In your FACE!

In your face!“ ist eine englischsprachige Redensart und bedeutet – je nach Zusammenhang – soviel wie „Gell, da schaust!„, „Das hättest jetzt nicht gedacht!“ oder – wie in diesem Fall –  „Nimm das!„. Hier steht das „face“ nämlich für die „FACE„, den Europäischen Zusammenschluss der Verbände für die Jagd und Wildtiererhaltung. Und die haben der Europäischen Kommission, ganz besonders der Frau Kommissarin Malmström, einen ordentlichen Brocken hingeworfen!

Wozu viele Verbände – welcher Art auch immer – bislang nicht fähig und in der Lage waren, das haben die Damen und Herren von der FACE nämlich in hervorragender Art und Weise zuwege gebracht: Sie haben das Positionspapier der Genossin Malmström und ihrer Büttel zu den Verschärfungen der Waffenrechtsrichtlinie eingehend analysiert, richtig verstanden und in einer eigenen Stellungnahme nachhaltig zerpflückt!

Das falsche Ziel im Visier„, so der Titel der Stellungnahme vom 10. Februar 2014, hier der Link zur deutschsprachigen Zusammenfassung:

STELLUNGNAHME VON FACE  ZUR MITTEILUNG DER EUROPÄISCHEN KOMMISSION ZU FEUERWAFFEN

STELLUNGNAHME VON FACE ZUR MITTEILUNG DER EUROPÄISCHEN KOMMISSION ZU FEUERWAFFEN

Lesenswert, die haben echt verstanden worum es in Wahrheit geht! Und das, obwohl sie – laut Eigenbekunden – keine Waffenrechtsorganisation sind:

We are not, however, a “gun-rights” organisation. In fact, we support an adequate control of firearms in order to meet public security demands in the EU and globally and, to that end, we do not oppose justified and proportionate restrictions on their acquisition and possession.

(Wir sind aber keine „Waffenrechtsorganisation“. Tatsächlich sind wir für eine angemessene Waffenkontrolle, um die öffentliche Sicherheit in der EU und weltweit zu gewährleisten und sind deshalb auch nicht gegen gerechtfertigte und verhältnismäßige Einschränkungen bezüglich Waffenkauf und -besitz eingestellt) (hier, S. 5)

Gut, das sind klare Worte, die Schlüsselbegriffe sind jedenfalls „justified“ und „proportionate„, man darf nicht vergessen daß es sich bei der FACE um eine Organisation handelt die sich rein die Vertretung der Jäger in Europa auf die Fahnen geschrieben hat – und dafür ist die 34-seitige „Executive Summary“ allemal ein „Lichtblick“:

FACE’S RESPONSE TO THE EUROPEAN COMMISSION’S COMMUNICATION ON FIREARMS:  AIMING AT THE WRONG TARGET

FACE’S RESPONSE TO THE EUROPEAN COMMISSION’S COMMUNICATION ON FIREARMS:
AIMING AT THE WRONG TARGET

Ich bitte meine nicht-anglophilen Leser um Verständnis, daß ich nicht die ganzen 34 Seiten übersetzen kann oder will, da muß die weiter oben verlinkte Zusammenfassung genügen.

Eine Passage aus dem „Hauptdokument“ will ich aber – weil sie mir gar so gut gefällt – doch separat hier anführen:

24. What if all the figures put forward by the Commission were correct?

For the purpose of argument, we are willing to accept a chain of assumptions. Under this hypothesis, the analysis of the figure of 421 194 would have shown that: all firearms were lost or stolen (and are not just searched for as evidence in criminal proceedings); that figure does not include firearms that were subsequently found; and, above all, these firearms only came from legal civilian owners, to whom the Directive applies. After having made all these assumptions, the figure of 421 194 would be compared to the estimated number of legal and illegal firearms in the EU according to the Commission.

The Commission states in its Communication that “there are an estimated 80 million legally-held civilian firearms in the EU”. The Commission does not specify the source for that estimation, which seems high to us, but, once again for the purpose of argument, we are also willing to take it at face value. Even in such fictional scenario, the accumulative number of legally held civilian firearms that were stolen or lost over a period of many years would represent (on the basis of the Commission’s own estimations) 0.5% of the current number of legally held civilian firearms in the EU – which would be the same as to say that 99.5% of legally held firearms over a period of many years have not been stolen or lost. In conclusion, the hypothetical (and, in our opinion, untrue) percentage of legal firearms that are lost or stolen would be very low (although every single firearm lost or stolen is a cause of concern) and would not carry the same connotation as the Commission’s generic reference to “almost half a million firearms”.

