigen, ganz selbstverständlich täte eine konzertierte, gemeinsame Vorgehensweise aller betroffenen Personen, ob jetzt natürlich oder juristisch, not! Ich bezweifle aber ganz stark die Sinnhaftigkeit davon mit Leuten, die die Zeichen der Zeit nicht erkennen wollen oder können, gleichsam „in die Schlacht zu ziehen“.

Das ist meine Meinung, die lasse ich mir nicht nehmen und die veröffentliche ich auch. Selbst auf die Gefahr hin von Herrn Keusgen „ungehöriger, ungeheuerlicher Auslassungen“ und von Herrn Graefrath einer „unsäglichen Kampagne“ geziehen zu werden. Damit kann ich leben, wenigstens haben die Herren ja scheinbar meinen Artikel gelesen.

Ihrer im Editorial geäußerte Befürchtung, daß ich durch meine(n) Artikel bewirkt hätte „dass sich die Waffengegner angesichts des Zwists der Legalwaffenbesitzer untereinander wieder einmal freudig die Hände reiben können“ kann ich jedenfalls nicht zustimmen: Die Hände könnten sich diese Gestalten höchstens dann reiben, wenn die legalen Waffenbesitzer in ganz Europa den lahmen Beschwichtigungen der Frau Malmström und ihrer Unterläufer auf den Leim gegangen wären. Das ist aber nicht der Fall und ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, daß auch die diversen Verbände – womöglich auf Druck ihrer Mitglieder – ihre für mich teilweise äußerst fragwürdigen Positionen nochmals überdenken und einen anderen, besseren Weg einschlagen werden!

Die von Ihnen geforderte „positive Darstellung in der breiten Öffentlichkeit“ ist zweifelsohne wichtig, aber nicht so wichtig um darüber das Ziel, also den Erhalt des legalen Waffenbesitzes für uns alle, aus den Augen zu verlieren beziehungsweise de facto aufzugeben! Auch erhebt sich in diesem Zusammenhang für mich die Frage, wie man die Beschwichtigungspolitik des FWR „positiv darstellen“ sollte – wo das doch jedem Instinkt und jeder einschlägigen Erfahrung diametral entgegensteht.

Aus Ihrem Editorial lese ich ganz klar heraus, daß Sie in dieser Angelegenheit anderer Ansicht sind als ich (und, nebenbei bemerkt, zahlreiche meiner Leser, viele davon aus Deutschland), das ist natürlich legitim und das respektiere ich auch. Ob das aber nicht vielleicht auch eine „sich selbst diskreditierende Vorstellung vor dem ‚eigenen‘ Publikum“ darstellt überlasse ich Ihrer Interpretation.

Mit freundlichen Grüßen

 Richard Temple-Murray

 P.S.: Ich werde diesen Brief an Sie auf meiner Webseite veröffentlichen, das erscheint mir aufgrund der Publizität ihres Editorials angebracht. Ich würde mich freuen von Ihnen eine Antwort zu erhalten, mit Ihrer Zustimmung würde ich das dann selbstverständlich auch gerne auf meiner Seite publizieren. Nebenbei fände ich es aufgrund der prominenten Placierung ihres Kommentars zu dieser Angelegenheit angebracht, dieses Schreiben – gleichsam als Erwiderung – im nächsten VISIER als Leserbrief zu veröffentlichen!

Erscheint mir so angebracht.

20 Antworten zu “Aktuell im „VISIER“

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  5. Diese Aktion von Visier kann ich nicht nachvollziehen!

    Nachtreten muss DEFINITIV nicht sein!

    Ich hatte gedacht, ALLE schauen nach vorne und grenzen dabei nicht einfach die Kritiker aus, welche zurecht auf Mißstände bzw. Defizite bei der Kommunikation und Transparenz zwischen den Mitgliedern einer Organisation hinweisen.

    Meine Kardinalfrage an die tollen LWB-Organisationen in D!
    „Hört man denn nun etwas NEUES Positives Entschärfendes seitens Frau Malmström wegen den gesetzstreuen LWB`s oder behandelt man uns etwa dort in Brüssel weiterhin wie OUTLAWS???

    Wie pflegte mein Lehrer stets zu sagen, wenn ich versagt hatte:
    Setzen,Note 6!

    Das Gleiche gilt bei dem Editorialthema von Visier.

