Mahnendes Gedenken

Heute vor 80 Jahren begannen in Österreich die „Februarkämpfe“, der sozialistische Aufstand der in bürgerkriegsähnliche Kämpfe mündete, mehrere hundert Tote forderte und nach der Niederschlagung u.a. zum Verbot der SDAP, der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, führte. Es waren schwere Zeiten damals, gut, daß die Regierungsspitze gestern in Wien gemeinsam der Opfer dieser Kämpfe gedacht hat.

Fraglich ist aber die Intention die dahintersteckt, was hat den „lieben Werner“ und den „lieben Michel“ dazu bewogen, dieses Gedenken erstmals seit 1964 (und überhaupt erst zum 2. mal) gemeinsam zu begehen? Ist es nur der „runde“ Jahrestag gewesen, haben wir die „sensibelste“ Regierung seit 1964, oder wollen die beiden – während ihnen ohnehin die Felle davonschwimmen – gar nur nach außen hin Einigkeit demonstrieren? Ich habe keine Ahnung.

Wovon ich aber zutiefst überzeugt bin ist die Tatsache, daß die Damen und Herren von der SPÖVP aus der Geschichte nichts gelernt haben: Der Anlaß – wenn auch nicht die Ursache – für den Beginn der Februarkämpfe war nämlich die Entwaffnung des Republikanischen Schutzbundes, der paramilitärischen Truppe der Sozialisten. Die Kämpfe begannen mit der Durchsuchung des Linzer „Hotel Schiff“, dem Parteiheim der dortigen SDAP, nach verbotenen Waffen und dem bewaffneten Widerstand der Schutzbündler unter Richard Bernaschek gegen diese Maßnahme; von Linz breitete sich der Aufstand aus, besonders Oberösterreich, Niederösterreich, die Steiermark und natürlich Wien waren die Zentren der Kampfhandlungen.

Was heute viel zu leicht vergessen wird ist, daß die Gründungserklärung der SDAP, das „Hainfelder Manifest“ aus dem Jahr 1889, in seinem 6. „Grundsatz“ folgendes fordert:

Die Ursache der beständigen Kriegsgefahr ist das stehende Heer, dessen stets wachsende Last das Volk seinen Kulturaufgaben entfremdet. Es ist daher für den Ersatz des stehenden Heeres durch die allgemeine Volksbewaffnung einzutreten.

Während die Sozialisten in Österreich (und eigentlich überall sonst auch) heute vehement für die Entwaffnung der Bürger (bzw. auch der Arbeiter, der gesamten Bevölkerung halt) eintreten und diese herbeizuführen suchen, so hat das in den Gründungsjahren der sozialistischen Parteien – und auch 1934 – noch ganz anders ausgesehen!

Das Volk sollte vielmehr bewaffnet sein, die Möglichkeit zur Gegenwehr, zur Abwehr von (vermeintlich) staatsgefährdenden Umtrieben sollte bestehen bleiben, das Verbot des Waffenbesitzes wurde nicht hingenommen!

Der Entwaffnung der Bevölkerung folgte jedenfalls auch 1934 – wie stets in der Geschichte, wenn ein Volk entwaffnet wurde – eine Diktatur. So war es immer, so wird es immer sein.

Daran sollten wir denken, wenn Parteien oder Initiativen auch heute die Entwaffnung der Bevölkerung fordern! Daran sollten wir auch denken, wenn sich die Februarkämpfe von 1934 jetzt zum 80. mal jähren! Und wir dürfen nicht müde werden, dieses mahnende Gedenken auch als Auftrag zu verstehen: Daß sich so etwas nicht wiederholen darf!

8 Antworten zu “Mahnendes Gedenken

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  4. Wer lernt heute noch Geschichte, oder liest darüber? Wer kennt noch Zeitzeugen? Mein Vater rannte damals als Kind beim Brot holen ums Leben. Neun Jahre später wurde er in die Wehrmacht eingezogen.

    Er hat seine Schlußfolgerungen gezogen. Ich lernte von ihm früh, mit Waffen umzugehen, nicht mit dem Rudel mitzurennen und mir meine eigene Meinung zu bilden.

    So bin ich wie viele der hier postenden ein Relikt: Mißtrauisch gegenüber dem neusprechenden Mainstream, wehrhaft und ungeniert altmodisch.

    http://americanhandgunner.com/year-of-the-gamma-rat/

    Von einem meiner liebsten Waffenjournalisten. Wir brauchen mehr Gamma Ratten. Das wäre eine vernünftige Form der Friedenssicherung.

    @Schwertfisch: Vom Feinsten! Chapeau!

  5. Schwertfisch: Bravo!
    100%ig zutreffend.
    Gruß, MG45LC

  6. Zu beiden Kommentaren:ihr sprecht mir aus der Seele…..

  7. Den Roten ins Stammbuch geschrieben:
    Damals waren sie „unten“ und die da oben haben ihnen ihre Waffen weggenommen.
    Heute sind die Roten „oben“ und jetzt wollen sie denen da unten ihre Waffen wegnehmen.

    Worin liegt der Unterschied zwischen damals und heute?

    Unter „Rote“ dürfen wir mittlerweile auch die Kommunerl, die Grünen, die Liberalen und die Schwarzen zusammenfassen.

  8. Julius Deutsch, beschreibt in seinem Hauptwerk, Ein weiter Weg, diese Zeit als Schutzbundführer und erster Verteidigungsminister der 1.Republik, recht genau und natürlich im Detail. Es gibt auch ganz gute Darstellungen von der anderen Seite, den „Hahnenschwanzlern“, aber auch den damals illegalen Nazis. Der heute noch lebende Sohn, Kurt Schuschniggs hat vor einigen Jahren auch Erinnerungen veröffentlicht – recht interessant, aber aus allen Darstellungen ist gut erkennbar, wie unterschiedlich ein und dieselbe Begebenheit wahrgenommen und be- oder verurteilt wurde und wird.
    Das ganze Gequake heutiger Journaillisten ist schlecht recherchiert und mehr noch, geschichtsfärbend dargestellt, je nach dem Herrn, welchem man dient.
    Aber, was solls – was eh kana mehr so genau …….
    Geschichte schreiben eben immer die Sieger und ein Krieg ist dann gewonnen, wenn die Versionen der Sieger, in den Geschichtsbüchern der Besiegten stehen. Das wußte schon Cäsar.
    Wenn der Bundestaxler und sein Vice Geschichte annähernd kennen würden, müßten sie sich eigentlich hassen – aber man ist ja nicht nachtragend und wenn es nützt, dann vergessen wir es einfach….

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