The Communication does not provide any estimation of the number of illegal firearms in the EU but according to Commissioner Malmström they probably exceed by far 10 million, which,in our opinion, still seems to be a low estimation – in fact, other figures and sources mentioned in the Communication would lead to a much higher number of illegal firearms.

However, if once again we took all this to be true, the accumulative number of civilian firearms that were stolen or lost during a period of several years would currently represent 4% of the number of illegal firearms. If this were true (which we believe is not), the Commission should probably devote its efforts to tackling the source of the remaining (on the basis of its own estimations) 96% of illegal firearms, rather than to proposing additional regulation of lawful ownership.

Even with these purely hypothetical percentages, using the Commission’s own obscure figures, it would be difficult to justify Commissioner Malmström’s statement that “legally owned weapons in the EU continue to feed the illegal market”. Our calculations may have flaws but we are willing to discuss them openly with the Commission, which, unlike us, proposes the rules that will apply to millions of EU citizens. We are also convinced that the true percentages are much lower.

(24. Was, wenn alle von der Kommission vorgelegten Zahlen stimmen?

Nehmen wir an, daß diese Argumentationskette stimmt. Unter dieser Annahme hätte die genaue Analyse der Zahl 421.194 (Anm.: laut Schengen Information System II die Anzahl jener Waffen, die „gestohlen oder verloren wurden, oder die als Beweismittel in polizeilichen Ermittlungen gesucht werden, FN 46 d. Originaldokuments) gezeigt, daß: alle diese Waffen gestohlen oder verloren wurden (und nicht lediglich als Beweismittel in polizeilichen Ermittlungen gesucht wurden); daß diese Zahl nicht jene Waffen einschließt, die letztlich gefunden wurden; und, vor allem, daß diese Waffen nur aus legalem, privaten, Besitz kamen – von jenen Leuten also, auf die sich die Richtlinie bezieht. All das zugrundelegend, müßte man die Zahl 421.194 der von der Kommission geschätzten Anzahl der legalen und der illegalen Waffen in der EU gegenüberstellen.

Die Kommission führt in ihrem Positionspapier aus, daß es „Schätzungsweise 80 Millionen rechtmäßig besessene zivile Schußwaffen in der EU gibt“. Die Kommission gibt für diese Zahl keine Quelle an, uns erscheint sie zu hoch, aber egal, nehmen wir wieder an daß sie stimmt: Selbst in diesem fiktiven Szenario würde die Gesamtzahl der über viele Jahre gestohlenen oder verlorenen Schußwaffen (unter Zugrundenahme der Zahlen der Kommission) gerade einmal 0,5% der derzeit legal in der EU besessenen Schußwaffen ausmachen – mit anderen Worten wären 99,5% der legal in der EU besessenen Schußwaffen über einen Zeitraum von vielen Jahren eben nicht gestohlen oder verloren worden. Daraus folgernd wäre der hypothetische (und unserer Meinung nach falsche) Prozentsatz jener Waffen, die gestohlen oder verloren wurden, sehr niedrig (obwohl jede einzelne solche Waffe eine zu viel ist) und würde nicht dieselbe Konnotation erzeugen wie die von der Kommission genannte plakative „fast ½ Million Schußwaffen“.

Das Positionspapier gibt keinen Hinweis auf die Anzahl der illegal in der EU besessenen Schußwaffen, laut Kommissarin Malmström sind es aber wahrscheinlich weit mehr als 10 Millionen. Unserer Meinung nach ist diese Zahl viel zu niedrig angesetzt – in Wahrheit deuten andere in dem Papier erwähnte Zahlen und Quellen auf eine  weit höhere Anzahl illegaler Schußwaffen hin.

Egal, gehen wir weiterhin davon aus daß das so stimmt: Dann würde die Gesamtzahl der über mehrere Jahre gestohlenen oder verlorenen Schußwaffen gerade einmal 4% der illegalen Schußwaffen ausmachen. Wenn das wahr wäre (was wir nicht glauben), dann sollte die Kommission ihre Anstrengungen wohl besser darauf konzentrieren, den Ursprung der (aufgrund ihrer eigenen Schätzung) verbleibenden 96% der illegalen Schußwaffen zu eruieren, anstatt weitere Restriktionen des legalen Waffenbesitzes vorzuschlagen.