  6. Visier habe ich gerade abbestellt!

  7. Visier hat sich für mich erledigt.
    Ich kollaboriere nicht mit Kollaborateuren.

  8. Was für eine verquere Logik, klagen über die „Meinungsverschiedenheit“ und sie dann an die große Glocke hängen? Na, wenigstens werden nun die Informationen noch mehr Waffenbesitzer bekannt. Danke Visier

  9. Dr. Reiner Schwarz

    Na, wer da garser bisher nicht kannte, jetzt kennt er ihn. Besonders wenn er sich die eigentlichen Posts durchliest und einen völlig anderen Eindruck bekommt, als der Startschuss zeichnet.
    Da wird doch der eine oder andere sagen: „Man, der Richard haut ja ganz schön auf den Putz… … aber er hat ja eigentlich Recht.“
    Also: Alles in Allem eine gute Reklame für diesen Block.

  10. Hat meine vollste Zustimmung. Gemeinsam gegen die Entwaffnungspläne der EU soll die Parole sein. Das geht aber nicht, wenn sich manche von den Mitstreitern täuschen lassen und nicht am selben Strang ziehen. Wo wir sind, ist jedenfalls vorne und bei der EU-Wahl werden wir Flagge zeigen.

  11. Praschl Jürgen

    Ich war zuerst leicht verärgert nach dem Artikel im Visier und wollte im Ersten Moment auch gleich mein Abo kündigen. Aber die Fachliche Kompetenz der Artikel dort ist so gut das ich davon abgesehen habe.

    Ich wünsche dem Herrn Redakteur das ihm irgendwann Eier wachsen und er die Situation richtig einzuschätzen lernt, den was man vom ewigen Schwanz einziehen bekommt sieht man ja gerade am Beispiel Deutschland sehr gut. In ein paar Jahren werden unser Nachbarn nur mehr mit der Lichtpistole hantieren dürfen. Aber selbst dann werden die „Beschwichtiger“ nicht aufstehen, die haben das einfach im Blut, mit denen ist nichts anzufangen!

  12. Man merkt, dass Dr. Schiller nicht mehr dabei ist.

  13. Passt genau, Richard, was Du geschrieben hast. Es wird zwar unseren, auch im Dunklen agierenden Gegnern, nicht in den Kram passen, aber das ist nur gut so. Das Abo von „Visier“ haben ich schon lange gekündigt, als ich bemerkte, dass unterschwellig manchmal gegen Waffenbesitzer, Sammler und Jäger Stimmung gemacht wurde- und ich habe mich scheinbar dabei nicht getäuscht

  14. Die Thematisierung im Editorial der „VISIER“ war so unnötig wie ein Kropf. Anstatt daß man die Dinge so akzeptiert wie sie sind und einfach ehrlicherweise auf die Mißstände hinweist, werden die Überbringer der schlechten Nachrichten so wie zu allen Zeiten geköpft. Eine Dekadenz, die wir uns nicht weiter leisten dürfen.

  15. Ob da nun der Kollege Matthias Recktenwald warnt oder in China platzt ein Reissack… In meinen Augen ist hier keine Energie „verpufft“ sondern nur zutage gekommen, wie beschwichtigend und unfähig hier in Deutschland von Seiten der Verbände für den Legalwaffenbesitz (bzw. was sich hier so nennt…) für eben den Legalwaffenbesitz gekämpft wird…. nämlich gar nicht. Hier wird hingehalten, hier wird gekuscht, hier wird gelobbyt das die Schwarte kracht und herauskommen tut genau das was wir hier haben… Kuscher… und Leisetreter… Richard hat genau das getan, was und hier fehlt. – Frage: Wer hat wohl an dem Rad gedreht, ihn hier in Deutschland zu diskreditieren?

  16. Angeleinte Grüßonkel werfen immer Dreck auf alle, die die Eier haben Tacheles zu reden.
    Malmström will die Totalentwaffnung und wer das irgendwie schönreden will, hilft ihr dabei.
    So langsam sind wir LWB an dem Punkt an dem es heißt: wer nicht für uns ist, ist gegen uns.

  17. Nun, dieser Startschuß hat schon das erste Ziel getroffen. VISIER hat meine Frau und mich als Leser verloren. Peanuts. Aber wie viele werden folgen?

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