Selbst wenn man diese – durch die suspekten Zahlen der Kommission errechneten – rein hypothetischen Prozentzahlen heranzieht, dann ist es mehr als schwierig die Aussage von Kommissarin Malmström , wonach „legal besessene Schußwaffen in der EU weiterhin den Schwarzmarkt bedienen“, zu rechtfertigen. Unsere Berechnungen mögen Fehler aufweisen, aber wir sind gerne bereit das offen mit der Kommission zu diskutieren. Mit jener Kommission die, im Gegensatz zu uns, die Regeln, die für Millionen von EU-Bürgern verbindlich sein werden, vorschlägt. Auch sind wir davon überzeugt, daß die wahren Prozentsätze wesentlich geringer sind.

Gut durchdacht und schlüssig – also werden Malmström, ihre Hintermänner und ihre Büttel das natürlich ignorieren. In mir hat die FACE aber jedenfalls einen neuen Fan!

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Hinweis:

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(bis Ende Februar 2014)

17 Antworten zu “In your FACE!

  1. Pingback: Einen Bock geschossen | dagarser

  2. Pingback: Si tacuisses … | dagarser

  3. Pingback: Wochenrückblick 8/2014 | dagarser

  4. Wieso sind wir Bürger der EU nicht in der Lage, dieses verlogene Pack zum Teufel zu jagen?

  5. Pingback: In your FACE! | GunNews

  6. Was FACE macht ist wichtig und richtig.
    Wichtiger wäre aber, dass die Verbände aller Mitgliedsstaaten und IG`s aller Mitgliedsstaaten nachziehen und ebenfalls in dieser Form, sehr direkt argumentieren und dies auch öffentlich machen, nicht hinter verschlossener Tür, sondern so, dass jeder mitbekommt, mit welch fast schon kriminellen Vorgehensweisen, die Kommission versucht Gesetze zu erlassen, die am Ende alle betreffen.

    Ziehen die Verbände der Sportschützen nicht nach, läuft man ggf. Gefahr, dass dann die Jäger von Verschärfungen ausgenommen oder weniger stark betroffen sein würden, als Sportschützen oder Sammler.

  7. Sehr Professionell aufgemacht, auch der Einleitungstext, mit dem Hinweis man sei keine Waffenrechtsorganisation. Ich kann mir Vorstellen das FACE auch Unterstützer sucht. Können, GRA, Prolegal,und FACE hier zusammen arbeiten und sich gegenseitig unterstützen, das zahlt sich doch sicher für alle aus

  8. Ist auch bei mir rebloggt. Mal sehen, was sich weiterhin tut.

  9. Ich denke das zeigt deutlich die Wichtigkeit einer Zusammenarbeit der verschiedenen Verbände. Und das nicht nur national (was schon mal ein enormer Gewinn wäre) sondern eben auch EU-weit.
    Leider ist gerade in Deutschland der Blick über den Tellerrand immer noch eher schwierig.
    Vereins und- Verbandskrämerei eben.
    DAS MUSS AUFHÖREN!
    Genau wie die Teilnahmslosigkeit Vieler.
    Ich sehe es aktuell im Kreise der Jäger und Sportschützen .

  10. Hat dies auf pwaldi rebloggt und kommentierte:
    Man sieht wie wenig Ahnung die EU-Bürokraten haben wenn man in Betracht zieht das sie mit ihrer eigenen Argumentation ihr eigenes Anliegen selbst zerlegen.
    Das Schlimmste ist jedoch das sie so ignorant und selbstgefällig sind, das es ihnen egal ist. 😦

  11. Warten wir ab, was daraus wird.
    Jeder noch so leise Kommentar bezüglich dieser Thematik wird von den Medien als „erbitterter Widerstand der mächtigen Waffenlobby“ propagiert – das ist ja schon seit Jahren so.

    Ich traue Malmström und ihrer Verbrecherbande nicht weiter, als ich sie werfen kann und wenn unsere Qualitätspolitiker sich von denen einlullen lassen, bestätigt das nur die Untauglichkeit unserer Volksvertreter.
    Wir kennen die Zahlen und wisse, dass Malmström günstigstenfalls lügt, dass sich die Balken biegen.

    Was wir hier aktuell erleben ist ein Meisterstück verlogener Hetzpropaganda, das in die Geschichte eingehen wird – ob als Misserfolg für Malmström oder als Grundsteinlegung für eine Totalentwaffnung Europas und damit dem Beginn einer gänzlich neuen Qualität großflächig angelegter Diktatur, wird sich zeigen.

  12. …nach wie vor, gehe ich davon aus, dass Aktionismus, mangels anderer Profilierungsmöglichkeiten, der wahre Grund dieser Dame ist und Waffen sind eben immer ein dankbares Thema für politische Nullen.
    Je dümmer, desto sturer – siehe andere Grüne und Rote überall – Mahü….
    Deshalb glaube ich, dass Argumente da nicht greifen, denn um diese geht es überhaupt nicht.
    Wählen – richtig Wählen, damit dieses Gesindel nichts mehr zu sagen hat….

  13. Pingback: In your FACE! | GunNews

  14. Hat dies auf Katja Triebel rebloggt und kommentierte:
    Eine bemerkenswerte Stellungnahme der FACE zu den Entwaffnungsplänen der EU-Kommission mit einem Kommentar von mir zur Diebstahl-Studie in Schweden.

    Für Deutschland gehe ich von ähnlichen Erkenntnissen aus. Leider haben wir nur reelle Daten aus Berlin (2003-2010) und von 1999 und 2000, bevor die Tresorpflicht Gesetz wurde. Hier auf Seite 1 und 5 mit Links zum Berliner Senat und Bund.
    http://www.triebel.de/2011/Evaluation-Waffenrecht-Berlin.pdf

  15. Passend dazu eine Studie aus Schweden, wo der Diebstahl von legalen Waffen untersucht wurde.

    Abstract: Strenge Vorschriften für die sichere Lagerung sind ein Grundpfeiler des schwedischen Waffenkontrolle. Der Grund ist, dass durch die Begrenzung der Anzahl von Waffen, die ein lizenzierter Waffenbesitzer besitzen darf und die Auflage, von ihnen zu verlangen, ihre Waffen in Waffenschränken aufzubewahren, verhindert werden soll, dass diese Durch Diebstahl in die Hände von Kriminellen gelangen. In diesem Papier haben wir zum ersten Mal die Diebstähle von Kurz- und Langwaffen in Schweden untersucht.

    Wir haben alle gemeldeten Diebstähle Waffe (n = 3336 ) in Schweden zwischen 2003 und 2010 und in der Grafschaft von Stockholm für den Zeitraum 1995 bis 2010 untersucht.
    Wir haben festgestellt , dass die tatsächliche Diebstähle aus legalem Besitz sehr selten sind, sowohl in absoluten Zahlen als auch im Vergleich zu der Zahl der Waffenbesitzer. Von 2003 bis 2010 wurden im Durchschnitt 269 Waffen bei 105 Vorfällen jährlich aus legalem Besitz gestohlen. Der Diebstahl von Schusswaffen entspricht damit etwa vier Promille aller Einbruchdiebstähle in Wohnungen, während 16% der schwedischen Haushalte haben Waffen .

    Die meisten gestohlen Schusswaffen waren ordnungsgemäß in Waffenschränken aufbewahrt worden. Im Berichtszeitraum haben sich die Diebstähle von ordnungsmäßiger Lagerung um fast 100% erhöht.

    Unsere Studie zeigt, dass die häufigste Methode des Diebstahl ( 53,2 %) den gesamten Tresor betrifft. Bei 35% konnte der Einbrecher mit einem gefundenen Schlüssen den Tresor öffnen, bei 11,2% wurde der Tresor aufgebrochen. In einem einzigen Fall wurde das Schloss des Safes „geknackt“. Von der Art der Einbrüche können wir auch ableiten, dass nur wenige Diebstähle ausdrücklich auf die Aneignung von Waffen ausgerichtet waren, sondern die Einbrecher im Allgemeinen nach Wertsachen gesucht hatten.

    Wir haben auch festgestellt , dass die offiziellen Berichte über Diebstähle Pistole schwerwiegende Fehler aufweisen, z. B. wurden in 16% der Polizeiberichte über Schusswaffendiebstähle keine moderne erwerbspflichtige Schusswaffe gestohlen wurde.

    http://www.pistolskytteforbundet.se/objfiles/2/Safekeepingandt_-921530583.pdf

  16. Wer hätte das gedacht–„in your face“!Super Aktion! Das gibt uns doch noch Hoffnung auf ein Einlenken-oder etwa nicht?

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